Overlord ist der unkonventionellste und unterhaltsamste Ausflug in die dunkle Seele des Fantasyfreunds seit Dungeon Keeper.
Etwas angestaubt aber mit Charme: Die Technik
Overlord
Die restliche Technik lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück. Overlord ist hübsch. Alles ist sehr nett im Stile von Fable gehalten, dass heißt, dass einem das "Fantasymäßige" direkt aus dem LCD entgegenströmt und zwar in bunten, aber nicht zu grellen Farbtönen. Das Design passt zu dem augenzwinkernden Umgang mit der Rolle des Bösen wie die Faust aus Auge, jedoch beschleicht einen qualitativ häufig der Eindruck, dass dies alles, in geringerer Auflösung und mit dem Verzicht einiger kleiner Details auch auf der alten Xbox möglich gewesen wäre. Wäre Overlord vor 18 Monaten herausgekommen, hätte es mehr Lob für seine schönen Landschaften und liebevollen Details bekommen, so muss es sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Sichtweite in den Levels sich gelegentlich etwas früh im Nebel verliert, dass die Texturen nicht mehr ganz Zeitgemäß sind und die Polygonanzahl der einzelnen Objekte und vor allem Charaktere höher sein müsste. Oblivion hat uns hier verdorben und diverse Shooter uns endgültig zu Genießern gemacht. Aber trotz der Kritik ist Overlord ein insgesamt schönes Spiel, das mit einem liebevollen Ambiente und detail- wie abwechslungsreichen Animationen, allen voran den um sich wütenden Minions, glänzt. Auch ist es schön zu sehen, dass die großen Gebiete in den Speicher passen, ohne dass ständig nachgeladen werden müsste, was dem Spielfluss ausgesprochen angenehm gestaltet.
Overlord
Der Soundtrack greift ebenfalls ganz tief in die große Fantasyklischeekiste, ohne jedoch etwas Innovatives zu Tage zu fördern. Die im Hintergrund vor sich hinplänkelnden Musikstücke stören nicht, verleiten aber auch nur selten dazu, mal genauer hinzuhören. Omnipräsent sind dagegen die Samples der Minions, die jede gefundene Goldmünze mit einem "For you, Master!" oder "For the Overlord!" quittieren. Diese und fast alle anderen Sprecher wurden gut gewählt, bearbeitet und sind stimmig, leider gibt es aber auch kleine Ausfälle einzelner Charaktere, die im ansonsten hochwertigen Design störend auffallen. Dafür sind die Texte unterhaltsam und witzig ohne in das übertrieben gewollte abzudriften und dies ist schließlich eine Kunst, die leider nur wenige Spiele so gut hinbekommen wie Overlord.
Errata Overlord 360
Nobody's perfect, und da mein Name nicht Nobody ist, bin auch ich nicht vor Fehlern gefeit. Das Gamezone-Mitglied Evil Wraith machte mich netterweise darauf aufmerksam, dass bei Overlord die Steuerung nicht nur fast sondern wirklich genial ist, denn es ist nicht nur möglich, mit einem Druck auf den linken Schulterknopf des 360-Pads die Blickrichtung zu zentrieren, sondern beim Gedrückthalten auch die Richtung frei zu drehen und sogar zu zoomen. Damit ist das letzte Manko der Pad-Steuerung ausgeräumt und Perfektion fast erreicht.
