Was macht eigentlich Death Trash? -Seite 2

Special Christoph Jaschinski
 Was macht eigentlich Death Trash? -Seite 2
Quelle: Crafting Legends

Letztes Jahr ist Death Trash in den Early Access gestartet. Nun sollen monatliche Updates die Geschichte endlich voranbringen. Was ihr jetzt schon von dem Action-RPG aus Berlin erwarten könnt und wie es weitergeht, erklären wir euch in unserer Preview.

Das etwas andere Fallout - was Death Trash erfrischend anders macht

Während das Gameplay zwar angenehm viele Freiheiten bietet und zum Experimentieren einlädt, sind die Mechaniken weitestgehend bekannt. Death Trash punktet aber in Sachen Weltdesign und Soundkulisse. Das Spiel entführt uns in eine postapokalyptische Welt voller Fleisch, Sand und Metall. Dabei wirken die Landschaften und Assets, als wären sie einem Black-Metal-Album-Cover entnommen und hastig in Pixel-Art umgesetzt. Die einzelnen Pixel sind nicht gesetzt, sondern wie mit einem Pinsel gezogen. Dadurch lehnt sich die Optik des Spiels an andere isometrische Rollenspiele wie Planescape Torment und Icewind Dale an, die auch etwas Malerisches haben. Stephan Hövelbrink selbst sagt, dass er mit seinem Artstyle "etwas von diesem dreckigen Pinselstrich mit der Pixelart verbinden [wollte], die 2015 von vielen Leuten noch sehr rigide und strikt gehandhabt wurde. Da gab es ein gefühltes Regelwerk fürs Pixelart zeichnen, was man allein dadurch schon schön durchbrechen konnte, indem man unsauber malte, anstatt jeden einzelnen Pixel exakt zu setzen."

Der Entwickler wollte 2015 andere Akzente setzen als viele Titel zu der Zeit. Die typische Farbpalette von postapokalyptischen Rollenspielen, die zumeist Braun- und Grautöne umfassten, werden in Death Trash durch kräftige Akzente wie riesige pulsierende Fleischberge oder -Monster in knalligem Rot unterbrochen - das Fleisch und die Titanen.
Death Trash bietet viele Möglichkeiten, den eigenen Charakter zu entwickeln.      (1) Quelle: Crafting Legends Death Trash bietet viele Möglichkeiten, den eigenen Charakter zu entwickeln.      (1)

Der Sound ist äußerst atmosphärisch. Während wir durch die Weiten des Ödlands ziehen, hören wir den Wind heulen und in den Dungeons wummert es bedrohlich, fast metallisch. Auch hier sollen bald neue, stimmungsvolle Stücke hinzukommen. Neben dem erfrischenden Weltdesign und einer stimmigen Soundkulisse fällt aber auch ein Gameplay-Element auf, das eine sehr zentrale und dennoch beiläufige Funktion einnimmt: das Kotzen. Schon in den ersten Minuten muss unser Charakter beim Betreten der düsteren Welt von Death Trash vor seine Stiefel reihern. So weit, so normal. Immerhin kann es einfach auch den Hartgesottensten überfordern, in einer Welt voller Fleisch und Staub aufzuwachen und fortan in einer rauen Umgebung um sein Überleben zu kämpfen. Spätestens seit Hotline Miami kennen wir Hauptfiguren, denen sich beim Anblick von Tod und Verderben der Magen umdreht.

Dennoch nimmt das Übergeben in Death Trash zurzeit eine wichtige Funktion ein. Wenn unser Charakter ein Stück (rohes!) Fleisch verspeist, kann er damit einen Teil seiner Gesundheit wiederherstellen. Gleichzeitig steigt aber auch unsere Infektion. Gesund scheint dieses Fleisch also nicht. Den Status über den Grad unserer Infektion können wir oberhalb unserer Lebensleiste ablesen. Einmal ausreichend gefüllt, löst die Infektion zuerst eine psychedelisch anmutende Sicht aus und lässt die Welt um uns herum unangenehm verschwimmen. Treiben wir unseren Charakter weiter dazu, das Fleisch zu vertilgen, dann bekommen wir permanenten Schaden.
Immer wieder treffen wir auf das Fleisch.  Quelle: Crafting Legends Immer wieder treffen wir auf das Fleisch.  Um dieser Infektion entgegenzuwirken, gehen wir kurz in unser Aktionsrad und wählen die Aktion "kotzen" aus. Daraufhin übergibt sich der Charakter vor seine Füße und weiter geht es. Praktisch ist nur, dass wir das Erbrochene direkt wieder aufheben und als Schmiermittel für diverse Maschinen nutzen können.

In Zukunft soll es aber noch weitere Wege geben, einer steigenden Infektion beizukommen, denn manchmal verkommt diese ulkige Funktion doch etwas zur Routine und fühlt sich eher mechanisch an. Immerhin kann man das Geräusch des Übergebens im Menü ausstellen.

Death Trash bietet auch einen lokalen Koop-Modus. Der ermöglicht es euch, mit einem zweiten Controller einen Freund in die Welt zu holen. Gemeinsam könnt ihr die kargen Landschaften und stählernen Verliese erkunden und euch zusammen durch die raue Welt von Death Trash metzeln. Gerade dieser Aspekt des Spiels macht besonders viel Spaß. Allein kann es mitunter etwas hektisch werden, wenn ihr euch einer großen Gruppe Feinden gegenüberseht. Da ist es immer gut, jemanden dabei zu haben, der einem den Rücken freihält.

Wie geht es mit Death Trash weiter?

Seit August 2021 ist das Spiel nun in der Early Access. Ursprünglich war geplant, das Spiel ein Jahr nach der Early Access zu veröffentlichen. Doch ein Release im Spätsommer dieses Jahres erscheint aktuell eher unwahrscheinlich. Zuletzt gingen die Entwickler, Stephan Hövelbrink und Christian Heusser, immer wieder auf Feedback aus der Community ein. So ermöglichten sie es den Spielenden, dank eines Modding Tools, das Spiel in andere Sprachen zu übersetzen. Mittlerweile steht aber das technische Untergerüst und die Entwickler können ihren Fokus voll auf die Inhalte legen. Aus dem Release im Spätsommer wird aber nichts, sodass die Entwickler von 2023 ausgehen.
In der Welt von Death Trash bewegen wir uns mittels Karte fort.                           Quelle: Crafting Legends In der Welt von Death Trash bewegen wir uns mittels Karte fort.                           Immerhin soll es jetzt monatlich Updates geben, die die Geschichte Stück für Stück weitererzählen werden. Im Februar gab es bereits ein solches Update, das aber noch vorrangig Optimierungen für die Steuerung und das Spielgefühl brachte. Ende März erschien mit Patch 0.8.1 ein weiteres Update, das vor allem weiter am Balancing feilte und neue Waffen einführte. Eventuell geht es auch bald mit der Hauptgeschichte weiter, die zurzeit noch relativ abrupt endet. Aktuell kann man ungefähr fünf bis sieben Stunden in der Welt des tödlichen Mülls verbringen. Angepeilt sind laut dem Entwickler 20 Stunden.

Wen spricht Death Trash an?

Grundsätzlich ist Death Trash für alle Fans von isometrischen Rollenspielen ein vielversprechender Titel. Gerade Fallout-Veteranen oder -Liebhaber sollten hier auf ihre Kosten kommen. Wem das rundenbasierte Kampfsystem der ersten beiden Teile nicht gefiel, findet vielleicht Gefallen an den Echtzeitkämpfen von Death Trash. Wer postapokalyptische Welten voller absonderlicher Charaktere und witzigen wie auch markigen Dialogen mag und in dem Genre ein erfrischendes Weltendesign sehen möchte, dem sei Death Trash aber auch sehr ans Herz gelegt.

In der aktuellen Fassung ist das Spielerlebnis schon sehr rund und im bereits erwähnten lokalen Koop-Modus macht das Erkunden der Welt gleich doppelt so viel Spaß. Wenn ihr also jemanden habt, der sich mit euch durch die Welt von Death Trash schlagen möchte, umso besser. Aber auch allein kann man einige schöne Stunden verbringen.

Wer allerdings die Story in einem Rutsch spielen oder noch mehr Zeit mit Nebenquests verbringen möchte, der sollte warten. Denn wenn man Kritik an dem Erstlingswerk von Crafting Legends üben müsste, dann wohl diese: Es ist sehr kurz. Und das ist schade, möchte man doch gerne erfahren, was es mit der Welt und den Titanen auf sich hat. Auch könnte das Spiel noch mehr Nebenquests vertragen. Und wer weiß? Vielleicht bekommen wir ja noch Minispiele. Immerhin wurde uns mal Blackjack versprochen.

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