An Ryse: Son of Rome für die Xbox One scheiden sich die Geister: Die einen sehen Potential in dem Titel, der die technischen Fähigkeiten der Xbox One präsentiert, die anderen meckern über das lahme Gameplay. Fakt ist: Crytek ist durchaus für Grafikblender ohne viel spielerische Tiefe bekannt. Wir haben den Launchtitel nun selbst gespielt.
Ewiges Buttonmashing ohne Verstand
Quelle: PC Games
Ryse: Son of Rome im Xbox-One-Test (4)
Aber wo Ryse: Son of Rome technisch glänzt und inhaltlich unterhält, da versagt der Titel spielerisch. Als Hack-&-Slash-Fan kann man den Ryse: Son of Rome eigentlich kaum ernstnehmen. Das Gameplay ist viel zu einfach. Crytek ist und bleibt einfach ein Entwicklerhaus, das Technik kann, Inhalt aber eher nicht. Im Angriffssystem fehlen Kombos komplett, stattdessen benutzt man eigentlich nur zwei Tasten. Mit X schlägt man, mit Y bricht man die feindliche Verteidigung mit dem Schild. Eine Taste für Blocken und eine fürs Ausweichen gibt es, das war's. Eigentlich besteht das komplette Kampfsystem an wahllosen Aneinanderreihungen der immer gleichen Angriffe. Man weicht dem initialen Angriff aus, drischt auf den Gegner ein und macht ihn dann mit einem Finisher fertig. Einen Kombo-Counter zeigt das Spiel zwar an, aber die sind nicht mehr als ein Punkte-Multiplikator, der am Ende für mehr XP sorgt.
Die Hinrichtungen sind sowieso ein Witz. Weil sich Spieler und Journalisten auf der E3 darüber beschwert haben, dass Ryse: Son of Rome wie ein durchgehendes Quick-Time-Event aussieht, hat Crytek einfach das Symbol über den Köpfen der Figuren entfernt. Stattdessen schimmert nun eine farbige Aura um die Feinde. Blau steht für X, gelb für Y, mehr Tasten gibt es nicht. Die größte Verarschung haben die Macher aber beibehalten: Egal ob man die QTEs schafft und im richtigen Moment die richtige Taste, irgendeine Taste oder auch gar keine Taste drückt… Den Move führt Marius trotzdem aus. Sogar auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Anstatt die Quick-Time-Events wenigstens spielerisch zu nutzen, reiht man Tasten-Kombos nur aneinander, um am Ende eine bessere Wertung zu erhalten. Wer das Timing beherrscht, schaltet höhere Hinrichtungen damit frei – das wirkt sich aber leider Null auf die Spielmechanik aus.
Quelle: Crytek
Ryse: Son of Rome im Xbox-One-Test (7)
Für ein wenig Abwechslung sorgen Momente, in denen Marius andere Legionäre befehligt, sie etwa zu einem Schildkrötenpanzer zusammenruft. Aber solche Momente gibt es viel zu selten. Den Großteil der Zeit fühlt man sich eher wie ein junger Kriegsgott, der immer wieder gleich aussehende Wilde mit den immer selben Attacken ausschaltet. Das wird mit der Zeit repetitiv und langweilt.
Glücklicherweise ist Ryse: Son of Rome aber kurz genug, damit diese Schwächen nicht zu sehr ins Gewicht fallen. Mehr als zehn Stunden hält das immer wiederkehrende Gameplay nämlich keiner aus. Ein Coop-Modus sorgt nach der Kampagne noch für ein wenig Unterhaltung. Zusammen mit einem Freund kann man online in Arenakämpfen antreten. Das zieht die Spielzeit von Ryse: Son of Rome noch ein wenig in die Länge – aber zum Dauerbrenner macht der Online-Modus das Spiel nicht. Ist man einmal durch und hat sich ein paar Runden durch die Arena geprügelt, kann man Ryse: Son of Rome ruhig ins Regal stellen.
Mikrotransaktionen für die besonders Blöden
Ein Trend macht sich in fast allen Next-Gen-Launchtiteln bemerkbar: Mikrotransaktionen. Auch in Ryse kann man für echtes Geld "Gold" erwerben, das man für Charakter-Attribute und Online-Kram ausgibt. Die lassen sich auch mit "Ehre", der Ingame-Währung, freischalten. Aber wer keine Ehre besitzt (Achtung, Wortwitz!), kann die Brieftasche aufmachen. Das ist, gelinde gesagt, der allergrößte Witz. Wenn es ein Spiel gibt, in das keiner Geld investieren sollte um aufzusteigen, weil es so unheimlich einfach ist, dann ist es Ryse. Für diese Gegenstände echtes Geld zu verlangen, ist einfach nur dreist.
