Meinung: Wieso tierische Begleiter Videospielen guttun ...
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Emotionaler Anker, Unterstützung im Kampf und treuer Wegbegleiter: Tiere machen Spiele besser. Wieso? Das erfahrt ihr in unserer Kolumne!
Nach einem harten Tag auf der Farm kehre ich wieder in mein beschauliches Heim zurück. Ich öffne die Tür, schnaufe kurz durch und freue mich, dass meine kleine Pixelkatze bereits auf mich wartet. Sie macht meine Hütte erst zu einem echten Rückzugsort - und ich grinse jedes Mal, wenn ich sie zusammengerollt auf meinem Bett erblicke oder sie über meinen kleinen Bauernhof stromert.
Natürlich habe ich meinen regulären Redakteursjob noch nicht zugunsten üppiger Felder und Wiesen eingetauscht. Ich spreche von meinem Wohlfühlspiel schlechthin: Stardew Valley. Nicht nur, dass mich die virtuelle Arbeit auf der Farm entspannt - gerade die Tiere spielen bei der relaxten Atmosphäre des Bauernhofabenteuers eine große Rolle.
Tiere und tierische Begleiter sorgen in Computer- und Videospielen stets für eine ganz besondere emotionale Verbindung. Sie sind oftmals wichtigere Bezugspersonen als die vermeintlichen Hauptdarsteller selbst. Und nicht selten sind sie es, die uns zum Lachen oder auch zum Weinen bringen.
Eine übergroße Katze
Ich bin selbst seit inzwischen über 13 Jahren stolzer Katzen-Papa. Vielleicht bin ich gerade deshalb ein wenig sensibler und falle auf tierische Unterstützung besonders leicht herein. Meine lebhaftesten Erinnerungen an einen "katzischen" Begleiter habe ich sicherlich dank des PS4-Action-Adventures The Last Guardian. Okay, Trico ist jetzt keine Katze im eigentlichen Sinne. Aber das Fabelwesen bringt alle Tugenden der schnurrenden Vierbeiner mit - im positiven wie im negativen Sinne.
Quelle: Moby Games
Er hat den Körper eines Greifs, sein Kopf erinnert an einen Welpen und sein Verhalten an eine Katze: Trico aus The Last Guardian bringt einfach alles mit, was ein tierischer Begleiter benötigt.
Tricos Körper erinnert an einen Greif, sein Kopf und sein Verhalten ähneln jedoch einer Katze. Und das macht ihn so unglaublich niedlich und sympathisch! Allerdings benimmt er sich auch manchmal genauso unbeholfen und rücksichtslos wie eine echte Mieze. Während ich also einen kleinen Jungen steuere, schubst mich das Biest ein ums andere Mal aus dem Weg oder sogar in den Abgrund. Doch kaum schaut mich Trico dann wieder mit seinen Kulleraugen an, kann ich ihm einfach nicht mehr böse sein. The Last Guardian ist ein emotionales Meisterwerk, das ohne die innige Beziehung zwischen Trico und dem Spieler nicht funktionieren würde. Trico ist in diesem Fall weit mehr als ein Begleiter. Er ist die wichtigste Identifikationsfigur im Spiel und dadurch der klare Hauptdarsteller - auch wenn er sich manchmal wie ein Arsch verhält.
Aber mal ehrlich: Das machen sehr viele Katzen in der Realität auch. Und genau für diese Eigenheiten lieben wir sie doch, oder? Katzen finden sich übrigens in ausgesprochen vielen Spielen wieder. Allen voran natürlich die Palicos in Monster Hunter World oder gar die katzenartigen Kilrathi aus der Wing-Commander-Reihe.
Quelle: Moby Games
Dogmeat ist ein treuer Begleiter und taucht unter anderem auch im Strategiespiel Fallout Shelter auf. In Fallout 4 (Bild) unterstützt euch der Kläffer sogar im Kampf.
Die Hunde in meinem Leben
Selbstverständlich tauchen in Games nicht nur liebenswerte Fellnasen auf. Immer wieder bekommen wir auch einen Partner mit einer kalten Schnauze zur Seite gestellt. Hunde sind ja bekanntermaßen der älteste und beste Freund des Menschen. Kein Wunder also, dass die Kläffer auch in Spielen immer wieder Erwähnung finden und dort oftmals sogar eine sehr entscheidende Rolle innerhalb des Gameplays einnehmen.
In Far Cry 5 beispielsweise konnte ich neben dem Bären Cheeseburger und dem Puma Peaches (quasi auch wieder eine Katze) den Hund Boomer freischalten. Boomer war ein treuer Begleiter und wies mich im Kampf auf das Eintreffen böser Buben hin. Überhaupt war die Interaktion mit dem Mischling einfach toll. Und wenn ich einmal nichts machte, konnte ich den Guten beobachten, wie er seinen eigenen Schwanz jagte oder anderweitig mit der Spielwelt interagierte. Auch wenn ich bei weitem kein Hundemensch bin, wuchs mir dieser Gefährte schnell ans Herz. Umso trauriger war ich dann zum Ende des Spiels, als er durch meine Entscheidung das Zeitliche segnete. Wer sich in Far Cry New Dawn umschaut, findet übrigens auch das Grab des kleinen Rackers.
Quelle: Moby Games
Machen wir uns nichts vor: Wenn wir uns einen Wingman aussuchen müssten, dann würden wir natürlich einen Kilrathi wählen (Szene aus Wing Commander 3: Heart of the Tiger).
Nicht vergessen wollen wir an dieser Stelle natürlich auch seinen Kollegen Dogmeat, der in der Fallout-Serie einen festen Platz als Begleiter innehat. Vor allem in Fallout 4 leistete mir der Hund Gesellschaft beim Erforschen des Ödlands, apportierte Stöckchen und sorgte gerade durch Gameplay-Aspekte wie beispielsweise das Ausrüsten mit Objekten wie Halsbändern für eine echte emotionale Verbindung. Dogmeat bekam bei mir auch seine eigene Hundehütte. Schließlich hatte er sich diese mehr als verdient!
Ihr seht: Hunde nehmen in Videospielen häufig die Rolle des hilfreichen Kameraden an der Seite der eigenen Spielfigur ein. So scheint es nur passend, dass auch der D-Dog in Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain eine Augenklappe trug und sich so dem Hauptcharakter Big Boss optisch anglich.
Quelle: Moby Games
Auch ein Bär wie Cheeseburger braucht gelegentlich seine Streicheleinheiten. Diese sind eine schöne Abwechslung zum ansonsten sehr actionreichen Gameplay von Far Cry 5.
Ich reite, also bin ich
Doch eine Sache kann man auf Katzen oder Hunden normalerweise nicht: reiten! Lassen wir jetzt mal die Säbelzahntiger aus Far Cry: Primal außen vor, so sind Reittiere wie etwa Pferde meist größer und übernehmen die Rolle des tierischen Transportmittels. Dass dabei die emotionale Komponente nicht zwangsläufig zu kurz kommen muss, zeigen sicherlich allein die unzähligen Mounts in (Online-)Rollenspielen wie World of Warcraft. Für viele Halter sind sie fast so wichtig wie der eigene Charakter selbst.
Wenn ich aber an Reittiere denke, dann kommt mir sofort Plötze aus The Witcher 3: Wild Hunt in den Sinn. Zum einen, weil der Name "Plötze" einfach fantastisch ist. Zum anderen aber auch, weil dieses Pferd oft ungewollt mehr Persönlichkeit an den Tag legt als Hexer Geralt selbst. Plötze machte immer wieder, was sie wollte, tauchte urplötzlich auf und veranstaltete wilde Dinge, die ich so von ihr nicht erwartet hatte. Plötze ist Kult - egal, in welcher Inkarnation. Und wer das gute Tier mal reden hören möchte, dem empfehle ich die Erweiterung Blood and Wine und die Mission "Pferdephantome".
Quelle: Moby Games
Hexer Geralt nennt einfach jedes seiner Pferde Plötze. Und trotzdem besitzt die Mähre eine eigene Persönlichkeit und steht in vielen der Missionen im Mittelpunkt.
Von den Pferden Agro in Shadow of the Colossus und Epona in The Legend of Zelda: Ocarina of Time über Kult-Dino Yoshi in etlichen Mario-Spielen bis hin zu Tails aus den Sonic-Titeln: Ich könnte die Liste mit tierischen Begleitern jetzt nahezu endlos fortsetzen. Doch ich denke, wir sind uns einig: Computer- und Videospiele benötigen mehr als nur einen mutigen Helden in strahlender Rüstung. Oftmals sind es gerade die tierischen Kompagnons, die Spieleerlebnissen erst so richtig Tiefe geben und für bleibende Erinnerungen sorgen. Sei es nun durch ihre pure Niedlichkeit oder eben durch die Gameplay-Möglichkeiten, die sie mit sich bringen.
In diesem Sinne ... ich gehe jetzt wieder auf meinen Stardew-Valley-Bauernhof und füttere meine Hühner!
