Mit "Sly Cooper: Jagd durch die Zeit" knüpft die Cooper Gang an alte Zeiten an. Die Fortsetzung schafft es aber trotz zahlreichen Neuerungen und unzähligen Charakteren nicht, einen ähnlich bleibenden Eindruck zu hinterlassen wie noch auf der Playstation 2. Weshalb das so ist, erfahrt ihr im Gamezone-Test.
Quelle: Sony
Sly Cooper: Thieves in Time im Gamezone-Test (1)
Mittlerweile über zehn Jahre ist es nun schon wieder her, als Waschbär Sly Cooper zusammen mit seinen Gefährten, der Schildkröte Bentley und dem Nilpferd Murray, das erste Mal der Spielgemeinde seine Künste als cleverer und charmanter Dieb offenbarte. Aus einem mit viel Humor gewürzten Mix aus 3D Jump'n Run und Stealth sowie zahlreichen Mini-Games verzückte das Trio in insgesamt drei Sly Cooper-Auflagen, welche allesamt exklusiv für Sony's Last Gen Konsole Playstation 2 veröffentlicht wurden. Nach langer Abstinenz kehren unsere Helden nun im neuesten Abenteuer "Sly Cooper: Jagd durch die Zeit" auf Playstation 3 und dem Handheld PS Vita zurück. Den passenden Test zur PS3-Variante haben wir im Gepäck.
von Enrico Güttler
Zurück in die Zukunft, im wahrsten Sinne des Wortes
Quelle: Sony
Sly Cooper: Thieves in Time im Gamezone-Test (2)
Eigentlich hatten Sly, Bentley und Murray sich der kriminellen Seite abgewandt und zur Ruhe gesetzt. Während Murray als Destruction Derby Fahrer sein Hobby zum Beruf machte, vergnügte sich Sly die Zeit mit seiner ehemaligen Kontrahentin Carmelita Fox, die immer noch für Interpool auf Verbrecherjagd ging. Lediglich Bentley, der mich irgendwie immer an eine Kreuzung aus Mac Gyver und Egon Olsen erinnerte, tüftelte wie in alten Tagen in seinem Labor zusammen mit seiner reizenden Assistentin Penelope. Doch als der betagt wirkenden Schildkröte eines Tages auffällt, dass das legendäre Buch der Diebes-Familie Cooper sich nach für nach auflöst und somit Sly's Vorfahren in Gefahr befinden, beschließt Bentley seine einstigen Gefährten zusammen zutrommeln und mit einer selbstgebauten Zeitmaschine, für die Murray's heißgeliebter Van herhalten muss, in die Vergangenheit zu reisen. Eine Zeitmaschine? In die Vergangenheit reisen um veränderte Ereignisse zu korrigieren? Hab ich doch schon mal irgendwo schon mal gehört! Richtig, die sehr kitschige und klischeehafte Story erinnert dann doch sehr stark an Robert Zemeckis' "Zurück in die Zukunft", zumal Marty Mc Sly, ähm ich meinte Sly Cooper hin und wieder mit Situationen aus den Filmen konfrontiert wird.
In insgesamt fünf Spielwelten beziehungsweise Zeitepochen, die uns unter anderen in den Wilden Westen, ins mittelalterliche England oder auch ins arabische Königreich versetzen werden, gilt es nun herauszufinden wer hinter dem Verschwinden von Sly's Vorfahren steckt. Nach dem Prolog, der wie üblich in einem Pariser Museum stattfindet und uns mit den Gegebenheiten der gut von der Hand gehenden Steuerung vertraut macht, die uns noch genau so elegant klettern und schleichen lässt wie zu guten alten PS2-Tagen, stürzen wir uns also nun in offene Spielwelten, welche dem Spieler erlauben sich frei in der Umgebung zu bewegen. Das Missions-Design sollte all denjenigen, die schon einmal einen Sly-Titel gespielt haben, ebenfalls vertraut sein. Ferner gilt es mit dem Waschbär Sly zuerst wichtige Ziele zu analysieren, um später dann in klassischen 3D Plattformwelten die einzelnen Gebäude der jeweiligen Map zu betreten, gegebenenfalls Schlüssel zu stehlen, Personen zu folgen und und und. Das Voranschreiten in den Spielabschnitten mit Sly gestaltet sich dabei ebenso einfach, wie anschließend mit dessen Vorfahren, in deren Haut wir schlüpfen werden. Dies liegt zum einen daran, dass die wie immer sehr skurril gestalteten Wachen, mit der gleichen KI programmiert wurden, wie schon vor zehn Jahren, zum anderen gönnt uns das Spiel an jeder kleinsten Stelle des Spieles einen Kontrollpunkt, dies gilt auch für die etwas anspruchsvolleren Endboss-Kämpfe.
… doch das ist (fast) alles nur geklaut !
Quelle: Sony
Sly Cooper: Thieves in Time im Gamezone-Test (3)
Wie bereits angedeutet, werden wir erstmals in einem Sly Cooper Titel, in die Rolle von insgesamt neun Charaktere schlüpfen, denn neben Sly, Bentley, Murray und der wie immer schießwütigen Carmelita, gibt es insgesamt fünf verschiedene Vorfahren, die allesamt mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgerüstet wurden. Und so ballert Tennessee Kid Cooper mit Revolvern um sich, während Slys ältester Ahne, ein prähistorischer Waschbär, steil die Wände hinaufklettert. Darüber hinaus wird auch unser Hauptprotagonist in jeder Spielwelt mit einem Kostüm versorgt, mit denen er unter anderen die Zeit einfrieren lässt oder auch mittels Pfeil und Bogen Seile spannen kann, mit denen er dann unerreichbare Gebiete erforscht. Die vielen Innovationen und Neuerung passen hervorragend in das erneut sehr flinke und unkomplizierte Plattform-Gameplay. Beim genaueren Betrachten fällt allerdings auf, dass man viele Spielelemente schon einmal in anderen Spielen gesehen hat. Den Konzentrationsmodus von Tennessee Kid kannte man bereits aus dem Western Shooter "Call of Juarez", ebenfalls aus dem Hause Ubisoft stammt das Verlangsamen der Zeit und sehr oft erkennt man Spielsequenzen aus "God of War". Doch wie heißt es doch so schön, besser gut geklaut als schlecht kopiert, oder so ähnlich.
An mangelnder Abwechslung mangelt es auch in diesem Teil der Cooper Gang nicht, auch wenn man es speziell mit den leicht modifizierten Hacker-Mini-Games diesmal in Sachen Quantität ein wenig übertrieben hat. Selbst als eingefleischter Fan von klassischen Shoot'em ups, empfand ich die viel zu leicht programmierten Schusswechsel als Mini-Bentley-Raumschiff auf Dauer eher langatmig. Gefallen hat mir hingegen, dass sich endlich mal wieder ein Entwickler dazu entschloss, die fast schon vergessene Sixaxis-Funktion des PS3-Controllers bei den Hack-Games mit einzubinden. Für schlagkräftige Haudrauf-Action sorgt hingegen wieder "Der Murray". Doch leider vermögen die sehr altbacken wirkenden 0815-Kloppereinlagen vom purpurfarbenen Hippo nicht mehr ganz den Spaß transportieren zu können, wie dies noch vor über zehn Jahren der Fall war. Hier merkt man dem Spiel noch am meisten an, dass es in spielerischer Hinsicht leider irgendwo in der Zeit stehen geblieben ist. Daran ändern auch die vielen nützlichen Upgrades nichts, die es für jeden Charakter gegen aufgesammelte Münzen im Thiefnet zu kaufen gibt. Dass Murray immer noch ein fantastischer Charakter ist, der wie kein anderer es vermag ein Schmunzeln dem Spieler abzugewinnen, wird spätestens in der Mission deutlich, in der er in einer herrlichen "Rocky"-Parodie den fett gewordenen prähistorischen Waschbär wie fit macht - für mich ganz klar eines der Highlights dieses Spieles.
Quelle: Sony
Sly Cooper: Thieves in Time im Gamezone-Test (4)
Prinzipiell sorgen eher das nostalgische Flair sowie jede Menge unverblümter Humor dafür, dass man Sly Cooper: Jagd durch die Zeit, erst wieder aus dem Laufwerk nimmt, wenn man den letzten Abschnitt absolviert hat. Leider endet das insgesamt recht unterhaltsame Spiel mit einem eher enttäuschenden finalen Kampf, was dann irgendwie einen faden Beigeschmack hinterlässt. Da sich der Schwierigkeitsgrad eher an die jüngere Generation wendet, oder an all diejenigen, die eher selten zu klassischen Jump'n Runs greifen, dürften die meisten Spieler nach zehn bis zwölf Stunden den Abspann zu Gesicht bekommen. Darüber hinaus gibt es speziell für Trophäen-Jäger und Sammelwütige noch jede Menge Schätze zu ergattern, für die man dann unter anderen Belohnungen in Form von Arcade-Games in den jeweiligen Unterkünften der einzelnen Welten erhält. Vermisst wird hingegen ein Multiplayer-Modus, anhand der Vielzahl von Charakteren hätte man sich gerne den einen oder anderen Auftrag alternativ im Coop-Modus gewünscht.
Aufpolierte Optik an zu vertrauten Schauplätzen
Quelle: Sony
Sly Cooper: Thieves in Time im Gamezone-Test (10)
In Sachen Optik fährt Sly Cooper das gewohnte Bild einer kunterbunten Comic-Grafik auf, die im Gegensatz zur neuveröffentlichten HD-Trilogie der ersten drei Teile, auch weitaus detailreicher und mit etwas üppigeren Terrain hervorsticht. Leider gerät die verzückende Grafik, die lediglich bei den eingespielten Cutszenen ein wenig altbacken wirkt, hin und wieder ins Stocken. Speziell bei schnelleren Sprints von Ort zu Ort, vor allem wenn wir auf Schienen rutschen oder mit dem Paragleiter quer über die Spielwelt fegen gibt es Einbrüche bei der Bildrate zu verzeichnen. Des weiteren störte mich bei der Gestaltung der einzelnen Areale vor allem die Tatsache, dass man wirklich jede einzelne Location schon einmal, zumindest in ähnlicher Form in einem Titel der Marke Sly Cooper gesehen hat. Die Themenbereiche bieten hierbei fast nichts neues, das gleiche Gefühl hatte ich leider auch bei den einzelnen Gegnern und den Endbossen. Die deutsche Synchronisation kommt wie auch schon in den Vorgängern leider nicht ganz an die superbe englische Vertonung heran, die jedem einzelnen Charakter den perfekten Sprecher verpasst. Leider stimmt allerdings bei keiner der insgesamt 16 frei wählbaren Sprachen die Tonabstimmung mit Soundeffekten und Hintergrundmusik. Die einzelnen Elemente lassen sich zwar individuell abstimmen, doch variieren diese ständig, sodass man manchmal entweder das Gesprochene nicht versteht, oder die zu den jeweiligen Arealen passenden Musikstücke manchmal zu leise ertönen.
All diejenigen, die sich nun fragen, ob sie lieber zur mobilen PS-Vita Version greifen sollen, oder doch lieber im heimischen Wohnzimmer auf der stationären Sony-Konsole den neuesten Titel von Sly Cooper genießen möchten, denen sei gesagt, dass man beim Kauf der PS3-Fassung die Vita-Variante als kostenlosen Download gratis bekommt. Des Weiteren unterstützt das Spiel die Cross Save Funktion, sprich Spielstände können ohne Probleme mittels eigenen PSN-Account von einem zum anderen Spielsystem übertragen werden.
