Need for Speed: Hot Pursuit Remastered - Eine Neuauflage, die niemand braucht

Test David Benke
Need for Speed: Hot Pursuit Remastered - Eine Neuauflage, die niemand braucht
Quelle: Electronic Arts

Seit Jahren wünschen sich Need-for-Speed-Fans ein Remaster von Klassikern wie Underground 2 oder Most Wanted. Nun hat Publisher EA endlich ein Einsehen und kredenzt Spielern tatsächlich eine Neuauflage, hat sich mit Hot Pursuit nur leider für den komplett falschen Serienteil entschieden. Trotz entsprechender Enttäuschung haben wir uns das Rennspiel trotzdem mal zu Gemüte geführt und klären im Test, ob er eingefleischten Arcade-Racern nicht vielleicht doch etwas zu bieten hat.

Im Laufe ihrer gut 25-jährigen Lebensgeschichte hat die Need-for-Speed-Reihe nun schon einiges durchgemacht: In den 90ern ursprünglich mal als rasantes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Rasern und Polizisten gestartet, entwickelte sie sich über die Jahre hinweg erst zum Untergrund-Tuning-Paradies, dann zur seriösen Renn-Simulation und schließlich sogar zum weltumspannenden Racing-MMO. In diesem Jahr versucht sich die Serie nun erneut an etwas komplett Neuem, indem sie nochmal etwas komplett Altes ausprobiert. Mit Need for Speed: Hot Pursuit Remastered erscheint nämlich die erste originalgetreue Neuauflage eines NfS-Klassikers.

Diese Entscheidung sorgte bereits zur Ankündigung vor gut einem Monat für Stirnrunzeln: Warum hat sich Publisher EA ausgerechnet für Hot Pursuit und nicht einen anderen Teil entscheiden? Um das zehnjährige Jubiläum des Originals zu feiern? Oder zu Ehren von Entwickler Criterion Games, der die NfS-Serie zu Beginn dieses Jahres wieder von Ghost Games übernahm? Über die Gründe lässt sich weiterhin nur mutmaßen. Tatsache ist: Das Remaster erschien bereits am 6. November für PC, PS4 sowie Xbox One und will dabei sowohl Fans der Urfassung als auch Neulingen ein spaßiges Rennerlebnis bieten.

Hinweis: Need for Speed: Hot Pursuit Remastered (jetzt kaufen 29,99 € ) erscheint am 13. November 2020 auch für die Nintendo Switch. Testeindrücke und Wertung reichen wir zu gegebenem Zeitpunkt nach!

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Burnout trifft Need for Speed

Im Fokus von Hot Pursuit standen und stehen ein paar Neuerungen, durch die nun auch Action-Fanatiker mehr auf ihre Kosten kommen sollen: Entwickler Criterion Games, bekannt durch die Burnout-Reihe, hat sich stark von seinen vorherigen Werken inspirieren lassen und viele Elemente des Karambolage-Klassikers mit in sein neues Projekt übernommen. In der Praxis bedeutet das: Im neuen Need for Speed fliegen ordentlich die Fetzen! Ein ausgefeiltes Schadensmodell dürft ihr euch deshalb aber noch lange nicht erhoffen. Kratzer, gesprungene Scheiben und flatternde Heckschürzen sind auch hier das höchste der Gefühle. Die kommen durch Takedowns und Crashes in Zeitlupe dafür aber echt spektakulär zustande.

Need for Speed: Hot Pursuit Remastered im Test. (4) Quelle: EA Need for Speed: Hot Pursuit Remastered im Test. (4) Dazu gesellt sich das serientypische Arcade-Gameplay: Ein realistisches Fahrverhalten gibt's nicht, dafür rasanten Rennspaß mit Adrenalin-Garantie. In Hot Pursuit pfeift man auf Schickimicki-Kram wie Reifenabrieb, Benzinverbrauch, Aerodynamik oder Wettereinflüsse. Ob es nun regnet oder die Sonne scheint, ob ihr über Asphalt oder Dreck rast - das macht gefühlt gar keinen Unterschied. Wichtig ist bloß Gas geben und geschickt um die Kurve driften. Eure zwei besten Freunde sind dabei die Handbremse und der Knopf zur Lachgaseinspritzung. Um die Aufzufüllen, schlängelt ihr euch durch den Gegenverkehr, verursacht Beinahe-Unfälle oder lauert im Windschatten der Gegner. Das macht die Rennen nochmal deutlich intensiver. Und wenn ihr in Höchstgeschwindigkeit um eine Spitzkehre schlittert, während im Hintergrund laut Pendulum im Radio ballert, dann ist das auf jeden Fall echt unterhaltsam.

Nur anspruchsvoll wird Hot Pursuit beim besten Willen nicht. Es gibt keine abschaltbaren Fahrhilfen, keine Auswahlmöglichkeiten bei Traktions- oder Stabilitätskontrolle, nicht mal manuelle Schaltung! Eure Karosse klebt also auch bei 300 Km/h noch auf der Straße wie Kaugummi an der Schuhsohle. Auch das Fahrverhalten der KI-Raser ist weit weg von Realismus. Da es keine unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade gibt, hilft ein fieser Gummibandeffekt dabei, die Rennen spannend zu halten. Selbst wenn ein Konkurrent also aus eigenem Unvermögen in die Leitplanke crasht, dürft ihr ihn alsbald wieder im Rückspiegel begrüßen. Unschön.

Oh wie schön ist Seacrest County!

Etwas hübscher gestaltet sich die Spielwelt von Hot Pursuit: Der fiktive Bundesstaat Seacrest County, angelehnt an die US-Westküste, bietet einen spannenden Mix aus den Strandpromenaden Kaliforniens, den Wäldern Oregons und den Berglandschaften Washingtons. Hier wird also durchaus Abwechslung geboten. Nur besonders lebendig wirkt die Umgebung leider nicht: Wenn ihr die Karte im optionalen Freie-Fahrt-Modus erkundet, müsst ihr schnell feststellen wie leer sie ist. Hier und da begegnen euch mal ein paar KI-gesteuerte Verkehrsteilnehmer, außerdem könnt ihr euch an den neuen Herausforderungen wie "Fahre 15 Minuten bei Höchstgeschwindigkeit" versuchen oder den Fotomodus ausprobieren. Sonst gibt es aber nicht viel zu sehen: keine Sammelgegenstände, keine Aktivitäten, keinen Tag-Nacht-Rhythmus, kein dynamisches Wetter.

Need for Speed: Hot Pursuit Remastered im Test. (6) Quelle: EA Need for Speed: Hot Pursuit Remastered im Test. (6) So liegt das Hauptaugenmerk auf der Karriere. Die erzählt zwar keine mitreißende Geschichte, wartet dafür aber mit über 120 Rennevents auf, die auch die Strecken der fünf DLC-Packs des Originals enthalten. Auf denen kämpft ihr in Rennen, Duellen und Zeitherausforderungen um Medaillen - Standardkram eben - oder aber ihr liefert euch in den namensgebenden Hot Pursuits Verfolgungsjagden zwischen Rasern und Cops. Hier kommen auch Hilfsmittel wie Nagelbänder oder EMPs zum Einsatz, mit denen ihr euch Gegner vom Hals halten könnt. Das erinnert ein wenig an die verrückten Power-Ups aus Blur und wirkt in unseren Augen schon fast etwas zu sehr auf Action getrimmt. Nett ist dagegen die Möglichkeit, diese Veranstaltungen auch aus der Polizei-Perspektive spielen zu können, das Blaulicht anzuschalten und eigenhändig Straßenrowdys aus dem Verkehr zu ziehen.

Wohl dem, der Freunde hat

Dazu gesellt sich noch die Multiplayer -Komponente von Hot Pursuit Remastered: Im klassischen Mehrspielermodus tretet ihr plattformübergreifend gegen andere Fahrer an, neuerdings auch in den zwei neuen Spielvarianten "Alle gegen Alle" und "Meistgesuchter". Mit dem Autolog steht euch zudem eine Art soziales Netzwerk für Need-for-Speed-Spieler zur Verfügung, das euch über die Aktivitäten eurer Kumpels benachrichtigt. PorscheProll69 hat eure Bestzeit unterboten? Dann ab auf den Asphalt und zeigt ihm, wer der wahre König der Straße ist! Im Prinzip ist das eine gute Idee, um den Wettkampf zwischen Freunden anzuheizen - vorausgesetzt ihr habt welche. Denn wenn ihr der einzige eures Bekanntenkreises seid, der Hot Pursuit besitzt (so geschehen während unseres Tests), dann halten sich die Vorteile des Autologs in Grenzen. Da wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, eine Art Plattform einzuführen, auf der man sich mit allen Spielern der Welt messen kann.

Need for Speed: Hot Pursuit Remastered im Test. (2) Quelle: EA Need for Speed: Hot Pursuit Remastered im Test. (2) So bleibt als einziger Anreiz fürs Rennfahren nur der Gewinn von Kopfgeld, mit dem ihr neue Fahrzeuge freischaltet. Tunen dürft ihr die allerdings nicht. Zum Launch steht es euch lediglich frei, eure Boliden mit Hilfe des Farbmischers in unterschiedlichen Tönen zu lackieren. Das ist ein ordentlicher Schritt zurück im Vergleich zum letztjährigen Need for Speed: Heat, in dem ihr noch die volle Kontrolle über Look, Handling und Leistung hattet. Immerhin der Umfang des Fuhrparks ist beachtlich: Insgesamt sind über 70 Karossen am Start, die ihr in der Garage bewundern oder euch anhand freischaltbarer Videoclips näher vorstellen lassen dürft.

Ist das schon alles?

Dabei fällt auch nochmal die optische Überarbeitung von Need for Speed: Hot Pursuit Remastered auf - wenn auch nur minimal. Ja, die Macher haben an ein paar Stellschrauben gedreht, höher aufgelöste Modelle, Schatten und Spiegelungen, mehr Umgebungselemente, verbesserte Texturen und eine größere Sichtweite eingebaut. Die Racing-Action auf PC und Pro-Konsolen bei 60 FPS und in 4K zu erleben, ist ebenfalls eine nette Sache. Sonst springen aber eben nur wenige nennenswerte Unterschiede im Vergleich zum Original ins Auge.

Was uns dann wieder zur Anfangsfrage zurückbringt: Warum haut EA ein Remaster von Hot Pursuit raus? Die Antwort bleibt auch nach unserem Test noch immer schleierhaft. Klar die Neuauflage ist unterhaltsam, aber auch keine spielerische Offenbarung. Das Autolog-Feature ist nett, aber nicht wirklich ausgereift. Die Grafik ist hübsch, kann mit heutigen Standards aber nicht mehr mithalten. So bleibt der Titel nicht mehr als ein 30 Euro teurer Lückenbüßer, der uns die Zeit bis zum nächsten Need for Speed vertreiben soll - dabei aber nur bedingt Erfolg hat.

Meinung

Wertung zu Need for Speed: Hot Pursuit Remastered (PC)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Need for Speed: Hot Pursuit Remastered (PS4)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Need for Speed: Hot Pursuit Remastered (XBO)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Spaßiges Arcade-Racing-GameplaySpektakuläre Crashes und Takedowns4K und 60 FPSÜber 120 RenneventsÜber 70 KarrenCop-Perspektive bringt frischen Wind ins SpielOriginal-DLCs im Spiel enthaltenCrossplayInteressantes Autolog-Feature
Leere SpielweltKeine Fahrhilfen oder andere AnpassungsmöglichkeitenKaum herausforderndNerviger GummibandeffektKein dynamisches Wetter / Tag-Nacht-RhythmusKeine globalen HighscoresKaum Tuning-OptionenNur wenige optische Unterschiede zum Original
Fazit

Need for Speed: Hot Pursuit Remastered ist ein etwas aus der Zeit gefallener Arcade-Racer, der einem dennoch einige Stunden Spielspaß bereiten kann, wenn man nicht mit zu hohen Erwartungen an ihn herangeht.

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