Wir haben eine weit, weit entfernte Galaxie auf Herz, Nieren und Wookiedichte untersucht.
SWTOR - Star Wars: The Old Republic
Die Frage, die natürlich am meisten interessiert: Wie schlägt sich SW:TOR im Vergleich mit dem Genreprimus World of Warcraft? Ist SW:TOR nur ein WoW-Clone, der sich nur durch das Setting unterscheidet? Nun, das Kampfsystem von SW:TOR und die Bedienung des Spielinterface ist quasi identisch mit Blizzards Topprodukt. Die Einstiegszeit für einen WoW-Veteranen in das Star-Wars-Universum lässt sich in wenigen Millisekunden messen. Doch bereits nach der Charaktererstellung und dem Betrachten der toll gemachten, hervorragend einstimmenden Introsequenzen hebt sich der Herausforderer ab: Statt in schnöden Textboxen die ersten primitiven Sammelaufträge in Bezug auf lila Fledermausflügel und verschmorgelte Pelzreste des mies gelaunten Zottelbären zugewiesen zu bekommen, zoomt die Kamera gleich zu Beginn auf den Spielerhelden heran und eine hervorragend vertonte und gespielte Quest wird präsentiert.
SWTOR - Star Wars: The Old Republic
Bioware hat eines ihrer Versprechen wirklich sehr gut umgesetzt: Jeder Spieler ist ein Held - von Anfang an. Das komplette Spielerlebnis von Level eins bis fünfzig wird von einer umfangreichen, spannenden Klassenquest getrieben, die sich je nach Beruf und Rasse der ausgewählten Figur unterscheidet. Die Präsentation ist beinahe auf der Höhe eines aktuellen AAA-Singleplayer-Rollenspiels - mit der Einschränkung "beinahe" weisen wir darauf hin, dass die komplette Engine von SW:TOR ähnlich wie bei den meisten Genrekollegen so ausgelegt ist, dass auch durchschnittlich bestückte PCs bei der Darstellung nicht ins Ruckeln kommen. Rein technisch gesehen ist die Präsentation also gehobenes Mittelmaß, getragen durch hervorragend umgesetztes Art-Design, das sich dem Star-Wars-Thema sehr glaubwürdig annimmt und eine sehr stimmige Atmosphäre schafft.
Quelle: buffed
SWTOR - Star Wars: The Old Republic
Bei den Unterhaltungen mit den Quest-NPCs können wir verschiedene Dialogoptionen auswählen, die auf den Fortschritt der Geschichte Einfluss nehmen und sich auch auf den Gesinnungswert unserer Figur auswirken. Diese kann übrigens unabhängig davon mehr zu gut oder böse tendieren, egal ob man sich bei der Auswahl der beiden verfügbaren Fraktionen zur Republik (Jedis) oder dem Imperium (Siths) bekennt. Ein entsprechend "guter" oder "böser" Charakter erhält im späteren Spiel Zugriff auf besondere Gegenstände.
SWTOR - Star Wars: The Old Republic
Die Haupt- und auch Nebenquests sind nicht nur fantastisch vertont, sondern zum Großteil auch sehr spannend geschrieben. Oft muss man wirklich überlegen, wie man sich in kritischen Situationen verhalten will - schickt man den ausgebüchsten Knaben, der keinen große Lust auf die Sith-Akademie hat, trotzdem Richtung Korriban und tötet vor seinen Augen seinen Vater, der das verhindern will. Oder lässt man ihn entkommen und lügt die Auftraggeberin (die Mutter!) an? Bringt man den Knaben zu den stets schwer atmenden dunklen Sith-Lehrern, erhält man ein paar Stunden später per Post einen Batzen Credits und eine Danksagung des Sith-Meisters, der bestätigt, mit genug Prügel bringe er dem Jungen schon die (schlechten) Manieren bei. Lässt man den Jungen fliehen, wartet neben guten Gesinnungspunkten später eine überraschende Hilfestellung. Die Geschichten in den Quests sind durchaus erwachsen, es geht neben dem einfachen gut/böse Thema auch mal um Rassismus oder Drogen. SW:TOR ist das erste MMORPG, bei dem uns wirklich Quests auf Dauer im Kopf hängenbleiben und nicht nur eine Entschuldigung zum Köpfen einer bestimmten Anzahl Nasenbären sind.
SWTOR - Star Wars: The Old Republic
Wie gesagt, ihr beginnt und spielt nicht als Niemand im Star Wars Universum, sondern als Held, zu dem die Leute aufsehen und der Verantwortung trägt. Damit diese Illusion gut funktioniert greift Bioware in die technische Trickkiste und präsentiert das Spiel höchst instanziert - sehr häufig baut uns der Spieleserver eine eigene Version der Spielwelt, nur für uns oder unsere Gruppe, damit wir hier ungestört die Story genießen können. Selbst die allgemeine Spielumgebung auf dem Server, wie Städte oder Landschaften, scheinen regelmäßig neue Instanzen zu werfen. Im Vergleich zu WoW tummeln sich damit optisch viel weniger Spieler gleichzeitig auf einem Planeten und damit z.B. auch im Allgemeinen Chat. Während unseres Tests kam es durchaus vor, dass wir, auf einer Raumstation um die Heimat der Hutten kreisend, weder im Spiel noch im Chat andere Menschen getroffen hätten. Wer hier WoW und das bunte soziale Treiben gewöhnt ist, wird sich vielleicht manchmal sogar ein bisschen Einsam fühlen. In den meisten Gegenden ist aber die Spieleranzahl sehr gut ausbalanciert, so dass man auch leicht Mitspieler für Gruppenaufträge findet.
SWTOR - Star Wars: The Old Republic
Apropos Gruppenaufträge. SW:TOR ist eindeutig dafür gemacht, das ganze Spiel durchaus alleine gemütlich erfahren zu können. Im Laufe der ersten Spielstunden erhält man neben einem Raumschiff, mit dem die bekannte Galaxie bereisen kann, auch richtige NPC-Teammitglieder, die einen tatkräftig beim Kampf und in der Geschichte unterstützen. Alle verfügen sie, wie in jedem zünftigen Bioware-Spiel, über eine eigene Hintergrundgeschichte, Nebengefährtenquests und eine eigene Meinung, die sie auch öfters mal lautstark zum Besten geben. Die Teamgefährten sind zur Charakterklasse des Spielers ausbalanciert: Unser Kopfgeldjäger erhält Unterstützung einer jungen Dame, die neben Schaden austeilen auch heilen kann - sehr praktisch. Man kann die Begleiter auch zur Sklavenarbeit verdonnern: Sie schleppen auf Befehl unnützen Kram aus eurem Inventar zum Händler und verwandeln ihn dort in klingende Münze - Torchlight lässt grüßen. Sie übernehmen auch das Crafting - ihr könnt aus einer Reihe Berufe wählen, und dann die eigentliche Arbeit an Eure Raumschiff-WG-Genossen delegieren.
