Sonic the Hedgehog im Gamezone-Test

Test Denis Brown

Auch auf der PS3 bietet uns der bekannte blaue Igel exzellent gestaltete Level und eine miese Kollisionsabfrage.

Fast schon zu schnell

Sonic the Hedgehog Sonic the Hedgehog Die allgemeine Steuerung dürfte Kennern somit längst bekannt sein, ebenso wie Sonics Leidenschaft an schmalen Rampen entlang zu schlittern, die er sich wohl bei Tony Hawk abgeschaut hat. Trotz einiger Zusatzfähigkeiten, die im Laufe des Spiels erworben werden können, braucht man eigentlich auch nicht mehr über die Steuerung zu wissen, und so wäre der Einstieg ins Spiel auch relativ leicht, wenn da nicht die etwas eigenwillige und grobe Kollisionsabfrage wäre, die Anfänger oft unberechtigter Weise an ihren Fähigkeiten zweifeln lässt und auch Profis im Laufe des Spiels das ein oder andere Leben kosten wird. Mal tritt Sonic zu schnell über eine Kante und stürzt in den Tod, ein anderes Mal erwischt man einfach einen Beschleuniger nicht richtig und wird in den nächsten Abgrund katapultiert und wieder ein anderes mal fliegt man trotz selbstsuchender "Homing Attacke" am Gegner vorbei. Die gesamte Spielmechanik wirkt leider etwas grob und schreit geradezu nach Feinschliff, doch wenn man möglichst präzise arbeitet und die etwas schwereren Spielszenen geduldig angeht, kommt man auch nach einiger Zeit durch. Besonders an eine Regel sollte man sich immer halten: Sobald Sonic von einem Bumper oder einem anderen Beschleuniger in die Luft katapultiert wird, sollte man in jedem Fall die Finger vom Analogstick lassen, um die vorbestimmte Flugbahn nicht zu verfälschen, sonst landet man schnell im nächsten Abgrund. Bei solchen Passagen hätte Sega gut daran getan, die Steuerung temporär zu deaktivieren, so dass der Spieler nichts falsch machen kann.

Sonic the Hedgehog Sonic the Hedgehog Leider kommt ihr über kurz oder lang aber nicht drum herum, bestimmte Levelabschnitte auswendig zu lernen. Vor allem die reinen Sprint-Abschnitte sind hin und wieder einfach zu schnell und so hat man manchmal gar nicht genug Zeit, sich ad-hoc auf den Levelaufbau einzustellen und schnell genug zu reagieren. Doch sind es gerade diese aberwitzigen, ultraschnellen Passagen, die besonders viel Spaß machen, denn der von Sonic Fans heiß geliebte Geschwindigkeitsrausch wird in der Next-Gen Episode besser vermittelt denn je. Hat man nämlich erstmal den Levelaufbau intus und kann intuitiv spielen, hat man dank des ausgetüftelten Leveldesigns fast schon den Eindruck, durch die Umgebung zu fliegen. Schwindelerregende Loopings, gewaltige Sprünge, kleine Snowboard-Einlagen und diverse Schlitter-Passagen halten euch jedenfalls ständig auf Trapp und bieten durch den optischen wie spielerischen Genuss jede Menge Replay Wert. Gerade die "Crisis City" Stage, in der ihr eine apokalyptische Zukunftsversion der Stadt Soleanna besucht, ist im Grunde ein großer ablaufbarer Spielplatz, der dank vieler Effekte optisch so lecker ist, dass man ihn immer wieder besuchen möchte. Aber auch Spielstufen wie die idyllische Strandstage oder das Urwaldlevel wollen allein des Spaßes wegen immer wieder gespielt werden, obwohl der Spielablauf selbst ziemlich linear daherkommt. Denn auch wenn es immer mehrere Wege gibt, um das Levelende zu erreichen, ist die Laufrichtung doch ziemlich klar vorgeschrieben. Einzig die auffindbaren Silbermünzen, die man zur Komplettierung des Spiels suchen kann, dürften neugierige Forschernaturen dazu bringen, jeden Stein umzudrehen.

Ein Freund, ein guter Feund...

Sonic the Hedgehog Sonic the Hedgehog Hin und wieder trifft Sonic natürlich auch auf seinen Busenkumpel Tails und andere Freunde bzw. heimliche Rivalen wie Knuckels, Silver oder Shadow, die ihm bei komplexeren Passagen mit ihren Fähigkeiten zu Hilfe kommen. Der kleine Fuchs Tails kann zum Beispiel durch seine zwei Rotor-Schwänze kurzeitig abheben und auf diese Weise größere Schluchten überqueren, während Silver ein Meister der Telekinese ist und somit nicht nur Objekte durch die Luft schleudern, sondern auch auch neue Pfade ebenen kann. Trefft ihr auf einen dieser Charaktere, so übernehmt ihr mit ihm automatisch den nächsten Levelabschnitt und müsst euch kurzzeitig an eine andere Steuerung gewöhnen, die aber genauso hakelig ist, wie bei Sonic selbst. Am schlechtesten lässt sich dabei eindeutig Tails steuern, denn der kleine Fuchs hebt leider nicht einfach vertikal ab, wenn ihr zu fliegen wünscht, sondern kann sich auch in der Luft nur vorwärts bewegen, was das erreichen von nahen, aber hohen Bonusobjekten und Plattformen übermäßig kompliziert macht. Aber auch die Steuerung von Knuckles, Shadow oder Silver hat ihre Tücken und könnte noch einiges an Feinschliff vertragen. Zudem spielen sich Sonics Freunde trotz interessanter Fähigkeiten einfach nicht so gut wie Sonic selbst, da ihre Talente leider recht beschränkt sind, und so dämpfen sie den Spielfluss ein wenig.

Sonic the Hedgehog Sonic the Hedgehog Sobald ihr bestimmte Schlüsselszenen mit einem der beiden weiteren spielbaren Charaktere bzw. deren Helfer durchlauft, dürft ihr im Haupmenu auch auf deren Storystrang zugreifen und die komplette Geschichte aus einem neuen Blickwinkel verfolgen. Da sich die Fähigkeiten von Shadow und Silver aber stark unterscheiden, haben die bekannten zehn Spielstufen je nach Charakter ganz andere Spielziele und auch eine andere Reihenfolge. Wie schon erwähnt, spielt es sich mit den Nebencharakteren jedoch nicht ganz so schön, wie mit Sonic selbst, da deren Fähigkeiten zu begrenzt sind, um für mehrere Level genügend Abwechslung zu bieten, und es an High-Speed Passagen fehlt. Ein kleiner Lichtblick sind in diesem Zusammenhang zwar die Fahrzeuge wie z.B. ein bewaffneter Buggy oder ein Luftkissenfahrzeug, die nur bei den Nebencharakteren zum Einsatz kommen, doch können diese leider nicht die Eintönigkeit kompensieren, welche sich auf Dauer breit macht. Da die gehaltvollere Sonic-Episode aber nur etwa ein Drittel des eigentlichen Spiels darstellt, zieht dieser Fakt die Spielspaß-Wertung eindeutig nach unten.

Technische Bauchlandung

Sonic the Hedgehog Sonic the Hedgehog Was dem Gesamteindruck von Sonics neuem Abenteuer allerdings am meisten schadet, sind die technischen Mängel und die grobe Zusammensetzung der Spielelemente. Gerade hier wird man den Eindruck nicht los, dass Segas Sonic Team in Zeitdruck geraten ist. Manche Übergänge, sei es von Spielstufe zu Spielstufe oder nur beim Wechsel zu einem anderen Charakter, sind sehr lieblos in Szene gesetzt und wirken hastig eingebaut. So gibt es zum Beispiel einige Sublevel, die ohne erkennbaren Grund einfach irgendwo mitten in einer ausmodellierten Levelstruktur aufhören und sogar am Horizont noch weitere Feinde und Boni bieten, die ihr aber nie erreicht, weil das Spiel plötzlich in das nächste Sublevel überblendet. Auch bei der Story fehlen einfach bestimmte Fragmente Nicht zuletzt sind es auch die unnötig langen Ladezeiten, die sehr negativ auffallen. Beim Übergang in eine neue Spielstufe sieht man über den Ladebildschirm ja noch gerne hinweg, warum es aber gleich zwei dieser Ladescreens braucht, wenn man eine kleine Sidequest in der Stadt lösen will, mag uns einfach nicht einleuchten. Warum man Sonics neues Abenteuer nicht zur Kürzung der Ladezeiten auf der Festplatte vorinstallieren darf, bleibt ebenfalls rätselhaft.

Sonic the Hedgehog Sonic the Hedgehog Ein besonderer Knackpunkt ist zudem mal wieder die Kameraführung. In den meisten Spielstufen leistet die Kamera relativ solide Arbeit, auch wenn sie häufig nachjustiert werden muss. In den Hochgeschwindigkeits- und Snowboard-Passagen habt ihr dazu allerdings keine Möglichkeit, da die Kamerawinkel fest vorbestimmt sind. Wäre ja nicht besonders schlimm, wenn die Kamera nicht hin und wieder den Blickwinkel ändern würde, was euch dazu zwingt, eure Steuerungsrichtung auf dem Analogstick parallel zur bewegten Kamera anzupassen. Bei der hohen Geschwindigkeit dieser Passagen ist dies nahezu unmöglich und so lauft ihr in solchen Szenen gern mal gegen eine Seitenwand, was nicht gerade nützlich ist, wenn gerade eine Lawine oder ein Tornado hinter euch her jagt. Die bereits erwähnte, unausgegorene Kollisionsabfrage tut da ihr Übriges, und so verliert man in solchen Situationen nicht selten völlig unnötig ein Leben.

Grafik und Sound

Sonic the Hedgehog Sonic the Hedgehog Wie schon angedeutet sind die einzelnen Spielstufen durchaus ein audiovisueller Genuss. Musikalisch bekommen wir ziemlich sonic-typische Tunes geboten, von denen die meisten sehr fetzig und teilweise auch eingängig sind. Besonders erfreulich ist jedenfalls, dass die Gruppe "Crush 40", die den Sonic Adventure 2 Themesong eingespielt hat, auch für das neue Hauptthema verpflichtet wurde. Das Stück ist zwar musikalisch nicht unbedingt genial, frisst sich aber schnell im Ohr fest und wurde ausgezeichnet arrangiert. Alles in allem weiß der Soundtrack gut zu gefallen und nur wenige Musikstücke fallen qualitativ etwas ab, was bei den Soundeffekten jedoch ganz anders ist. Viele Soundeffekte klingen nicht nur recht altbacken, sondern sind auch noch grob abgemischt worden und überlagern den restlichen Sound zu sehr. Tails Propeller-Schwänze sind beispielsweise ein klares Argument für das Herunterdrehen der Soundeffekte, was glücklicherweise problemlos im Soundmenu bewerkstelligt werden kann.

Sonic the Hedgehog Sonic the Hedgehog Die schönen Texturen und abwechslungsreich modellierten, Next-Gen würdigen Spielumgebungen stehen dem blauen Igel hingegen hervorragend, auch wenn man sicherlich schon detaillierteres im Next Gen Sektor gesehen hat. Nur schade, dass die viel gepriesene Havoc-3 Physikengine bei vielen Spezialeffekten die Handbremse zieht - zumindest wenn ihr in HD auf 1080i spielt. Schade schade, denn gerade in High-Res Grafik macht die Spielumgebung eine Menge her und kann hin und wieder durch kleine Effekte und Details begeistern, die euch in niedriger Auflösung nicht so deutlich auffallen. Die in HD fast schon regelmäßig anzutreffenden Slowdowns bremsen das Geschwindigkeitsgefühl jedoch teilweise deftig. Unspielbar wird Sonic durch die Slowdowns zwar nicht, aber die des öfteren atemberaubende Spielgeschwindigkeit käme mit einer stabilen Framerate einfach um einiges besser rüber.

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