Ikonen der Spieleindustrie: Hideo Kojima - Schöpfer von Death Stranding & Metal Gear
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Mehr als vier Jahre nach dem Bruch mit Konami meldet sich Metal-Gear-Solid-Erfinder Hideo Kojima mit Death Stranding zurück. Wir nehmen dieses denkwürdige Ereignis zum Anlass, zurückzublicken: auf seine bewegte Kindheit, seinen langjährigen Werdegang bei Konami und die turbulente Zeit danach. Vorhang auf für den ereignisreichen Lebenslauf eines der größten Videospiel-Virtuosen unserer Zeit!
Der heute 56-jährige Hideo Kojima kommt am 24. August 1963 in Setagaya, einem Bezirk der Millionenmetropole Tokio auf die Welt. Seine Eltern sind finanziell gut aufgestellt und beide bekennende Filmfans - ein Umstand, der Kojimas Leben bereits in jungen Jahren entscheidend prägen wird. "Als ich vier Jahre alt war, zogen wir nach Osaka um", erinnert sich Kojima in einem Interview mit dem britischen Guardian. "Während dieser Zeit führten meine Eltern eine Familientradition ein. Jeden Abend schauten wir uns zusammen einen Film an. Ich durfte immer erst zu Bett gehen, wenn der Film zu Ende war. Meine Eltern waren große Fans von Western, europäischem Kino und im Speziellen Horror. Sie zeigten mir also nicht nur Kinderfilme. Manchmal sah ich sogar Sexszenen."
Quelle: Konami
Filmliebhaber, Visionär, Querdenker: Der am 24. August 1963 in Tokio geborene Hideo Kojima hat die Spielehistorie maßgeblich geprägt.
Die Filmbegeisterung in der Familie Kojima geht aber noch weiter und führt dazu, dass ihn seine Eltern eines Tages ermuntern, gerne auch mal alleine in Kino zu gehen. Das dazu nötige Kleingeld kriegt er stets passend in die Hand gedrückt. Allerdings nur unter dann, wenn er abends mit ihnen über den gesehenen Film diskutiert und die im Kino ausgehändigte Filmbroschüre mitbringt.Trotz solcher Freiheiten ist Kojimas Kindheit jedoch keineswegs unbeschwert. Im Gegenteil: Bedingt durch die ständigen beruflichen Verpflichtungen seiner Eltern kommt der der junge Hideo nach der Schule oft allein nach Hause und hat niemanden, der sich um ihn sorgt. Das Resultat: Zu Hause sieht er ständig fern, um der immer wieder aufkeimenden Einsamkeit entgegenzuwirken.
Auf dieser Seite
- 1 Erst Wirtschafts-Universität, dann Spielebranche
- 2 Zielstrebig, eifrig, frustresistent
- 3 Die Geburt des Stealth-Genres
- 4 Die wilden 90er
- 5 Metal Gear Solid: Ein Meilenstein der Gaming-Geschichte
- 6 Clinch mit Konami
- 7 Neustart mit Kojima Productions
- 8 Ausblick: Kommt nach Death Stranding die Zusammenarbeit mit Keane Reeves?
"Ich schaute alles im Übermaß: Unterhaltungssendungen, Kochshows, Natur- und Tierdokus, Anime - das Thema spielte keine Rolle", gibt Kojima 2004 im Gespräch mit der englischen Zeitschrift Edge offen zu. Massiv verschlimmert wird Kojimas Gefühl des Alleingelassenseins durch den tragischen Tod seines Vaters, der verstirbt, als er 13 Jahre alt ist.
Quelle: Konami
Hideo Kojima liebt Filme und ließ sich immer wieder von ihnen inspirieren. Bei Zone of the Enders zum Beispiel stand der japanische Mecha-Anime Neon Genesis Evangelion Pate.
Kojima gerät durch diesen Schicksalsschlag in eine Art Zwickmühle, was seinen zukünftigen Lebensweg angeht. Denn einerseits möchte er gerne selbst mal Künstler, Autor oder besser noch Filmemacher in der Kreativbranche werden. Anderseits sieht er am Beispiel seines glücklosen Onkels, dass Jobs in eben diesem Metier meist kein Garant für ein sicheres Einkommen sind. Erschwerend kommt hinzu: Nach dem Tod seines Vaters ist die Familie finanziell zunehmend schlechter aufgestellt als zuvor, wodurch der Druck wächst, eine lukrative und gesellschaftlich angesehene Laufbahn einzuschlagen.
Erst Wirtschafts-Universität, dann Spielebranche
All diese Faktoren führen letztendlich dazu, dass Kojima die Entscheidung trifft, an der Universität Wirtschaft zu studieren. In seiner Freizeit hingegen nutzt der aufgeweckte Japaner jede Sekunde, um sich kreativ auszutoben. Allem voran, indem er Novellen schreibt und diese an verschiedene Magazine schickt - in der Hoffnung, dort abgedruckt zu werden. Das Problem: Die von ihm verfassten Manuskripte sind viel zu lang und umfassen statt der von den Verlagen empfohlenen 100 Seiten meist 400 Seiten und mehr.
Quelle: Moby Games
Kojima liebt es, in seinen Werken Anspielungen auf bereits veröffentlichte Titel zu nehmen. In Snatcher (1988) etwa, seinem ersten Grafik-Adventure, ist die Hauptfigur meist mit ihrem Roboter-Sidekick Metal Gear unterwegs.
Da es nie zu einer Veröffentlichung kommt, hängt Kojima die Novellen-Schreiberei aber recht schnell wieder an den Nagel und widmet sich nebenbei schon bald dem Erstellen von Kurzfilmen. Doch trotz guter 8-mm-Kamera, verrückter Ideen und einem Freund, der ihn tatkräftig unterstützt, stößt Kojima auch bei diesem Hobby auf Gegenwind aus seinem direkten Umfeld. "Meine Familie hat meine Ambitionen nie verstanden", erklärt Kojima rückblickend. Nintendos Heimkonsole Famicom (hierzulande besser bekannt als NES) ist zu diesem Zeitpunkt in Japan ein echter Verkaufsschlager. Auch Student Kojima greift eines Tages zu und liebt das Gerät. Insbesondere Shigeru Miyamotos Hüpfspiel Super Mario Bros. sowie The Portopia Serial Murder Case - ein storylastiges Adventure aus der Feder von Enix' Gamedesign-Legende Yūji Horii - haben es ihm angetan.
Beide Titel stehen ganz oben auf Kojimas ständig wachsender Famicom-Bibliothek und werden nicht nur rauf und runter gespielt, sondern führen ab einem gewissen Zeitpunkt sogar dazu, dass er selbst den Wunsch hegt, interaktive Erfahrungen zu erschaffen.
Zielstrebig, eifrig, frustresistent
Kaum den College-Abschluss in der Tasche, setzt Kojima sogleich alles daran, in der Gamesbranche Fuß zu fassen. 1986 ist es
schließlich soweit: Der gelernte Wirtschaftsprofi bewirbt sich bei Publisher Konami - und bekommt den Job. Freunde, Bekannte und ehemalige Kommilitonen zeigen sich allerdings wenig begeistert und äußern ihren Unmut zum Teil sogar öffentlich "Kurz nachdem ich die Stelle bei Konami angenommen hatte, nahm ich an einer Hochzeit teil und sollte dort eine Ansprache halten", rekapituliert Kojima in einem 2004 veröffentlichten Interview. "In Japan werden Sprecher immer sehr ausführlich vorgestellt. So auch in meinem Fall, wo der Zeremonienmeister sagte: Dies ist Hideo Kojima, ein Mann mit großem Talent, das er gerade bei Konami auf den Müll wirft."
Quelle: Moby Games
Mit der Veröffentlichung von Metal Gear Solid für den MSX-Computer im Jahr 1987 gelang Kojima der Durchbruch. Im Westen wurde das Spiel vor allem durch die NES-Umsetzung bekannt.
Der mittlerweile 23-Jährige ist leicht geknickt, lässt sich aber keinesfalls entmutigen und stürzt sich in den Folgemonaten umso mehr auf seine Arbeit als Assistant Designer in der Konami-Abteilung, die Spiele für den Heimcomputer MSX produziert. Kojima entwirft eine Idee nach der anderen, häuft mehr und mehr Notizen und Skizzen auf seinem Schreibtisch an, bleibt von frühmorgens bis spätabends im Büro und steigert sich manchmal so sehr in seine Arbeit rein, dass er kaum noch auf die Toilette geht. Manche Kollegen zeigen sich zurecht besorgt; andere behandeln ihn mehr und mehr als Außenseiter. Auch, weil er kaum Programmierkenntnisse mitbringt, mit denen er laufende Projekte sinnvoll unterstützen könnte.
Doch Kojima ist aus hartem Holz geschnitzt und bleibt - trotz zunehmender Frustration und kurzzeitigen Gedanken, den Posten hinzuwerfen - standhaft. Lohn der Mühe: ein Posten als Assistant Director für ein putziges MSX-Actionspiel namens Penguin Adventure, der Fortsetzung zu Antarctic Adventure. Coole Bosskämpfe, nützliche
Spezialitems, abwechslungsreiche Minispiele, multiple Endsequenzen - nicht zuletzt dank Kojimas Engagement erweitert das Entwicklerteam das Spielprinzip des erfolgreichen Vorgängers um viele neue Ideen und überzeugt damit bei der Veröffentlichung im Jahr 1986 nicht nur die Kritiker, sondern auch die Konsumenten.
Die Geburt des Stealth-Genres
Aufgrund dieses Achtungserfolgs dauert es nicht lange, bis Konami Kojima grünes Licht für sein erstes eigenes Spiel erteilt. Codename? Lost World. Zugegeben, viel ist über dieses Jump'n'Run für MSX leider nicht bekannt. Fest steht nur, dass die Konami-Chefetage das Projekt erstaunlich schnell wieder auf Eis legt und dem Star unseres Artikels eine gänzlich neue Herausforderung anvertraut. Das aus der Top-Down-Perspektive geplante Actionspiel hört auf den Namen Metal Gear und klingt zumindest in der Theorie überaus vielversprechend. Technisch gesehen hat es gleichwohl mit dem Problem zu kämpfen, dass die MSX2-Hardware maximal zwei Feinde gleichzeitig darstellen kann. Zu wenig, um bei Action-Fans der späten 80er-Jahre für Herzrasen zu sorgen.
Quelle: Moby Games
In Metal Gear 2: Solid Snake (1990) wird Snake aus dem Ruhestand geholt, um den hochrangigen tschechischen Wissenschaftler Dr. Kio Marv aus einer Militäranlage im fiktiven Staat Zanzibar zu befreien. Schon damals übte Kojima mit einer vergleichsweise vielschichtigen Story Kritik am Thema Atomwaffen.
Wieder zurück am Reißbrett, zögert Kojima nicht lange und krempelt das Gamedesign komplett um. Seine Idee: Statt Feinde aktiv anzugreifen, müssen Spieler den Protagonisten fortan so steuern, dass er erst gar nicht gesehen wird. Der Kojima zufolge vom Fluchtdrama The Great Escape aus dem Jahr 1963 (im Deutschen Gesprengte Ketten) inspirierte Schleichansatz ist brillant, harmoniert perfekt mit dem zugrundeliegenden Spionage-Setting und wird auch auf dem Cover des Spiels überaus passend illustriert.
Am 13. Juli 1987 kommt dann die große Feuertaufe: Metal Gear für den MSX2 stürmt auf den Markt und erobert die Herzen der Spielerschaft im Sturm. Der internationale Durchbruch gelingt allerdings erst mit der Veröffentlichung der englischen NES-Fassung im Juni 1988. Was viele nicht wissen: Kojima selbst hat mit der von einem anderen Konami-Team durchgeführten NES-Umsetzung nichts am Hut - und kritisierte diese im Nachhinein sogar. Unter anderem, weil verschiedene Leveldesigns verändert wurden, der namengebende Bossgegner Metal Gear durch einen von Soldaten bewachten Supercomputer ersetzt wurde und die englische Übersetzung vergleichsweise mies ausfiel. Dennoch: Allein in den USA gehen über eine Million Module über die Ladentische. Die Marke Metal Gear ist plötzlich in aller Munde.
Kojima hingegen tüftelt zu diesem Zeitpunkt bereits im stillen Kämmerlein an seinem nächsten Projekt namens Snatcher. Das in der Postapokalypse angesiedelte Science-Fiction-Adventure kommt bereits im November 1988 auf den Markt und liefert erneut den Beweis, dass Kojima ein wirklich gutes Händchen für packendes Storytelling, neugierig machende Szenarien und cineastisch inszenierte Zwischensequenzen besitzt. Einziger Wermutstropfen: Im Westen erscheint der Adventure-Geheimtipp erst knapp sechs Jahre später für das wenig verbreitete Sega Mega-CD.
Die wilden 90er
Zeitsprung in die frühen 1990er-Jahre: Nach der Fertigstellung von SD Snatcher - einem Rollenspiel-Spin-off des Hauptspiels - arbeitet Kojima mit vollem Elan am zweiten Teil von Metal Gear. Auslöser für sein nächstes Herzensprojekt ist aber nicht er selbst, sondern ein Konami-Mitarbeiter. Er verrät Kojima während einer gemeinsamen Zugfahrt, dass er bereits seit längerem an einem NES-Spiel namens Snake's Revenge arbeitet. Kojima ist verdutzt, freut sich dann aber umso mehr, als ihn eben dieser Entwickler bittet, ein weiteres, authentisches Spiel mit Snake in der Hauptrolle zu entwerfen. Und genau das tut Kojima dann auch.
Quelle: Moby Games
In Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty (2001) war Kojima seiner Zeit inhaltlich teils um Jahre voraus. Im Rahmen der komplexen Geschichte ging es unter anderem um Themen wie Social Media, Fake News und alternative Fakten. Wer noch mal reinspielen will: Im PSN Store findet ihr die HD-Edition für PS3 und PS Vita.
Metal Gear 2: Solid Snake baut das Schleich-Gameplay des Vorgängers konsequent aus und ergänzt unter anderem Elemente wie das lautlose Robben am Boden, begehbare Lüftungsschächte, einen stets sichtbaren Radar und ein Klopfmanöver, um Gegner auf falsche Fährten zu locken. Parallel dazu erhält die KI eine gelungene Frischzellenkur und ist nun unter anderem in der Lage, Eindringlinge besser zu erkennen und vieles mehr. Abseits spürbar ausgereifterer Spielmechaniken steckt Kojima außerdem viel Herzblut in die Ausarbeitung einer komplexen Geschichte und rückt einmal mehr die Bedrohung durch nukleare Massenvernichtungswaffen in den Fokus - ein Thema, das ihn bereits seit seiner Kindheit beschäftigt.
Denn Kojimas Eltern - beide in den 1930ern geboren - erlebten den Zweiten Weltkrieg hautnah mit und scheuen sich nicht, diese Erinnerungen mit ihren insgesamt drei Sprösslingen zu teilen. "Mein Vater erzählte mir Geschichten von der Bombardierung Tokios, davon, wie er nach Schutz suchend durch die Straßen der Hauptstadt rannte und davon, wie er versuchte, verwundete Kinder in Sicherheit zu bringen", gab Kojima einmal zu Protokoll.
Metal Gear 2: Solid Snake wird ein tolles Spiel - vielleicht sogar eines der besten im gesamten MSX2-Lineup. Im Westen jedoch kriegen viele Heimcomputer-Fans davon nur am Rande etwas mit, da es Konami - wie es schon bei Snatcher - zunächst nicht für nötig
Quelle: Moby Games
Policenauts, Kojimas zweites Grafik-Adventure, erschien erstmals im Juli 1994 für den japanischen Heimcomputer PC-9821. Später erschien es außerdem für 3DO, Playstation und Saturn. Offiziell ins Englische übersetzt wurde es erst durch Fans im Jahr 2009.
erachtet, Lokalisierungen auf den Weg zu bringen.
Ein ähnliches Schicksal ereilt das 1994 veröffentlichte Policenauts. Kojimas zweites, in Japan hochgelobtes Grafik-Adventure lässt Spieler in die Rolle eines US-Detektivs schlüpfen, der zurück in eine Weltraumkolonie reist, um den Mord an seiner Ex-Frau zu enträtseln. Während er mehr und mehr Hinweise aufdeckt, kommt er einem zwielichtigen Organhändlerring auf die Schliche. Klingt hochspannend? Definitiv! Im Gegensatz zu Snatcher sind es hier aber vor allem die teils hochkomplexen, schwierig zu übersetzenden Dialoge, die Kojima dazu bewegen, die für den Sega Saturn geplante englische Version doch noch auf Eis zu legen.
Metal Gear Solid: Ein Meilenstein der Gaming-Geschichte
Nach der Veröffenlichung von Policenauts wird es erst einmal vergleichsweise ruhig um Kojima. Das allerdings aus gutem Grund, denn mit Metal Gear Solid tüftelt der Visionär an seinem bisher umfangreichsten Projekt: Ein 3D-Action-Abenteuer, so bahnbrechend und wegweisend, dass es zum Erscheinen am 2. September 1998 in Japan nahezu alle Erwartungen übertrifft und eine von der Fachpresse
Quelle: Konami
Schafe mit Ballons aus dem Kriegsgebiet extrahieren: Nicht zuletzt aufgrund solch ungewöhnlicher Gameplay-Möglichkeiten begeisterte Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain Kritiker weltweit.
eine Traumwertung nach der anderen erhält. Nicht wenige Tester lassen sich zudem dazu hinreißen, es als das mit Abstand beste Spiel für die mittlerweile knapp vier Jahre alte Playstation-Konsole zu bezeichnen. Einige gehen sogar noch weiter und sprechen von einem der großen Meilensteine der interaktiven Unterhaltung. Kein Wunder, denn egal ob Setting, Inszenierung, Story, KI-Verhalten oder Bosskämpfe - hier passt einfach alles zusammen.
Kojima hingegen avanciert spätestens jetzt zum Shooting-Star der Branche, der sich auch in den folgenden Jahren nie auf seinen Lorbeeren ausruht. Seine nun folgende Ludografie ist höchst beeindruckend: Auch Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty (2001), Metal Gear Solid 3: Snake Eater (2004), Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots (2008), Metal Gear Solid: Peace Walker (2010) sowie Metal Gear Solid 5: Ground Zeroes (2014) und Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain (2015) werden von Fans und Kritik gefeiert und verkaufen sich zusammengenommen über 49 Millionen Mal. Was die einzelnen Titel auszeichnet, könnt ihr übrigens in unserem umfangreichen Metal-Gear-Report nachlesen.
Clinch mit Konami
Freigeister wie Kojima lieben das Risiko sowie das Experimentieren mit neuen Ideen. Nicht selten stoßen jedoch genau diese Eigenschaften bei anderen auf Gegenwind. Kojima hat dies vor allem zu Beginn seiner Karriere mehrfach zu spüren bekommen. Beginnend ab März 2015 scheint sich genau dieses Schicksal nun zu wiederholen - und das auf sehr unschöne Weise.
Alles beginnt mit dem Gerücht, dass sich die Wege von Konami und Kojima nach der Veröffentlichung von Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain trennen würden und mündet in immer neuen Demütigungen, die auf schwere Zerwürfnisse zwischen ihm und der Konami-Chefetage hinweisen. Beispiele gefällig? Noch während Kojima öffentlich verkündet, "zu 100 Prozent" hinter The Phantom Pain zu stehen, kündigt Konami nicht nur an, einen neuen Metal-Gear-Teil produzieren zu wollen, sondern wirbt auch noch um neues
Quelle: Medienagentur plassma
Noch vor Death Stranding werkelte Kojima zusammen mit Guillermo del Toro am Horror-Thriller P.T. – einem Teaser für das kommende Silent Hill. Als das Spiel gestrichen wurde, verschwand auch die Demo aus dem PSN Store. Noch heute werden PS4-Konsolen mit installierter P.T.-Demo zu hohen Preisen auf Ebay gehandelt.
Personal. Die Folge? Unter anderem ein User-Shitstorm auf Twitter, der zurecht Konamis "widerwärtige Machtdemonstration" anprangert.
Doch das ist erst der Anfang. Bereits am 25. März 2015 wird "Kojima Station" abgeschafft, eine Videoreihe rund um Metal Gear Solid 5. Am 1. April 2015 degradiert man Kojima dann vom "Executive Content Officer" zum "Director of Kojima Productions", und auch die Logos "A Hideo Kojima Game" sowie das Logo von Kojima Productions verschwinden alsbald von den Cover-Motiven des heiß ersehnten fünften Teils. Und es kommt noch schlimmer: Im Zuge der Reinemach-Aktion entfernt Konami die P.T.-Demo aus dem Playstation Store - den "Playable Teaser" zum neuen, von Kojima und Guillermo del Toro entwickelten Silent-Hill-Spiel.
Ein letzter Tiefschlag folgt im Rahmen der The Game Awards Ende 2015 in Los Angeles. Dort soll Kojima zwei Auszeichnungen für Metal Gear Solid 5 entgegennehmen. Anstelle von Kojima übernimmt diesen Job jedoch Synchronsprecher Kiefer Sutherland. Insider-Berichten zufolge, weil Konami Kojima verboten hatte, die Veranstaltung zu besuchen.
Zugegeben, bis heute sind die genauen Hintergründe des Konflikts nicht zweifelsfrei geklärt. Trägt man die einzelnen Puzzleteile zusammen, wird gleichwohl immer deutlicher, dass sich Kojima kreativ zunehmend eingeschränkt fühlte und nach Mitteln und Wegen suchte, aus diesem Korsett auszubrechen.
Neustart mit Kojima Productions
Der Bruch mit Konami stellt das wohl einschneidendste Kapitel in der ansonsten so schillernden beruflichen Vita von Kojima dar. So richtig aus der Bahn wirft ihn der Weggang von Konami aber zu keiner Zeit. Bereits nach einem Jahr ist Hideo Kojima wieder im Rampenlicht und gibt stolz die Wiederauferstehung von Kojima Productions bekannt. Die Ankündigung eines ersten Spiels lässt ebenfalls nicht lange auf sich warten und erfolgt pünktlich zur E3-Messe 2016 im Rahmen der Sony-Pressekonferenz. Death Stranding schlägt ein wie eine Bombe. Und das, obwohl sich anfangs niemand einen Reim auf Story und Spielkonzept machen kann. Kojima hingegen scheint genau diesen Effekt beabsichtigt zu haben und sorgt damit im Internet für eine regelrechte Flut an Analyse- und Prognose-Content. Aber auch sonst ist der kreative Tausendsassa wieder voll auf der Höhe, unter anderem mit einem eigenen YouTube-Kanal (ab Februar 2016), auf dem er mit dem sympathischen Kenji Yano Lieblingsfilme diskutiert, sowie einer Kolumne im renommierten US-Magazin Rolling Stone (ab 2017).
Ausblick: Kommt nach Death Stranding die Zusammenarbeit mit Keane Reeves?
Am 8. November 2019 wird Death Strandung weltweit für Playstation 4 erscheinen und - dahingehend sind wir uns sicher - auf vielen Ebenen für Diskussionsstoff sorgen. Doch wie geht's mit Kojima und seinem unabhängigen Studio danach weiter? Fakt ist: Konkret verraten hat dies der "Tarantino der Computerspielbranche" (Süddeutsche Zeitung) bisher nicht. Geht's nach einem kürzlich veröffentlichten Interview auf der US-Webseite Gamespot, scheint Kojima aber aktuell brennend daran interessiert zu sein, etwas gemeinsam mit US-Schauspielstar Keanu Reeves auf die Beine zu stellen. Zitat Kojima: "Keanu ist ein großartiger Kerl und es wäre toll, wenn wir mal zusammenarbeiten könnten. Das könnte ein Spiel sein, aber auch ein Film oder etwas im Fernsehen würden funktionieren. Unser Altersunterschied beträgt nur ein Jahr, und daher glaube ich, dass wir vielen Dingen eine ähnliche Anerkennung entgegenbringen. Kurzum: In der Zukunft würde ich Keanu gerne etwas anbieten."
Quelle: Kojima Productions / Sony
In Death Stranding verarbeitet Kojima unter anderem das Thema Tod, welches ihn seit seiner Kindheit begleitet. Als er 13 Jahre alt war, verstarb sein Vater und ließ ihn als Halbwaisen zurück.
Doch egal, ob nun mit oder ohne Keanu Reeves - wirft man einen Blick auf Kojimas bisherige Spieleveröffentlichungen, dann hat es im Schnitt drei bis vier Jahre gedauert, bis er einen neuen Titel auf den Markt brachte. Angekündigt wurden seine Werke allerdings meist schon deutlich früher. Behält man diese Informationen im Hinterkopf, scheint es mehr als realistisch, dass sich der umtriebige Brillenträger vermutlich schon zum Start der neuen Konsolengeneration zurückmeldet. Und wie denkt ihr darüber? Was heckt der Metal-Gear-Schöpfer als Nächstes aus? Schreibt es uns in die Kommentare. Kommt genügend Feedback zusammen, leiten wir eure Ideen und Wünsche gerne direkt an ihn weiter.
