"Ich will der allerbeste sein, wie keiner vor mir war", so die erste Textzeile der deutschen Titelmelodie zum Anime Pokémon. Aus heutiger Sicht, 14 Jahre nach Erstausstrahlung, wohl so zutreffend wie selten zuvor. Mit den neuen Versionen X und Y, welche genau ein Jahr nach Release der letzten Serienableger auf den Markt kommen, soll der bisher größte Schritt vollbracht und die Marke, 3D sei Dank, in ein neues Zeitalter geführt werden. Dazu bedarf es anscheinend der Hilfe jener Helden, welche den Grundstein für den heutigen Erfolg legten. Meilenstein oder Aktenzeichen XY ungelöst?
Kennern der Serie wird schon vor Einlegen der Cartridge klar sein, dass der Rahmengeschichte seit mittlerweile über einer Dekade keinerlei Kernsanierung widerfahren ist und sich diese Tatsache auch mit X und Y nicht ändert. Als kleiner, wahlweise männlicher oder weiblicher, Niemand aus einem kleinen Städtchen werden wir von einem bekannten Pokémon-Forscher namens Dr. Platan auserkoren und machen fortan die an Frankreich erinnernde Kalos-Region als frisch gebackener Trainer mit großer Bestimmung unsicher. Die alles überstrahlenden Ziele sind dabei ebenfalls unangetastet geblieben: Pokédex füllen, alle Orden sammeln, Champion werden. Nebenher bekommen wir es auch, wer hätte es gedacht, mit Team Flare, einer kriminellen Organisation auf dem Weg zur Weltherrschaft, zu tun.
Zeitlos klassisch oder erschreckender Stillstand?
Quelle: Nintendo
Pokémon X und Y (12)
Zugegeben, schon in der roten und blauen Edition vor vielen Jahren spielten wir nicht wegen der packenden und wendungsreichen Geschichte weiter, sondern weil es Stunde um Stunde mehr Spaß machte 150 Tierchen zu jagen, zu fangen und zu trainieren. Von eben jener Suchtspirale profitiert die Marke als Videospiel noch heute. Veränderungen am oft besungenen, möglichst nicht zu verändernden "Winning Team", sucht man auch in Pokémon X und Y im Detail. Neben der Möglichkeit nun auch den eigenen Charakter mit neuen Frisuren und Klamotten zu individualisieren, dürfen wir in den Typ-Kategorien der Pokémon eine neue Variation begrüßen: Der Feen-Typ. Dieser soll der bisher leicht übermächtigen Drachen-Riege durch starke Effektivität etwas Einhalt gebieten, was jedoch im Spielverlauf mehr nett gemeintes Feature als wirkliche Hilfe ist. Vor allem Serienveteranen dürften sich in X und Y auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten wie Glumanda, Bisasam oder auch Pikachu freuen. Wer alle neuen Kreaturen sein Eigen nennen will, muss auch 2013 fleißig mit Besitzern der jeweils anderen Edition hin und her tauschen.
Quelle: Nintendo
Pokémon X und Y (21)
Alles in allem steckt aber auch in der neuesten Ausgabe das bärenstarke RPG-Grundgerüst, welches jedes Pokémon-Spiel zum Dauerbrenner macht. Wir messen uns wahlweise per Zufallskampf mit wilden Kreaturen oder im Wettstreit mit anderen Trainern und kassieren dafür meist Geld für unser Portemonnaie und Erfahrungspunkte für unsere Taschenmonster. Im Vordergrund steht dabei der stete Levelaufstieg der eigenen Team-Mitglieder, welcher zu neuen, stärkeren Statuswerten, ein bis zwei Entwicklungsstufen, sowie neuen Moves führt. Dabei geht es in den Duellen neuerdings nicht nur in Team-Matches für maximal drei Kreaturen pro Seite zur Sache, sondern auch mal alleine gegen eine komplette Gegnerschar oder in typenbezogene Kämpfe. Letztere sind zwar im Grunde auch nur beschränkte Auseinandersetzungen in etwas anderem Terrain, lockern aber die über die Jahre hinweg etwas festgefahrenen Kampfumgebungen angenehm auf.
Für eine Hand voll Pokémon lässt sich dank seltener Steine eine vollkommen neue Entwicklungsstufe, die sogenannte Mega-Entwicklung, freischalten. Leider bringt diese nach dem ersten Einsatz schon bald eine gehörige Ernüchterung mit sich. Lediglich auf den Kampfeinsatz beschränkt, ist diese auf den ersten Blick übermächtig anmutende Entwicklung für den erfahrenen Trainer lediglich nette Spielerei als taktisch sinnvoll. Auch durch die Tatsache, dass wir diese Mega-Entwicklung nach der Aktivierung beliebig oft anwenden dürfen, sie aber nicht permanent ist, macht sich das an sich wirklich coole Feature beinahe selbst zur Farce. Interessant: Je nach Version sieht die Mega-Entwicklung des selben Pokémons völlig unterschiedlich aus.
Endlich 3D
Quelle: ©2013 Pokémon/Nintendo
Pokémon X und Y (25)
Die größten Veränderungen finden in Pokémon X und Y jedoch unter der Haube statt. Dank der neuen Hardware-Power des 3DS erstrahlt nun das komplette Spiel in einem extrem hübschen und angemessenen 3D-Look der das Spiel endgültig in die aktuelle Generation katapultiert. Vor allem die Modelle der Kreaturen und die liebevoll gestalteten Städte machen einiges her. Der Tiefeneffekt des Displays wird hingegen lediglich in bestimmten Momenten eingesetzt und kann leider an manchen Stellen herbe Ruckler im Spielgeschehen verursachen. In besonders großen Arealen dürfen wir unserem Spielcharakter auch mal aus der Third-Person-Perspektive über die Schulter spähen. So schön der Anblick auch ist und mancher Kameraschwenk begeistern kann, fehlt uns dennoch ein zweiter Stick um jederzeit die Kontrolle über die Kamera zu behalten. Kameraeinstellungen in denen der Spieler auf die Kamera zuläuft ohne zu sehen was dahinter sein könnte sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Der Touchscreen wurde noch passender in das Spielgeschehen integriert. Dank kleinen Minispielen wie PokéMonAmi oder dem Supertraining können wir unsere Wegbegleiter verhätscheln und in den Basiswerten stärken – ideal für zwischendurch!
Was den Sound anbelangt, bleibt der Schuster, wie beim Rest des Spiels, bei seinen Leisten. Ohrwurmlastige Dudelmusik, krachende Effektsounds, quietschige Tonfolgen und seit der ersten Ausgabe unveränderte Tonabfolgen zeichnen das gute alte Klangbild eines jeden Pokémon-Titels.
