Technisch darf man keine Revolution erwarten, dafür handfestes deutsches Schlagergut.
Das Karaokespiel Singstar gilt mittlerweile als eines der stärksten Zugpferde aus dem Hause Sony. Umso weniger überrascht also die Tatsache, dass dieses Franchise stets gut gefüttert wird, um möglichst viele, große Kartoffeln in Form von hohen Umsatzzahlen, an Land zu ziehen. Und so verwunderte es auch nicht, dass in den vergangenen Wochen und Monaten zahlreiche Singstar-Episoden für die Sony-Konsolen Playstation2 sowie Playstation3 erschienen unter denen sich solch exotische Auflagen wie Disney Songs, Turkish Party oder auch Schlagersongs befanden. Kaufwillige Interessenten, die mal wieder nicht auf Dieter Bohlen's Zug aufspringen konnten, wurden also mit viel Trainingsstoff versorgt um weiter fleißig zu hause das Singen üben zu können. Den Titel Singstar: Schlager haben wir ein wenig genauer unter die Lupe genommen und möchten Euch das Resultat dieses Produktes im folgenden Test natürlich nicht vorenthalten.
Da man die PS2-Singstar-Auflagen mit einem Download-Update nun auch auf der Playstation3 abspielen kann, sollten auch Besitzer der aktuellen Sony-Konsole ein klein wenig hellhörig werden, insofern sie etwas mit dem deutschen Kulturgut Schlager etwas anfangen können.
Das ideale Geschenk für Mami und Papi
Wie der Name Singstar: Schlager ja eigentlich schon verrät, befinden sich auf der DVD ausschließlich Songs, die man diesem, zugegebener Maßen manchmal ein wenig peinlichen, Musikgenre zuordnen kann. Die Bandbreite der Erstveröffentlichung dieser Musiktitel zieht sich dabei über insgesamt vier Jahrzehnte und deckt dabei die Sechziger, Siebziger, Achtziger als auch die Neunziger Jahre ab. Wobei man bei genauerer Betrachtung feststellen wird, dass die meisten Lieder aus den 70er und 80er stammen, auch weil dies wohl die Glanzzeit von Ralph Siegel und Co war. Auf der Playlist befinden sich unter anderen solch Klassiker und Stimmungsmacher wie "An der Nordseeküste" von Klaus & Klaus oder auch Roberto Blanco's "Ein bisschen Spaß muss sein". Für alle die es ein wenig sentimentaler mögen, werden mit "Ein bisschen Frieden" von Nicole oder Michael Holms "Tränen lügen nicht" ein gefundenes Fressen finden. Der letzte große deutsche Schlagergott Guildo Horn wurde dagegen nicht berücksichtigt. Dennoch kann man die Songauswahl als recht ordentlichen Mix der bekanntesten Schlagertitel der letzten Jahrzehnte betrachten. Sprich, es handelt sich bei jedem dieser einzelnen Songs um Titel, mit denen man damals schon von seinen Eltern auf einer Urlaubsreise stundenlang gequält wurde und somit die traumatischen Ereignisse zwangsläufig wieder in Erinnerung gerufen werden.
Die angepeilte Zielgruppe dürfte somit ganz schnell ausgemacht sein, heißt jeder der die goldene Zeit des Schlagers noch selbst mit erlebt hat, beziehungsweise noch heute einen Narren daran gefressen hat, wird sich über dieses Spiel mit Sicherheit wahnsinnig freuen. Somit dürfte Singstar: Schlager wohl vermutlich Hobbysänger ansprechen, die das 40. Lebensjahr überschritten haben und sich gerne an alte Zeiten zurückerinnern. Und genau an dieser Stelle muss Singstar: Schlager ein paar kleine Federn lassen. Denn die Musik- und Titelauswahl ist naturgemäß bei Weitem nicht so breit gefächert, wie beispielsweise bei der Premierenversion oder einem Singstar: Legends, was die potentiellen Käufer aber wohl kaum stören sollte.
SingStar bleibt sich (fast) treu
Am Grundkonzept des Spieles hat sich auch bei SingStar: Schlager nicht viel verändert. Es gilt immer noch, die Töne mittels seiner, mehr oder weniger, begabten musikalischen Stimme genau zu treffen, um dafür mit Punkten belohnt zu werden, die am Ende eines Liedes oder auch eines der insgesamt fünf verschiedenen Themen-Medleys dann den Rang vom Möchtegernsänger bis hin zum Singstar des Einzelnen bestimmen. Wie bei jedem anderen Karaokespiel, so wird auch hier der Text des jeweiligen Titels eingeblendet und mit einem virtuellen farblichen Band versehen, sobald man seinen Einsatz hat. Allerdings erscheinen die Texte im Gegensatz zu den älteren Singstar-Episoden nicht mehr nur am unteren Bildschirmrand, sondern auch am oberen, was speziell im Zweispielermodus eine klare Verbesserung darstellt. Musste der Spieler, dessen Tonlagen am oberen Bildschirm standen, stets mit den Augen hoch und runter blicken, so hat er nun den Vorteil, seinen Liedtext unmittelbar über seiner Tonlagenanzeige optisch serviert zu bekommen. Ebenso gibt es wieder die Möglichkeit im Mehrspielermodus entweder im Duett, im Duell oder im etwas stressigen "Gib das Mikro weiter" Modus zu spielen, beziehungsweise zu singen. Während im Duell jeder um seinen eigenes Punktekonto kämpft, werden beim Duell erneut die Punkte beider Sänger addiert, dann durch zwei geteilt und ein Mittelwert ermittelt, der dann die Rangordnung bestimmt. Selbstverständlich bietet auch diese Singstar-Episode Songs, in denen zwei Stars ein Lied interpretieren. So übernimmt der eine Spieler beim Titel "Schön ist es auf der Welt zu sein" den Gesangspart vom leider viel zu früh verstorbenen Roy Black, während der andere seine Stimme der kleinen Anita leiht.
SingStar Schlager
Mittels linker Schultertasten am Controller können wir zudem die Lautstärke unser eigene Stimmwiedergabe bestimmen (gesungen wird natürlich in die dazugehörigen Mikrofone), sodass Leute, die sich selber nicht so gerne singen hören, hier die eigene Tonlautstärke etwas niedriger einstellen können. Selbstverständlich gibt es auch bei SingStar: Schlager drei verschiedene Schwierigkeitsgrade, wobei die meisten Sänger wohl eher auf den leichtesten zurückgreifen dürften, der laut Sony auch nicht ganz perfekt getroffene Töne noch als richtig bewertet. Aufgrund der relativ einfach gestrickten Songs, die recht schnell in Gehör und somit auch ins Gedächtnis dringen, ist auch der Schwierigkeitsgrad und der Anspruch der meisten Titel als relativ niedrig anzusehen. Vor allem die immer wiederkehrenden Strophenmelodien und Refrains sorgen für diesen Effekt, der speziell bei einer feucht fröhlichen Party herzlich angenommen wird. Womit auch bei diesem Singstarspiel der Solopart ein wenig abfällt und folgerechtlich nicht annähernd für die Stimmung sorgen kann, die man in gemütlicher Gesellschaft genießt. In sämtlichen Wettbewerben wird zudem die Anbindung einer Eyetoy unterstützt, mit der man sein Profilbild hoch laden kann sowie seine Gesangseinlage auch optisch angezeigt bekommt.
