Es gibt Serien, die haben ihren Zenit schon lange überschritten. Spy Hunter gehört definitiv dazu.
Ein Satz mit X, das war wohl nix!
Spy Hunter: Nowhere to Run
Wie gerne nehmen doch Entwickler und auch die zugehörigen Publisher den Mund voll wenn es darum geht einen Titel gescheit im Vorfeld zu bewerben. Himmelhoch jauchzende Versprechungen, was das neue Spiel nicht alles bieten wird, schürt die Vorfreude und soll - natürlich - mehr potentielle Käufer ansprechen und heiß machen, für diesen einen Titel auf jeden Fall Geld auszugeben. Doch leider, leider trumpfen gerade diese Spiele, die so heißblütig beworben und vorgestellt werden mit Enttäuschungen auf, da sie fast gar nichts mehr von dem zeigen, was eigentlich hätte drin sein sollen. Und so schließt sich der Kreis und auch der neue Spy Hunter Ableger muss sich - wohl fast schon erneut - gefallen lassen, in diese Schublade gestopft zu werden. Nicht nur dass der Versuch des Third Person Features ein Versuch geblieben ist, auch und gerade Grafikfreunde werden tief unglücklich sein. Triste, eintönige und grau-braune Massen zieren den Bildschirm und sollen dabei verschiedenste Umgebungen darstellen. Muss man die Gang- und Tunnelkonstruktionen schlicht komplett abwatschen, haben wenigstens die Außenbereich, speziell die Wasseraktionen, noch ein bisschen Charme. Zwar überzeugt am Ende das Wasser auch nicht wirklich und überdies hat die Konkurrenz schon in zig anderen Spielen bewiesen, wie gut Licht- und Schatteneffekte auszusehen haben. Aber mei, bekanntlich kann man nicht immer alles haben und so verbucht ihr die Außenlevel als wohltuende Abwechslung in dem sonst so trüben Grafikbrei. Im Übrigen helfen diese auch ansatzweise darüber hinweg, dass Explosionen eher wie ein Puff daher kommen und wenig Peng bieten.
Spy Hunter: Nowhere to Run
Allerdings ist die lieblose Darstellung der Umgebungen nur ein Manko, mit dem Spy Hunter das Karussell der Agentenspielchen betreten hat. Dazu gesellen sich, wie sollte es auch anders sein, nette kantige Texturen, immer wieder hübsch nervende Clippingfehler und Grafikblitzer runden den optischen Auftritt perfekt ab. Auch die Figuren passen sich in dieses eher missliche Bild hervorragend ein. Nicht nur, dass die Kollegen allesamt ein wenig langsam und gemütlich daher kommen, sie zeigen sich ebenfalls wenig proportioniert und erscheinen bisweilen schon recht grotesk in der Bewegung. Einen gravierenden Anteil an dieser hakeligen Fortbewegung trägt zweifelsfrei auch die Steuerung, die grundlegend zwar einfach, logisch und leicht erlernbar daher kommt. Beschreibt man sie indes versuchsweise als schwammig und im Gegenzug dann auch gerne mal als total überempfindlich mit wenigen bis gar keinen Druckpunkten, ist das sicher noch geschmeichelt. Viel, viel, viel und nochmals viel Gefühl braucht es, damit sich der Interceptor auf der Straße halten lässt und ihr zudem noch gescheit auf die Gegner zielen könnt. Gar zu heftige Lenkbewegungen bei hoher Geschwindigkeit - und die habt ihr fast immer - führen unweigerlich dazu, dass ihr einige nette Ausflüge in die Leitplanke bzw. ins Grüne macht. Unterm Strich müsst ihr aber nicht einmal im Fahrzeug sitzen; Seid ihr zu Fuß unterwegs und wollte die Gegner via Waffengewalt ausschalten, dürft ihr auch erst einmal viel Fingerspitzengefühl in Sachen zielen beweisen. Schnell geht schon mal gar nicht und bis ihr dazu gekommen seid den Zielpunkt zu fixieren, habt ihr den Gegner viel schneller einfach nur so nieder geknüppelt, in dem ihr einfach eure Fäuste bzw. die gegebenen schlagenden Fähigkeiten nutzt. Vor allem leidet ihr in diesem Fall dann wenigstens dann auch nicht unter der z.T. sehr miesen Kollisionsabfrage.
Was hast gesagt; Wieso mehr?
Spy Hunter: Nowhere to Run
Wenn Spy Hunter einen Trumpf hat, dann ganz sicher die Tatsache, dass mal wieder ein Spiel am Start ist, welches keine grundlegenden Englischkenntnisse voraussetzt. Brav haben die Mannen bei Midway dafür gesorgt, dass Texte in Wort und Schrift in Deutsch auf dem Bildschirm erscheinen und über die Lautsprecher kommen. Die Texte sind gut lesbar und auch die Spracheausgabe der verschiedenen Protagonisten kann sich hören lassen. Verschiedene Sprecher mit unterschiedlichen Intonationen hauchen den Figuren mehr Leben ein als die eigentliche Darstellung. Zwar hilft dieser Umstand am Ende dann auch nicht mehr die gemeinhin herrschende Dummheit der Darstellung zu übersehen; Aber bekanntlich kann man nicht immer alles haben. Nebenbei sei noch bemerkt, dass sich auch die gewählte und dann und wann hinterlegte Musik - gerne vorkommenden während der Race- und Schießeinlagen - hören lassen kann. Schnelle, treibende Beats, bestehend aus einer Art Rock, Klassik und Techno. Ein Gemisch, dass die etwas lang geratenen Ladepassagen erträglich macht.
Spy Hunter: Nowhere to Run
In Sachen Umfang werdet ihr wahrscheinlich zweigeteilt sein. Auf der einen Seite stehen immerhin 12 verschiedene Missionen an, die sich in verschiedene Etappen aufteilen und gesamt unterschiedlich lang sind. Angesichts der Tatsache, dass der Schwierigkeitsgrad - selbst wenn ihr euch für den "harten Weg" entscheidet - nicht wirklich hoch ist, werdet ihr ziemlich fix durch sein. Und spätestens dann setzt die Enttäuschung ein, denn einen Mehrspieler bzw. weitere Optionen sich mit dem Spiel zu beschäftigen, fehlen leider. Es gibt zwar einen Bereich mit Namen Bonus, aber der bietet nicht unbedingt das, was die Überschrift noch verspricht. Vielmehr sind in diesem Bereich ein paar mickrige Extralevel untergebracht, die zum Spielen einladen. Ein paar Waffen tummeln sich hier auch noch, die sich erspielen lassen und als quasi Sahnehäubchen serviert man das alte Spy Hunter von anno dazumal. All diese Dinge müssen natürlich erst frei gespielt werden und knüpfen sich an den Erfolg bzw. Misserfolg, den ihr erreichen sollt bzw. erleiden könnt. Am Rande sei dann noch angemerkt, dass sich alle Zwischensequenzen, und von denen gibt es nicht gerade wenig, in einem extra Ordner sammeln und dort zum wiederholten Male ansehen bereit stehen.
