Stalker 2 landet im Test irgendwo zwischen "Einfach nur Wow" und "Super-GAU"
Test
Schrecklich schön, schrecklich spannend, schrecklich kaputt: Der Test zu Stalker 2 ist ein Wechselbad der Gefühle.
Diese Liste könnte ich endlos fortführen, wenn mir nicht so viele und so viele verschiedene Bugs begegnet wären, dass ich den Wust schon gar nicht mehr überblicken kann. Zum Glück speichert das Spiel dauernd automatisch und mit verschiedenen Spielständen, andernfalls hätte mein Test wohl ein noch früheres Ende gefunden. Wollt ihr Stalker 2 jetzt schon spielen, dann sollte die F5-Taste trotzdem euer bester Freund werden - sicher ist sicher.
Aber solltet ihr Stalker 2 überhaupt jetzt schon spielen? Nun, wenn meine Erfahrung mit der Testversion (die schon in der Woche, die ich damit verbracht habe, mehrmals mit gigantischen Patches geupdated wurde) eines aussagt, dann das: Stalker 2 hätte noch mehr Zeit gebraucht und wenn ihr noch warten könnt, dann solltet ihr das vermutlich auch.
Wer jetzt schon einsteigt, der riskiert, sich die tolle Erfahrung, die unter all den Bugs vergraben liegt, zu vermiesen. Stalker 2 lebt davon, ins Unbekannte aufzubrechen, Dingen zu begegnen, die man erst begreifen muss, es lebt vom Ausprobieren und vor allem lebt es von seiner Atmosphäre.
Eine Welt zum Verlorengehen
Wie eingangs erwähnt, schafft es die auch manchmal durchzuscheinen, und dann zündet das Spiel so richtig. Völlig allein, ohne Plan, wie ich zu meinem Ziel kommen soll, den Elementen und Wundern der Zone ausgeliefert, begleitet von spektakulären Panoramen und Wettereffekten, die ihresgleichen suchen - das ist Stalker 2 in Bestform.
Ich will bei aller Kritik nicht unter den Tisch fallen lassen, wie fantastisch dieses Spiel aussehen kann und wie großartig es sich anhört. Die handgemachte Welt ist genauso riesig wie detailliert, mit dichter Vegetation bewachsen und abwechslungsreich. Jedes neue Gebiet, in das mich die Hauptstory nach und nach führt, zeichnet die Postapokalypse mit eigenen Nuancen, mit neuen Anomalien, Gegnern und Stimmungen.
Quelle: GSC Game World
Ich bin mehrmals minutenlang stehengeblieben und habe diese Stimmungen in mich aufgesogen, bis ich weiterziehen musste - oft, weil mir die Soundkulisse klarmachte, dass es gleich ungemütlich wird.
Mutantengeheul, Anomalien, Wettergeräusche und durch die Wildnis peitschende Schüsse sind hier das Salz in der Suppe und ich würde ein gutes paar Kopfhörer zur Pflichtausstattung eines jeden Stalkers zählen. Die dreidimensionale Ortbarkeit von Geräuschen klappt nicht ganz so gut wie etwa in einem Black Ops 6, aber sie klappt gut genug.
Technisch ist Stalker 2 definitiv ein Kind seiner Engine. Wie andere große Unreal-5-Spiele auch verspeist das Spiel eure Hardware zum Frühstück und will trotzdem noch einen Nachschlag. Upscaling-Methoden wie DLSS, FSR oder das eingebaute TSR sind Pflicht, sobald es über Full HD hinausgeht, und trotzdem ließen Siedlungen mit vielen NPCs meine Framerate gerne mal unter die 60 fallen (mit einer RTX 4070 Ti Super und einem Ryzen 7 7700X, hohen Settings in 4K mit DLSS auf der Performance-Stufe).
Außerhalb solcher Orte läuft's geschmeidiger, Pop-Ins und kleine Nachladehänger gibt's aber immer. Überraschend: Das Spiel ist mir während des gesamten Tests nur einmal abgestürzt. Auf den Xbox-Konsolen ist der Eindruck, gemessen an der schwächeren Hardware, ordentlich: Die Series X schafft die doppelte Bildrate ihrer kleinen Schwester, außerhalb von Siedlungen hält sie die auch recht stabil. Selbst auf der Series S ist die Grafik noch schick und das Bild ordentlich scharf.
Fazit: Abwarten, Wodka trinken
Es gibt immer noch viel Gesprächsbedarf. Ich hatte bisher keine Zeit, viele Nebenquests zu erfüllen, ich war noch nicht in allen Gebieten und die Hauptquest habe ich nicht abgeschlossen, geschweige denn unterschiedliche Verläufe ausprobiert, die zu einem von vier verschiedenen Enden führen sollen. Auch über das Gameplay ließe sich noch mehr sagen.
Stalker 2 ist riesig groß und komplex, und eine Woche voller Bugs, Ausweichen auf frühere Spielstände und Updates ließ mir nicht genug Zeit, um mir zu all diesen Dingen eine fundierte Meinung zu bilden.
Betrachtet meine Wertung daher als vorläufig. Sie bezieht sich auf das, was sich in 40 Stunden Spielzeit für mich am stärksten herauskristallisiert hat: Stalker 2 hat einen spannenden, wenn auch oft unbequemen Gameplay-Loop, der wunderbar zu seinem Setting passt. Dieses Setting ist ein bemerkenswerter Erfolg, voller Liebe zum Detail und mit einer großartigen Atmosphäre. Leider wird die Stimmung ständig getrübt. Von einer riesigen Flut an Bugs auf der einen und einem schwachen KI-System auf der anderen Seite.
Die vorläufige Wertung bezieht ein, dass ich fest daran glaube, dass die Entwickler weiter an ihrem Baby arbeiten, wie sie es bisher auch unermüdlich getan haben, und es in den Zustand bringen, den es verdient hat. Sie bezieht auch die Situation ein, in der dieses Spiel entstanden ist, die ich nicht ausblenden kann und will. Ich werde dranbleiben, weil mich Stalker 2 trotz all der Ärgernisse nicht loslässt, ich werde die Update-Situation verfolgen und die Wertung anpassen, sobald die Zeit reif ist.
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Stalker 2: Heart of Chornobyl ist ab dem 20. November 2024 für PC und Xbox Series erhältlich. Auf dem PC habt ihr die Wahl zwischen Steam, Epic Games Store und dem Xbox Store, aber auch auf der DRM-free-Plattform GOG.com wird das Spiel angeboten. Auf PC und Xbox ist das Spiel sofort im Game Pass enthalten. Eine PS5-Version gibt es zum Start nicht, es wird jedoch gemunkelt, dass Stalker 2 nur drei Monate lang Xbox-konsolenexklusiv bleiben könnte.
