Quarantine Zone im Test: Seite 2 - Interessant, aber ausbaufähig

Test Stefan Wilhelm
Quarantine Zone im Test: Seite 2 - Interessant, aber ausbaufähig
Quelle: PC Games

Nachdem wir das Gameplay diagnostiziert haben, stellen wir nun die Prognose: Was funktioniert an Quarantine Zone und wo gibt es Verbesserungspotenzial?

Letztendlich arbeiten wir doch nur eine Checkliste ab und markieren schlicht das, was wir auf unseren Gerätschaften sehen. Mit seiner farblichen Symptom-Codierung übernimmt das Spiel darüber hinaus auch die Entscheidung, wer leben und wer sterben soll. Grauzonen und moralische Dilemmata existieren quasi nicht, außer, wenn uns mal ein unbekanntes Symptom begegnet und wir den Patienten ins Labor schicken müssen, um es unserem Katalog hinzuzufügen.

Dabei wird die Person nämlich in einem Minispiel seziert und getötet - blöd, wenn dann nur eine harmlose Fetteinlagerung die Ursache war, die wir zufällig noch nicht auf der Liste hatten.

Um neue Symptome im Katalog zu vermerken, schicken wir Personen mit unbekannten Krankheitsbildern ins Labor. Dann gilt es, per Laser den Weg zum befallenen Organ freizulegen, ohne dieses zu beschädigen. Quelle: PC Games Um neue Symptome im Katalog zu vermerken, schicken wir Personen mit unbekannten Krankheitsbildern ins Labor. Dann gilt es, per Laser den Weg zum befallenen Organ freizulegen, ohne dieses zu beschädigen. Auch in so einem Fall fällt es aber schwer, die Person nicht nur als bloße Statistik zu sehen, denn allzu viel Menschlichkeit steckt nicht in den generischen Unreal-Engine-5-Charaktermodellen. Kleine Hintergrundgeschichten bringen auch nur die mit, die im Rahmen der täglichen Nebenaufträge erscheinen. Da halten wir nach gesuchten Verbrechern, Schmugglern oder verdeckten Agenten Ausschau, und bekommen vorgegeben, wie wir zu verfahren haben - solange wir aufpassen, gibt's also auch hier nicht viel falsch zu machen.

Sondereignisse, um zwischendurch die Spannung zu erhöhen, gibt es kaum. Ausbrüche innerhalb des Lagers kommen zwar vor, wenn wir einen Fehler machen, sie werden aber nach Tagesende lediglich im Menü abgehandelt und hinterlassen wenig Eindruck. Dabei ist der Wohnbereich sogar begehbar, aber viel mehr als unsere Bewohner anzustarren können wir dort auch nicht tun.

Hier wäre es spannend gewesen, uns gelegentlich mit unvorhersehbaren Situationen zu konfrontieren. Was wäre zum Beispiel, wenn wir die Inspektionen plötzlich mit Zeitlimit abschließen müssten, weil sich ein paar Straßen weiter eine Zombiehorde nähert? Oder wenn einen Tag lang eines unserer Geräte ausfällt, bestimmte Mitarbeiter streiken oder ein dichter Schneesturm zeitweise das Sichten der Patienten erschwert?

Das einzige, was Quarantine Zone diesbezüglich in petto hat, sind gelegentliche Zombiewellen, die wir mit einer übermächtigen Kampfdrohne aus der Luft wegballern. Das sind Passagen, die bereits beim zweiten Mal öde werden, aber immerhin schnell genug vorbei sind, um nicht zu sehr zu nerven.

Die Wellenverteidigungs-Missionen mit der Raketen-Drohne hätte sich das Spiel sparen können, viel mehr, als auf rote Punkte zu klicken,haben wir hier nämlich nicht zu tun. Quelle: PC Games Die Wellenverteidigungs-Missionen mit der Raketen-Drohne hätte sich das Spiel sparen können, viel mehr, als auf rote Punkte zu klicken,haben wir hier nämlich nicht zu tun.

Käferbefall

Wenn doch mal etwas Größeres schiefgeht, dann ist Quarantine Zone meist selbst verantwortlich, denn die von uns getestete Release-Fassung wies noch einige Fehlerchen auf. Teils werden wir trotz gründlichster Untersuchung mit dem Prädikat "Ungenügende Beurteilung" abgewatscht, wodurch uns Punkte für Upgrades flöten gehen. Ob es wirklich ein Bug ist, dass wir manche Infizierte mit unseren Tools nicht aufspüren können, oder ein gewolltes Feature für einen letzten Hauch der Ungewissheit, können wir nicht zweifelsfrei sagen. Nervig ist es aber allemal.

Regelmäßig sind auch die jeweiligen Personen für die tägliche Nebenmission nicht aufgetaucht, oder der dazugehörige Aufgabentext war so fehlerhaft übersetzt, dass wir raten mussten, was nun eigentlich zu konfiszieren ist. Manche Rezensenten auf Steam beklagen sich auch über Softlocks, die den Kampagnenfortschritt blockieren. Solche schwerwiegenden Fehler sind uns beim Durchspielen allerdings nicht begegnet.

Kleine optische Macken gibt es dafür zuhauf, und obwohl die Unreal Engine 5 dem kleinen Spiel einen ordentlichen Look verleiht, machen die Animationen der Figuren das vermutlich nicht allzu üppige Budget offensichtlich.

Nun sind Fehler wie kaputte Diagnosen und dadurch verlorene Menschenleben unschön, aber für das große Ganze auch kein Beinbruch. Trotz seines Themas ist Quarantine Zone nämlich kein stressiges Spiel. Wir bekommen Geld im Übermaß, die Ressourcen sind billig und die kaufbaren Upgrades oft vernachlässigbar, wodurch wir Geldstrafen für Tote und vermasselte Aufgaben locker wegstecken. Nicht einmal die Evakuierungsquote müssen wir zuverlässig halten, um das Ende zu erreichen.

Wir möchten uns nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber wir vermuten, dass diese Person Kontakt mit einem Zombie hatte. Quelle: PC Games Wir möchten uns nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber wir vermuten, dass diese Person Kontakt mit einem Zombie hatte.

Dubioser Spaß für ein Wochenende

Ihre Motivation zieht die Kampagne stattdessen aus den immer wieder freigeschalteten, neuen Werkzeugen und Symptomen. Auf eine makabere Art ist es eben unterhaltsam, den Überlebenden mit allerlei Gerätschaften unter die Haube zu schauen und am Ende über ihr Schicksal zu entscheiden. Hochwertige medizinische Simulationen bekommen wir immerhin nur selten zu spielen, und trotz seiner Macken würden wir Quarantine Zone durchaus als eine solche bezeichnen.

Mal sind die Symptome so auffällig, dass wir den Patienten gleich selbst mit der Pistole von seinem Leid erlösen müssen, mal ist es ein mikroskopisches Virus im Auge oder ein nekrotisches Organ, mal der grünlich schimmernde Handabdruck auf einem Gepäckstück, den wir nur unter UV-Licht erspähen können.

Die Anzeichen für die Zombieseuche sind unterschiedlich genug, dass wir trotz des geringen Anspruchs gerne jeden Überlebenden zu uns hereinkommandiert haben. Sobald alles freigeschaltet und ausprobiert ist, verliert das Checklisten-Abklappern zwar rapide an Reiz, dann seid ihr aber auch bereits acht bis zehn Stunden drin und habt hoffentlich genügend Unterhaltung für eure knapp 20 Euro herausziehen können.

Auch wenn beim Anspruch und der spielerischen Abwechslung noch mehr gegangen wäre, kann das unverbrauchte Prinzip also überzeugen. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler am Ball bleiben und ihre interessante Idee ausbauen. Sei es abgründige Comedy, knallharter Überlebenskampf oder moralisches Kopfzerbrechen: Das Konzept ließe sich in einige Richtungen weiterentwickeln, zum nächsten Simulator-Dauerbrenner oder Pflichttitel reicht es bislang aber nicht.

Meinung

Wertung zu Quarantine Zone: The Last Check (PC)

Wertung:

7.0 /10
Fazit

Wolltet ihr schon immer mal der Kerl in einem Zombie-Film sein, der jemandem einen Scanner ins Gesicht hält und damit über Leben und Tod entscheiden darf? Dann könnt ihr bei Quarantine Zone ein paar interessante Stunden verbringen. Abseits der Untersuchungen fehlt es dem Spiel aber an Komplexität, Abwechslung und Anspruch.

Quarantine Zone: The Last Check ist aktuell für den PC verfügbar und kostet regulär knapp 20 Euro. Besitzer des Game Pass Ultimate oder des PC Game Pass erhalten den Titel ohne zusätzliche Kosten über ihr Abonnement. Vorsicht: Es gibt noch keine Konsolenversion! Bei Spielen mit ähnlichem Titel, die ihr aktuell zum Beispiel im Nintendo eShop findet, handelt es sich also höchstwahrscheinlich um Software-Schrott, der den Hype abgreifen soll.

  1. Seite 1 Wie funktioniert das Gameplay?
  2. Seite 2 Interessant, aber ausbaufähig
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk