Saboteur Sean Devlin ist bei uns, trotz einiger Mängel, eingeschlagen wie eine seiner gefürchteten Bomben.
Saboteur
Verschiedene Verstecke dienen dazu um Unterschlupf vor den Deutschen zu suchen, sollte man einmal bei einer der Aktionen auffliegen. Leider geschieht dies recht oft, da die Stealth-Elemente des Spiels nicht hundertprozentig greifen. Zwar kann man jederzeit Gegner überwältigen, um in Verkleidung als Deutscher Soldat oder General hinter feindliche Linien zu gelangen, doch meist fliegt die Deckung sehr schnell auf und man muss zu seiner Tommy Gun greifen, um die heranrollenden Gegnerhorden einfach umzumähen. Manchmal können solche Spielsequenzen recht knifflig werden, da Sean oftmals schnell enttarnt wird und schleunigst flüchten muss. Gelingt es jedoch den Alarm schlagenden Soldaten vorher auszuschalten, könnte man Glück haben und nicht entdeckt werden, doch meist ist die Verstärkung schneller zur Stelle als einem lieb sein kann.
Saboteur
Die Missionen selbst können immer ganz frei und nach Belieben angegangen werden, ganz gleich ob man nun alles im Schleichgang oder im blutrünstigen Rambo-Stil erledigen möchte. Irgendeinen Weg gibt es immer die entsprechende Mission erfolgreich zu absolvieren und in der Story voran zu kommen. Hier hat das Spiel deutliche Stärken, da man manchmal auch gern etwas länger tüftelt, um den richtigen Weg zu finden, damit die Mission galant beendet werden kann. Möchte man die Deutschen dabei verwirren und/oder auf eine falsche Fährte locken, so sprengt man einfach einen in der Nähe geparkten Wagen und lenkt so die Aufmerksamkeit von sich ab. Entdecken umherstehende Wachen Explosionen, Schüsse oder tote Kameraden werden sie sofort aufmerksam und schauen sich genauer an der besagten Stelle um, die man tunlichst umgehen sollte, um Feindkontakt zu vermeiden. Eine gute Möglichkeit unentdeckt ans Ziel zu gelangen bieten hierbei immer wieder die Dächer Paris. Sean ist ein exzellenter Freeclimber und kann an nahezu allen Gebäuden hinaufklettern um die Lage zu sondieren oder heimlich in deutsche Komplexe einzudringen, ähnlich wie Ezio oer Altair in Assassin's Creed. Dadurch ergeben sich natürlich wesentlich mehr Möglichkeiten in Bezug auf die einzelnen Missionen, obwohl es nicht immer sonderlich spannend ist an einer Hauswand hochzukraxeln, das Erfüllen der anstehenden Mission aber mitunter sehr erleichtern kann.
Die schwammigen Pfade des Sean Devlin
Saboteur
Die Steuerung ist definitiv das größte Manko des Spiels, da sich sowohl Devlin als auch die Fahrzeuge nur äußerst schwammig steuern lassen. In Kampfsituationen in denen man seine Fäuste sprechen lassen muss, verkommt Saboteur oftmals zu einem reinen Button-Mash. Eine Lock-On Funktion fehlt nämlich gänzlich und in Verbindung mit der ungenauen und trägen Steuerung ergibt sich hiermit ein unschönes Gemisch an Mängeln. Das bedeutet zwar nicht, dass Saboteur aufgrund der Steuerung unspielbar wird, doch entsteht der Eindruck, als hätte man nicht genügend Qualitätstests durchgeführt um eine reibungsloseren Spielablauf zu gewähren. Natürlich könnte dies damit zusammenhängen, dass Pandemic nicht mehr existiert, die Entwickler das Spiel aber noch unbedingt veröffentlichen wollten und deswegen einige Fehler in Kauf genommen haben, da die Entwicklungszeit zu knapp bemessen war. Sei es drum; Wer sich an die etwas träge Bedienweise gewöhnt hat, der wird sich schon in Paris und Umgebung zurechtfinden, aber Sean, sowie die verschiedenen Vehikel, zu Anfang etwas holprig und eher unbeholfen über das Kopfsteinpflaster der Stadt lenken.
Film Noiré trifft modernen Hollywoodstreifen
In Bezug auf die Grafik muss man den Entwicklern jedoch einfach ein großes Lob aussprechen, auch wenn die visuelle Umsetzung sicherlich nicht zu den Besten gehört. Manchmal muss man eben auch lobend auf Einfälle eingehen, mit denen man sich vom Gro der anderen Spiele abhebt und das schafft Saboteur mit seinem Farbenspiel aus schwarz/weiß und bunten Farbtönen definitiv.
Saboteur
Anfangs ist die Umgebung trist und in schwarz/weiß gehalten, wobei unweigerlich Erinnerungen an die Frank Miller Verfilmung Sin City, aber auch Steven Spielbergs Schindlers Liste wach werden. Während man durch die schwarz/weiße Szenerie streift werden nur einige Details wie z.B. die roten Nazibinden (Wobei die Swastiken in der deutschen Version als einziges zensiert wurden), die gelblich flackernden Straßenlaternen oder das umherspritzende Blut farblich hervorgehoben, wodurch ein ganz einzigartiger Grafikstil entsteht, den man so noch nicht gesehen hat. Wird ein Areal im herrlichen umgesetzten, und vom Krieg gezeichneten, Paris von den Schergen der Nationalsozialisten gesäubert, so verschwindet die weiß/grau/schwarze Tristesse und es kommt sprichwörtlich Farbe ins Spiel. Die Umgebungen verändern sich, als ob ein düsteres Gewitter weichen und der Sonne Platz machen würde. Natürlich ist dieser Übergang von trist ins farbenfrohe sehr symbolträchtig, passt aber hervorragend zur Thematik des Spiels und verleiht ihm eine ganz eigene Note, weswegen der Mut der Entwickler mit einem Extrapunkt in der Wertung belohnt wird, da die besagten Übergänge technisch sehr schön gelöst wurden. Die Kamera liefert zwar nicht immer optimale Einstellungen und muss des Öfteren manuell nachjustiert werden, was dem Spieler in hektischen Situationen natürlich nicht ganz zu Pass kommt, doch dafür bekommt man immer die richtigen Blickwinkel bei den Burlesk-Tänzen geboten, die man sich im VIP-Room anschauen kann. Mit nackter Haut geizt das Spiel wahrlich nicht und präsentiert die ein oder andere ansehnliche Einstellung auf die sekundären Geschlechtsmerkmale der Pariser Damen, während diese sich lasziv auf einem Stuhl oder Tisch räkeln. Ein nettes Bonbon, welches den Spielverlauf allerdings nicht beeinflußt.
Leider bleiben diese "Extras" den Käufern des "Neuspiels" vorbehalten, da sich in der Verpackung ein Download-Code befindet, welcher einige Amüsierdamen und weitere Verstecke in der Stadt frei schaltet. Erwirbt man das Spiel auf dem Gebrauchtmarkt, so ist dieser Code mit Sicherheit schon genutzt worden und man muss entweder auf die zusätzlichen Inhalte verzichten oder kann sich diese auf dem Xbox Live Marktplatz für 400 Microsoft Points nachträglich zulegen. Kein weiterer Kommentar!
