Steam Deck im Test - Seite 3

Test Matthias Dammes
Steam Deck im Test - Seite 3
Quelle: Valve

Das Steam Deck von Valve will nicht weniger sein als eine eierlegende Wollmilchsau. Ein mobiler PC, der als Handheld neue Maßstäbe setzt und als kleine PC-Alternative neue Möglichkeiten eröffnet. Was das Gerät von diesen Versprechungen alles halten kann, haben wir im zweiwöchigen Test ausführlichst auf die Probe gestellt.

Steam-Oberfläche, Proton, SteamOS

Kommen wir nun zu den inneren Werten des Steam Deck, der Software. Wenn man das Gerät einschaltet und in der dedizierten Steam-Oberfläche landet, könnte man das Steam Deck für eine Konsole mit geschlossenem System halten. Es handelt sich jedoch um einen PC, bei dem im Hintergrund das SteamOS-Betriebssystem in der Version 3.0 läuft, also ein Linux-basiertes Betriebssystem. Damit die meist auf Windows ausgelegten Spiele der Steam-Bibliothek trotzdem laufen, kommt die eigens von Valve entwickelte Laufzeitumgebung Proton zum Einsatz. Pünktlich zum Start des Steam Deck wurde noch während unserer Testphase Proton in der Version 7.0 veröffentlicht. Damit wurde die Kompatibilität vieler Spiele nochmals verbessert oder gar erst möglich gemacht.
Das Ziel von Valve ist, langfristig die gesamte Steam-Bibliothek über Proton auf Linux lauffähig zu machen. Hier macht man mit dem Steam Deck also auch eine Investition in die Zukunft. Um dem Spieler eine bessere Orientierung zu geben, werden Spiele auf dem Steam Deck in vier Kategorien eingeteilt. Die mit einem Häkchen auf grünem Grund gekennzeichneten Titel sind verifiziert für das Steam Deck und teilweise sogar speziell angepasst. Hier ist mit wenigen bis gar keinen Problemen zu rechnen. Spiele, die mit einem "i" auf gelben Grund markiert sind, laufen grundsätzlich auf dem Steam Deck erfordern aber möglicherweise Anpassungen des Nutzers zum Beispiel bei der Einstellung der Steuerung. Auf jeden Fall ausgeschlossene Spiele werden mit einem grauen Balken gekennzeichnet. Dazu gehören zum Beispiel VR-Spiele.

Das Steam Deck hat eine eigene dedizierte Benutzeroberfläche, die sich bequem per Touchscreen oder Controller-Eingaben bedienen lässt. Quelle: PC Games Das Steam Deck hat eine eigene dedizierte Benutzeroberfläche, die sich bequem per Touchscreen oder Controller-Eingaben bedienen lässt. Alle anderen Titel, die nicht klar einer der drei ersten Kategorien zugeordnet werden können, sind mit einem Fragezeichen markiert. Das bedeutet lediglich, dass sie bisher keiner Prüfung unterzogen wurden. Es kann aber trotzdem sein, dass die entsprechenden Spiele ohne Probleme funktionieren. Wir haben während unserer Testphase eine ganze Reihe als "Unbekannt" eingestufte Spiele ausprobiert. Diese haben bis auf eine Ausnahme alle funktioniert und waren problemlos spielbar. Lediglich Cyberpunk 2077 verweigerte seinen Dienst, was nach Hinweisen der uns angezeigten Fehlermeldung aber mehr daran lag, dass die Hardware-Power des Steam Decks für das Spiel nicht ausreicht.

Auch wenn die Zahl der bisher verifizierten Titel im Vergleich zur Gesamtgröße der Steam-Bibliothek recht gering erscheint, muss man trotzdem festhalten, dass bisher keine Konsole mit einer so gewaltigen Launch-Bibliothek an den Start gegangen ist. Hier zahlt es sich eben aus, dass das Steam Deck "nur" ein PC ist. Und mit dem kann man zumindest theoretisch auch noch mehr anstellen, als nur Spiele zu spielen. So ist es ohne Probleme möglich, auch Windows auf dem Gerät zu installieren. Allerdings konnten wir mit dieser Installation noch nicht viel anfangen, da derzeit noch passende Treiber von AMD für die Hardware des Decks fehlen. Diese sollen aber pünktlich zum Launch zur Verfügung stehen.

Wie laufen die Spiele?

Entsprechend mussten wir uns bei den Spielen im Test zunächst auf jene Titel beschränken, die es auch tatsächlich über Steam gibt. Fan-Lieblinge wie Anno 1800 und Diablo, die einen anderen Launcher benötigen, blieben also erstmal außen vor. Das tat der Bandbreite der testbaren Spiele aber natürlich keinen Abbruch. Mit grafisch opulenten Titeln wie Cyberpunk 2077, The Witcher 3 und Forza Horizon 5 haben wir das Deck an seine leistungsmäßigen Grenzen gebracht. Nach Einschätzungen der Kollegen von PC Games Hardware bewegt sich die Rechenleistung des AMD-Chips, der CPU und GPU vereint, ungefähr auf dem Niveau einer Playstation 4. Bei Cyberpunk 2077 scheiterte die Hardware daher wie bereits beschrieben schon im Startvorgang.

Um bei The Witcher 3 spielbare Frameraten zu erreichen, müssen einige Grafikeinstellungen etwas zurück gedreht werden. An HairWorks ist jedenfalls nicht zu denken. Quelle: PC Games Um bei The Witcher 3 spielbare Frameraten zu erreichen, müssen einige Grafikeinstellungen etwas zurück gedreht werden. An HairWorks ist jedenfalls nicht zu denken. The Witcher 3 und Forza Horizon 5 liefen dagegen. Allerdings nur mit deutlichen Abstrichen bei der grafischen Qualität. Zwar muss die Hardware nur eine Auflösung von 1280x800 Pixeln berechnen, für die aufwändigen Grafikeffekte dieser Spiele bleibt dann trotzdem kaum noch Leistung übrig. Gerade Forza Horizon 5 lief nur bei minimalen Grafikeinstellungen, wo von der eigentlich so beeindruckenden Grafikpracht des Spiels nichts mehr übrigbleibt. Das ohnehin schon auffällige Problem des Spiels mit langen Ladezeiten schien auf dem Deck nochmal zugenommen zu haben. Besser schneidet da The Witcher 3 ab, das mit immerhin noch hohen Grafik-Einstellungen auf recht stabile 40 bis 45 FPS kommt. Erstaunlich gut und optisch ansprechend lief auch Horizon: Zero Dawn, das mit einer Mischung aus mittleren und hohen Einstellungen auf stabilen 30 bis 40 FPS betrieben werden kann.

Optisch kaum Kompromisse muss man dagegen bei Titels wie Crusader Kings 3 und Age of Empires 2 Definitive Edition eingehen. Beide Spiele sind zwar bislang ungeprüft, liefen in unseren Tests aber ohne Probleme - zumindest was die technische Seite angeht. Das größere Problem bei diesen reinen PC-Spielen, die eigentlich auf eine Bedienung mit Maus und Tastatur ausgelegt sind, ist eben die Handhabung. Crusader Kings 3 emuliert seine Steuerung ganz gut auf die Möglichkeiten, die das Steam Deck bietet. Es hat sogar einen sehr nützlichen Schnellzugriff auf einzelne Spielmenüs über das linke Trackpad. Aber ganz reibungslos spielt es sich trotzdem nicht. So gibt es in der Standardeinstellung keinerlei Möglichkeit, die Kartenansicht zu zoomen. Die Menüs und Schriften sind teilweise auch sehr kleinteilig, womit der eine oder andere Spieler möglicherweise Probleme haben könnte.

Dass die Simulation der Maus durch das Trackpad längst nicht so präzise ist, erwähnte ich bereits. Bei einem eher langsamen Spiel wie Crusader Kings 3 fällt das noch nicht so sehr ins Gewicht. Bei Age of Empires 2 hatten wir damit dann aber schon mehr Probleme. Solange man noch unter sich ist, und nur ein paar Dorfbewohner befehligt, mag es noch gehen. Aber sobald es hektisch wird und man seine Truppen effektiv befehligen möchte, ist die Steuerung per Trackpad kaum noch zu gebrauchen. Wir können uns jedenfalls nicht vorstellen, ein Spiel wie Age of Empires auf Dauer ohne echte Maus zu spielen. Spiele, die von Haus aus auch auf Controller ausgelegt oder angepasst sind, haben auf dem Steam Deck daher deutlich bessere Karten.

Bei Spielen wie Age of Empires 2 ist die Performance weniger das Problem, als die eher unzureichende Maus-Emulierung durch das Trackpad. Quelle: PC Games Bei Spielen wie Age of Empires 2 ist die Performance weniger das Problem, als die eher unzureichende Maus-Emulierung durch das Trackpad. Das gilt natürlich auch für Indie-Hits wie Stardew Valley und Valheim. Das beliebte Farming-Abenteuer stellt keine besondere Herausforderung an die Hardware dar und lässt sich exzellent bedienen. Valheim hat zwar die üblichen Macken, die es auch auf normalen PCs hat, funktioniert sonst aber wie gewohnt, auch im Online-Modus. Apropos Online, bei Spielen mit Online-Komponenten kommt es sehr stark auf die Mehrspieler-Technik an und darauf, ob die Entwickler des jeweiligen Spiels die richtigen Voraussetzungen geschaffen haben. So haben wir zum Beispiel den derzeitigen Hypetitel Lost Ark ausprobiert. Dieser kann jedoch keine Verbindung herstellen, was am verwendeten EasyAnticheat liegt. Dieses Programm wird zwar von Proton unterstützt. Allerdings müssen die Entwickler in ihren Einstellungen die Funktionsweise auf Proton auch zulassen, was bei Lost Ark bisher nicht geschehen ist. Ähnliches haben wir beim Online-Modus von Absolver beobachtet.

Das auch auf die Verifizierung nicht immer verlass ist, zeigte uns übrigens Dead Cells. Der Indie-Hit wird zwar als verifizierter Titel angezeigt, lief bei uns im Test aber überhaupt nicht. Nach dem Start eines Spiels bekamen wir lediglich einen permanenten schwarzen Bildschirm präsentiert, bis wir das Spiel manuell beendeten. Die Desktop-Ansicht des SteamOS-Betriebssystems. Die installierten Steam-Spiele lassen sich auch von hier aus starten, aber wirklich sinnvoll als PC nutzen lässt sich das Steam Deck derzeit eher nicht. Quelle: PC Games Die Desktop-Ansicht des SteamOS-Betriebssystems. Die installierten Steam-Spiele lassen sich auch von hier aus starten, aber wirklich sinnvoll als PC nutzen lässt sich das Steam Deck derzeit eher nicht.

Der mobile PC ist eine Diva

Gut funktioniert haben dagegen die Funktionalitäten rund um die Spiele. Dank Cloud-Saves konnten wir unsere Spielstände vom PC direkt im Steam-Deck weiterspielen. Wenn vorhanden, wurden auch Mods aus dem Workshop für die entsprechenden Spiele übertragen. So konnten wir eine am PC begonnene gemoddete Partie in Crusader Kings 3 nahtlos auf dem Steam Deck fortsetzen. Ähnlich reibungslos funktioniert der Standby-Modus, der Spiele jederzeit pausierbar macht. Eine abends im Bett begonnene Partie Age of Empires 2 versetzten wir in den Schlafmodus und haben sie am nächsten Morgen im Büro einfach fortgesetzt.

Das Steam Deck und seine dedizierte Steam-Oberfläche funktionieren also im Grund ohne größere Probleme. Das gilt allerdings nur, solange man in dieser kontrollierten Umgebung bleibt und sich wie ein normaler Spieler verhält, der einfach nur Spiele installieren und starten möchte. Sobald man sich wie ein PC-Nutzer verhält, der alles Mögliche mit seiner Maschine anstellt, treten diverse Kinderkrankheiten und eigentümliches Verhalten der Software zu Tage. Die Steam-Oberfläche kann sich gerne mal aufhängen, wenn man mit den fortschrittlicheren Optionen zur Hardware-Einstellung herumspielt. Auch im Zusammenhang mit extern angeschlossener Peripherie haben wir hin und wieder eigenartiges Verhalten, wie nicht richtig ladende Menüs oder Aussetzer, die einen Neustart erfordern, beobachtet.
Probleme gibt es auch, wenn man die Steam-Oberfläche verlässt und auf den Linux-Desktop des SteamOS schaltet. Sollte man versuchen, diese Oberfläche ohne externe Eingabegeräte zu bedienen, kommt man nämlich sehr schnell an seine Grenzen. So ist es zum Beispiel nahezu unmöglich in der Desktop-Ansicht die virtuelle Tastatur zu öffnen, die man aber für alle möglichen Eingaben gebrauchen könnte. Selbst einfaches surfen im Internet wird so zur großen Herausforderung. Das Steam Deck als PC-Ersatz zu verwenden, scheint unter den derzeitigen Umständen eh kein wirklich ratsames Vorhaben zu sein - zumindest bis das zugehörige Dock erscheint.

Das Gerät hat abgesehen von der Klinkenbuchse für Kopfhörer lediglich einen USB-C-Anschluss für die physische Verbindung von Geräten. Man benötigt also einen Adapter, wenn man hier Dinge wie einen Monitor anschließen will. Uns ist es im Test gelungen über einen Mehrfach-Adapter einen HDMI-Bildschirm, Maus, Tastatur und Controller sowie die Stromversorgung und Kopfhörer anzuschließen. Dies gelang uns allerdings auch nicht mit jedem Monitor. Einen Grund, warum es bei einigen Geräten funktioniert und bei anderen nicht, ließ sich bisher nicht ausmachen. Wirklich viel Nutzen kann man aus einem solchen Setup derzeit aber eh nicht ziehen. Das Angebot an Programmen für SteamOS ist überschaubar und Windows funktioniert aus genannten Gründen derzeit noch nicht richtig. Zum Spielen lohnt sich der Anschluss eines Monitors gleich gar nicht. Das Betriebssystem und auch die dedizierte Steam-Oberfläche laufen zwar in der nativen Auflösung des Monitors, bei den Spielen ist man aber trotzdem auf die maximale Steam-Deck-Auflösung von 1280x800 beschränkt, was auf einem großen Bildschirm natürlich sehr bescheiden aussieht.

Fazit

Nach zwei Wochen mit dem Steam Deck ist es gar nicht so einfach ein aussagekräftiges Fazit über dieses neue Stück Hardware zu ziehen. Man bekommt damit aktuell den wohl größten, leistungsstärksten und vielfältigsten Handheld auf dem Markt. Ein Handheld, der davon profitiert, dass er auf eine bereits vorhandene Spielebibliothek von tausenden von Titeln zurückgreifen kann. Für den Preis von 420 bis 680 Euro findet man derzeit nichts Vergleichbares auf dem Markt. Ob das Steam Deck letztlich das erfüllt, was man sich von ihm erwartet, kommt darauf an, was man mit dem Gerät vorhat.

Das Steam Deck ist eine ernstzunehmende Handheld-Alternative, hat aber noch viele Macken, wenn man versucht es als PC zu nutzen. Quelle: PC Games Das Steam Deck ist eine ernstzunehmende Handheld-Alternative, hat aber noch viele Macken, wenn man versucht es als PC zu nutzen. Wer es wirklich nur als mobile Spielekonsole verwenden möchte, um seine Lieblingstitel auch im Urlaub, der Bahn oder im Park zocken zu können, hat hier in jedem Fall eine starke Alternative zur Switch und anderen Handhelds. Solange man sich nicht über den "Konsolen-Nutzer"-Modus hinausbewegt, hat man auch wenig mit den noch vorhandenen Krankheiten der Software zu kämpfen. Lediglich mit den wirklich lauten Betriebsgeräuschen wird man sich abfinden, oder von vornherein auf Kopfhörer-Nutzung umstellen müssen.

Sobald man sich vom Steam Deck aber mehr erwartet, wenn man diesen mobilen PC auch wirklich als solchen einsetzen will, ist man mit einem Laptop am Ende vielleicht doch besser aufgehoben. SteamOS hat noch so seine Probleme und wann Windows fehlerfrei läuft, steht auch noch nicht fest. Zumal dann noch abzuwarten bleibt, wie performant das Gerät mit Windows agiert. Potential ist auf jeden Fall vorhanden, wird derzeit nur noch nicht vollends ausgenutzt. Valve arbeitet weiter an der Entwicklung von Proton und das hauseigene Dock soll noch erscheinen. Es ist also noch Spielraum vorhanden, die Nutzungsoptionen des Steam Deck auszubauen.

Fraglich ist beim Blick in die Zukunft lediglich, wie lange die begrenzte Hardware ausreicht, um dem Versprechen "Spiele deine Steam-Bibliothek unterwegs" gerecht zu werden. Wenn schon jetzt Spiele wie Cyberpunk mangels Leistung nicht laufen, wird dieses Problem mit der sich stetig weiter entwickelnden Spielelandschaft nur zunehmen. Für den Moment ist das Steam Deck aber durchaus ein mächtiger Konkurrent auf dem Handheld-Markt, dem wohl mehr Erfolg zuteilwerden dürfte als den berüchtigten Steam Machines. Eine Revolution des Spielemarktes wird von ihm aber wohl nicht ausgehen.

Meinung

Offizieller Launch des Steam Decks ist am heutigen 25. Februar 2022. Ab jetzt können die Reservierungen, die im vergangenen Jahr getätigt werden konnten, in entsprechende Bestellungen des Geräts umgewandelt werden. Das erfolgt in Schritten und ist derzeit mit längeren Wartezeiten verbunden. Wer sich derzeit für die Reservierung eines Steam Decks anmeldet, wird voraussichtlich nicht vor dem dritten Quartal 2022 zu einer Bestellung übergehen können. Wer an der Reihe ist, bekommt eine E-Mail von Valve und hat dann 72 Stunden Zeit seine Reservierung in eine Bestellung umzuwandeln.
Wenn ihr trotz des umfangreichen Artikels noch Fragen zum Gerät habt, stellt diese doch gerne in den Kommentaren. Ich versuche so weit wie möglich dort darauf einzugehen, oder die Anregungen für nachfolgende Artikel zu verwenden.

  1. Seite 1 Steam Deck im Test - Seite 1
  2. Seite 2 Steam Deck im Test - Seite 2
  3. Seite 3 Steam Deck im Test - Seite 3
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk