Piranha Bytes: Das Ende der Gothic-Macher trifft mich ins Herz

Kolumne Carlo Siebenhüner
Der Sonnenuntergang für Piranha Bytes
Quelle: Piranha Bytes & PC Games

Mit Piranha Bytes geht eines der ältesten Spielestudios Deutschlands. Nach Gothic, Risen und Elex kommt nun das Ende. Warum das Studio sich in eine Ecke manövriert hat, erklärt Carlo Siebenhüner in seinem Abgesang.

Es ist der 20. Januar 2024 und nach der aktuellen Informationslage sieht es schwer danach aus, dass das deutsche Traditionsstudio der Gothic -Erfinder Piranha Bytes, die uns auch Risen und Elex gebracht haben, nach fast 30 Jahren geschlossen wird.

Autounfall in Zeitlupe

Diese News musste ich als langjähriger Fan des Studios erst mal sacken lassen. Wie ein Autounfall in Zeitlupe breitete sich die Sachlage in dieser Woche langsam vor der deutschen Gamingbranche und natürlich auch den Fans aus.

Für ein erstes Stirnrunzeln sorgte bereits über den Jahreswechsel hinweg die Abwesenheit der Piranhas. Normalerweise kamen im regelmäßigen Abstand neue Folgen des Youtube-Formats Piranha Becken TV. Seit Ende November blieben die aus.

Gut, könnte man sich denken, es war Weihnachten. Vielleicht ist auch jemand krank geworden. Passiert halt. Im neuen Jahr fiel dann auf, dass die hauseigene Website nur noch das Logo und das Impressum zeigt - sonst nichts. Auch hier wurde noch argumentiert, dass die ursprüngliche Seite gefühlte 100 Jahre alt war und man sie eventuell endlich mal modernisiert.

Als jedoch der Fördereintrag der deutschen Games-Förderung für Piranha Bytes in der Auflistung des Bundesministeriums für Wirtschaft & Klimaschutz nicht mehr auffindbar war, wurde das Stirnrunzeln größer.

Spätestens am Mittwoch brach der Damm aber durch die Kollegen von The Pod. Die veröffentlichten einen Podcast, in dem sie klipp und klar sagen: Piranha Bytes steht mit einem Bein im Grab. Vielleicht sogar schon mit beiden.

Aber der Reihe nach. Laut The Pod steht Piranha Bytes schon seit November auf der Abschussliste der Embracer Group. Der Riesen-Publisher hat sich in den vergangenen Jahren massenhaft IPs und Studios einverleibt - unter anderem Piranha Bytes mit all seinen Marken. Die wurden dann unter dem Label THQ Nordic geführt.

Ein geplatzter Deal

Letztes Jahr ist dem Unternehmen wohl ein milliardenschwerer Deal kurz vor Abschluss geplatzt. Das, aber auch gefloppte Millionenprojekte wie Saints Row oder Elex 2 haben Embracer in massive finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Im Zuge dessen setzt man großflächig die Axt im Unternehmen an. Bereits letztes Jahr hat Embracer 900 Leute vor die Tür gesetzt und unter anderem die Saints-Row-Macher Volition aufgelöst.

Allgemein versucht man, vorwiegend sehr frühe Projekte und deren Studios abzuschießen, weil die eben noch auf lange Sicht Geld kosten. Da fällt Piranha Bytes mit rein.

Anstatt aber sofort zu schließen, hat THQ Nordic wohl für sein Studio gekämpft und etwas Zeit für Piranha Bytes bei Embracer ausgehandelt. Laut der aktuellen Informationslage hat man die Arbeiten am aktuellen Projekt schon im November eingestellt und die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.

Embracer Logo Quelle: Embracer Group Das hat den Vorteil, dass die Gehälter erst mal vom Staat bezahlt werden - währenddessen konnte PB einen Pitch vorbereiten für einen anderen Investor. Die Kurzarbeit hat aber wohl nicht lange gehalten, denn schon im Dezember wurde im Grunde der gesamten Belegschaft laut The Pod dann doch gekündigt.

Piranha Bytes bemüht sich Stand jetzt wohl weiterhin noch um eine Übernahme. Das Problem ist nur: Wenn schon alle Mitarbeiter gekündigt wurden, dann steht da am Ende nur noch eine leere Hülle hinter dem Namen Piranha Bytes. Die gekündigten Mitarbeiter müssen ja auch schauen, dass sie jetzt an anderer Stelle unterkommen.

Es gab noch einen kurzen Funken Hoffnung, als ein neuer Projektname von Piranha Bytes bei der Games-Förderung des Bundes aufgetaucht ist. Als wir dort nachgefragt haben, hat man uns aber erklärt, dass das nur ein Versehen war.

Die Piranhas haben den Förderantrag unter einem anderen Namen gestellt, als man dann für den Steckbrief auf der Website vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz genutzt hat.

Bildergalerie

Es sieht also alles ziemlich düster aus für Piranha Bytes. Nach all den Infos der letzten Tage habe ich auch keine große Hoffnung mehr, dass da ein Phönix aus der Asche steigt. Denn egal wie, das Studio hat sich meiner Meinung nach in eine Ecke manövriert, aus der es selbst mit einer Übernahme schwer wieder herauskommt.

  1. Seite 1 Piranha Bytes: Das Ende der Gothic-Macher
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  3. Seite 3 Lieber jetzt ein Ende?
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