Antstream: Wir haben das Netflix für Retro-Spiele ausprobiert
Special
Mit Antstream soll im 1. Quartal 2019 eine neue Streaming-Plattform für Spiele-Klassiker an den Start gehen, die mit folgendem Slogan wirbt: "Keine Downloads, keine fummeligen Emulatoren, nur Instant Streaming." Weil man bei Antstream alle Spiele im Portfolio unbegrenzt zu einem Festpreis nutzen darf und der Dienst damit so etwas wie ein Netflix für Retro-Games ist, könnte er sich zumindest theoretisch durchaus zu einer Konkurrenz für GOG entwickeln, bei denen mal zahlreiche Retro-Games kaufen kann. Wir haben den Dienst, der sich derzeit in der Alpha-Phase befindet, schon einmal ausprobiert.
Nach der Installation des Antstream-Client (derzeit ca. 40 MB) und dem Login-Vorgang fanden wir uns auf der aufgeräumten Startseite wieder, die sich in mehrere Bereiche aufteilt. Den größten Teil nimmt natürlich die Übersicht der verfügbaren Spiele ein, die nach Themen sortiert sind (Plattformer, Action, Amiga Games, kürzlich gespielt, neu hinzugefügt etc.).
Am oberen Rand befindet sich die Navigation, über die ihr Einstellungen, Nachrichtensystem und einen persönlicher Bereich mit Achievements, Challenges und optionaler Social-Media-Verknüpfung erreichen könnt. Ob die Spiele denn für immer im Dienst verfügbar sind werden oder vielleicht auch nach einiger Zeit wieder daraus verschwinden, wie es bei Serien-Streamingdiensten meist der Fall ist, wollten wir von Antstream-CEO Steve Cottam wissen: "Wir haben großartige Content-Partner mit denen wir vorhaben, auf einer langfristigen Basis zusammenzuarbeiten. Unsere Intention ist es, die Lizenzen der Spiele kontinuierlich zu verlängern."
Titelauswahl noch durchwachsen
Quelle: Antstream
Steve Cottam, CEO von Antstream
In der von uns ausprobierten Presse-Vorabversion auf dem PC waren 64 Titel. Darunter waren etwa bekannte Spiele wie International Karate, Speedball 2: Brutal Deluxe, Nebulus oder Uridium. Die komplette Liste des Preview-Lineups findet ihr am Ende des Artikels. Zum Start der Plattform spätestens zum Ende des 1. Quartals 2019 sollen dann ca. 400 Titel im Portfolio sein und bald noch viele weitere folgen. Das Unternehmen hat uns gegenüber erklärt, bereits mehr als 2000 Spiele für Antstream unter Vertrag genommen zu haben. Dabei steht die Firma aber vor dem gleichen Problem wie andere Anbieter von älteren Spielen: die Titel müssen nicht nur lizenziert, sondern auch auf modernen Geräten und Betriebssystemen wieder lauffähig gemacht werden. Außerdem möchte Antstream euch trotz des Alters der Spiele einen gewissen Komfort bieten und schraubt derzeit an einem automatischen Speichersystem. Wie das genau funktioniert, wollte uns die Firma noch nicht im Detail verraten, aber wir gehen davon aus, dass es ein ähnliches System wie bei der Playstation Classic sein wird, bei der Spiele automatisch gespeichert werden, wenn man sie verlässt. Aktuell ist die Funktion noch nicht implementiert. CEO Steve Cottam uns gegenüber dazu: "Auto-Save ist in Entwicklung und wird kurz nach dem vollständigen Start von Antstream hinzugefügt."
Quelle: PC Games
Auch bei Speedball 2: Brutal Deluxe (Amiga) war beim Alpha-Test des Streaming-Dienstes Antstream der untere Bildschirmrand noch leicht verzerrt.
Für PC, Tablet und Handy
Das Besondere am Streamingdienst ist, dass die Hunderte von Spieleklassikern nicht nur via PC und Mac, sondern auch auf der Xbox One und einem Android-Gerät wie Handy oder Tablet spielbar sein werden. Alles, was ihr braucht, sind die App und euer Account und ihr könnt querbeet auf allen unterstützten Plattformen alle in Antstream enthaltenen Titel spielen und dann wahlweise eben mit Tastatur, Controller oder auch Touchscreen bedienen. Zu jedem Spiel gibt es für jede dieser Varianten auf einem eigenen Bildschirm jeweils eine kurze Erklärung der Steuerung. Das konnten wir allerdings noch nicht ausprobieren; wir durften aktuell nur die Vorabversion für den PC nutzen.
Weltweit verfügbar und nationale Server
Quelle: PC Games
Antstream: "Prehistoric Isle in 1930" (Arcade)
Die Spiele werden vom Server des Anbieters gestreamt, es muss bei deinen Geräten also außer der Antstream-App nichts installiert werden. Streaming bedeutet aber auch, dass eure Eingaben von Tastatur oder Controller via Internet an den Server übertragen und erst dort im Spiel umgesetzt werde. Um flüssiges Spielen zu erreichen, will Antstream auch entsprechend in die Server investieren. Der Dienst wird nach Aussagen des Geschäftsführers zunächst im westlichen Markt starten, bevor man ihn dann auch weltweit anbieten wird. Steve Cottam dazu: "Unser Ziel ist es, die Server so nah wie möglich an die Nutzer zu bringen. Es wird Server in allen von uns betreuten Gebieten geben - einschließlich Deutschland." Dennoch können bei einer langsamen Internetverbindung sogenannte "Lags" auftreten, d. h. dass eure Eingaben nur verzögert im Spiel "ankommen" - bei vielen Arcade-Klassikern, in denen es in der Regel um schnelle Reaktionen geht, würde sich das natürlich entsprechend auf den Spielspaß auswirken.
Von dicken Leitungen und dicken Lags
Quelle: PC Games
Antstream: "Magician Lord" (Arcade). Auch hier war der untere Bildschirmrand in der Alpha-Version noch leicht verzerrt.
Und so haben auch wir beim Ausprobieren von Antstream mit zwei unterschiedlichen Providern sehr verschiedene Erfahrungen gemacht. Während wir mit einer privaten 100-Mbit-Leitung von 1&1 (Telekom) nahezu keine Probleme mit Lags und grafischer Darstellung hatten, ging mit unserer deutlich dickeren Leitung im Firmennetzwerk auf einem zweiten PC fast nichts. Lediglich im Pause-Modus hatten wir ein scharfes Bild ohne Grafikfehler. Sobald wir aber spielen wollten, bekamen wir nur noch Pixelbrei zu sehen. Das Bild war so verzerrt, dass jeder Photoshop-Filter neidisch geworden wäre und spielen unmöglich war. Im Pause-Modus war das Bild wieder störungsfrei zu erkennen. Eine mögliche Ursache für dieses Problem könnte das Routing des Internetproviders sein, auf das man als Kunde keinen Einfluss hat. Mit anderen Worten: Wenn die Datenpakete erst über drei andere Kontinente düsen, bevor Sie von Deutschland aus beim Antstream-Server (derzeit noch nur) in Großbritannien ankommen bzw. es auch rückwärts zu diesen Umwegen kommt, dann nützt auch die dickste Leitung nichts. Doch dieses Problem sollte eigentlich allein schon durch die bald kommenden Server in Deutschland entschärft werden. Beim zweiten Test mit der 1&1-Leitung (Telekom) konnten wir dann fast alles problemlos spielen. Es gab es lediglich bei manchen Spielen das Problem, dass der untere Rand etwas verzerrt war, aber das war diesmal lediglich ein kosmetischer Makel - man konnte dennoch spielen.
Kickstarter wird weitere Details enthüllen
Quelle: PC Games
Antstream: "Flimbo's Quest" (Amiga)
Bei all dieser Kritik sollte man aber bedenken, dass es sich aktuell ja auch noch um eine Alpha-Version handelt, mit der das Produkt erstmal der Presse vorgestellt werden soll und lange noch nicht fehlerbereinigt ist. Zum Start der Plattform sollen solche Probleme natürlich der Vergangenheit angehören und euer Spielspaß im besten Fall komplett ungetrübt sein. Schlussendlich muss jeder Interessierte nach dem offiziellen Release selbst prüfen, ob der Dienst ihm zuhause auch wirklich fehlerfrei nutzbar ist. Ob es einen bei Antstream einen kostenlosen Probemonat geben wird, steht noch nicht fest. "Wir denken derzeit über verschiedene Strategien nach und ich kann dazu vorerst keine konkrete Antwort geben", vertröstete uns Steve Cottam auf Nachfrage. Auch welchen Betrag ihr für das "Retro-Games-Netflix" zahlen müsst, steht noch nicht fest. Das und auch das vollständige Line-Up zum Start soll dann die bald startende Kickstarter-Kampagne verraten. Auf der Facebook-Seite von Antstream werden übrigens täglich neue Titel enthüllt, zuletzt waren es "Fantasy World Dizzy", "California Games" und "Auf Wiedersehen Monty".
In unserem Anstream-Pressekonto waren diese 64 Spiele bereits vorhanden und spielbar:
Was denkt ihr? Wäre (ein technisch reibungslos funktionierendes) Antstream mit seinem Flatrate-Streaming-Konzept für euch eine Alternative zum Kauf von Retro-Titeln? Wir freuen uns auf eure Kommentare!
