Ninja Gaiden Sigma im Gamezone-Test

Test Denis Brown

Selten lagen Lust und Frust so nah beieinander wie bei diesem knallharten PS3 Action Adventure für echte Profis.

Eine Frage der Ehre

Ninja Gaiden Sigma Ninja Gaiden Sigma Viele Durchschnittsspieler wären wahrscheinlich bereits an dieser Stelle dazu geneigt, die Flinte ins Korn zu werfen, wenn nicht noch ein alternativer, leichterer Schwierigkeitsgrad angeboten werden würde, der aber auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Ähnlich wie bei Devil May Cry bekommt man nach einer gewissen Anzahl an Bildschirmtoden nämlich die Frage gestellt, ob man den "Pfad der Ninja" verlassen möchte, was auf den ersten Blick wie eine umgekehrte Fragestellung zur implementierten Continue-Funktion klingt und somit in der Regel verneint wird. Tatsächlich ist dies jedoch der Zugang zu einem leichteren Schwierigkeitsgrad, in dem ihr nicht nur stärker seid, sondern auch mit Rationen zur Heilung versorgt werdet. Wirklich leicht wird Ninja Gaiden Sigma dadurch zwar nicht, aber immerhin etwas fairer und besser spielbar. Zwar wird man anschließend von der Nebenfigur Ayane zum Schwächling erklärt, aber lieber ein Schwächling als permanent tot.

Sei es drum, zumindest sinkt der Grad der Frustration dadurch um ein ganzes Stück, denn immerhin könnt ihr es nun mit den vielen Gegnern aufnehmen, die zwar immer noch nachwachsen, sobald ihr bestimmte Räume ein weiteres Mal betretet, aber dafür viel weniger Trefferpunkte vorweisen können. Trotzdem ärgert man sich noch über viele Stellen, in denen nicht nur die Überzahl der Feinde, sondern auch die schlecht positionierte Kamera einem einen Strich durch die Rechnung macht, denn neben eurer Kampfmoral wird auch euer Geschick bei so mancher Sprungakrobatik gefordert. So kann Ryu sich zum Beispiel auf Knopfdruck von Wänden abstoßen, um höher gelegene Ebenen zu erreichen. In engen Räumlichkeiten scheint eine gute Koordination jedoch fast unmöglich, denn die Kamera zoomt derart nah an euren Charakter heran, dass ihr nicht in der Lage seid, die Umgebung zu erkennen. Hier hilft zwar ein kurzer Schwenk in die implementierte Ego Perspektive, doch könnt ihr euch in dieser ja nicht richtig bewegen.

Last-Gen durch und durch

Ninja Gaiden Sigma Ninja Gaiden Sigma Generell leidet Ninja Gaiden Sigma an vielen kleinen Krankheiten, die man in der letzten Konsolengeneration noch zähneknirschend akzeptiert hätte, heute aber einfach nicht mehr angebracht sind. Warum man z.B. nicht jederzeit ins Item-Menu umschalten kann, um sich einen Heiltrank zu gönnen, dürfte wohl ewig ein Geheimnis der Programmierer bleiben, und so sterbt ihr manchmal mitten im Gefecht, während ihr verzweifelt auf dem Start Button herumhämmert. Zugriff auf dieses habt ihr nämlich nur dann, wenn ihr gerade keine Aktion ausführt. Sowas ist absolut unnötig, erst recht, weil man einem Spiel wie Ninja Gaiden Sigma sowieso keinen Realismus oder ähnliche Motivationen für einen solchen Lapsus zusprechen kann. Dazu gibt es viel zu viele videospieltypische Zusammenhänge, wie z.B. Fässer, die bei Beschuss mit einem Pfeil explodieren. Man hat manchmal das Gefühl, dass Team Ninja den Spieler einfach nur ärgern möchte, denn auch wenn ihr neuerdings per Steuerkreuz auf manche Tränke zugreifen könnt, hilft euch das nicht immer, denn wer sich auf Ayanes Rationen verlässt, muss letztendlich doch ins Item Menu und begegnet noch immer dieser Problematik

Ninja Gaiden Sigma Ninja Gaiden Sigma Das betrifft auch die neuen Zusatzlevel mit der Dämonenjägerin Rachel, die mehr als sporadisch zusammengeschustert wirken. Die Grafik ist in den drei neuen Zusatzkapiteln noch einfacher als in den restlichen Level, die sowieso schon ohne wirklich auffällige Änderungen aus dem Xbox Original entnommen wurden. Obendrein warten diese noch mit kurzzeitig eingeschobenen Ladezeiten auf, was ganz deutlich beweist, dass Ninja Gaiden Sigma meilenweit von einem optimierten Spielvergnügen entfernt ist, und die Hardware der Playstation 3 nicht auszuschöpfen weiß. Besonders anspruchsvoll sind die neuen Level sowieso nicht, denn einerseits sind sie recht kurz, andererseits werden euch dämonischer Gegner geboten, deren Gestaltung ziemlich unfertig wirkt. Hauptsache man bekommt ein paar halbnackte Brüste zu sehen, die (typisch Team Ninja) noch am aufwändigsten animiert wurden, aber in Bewegung eher wie Wasserballons wirken und nicht organisch rüberkommen. Man fragt sich manchmal, ob die Programmierer jemals eine weibliche Brust vor Augen hatten. Auch was die Proportionen von Rachels Körper angeht, kommt man manchmal ins Grübeln, denn während Ryu im Charakterdesign recht lebensnah und realistisch rüberkommt, wirkt Rachel wie eine aufgeblasene Gummipuppe, der man eine Axt in die hand gedrückt hat. Ja sogar die Laufanimationen wirken eher belustigend, da sie so läuft, als würde sie sich auf einem matschigen "Trimm Dich" Pfad befinden.

Weiteres zur Technik und Gestaltung

Ninja Gaiden Sigma Ninja Gaiden Sigma Leider sind dies nicht die einzigen Kritikpunke, die anzuführen sind, denn auch akustisch wird die Playstation 3 stark unterfordert. Die selten eingespielte Musikuntermalung will überhaupt nicht auffallen und bei den Soundeffekten herrscht die große Eintönigkeit. Ein gutes Beispiel dafür sind die Bremsgeräusche der Motorräder, auf denen ein paar eurer Gegner fahren. Geräusche ist eigentlich schon ein falscher Ausdruck, denn es gibt nur einen einzigen Sample dafür, der immer aufs Neue abgespielt wird und nicht mal annähernd wie das Bremsen eines Motorrades klingt. Ähnlich verhält es sich mit anderen Soundffekten, die einem nach gewisser Spielzeit einfach auf die Nerven gehen, weil man sie ständig hört. Dazu kommt noch, dass ihr zum Beispiel keine spezielle Animation geboten bekommt, wenn Ryu auf eine Leiter u.Ä. steigt, sondern einfach übergeblendet wird. Heißt also, Ryu verschwindet kurz, um in der nächsten Sekunde wie von Zauberhand auf der Leiter zu stehen. Das ist eigentlich nicht mal Last-Gen, denn so etwas haben wir seit der Playstation 1 nicht mehr auf einer Heimkonsole beobachtet.

Aber auch künstlerisch gibt sich Ninja Gaiden Sigma zwiespältig, denn wer mit dem Stilmix eines Dead or Alive nicht vertraut ist, könnte durchaus geneigt sein, dem Spiel mehrfachen Stilbruch vorzuwerfen. Die Spielstufen unterscheiden sich teilweise so radikal voneinander, dass man sich manchmal fragt, ob noch immer das gleiche Spiel im Schacht liegt. So startet ihr anfangs in einer idyllischen Szenerie, die mit lachsfarbenen Kirschblüten und fernöstlicher Architektur überzeugt, und euch den Eindruck vermittelt, das Spiel fände in einem Fantasy Zeitalter fernab moderner Technik statt. Die bereits erwähnten Ninja Magier und der Feuer Samurai sind jedenfalls ein sehr deutliches Indiz dafür. Allerdings dreht sich dieser Eindruck innerhalb von wenigen Spielstufen um 180 Grad, und spätestens wenn euch Motorrad Samurais mit Maschinenpistolen angreifen, die nicht die geringsten Anstalten machen, Magie einzusetzen, könnten sich einige Spieler wie im falschen Film fühlen. Dead or Alive Fans und Freunde japanischer Genre-Verquirlungen mag dies ansprechen, aber wir bezweifeln, dass Ninja Gaiden Sigma damit alle Gamer begeistern kann, auch wenn sich die kontrastierenden Gegebenheiten in späteren Spielstufen puzzelartig zusammenfügen. In einem storybasierten Adventure zählt nun mal die Kontinuität, die in Ninja Gaiden Sigma leider nicht durchgängig gegeben ist, weil die Übergänge zu grob gestaltet wurden. Hier wäre ein feinfühligeres Vorgehen wahrscheinlich geschickter gewesen. Gerade am Anfang des Spiels, wenn man versucht anhand der wenigen gegebenen Indizien einen Einstieg in die Story zu finden, verwirrt der radikale Wechsel der Schauplätze ein wenig.

Meinung

Wertung zu Ninja Gaiden Sigma (PS3)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Action ohne Endemeist zugängliche und recht präzise Steuerungdichte Atmosphäreeine ansprechende Herausforderung für Hardcore-Gameroptionalerleichterer Schwierigkeitsgradstreckenweise nette Umgebung
Manchmal unbrauchbare Kamerazuckelige 50 Hz Darstellung in Low Res samt Flimmeritisbrutal schwer und teilweise unfairtechnisch unterdurchschnittlichnicht sonderlich einfallsreiche StoryRachel Levels fallen qualitativ stark abviele unnötige Last-Gen KrankheitenZugang auf Itemmenu nicht immer gegebenfür Anfänger absolut ungeeinget
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