Was haben Borderlands, Resident Evil 5+6 sowie Kane & Lynch gemeinsam? Richtig. Alle genannten Spiele sind gute bis sehr gute Vertreter einer sehr beliebten Spielevariante, der MP-Koop-Games. Of Orcs and Men schickt sich nun an, mit dem Duo Arkail und Styx ebenfalls in diese Sparte zu drängen... sollte man meinen. Warum es nicht so ist und von weiteren Fehlentscheidungen, erfahrt ihr im folgenden Test.
Koop: Gemeinsam, einsam
Eine Frage brennt natürlich seit der Einleitung auf der Zunge: Warum? Warum kein Koop-MP? Jeder Gamer weiß: lieber kein MP als ein aufgesetzter MP (Mass Effect 3, wir schauen da in deine Richtung). Aber warum Cyanide bei diesen optimalen Voraussetzungen keinen Koop-MP integrierten, wird wohl auf ewig ihr Geheimnis bleiben. Wir haben 2 grundverschiedene Charaktere, deren Gameplay bzw. Handling sich stark unterscheidet, also warum nur die halbgare Lösung den Spieler wechseln zu lassen, anstatt ihm einen Partner aus Fleisch und Blut an die Hand zu geben? Wenn sich ein Spiel für einen Koop-MP angeboten hätte, dann dieses. Leider nutzt Cyanide diese Chance nicht und präsentiert stattdessen ein Singleplayer-Koop-Spiel.
Wo viel Schatten da auch Licht
Quelle: Videogameszone.de
Of Orcs and Men im Test (4)
Nach all dem fragt man sich zu Recht ob man seine wertvolle Freizeit für die virtuellen Grünhäute opfern sollte. Gibt es wirklich nur Schatten und gar keinen Lichtblick? Doch den gibt es. Was Cyanide in den Kategorien Gameplay und Technik fehlt, das machen sie in der für Rollenspieler wohl wichtigsten Kategorie wieder wett: Charaktere und Story. Bereits A Game of Thrones war technisch sehr durchwachsen und erntete eher durchschnittliche Wertungen aber in einem Punkt waren sich beinah alle Tester einig: Die Story war spitze. Of Orcs and Men ergeht es hier ähnlich.
Wo die Technik noch Luft nach oben lässt, gemessen an den Genreprimadonnen, kann Cyanide bei den Charakteren und beim Storytelling voll überzeugen. Styx und Arkail sind durchweg sympathische Figuren die, obwohl sie Ork und Goblin sind, doch mehr menscheln als so mancher andere Rollenspielprotagonist. Anfangs sind sich die beiden Grünhäute nicht ganz grün, aber im Laufe der ca. 15-20h Haupthandlung kommen sie sich näher, verdienen sich den Respekt des jeweils anderen und werden so zu einem noch schlagkräftigeren Team. Man könnte einfach sagen "die Chemie stimmt".
Auf der einen Seite der direkte, ehrenvolle Kämpfer der sein Herz auf der Zunge trägt auf der anderen Seite der verdrossene, fast bösartige hinterlistige Goblin mit einem dunklen Geheimnis. Oft fühlt man sich an Murtaugh und Riggs (Lethal Weapon Filmreihe) erinnert und kann sich ein schmunzeln nicht verkneifen wenn die beiden sich ihre Wortgefechte liefern.
Generell ist Of Orcs an Men ein recht dialoglastiges Spiel. Oft führt man ellenlange Gespräche mit NPCs, erfährt dadurch mehr über die Welt und auch über die Protagonisten. Außerdem kann man durch die Gespräche auch optionale Nebenaufgaben ergattern die zwar nicht notwendig sind um das Spiel zu beenden, jedoch hilfreich sind um die Charaktere zu leveln und den einen oder andere NPC zu rekrutieren. (Für Achievementjäger: Beinah alle Nebenquests werden mit einem Achievement belohnt, die euch sonst verwehrt bleiben).
Quelle: Deep Silver
Of Orcs and Men im Test (5)
Leider gibt es nur wenige Stellen in den Dialogen die wirklich einen Einfluss auf die Handlung haben. Streng genommen ist es genau eine Stelle bei der man sich entscheiden muss welchem Pfad bzw. welcher Profession man folgen soll woraus neben einem entsprechenden Achievement auch unterschiedliche Bonusskillpunkte resultieren.
Die Handlung verläuft damit so linear wie der Levelaufbau, aber das ist in diesem Fall gar nicht schlecht. Auf diese Weise kann Cyanide eine packendere Geschichte erzählen und eine dichtere Atmosphäre aufbauen als wenn man unzählige Optionen und Handlungsverläufe anbieten würde. Man mag sich jetzt zwar über diese fehlende Wahl und das enge Storykorsett beschweren aber wenn man sich darauf einlässt wird man schon nach kurzer Zeit gefangen in einer Geschichte die alles beinhaltet was das Rollenspielerherz sich wünscht....Ehre, Verrat, Intrigen, Völkermord, Sklaverei, Rache, illegale Experimente an Lebewesen, Magie, ja sogar der Ausflug in das Unterbewusstsein eines Orks und eines Goblins...welches andere Rollenspiel kann das schon von sich behaupten.
