Können die Massenschlachten der Total War-Serie auch in Form eines Konsolen-Prügelspiels restlos überzeugen?
Spartan: Total Warrior
Um den römischen Horden gegenübertreten zu können, seid ihr natürlich entsprechend bewaffnet. Anfänglich natürlich erst einmal nur mit Schild und Schwert, die aber gepaart mit der "göttlichen Macht" oder aber einem simplen "Wutangriff" schon wahre Wunder wirken können. Beide angriffsteigernden Goodies lassen sich in jedem Abschnitt dank der vielen, vielen Gegner hervorragend einsammeln. Für die "göttliche Macht" braucht ihr entweder blaue Kraftschreine, die ihr dann einfach anbetet um so eure Anzeige zu füllen. Oder aber ihr sammelt die blauen Kraftkugeln ein, die von euren Gegnern nach ihrem Ableben zurück gelassen werden. Auf die gleich Weise könnt ihr auch eure Energie wieder auffüllen: Einfach einen grünen Schrein aufsuchen und kurz anbeten oder aber die grünen Kugeln einsammeln, die über toten römischen Soldaten kreisen. Letztendlich sammelt ihr natürlich auch die nötige Energie für den "Wutangriff" ein. Allerdings fühlt diese Leiste sich nicht mittels farbiger Kugeln sondern vielmehr durch eure Treffsicherheit. Das heißt, je mehr Gegner ihr umbügelt bzw. jeder gut platzierte Treffer beim Gegner wird gezählt bis eben die Leiste voll ist. Sobald die beiden Anzeigen voll sind, egal ob "göttliche Macht" oder "Wutanzeige", können diese überall und sofort eingesetzt werden. Vorzugsweise sollte man sich diese zusätzlichen Manöver aber eher für brenzlige Situationen aufheben, quasi als Befreiungsschlag.
Spartan: Total Warrior
"Wutangriff" als auch die "göttliche Macht" lassen sich mit jeder Waffe kombinieren, egal ob mit Schild und Schwert oder später dann mit Speer, Hammer, Zwillingsschwerter oder Bogen. Den Bogen könnt ihr zudem nicht nur mit herkömmlichen Pfeilen benutzen, sondern auch mit Feuerpfeilen. Zwar sind diese immer nur zeitlich begrenzt, aber es reicht dennoch, dass ihr damit dem Abschnittsziel ein Stück näher kommt. Feuerpfeile müssen gefunden und in den allermeisten Fällen auch gleich eingesetzt werden. Und hier muss man sagen, ist das Spiel ziemlich spartanisch ausgefallen: Wie kann man die Anwendung von Pfeil und Bogen integrieren, das Ganze aber in Punkto Steuerung einfach nur in den Sand setzen? Freies zielen ist nämlich so gut wie gar nicht möglich und im schlimmsten Fall - der leider oft eintritt - müsst ihr so gut wie direkt vor dem zu zerstörenden Objekt (Fässer, Amphoren, Sprengstoffbehälter mit explosiven Stoffen gefüllt) stehen. Da nützt es auch nichts mehr, wenn ihr beim Abschuss schon hurtig die Sandale zum Rückzug schwingt - Energie wird euch abgezogen. Und manchmal nicht gerade wenig.
Spartan: Total Warrior
Da ihr bereits wisst, dass Pfeile, normale als auch Feuergeschosse, gefunden werden müssen, greifen wir das Suchen und Finden Prinzip nochmals näher auf. Denn nicht nur Ausrüstungsgegenstände sollt ihr finden, auch Geheimnisse warten darauf, entdeckt zu werden. Tragisch, tragisch, dass man leider immer erst am Ende eines Abschnitts erfährt, ob und wie viele Geheimnisse man gefunden hat. Daher ist es für euch auf alle Fälle ratsam, gleich von Anfang an alles abzusuchen und jede Kiste und Truhe, die euch begegnet, zu untersuchen. Aber auch versteckte Winkel und Ecken sollten von euch unter die Lupe genommen werden: Da finden sich dann eben nicht nur die bereits besagten Feuerpfeile sondern auch so nette Kleinigkeiten wie einen Unsichtbarkeitstrank oder aber Seiten aus einem längst vergessenen Tagebuch (schaltet Skizzen und Bilder sozusagen als Extras frei). Oder aber ihr findet "Arena-Pickups", die euch den Weg für Extras im "Arena Modus" freigeben werden. Hier sei dann angemerkt, dass ihr im "Arena Modus" verschiedene Herausforderungen annehmt, die der Reihe nach abgespult werden. Passende Arenen sowie eventuelle Power Ups lassen sich durch euch bestimmen. Um eine größere Auswahl zu haben, solltet ihr selbige möglichst im Story Modus frei gespielt haben. Und am Ende der Arenakämpfe winkt - wenn ihr lange genug durchgehalten habt - ein Eintrag in der Highsocreliste.
Und wo bleibt da jetzt das Rollenspiel-Element, werden ihr euch jetzt sicher fragen? Nun, das ist ganz einfach beantwortet, denn für jeden erfolgreich absolvierten Level bekommt ihr so etwas wie Erfahrungspunkte, die ihr für euren Spartaner aufteilen könnt. Zwar ist die Auswahl wie ihr die Punkte bzw. den "Bonus der Götter" verteilen könnt, nicht riesig, aber immerhin besser als nichts: So dürft ihr eurem Spartaner Punkte für Energie als auch die Angriffstärke vergeben und damit eure Werte verbessern. Eine entsprechende Leiste zeigt euch an, wie weit ihr euren Kämpfer aufmöbeln könnt. Stück für Stück baut ihr seine beiden Vorzüge aus. Mit diesen dann aufgebohrten Werten habt ihr es in den folgenden Kämpfen um einiges leichter und auch die Spezialangriffe profitieren von diesem Aufbau. Um möglichst gleichmäßig zu bleiben, empfiehlt es sich, die erworbenen Punkte entsprechend auf die beiden Leisten aufzuteilen.
Nackte Haut antik verpackt, große Heerscharen und viel freies Land
Spartan: Total Warrior
Eines muss man den Machern von "Spartan: Total Warrior" lassen: Sie haben es geschafft, ihr Versprechen weitestgehend zu halten - zumindest was die Optik betrifft. Immerhin kündigte "The Creative Assembly" an, dass der Spieler Massenschlachten erleben wird, die es zuvor so nicht auf Konsole gegeben hat. Wer sich von euch also in die wilden antiken Kampfeszeiten begibt, darf sich in der Tat über große, recht weitläufige Areale freuen, die vor allem dadurch bestechen, dass viel, viel Gewusel stattfindet. Sehr viele Gegner sowie eigene Truppenmitglieder tummeln sich zeitgleich auf dem Schlachtfeld und liefern sich ein blutiges Gemetzel. Und ja, ihr habt richtig gelesen, unsere Widersacher safteln bisweilen gar sehr. Zwar hinterlassen sie dann beim kurz darauf endgültigen Verschwinden dank integriertem Fleckenlöser keinerlei rote Spuren auf Rasen, Gestein & Co., bei Treffern sowie beim Einstecken eines finalen Schlages, triefen und spritzt es aber dann doch gewaltig. Gleiches gilt aber auch für euren Spartaner, der bei Stichen, Hieben und Schlägen gerne mal kurz handlungsunfähig wird und seinen Lebenssaft in alle Himmelsrichtungen versprüht. Wenn ihr allerdings gerade nicht dabei seid, euch vor Schmerzen zu krümmen, bewegt sich der Spartaner recht agil und vor allem recht flott. Seine Bewegungen wirken weich, rund, flüssig. Gleiches gilt auch für die zahlreichen Kollegen, die sich zeitlich mit auf dem Bildschirm tummeln. Guckt man allerdings genauer hin, wirken viele Soldaten dann aber doch eher etwas ungelenk und steif, vor allem auch leicht kantig. Von daher besser nicht genau hingucken und die Illusion leben lassen, dass sich alles geschmeidig weich bewegt.
Spartan: Total Warrior
In Sachen Abwechslung, speziell bei den Soldaten, Verbündeten sowie den Fabelwesen, Legenden und Gegnern, denen man im Zuge des Spiels begegnet, kann man nicht meckern. Typisch für die Zeit präsentieren sich die starken Männer, auch euer Spartaner, mit muskulösem und zudem nacktem Oberkörper. Aber auch die etwas mehr gekleideten Helfer, wie z.B. Electra, die Kriegerprinzessin, König Leonidas oder eure Freunde Pollux und Castor bestechen mit unterschiedlicher Optik und verschieden Outfits. Gleiches gilt auch für die römischen Eindringlinge, die sich mit klassisch schönem Röckchen in verschieden Farben zeigen, dazu ihre herrlichen Borstenhelme und die hübschen Sandalen. Befehlshabende Offiziere, Zenturios & Co. heben sich wohlwollend vom gewöhnlichen Soldaten ab und lockern so das Bild der meuchelnden Horde nett auf. Weniger nett und mehr Furcht einflößend hingegen sind die Gegner, die euch versuchen an den Lendenschurz zu gehen. Talos, der Riese und euer erster Bossgegner, mögen zwar hier noch harmlos aussehen, wenn ihr dann aber Medusa trefft, Beowulf oder den Minotaurus, werdet ihr schon das Fürchten kriegen. Ohne Zweifel beweist man auch, dass Gegner nicht immer Einheitsbrei sein muss. Und dennoch haben alle Figuren, Freund wie Feind, das Defizit, dass sie sich untereinander herrlich unterscheiden, bei näherer Betrachtung aber mit null Details glänzen. Dabei hätten doch gerade die Fabelwesen und die Kampfesgeister so viel Potential geboten, daraus ein wahres Schauspiel zu machen. Bekanntlich kann man aber nicht immer alles haben und wenn wir ehrlich sind, das Schlachtfeld ist kein Laufsteg. Und am Ende ist das auch gut so, denn die fehlende Optik bzw. Defizite machen die Widersache gerne mit einer durchaus gelungenen bzw. brauchbaren KI wieder wett.
Spartan: Total Warrior
Die Umgebungen brauchen ebenfalls eine Weile, bis sie überzeugen können. Auf den ersten Blick erscheint vieles trist, einfarbig, ja sogar öde. Und dennoch versprühen sandfarbene Festungsgemäuer, grün-brauner Bodenbelag (zertretener Rasen schaut halt nun mal nicht wirklich ansehnlich aus), bedrohlich wirkende Wachtürme, helle Zelte und Holzstege einen gewissen Charme. Die Schöpfer haben es geschafft, die Antike, vor allem die kriegerisch gebeutelte Antike, bestmöglich einzufangen. Auch wenn man vielleicht ein gewisses Farbenspiel vermissen mag oder aber Originalität in Sachen Bauwerke, so ist es gerade diese Schlichtheit, die sich nicht verstecken muss, und am Ende auch einfach abwechslungsreich sein kann und ist. Außerdem bietet die Optik eine durchaus brauchbare Weitsicht (speziell wenn man auf Festungsmauern, Türmen & Co. rumturnt), die zwar nicht in jedem Level gegeben ist, zweifelsfrei aber auffällig ins Auge sticht. Leider lassen sich ausgefranste Kanten und leichtes Flimmern nicht vertuschen und bohren sich oft störend in das ansonsten verwöhnte Zockerauge. Und so manches Mal schleicht sich ein Clipping-Fehler ein, vorzugsweise dann, wenn sich die Heerscharen auf dem Bildschirm tummeln. Wobei man hier noch anmerken muss, dass gerade diese Ansammlungen von Kampfeswütigen sehr schnell unübersichtlich werden können. Grundlegend ist es ja toll, dass die Macher so viel virtuelles Leben auf eine DVD konzentrieren können - aber muss das immer damit enden, dass man sein Alter Ego im Gewühl suchen muss? Gleiches gilt auch für bestimmte Gegner, die es zu erlegen gilt: Oft sind es gar nicht mal ihre heroischen Fähigkeiten, mit denen sie euch von Laib halten können; vielmehr ist es das Bad in der Menge, das einmal mehr vor dem Todesstoß rettet. Immerhin erfahrt ihr auf diese Weise endlich mal, wie es wohl auf einem Ameisenhügel zugeht.
