Streets of Rage 4 in der Vorschau: Tolle Weiterführung der legendären Keilerei

Special Christian Dörre
Streets of Rage 4 in der Vorschau: Tolle Weiterführung der legendären Keilerei
Quelle: DotEmu, LizardCube

Streets of Rage 4 hat zwar immer noch keinen richtigen Erscheinungstermin, doch wir durften die Fortsetzung des Prügel-Klassikers vom Sega Mega Drive nun zumindest ausführlich anspielen. In dieser Vorschau erfahrt ihr, warum das Sidescroll-Beat-'em-Up aller Voraussicht nach ein mehr als würdiger Nachfolger zur beliebten Sega-Reihe wird.

Bereits auf der gamesom 2019 in Köln durften wir Streets of Rage 4 (jetzt kaufen 31,59 € ) kurz anspielen, doch die Zeit reichte nicht aus, um die Neuerungen und Veränderungen richtig zu erfassen. Nun stellte uns Publisher DotEmu jedoch eine Preview-Demo zur Verfügung, in der wir ganze drei Stages und mit allen fünf spielbaren Charakteren losziehen durften, um auf den Straßen für Ordnung zu sorgen. Den Online-Koop-Modus durften wir natürlich noch nicht ausprobieren, aber wir konnten bereits lokal mit bis zu drei weiteren Mitspielern die Fäuste fliegen lassen. Dabei überzeugte Streets of Rage 4 nicht nur Kenner der Originale, sondern machte auch den Kollegen Spaß, an denen die legendären Sega-Prügler damals komplett vorbeigingen.

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Neue und alte Helden

Cherry Hunter schlägt mit ihrer Gitarre zu und ist die Tochter von Serien-Urgestein Adam Hunter. Quelle: DotEmu, LizardCube Cherry Hunter schlägt mit ihrer Gitarre zu und ist die Tochter von Serien-Urgestein Adam Hunter. Die Handlung von Streets of Rage 4 spielt etwa zehn Jahren nach den Geschehnissen des Vorgängers, der vor ganzen 26 Jahren noch für Segas 16-Bit-Konsole Mega Drive erschien. Erneut ziehen kriminelle Schläger durch die Straßen und wir sind uns ziemlich sicher, dass auch diesmal Verbrecherboss Mr. X dahinter steckt. Das können die ehemaligen Cops Axel Stone und Blaze Fielding natürlich nicht einfach mit ansehen und ziehen in den Kampf. Dabei erhalten die beiden Protagonisten der ersten drei Serienteile jedoch schlagkräftige Unterstützung.

Ex-Boxer Adam Hunter ist zum ersten Mal seit dem originalen Streets of Rage aus dem Jahr 1991 wieder ein spielbarer Charakter und er bringt sogar familiäre Unterstützung mit. Diesmal aber nicht seinen kleinen Bruder "Skate", den man im zweiten Teil steuerte, sondern seine Tochter Cherry, die ihr Seriendebüt feiert. Die ist zwar nicht auf Rollschuhen unterwegs, hat aber stets ihre E-Gitarre dabei, mit der sie auch gerne mal zuschlägt. Der fünfte Charakter im Bunde ist ebenfalls ein Serien-Neuling und hört auf den Namen Floyd Iraia.

Alle Charaktere unterscheiden sich natürlich in ihren Fähigkeiten und Kampfstilen. Axel ist in Sachen Stärke und Geschwindigkeit relativ ausgewogen, während die Schläge von Blaze nicht sonderlich viel Schaden verursachen, sie dafür aber verdammt schnell ist. Adam hingegen schlägt nicht ganz so hart zu wie Axel, kann aber dafür längere Kombos ausführen und Töchterchen Cherry ist sogar noch etwas schwächer als Blaze, kann ihre Angriffe dafür aber besser miteinander verketten als alle anderen Charaktere. Floyd ist der Tank der Gruppe und erinnert mit seiner Stärke sehr an den Wrestler Max aus Streets of Rage 2. Allerdings hat Floyd Roboterarme, die er ausfahren kann. Besonders lustig: Floyd kann zwei Gegner gleichzeitig greifen und sie dann mit den Köpfen zusammenschlagen.
Der Charme der Vorgänger wird auch optisch super eingefangen. Die Kulissen wirken frisch, aber doch vertraut. Quelle: DotEmu, LizardCube Der Charme der Vorgänger wird auch optisch super eingefangen. Die Kulissen wirken frisch, aber doch vertraut.

Frische Nostalgie

Sowohl die alten als auch die neuen spielbaren Figuren passen hervorragend in die Fortsetzung der Reihe. Doch nicht nur bei der Charakterauswahl, überall merkt man, dass DotEmu und die Entwickler von LizardCube und Guard Crush Games sich die Lizenz von Sega nicht gesichert haben, um Nostalgikern schnell ein bisschen Geld aus der Tasche zu ziehen. Mit sehr viel Liebe zum Detail wurde das Spielgefühl der Mega-Drive-Originale eingefangen sowie modernisiert und auch die Grafik wurde in die heutige Zeit gebracht.

Statt auf einen typischen 16-Bit-Stil zu setzen, der sich am Original orientiert, dafür aber auch nicht von anderen pixeligen Indie-Produktionen abheben würde, erfreuen in Streets of Rage 4 handgezeichnete Hintergründe und Figuren das Auge der Spieler. Damit setzten DotEmu und LizardCube schließlich 2017 schon ihr Wonder-Boy-Remake erfolgreich um. Die Screenshots in diesem Artikel werden der tatsächlichen Grafik des Spiels gar nicht gerecht.

Die handgezeichnete Grafik sieht einfach nur grandios aus. Quelle: DotEmu, LizardCube Die handgezeichnete Grafik sieht einfach nur grandios aus. In Stage 1 laufen wir durch die Straßen und einen Schrottplatz, wobei der Charme der ersten Stages von Streets of Rage 1 und 2 eingefangen wird, die Umgebung aber trotzdem frisch wirkt. In Stage 3 prügeln wir uns hingegen über ein Frachtschiff und in Stage 6 bewegen wir uns durch ein stimmungsvoll eingefangenes Chinatown inklusive Dojo und Bosskampf in einem wunderschön blühenden Garten.

SoR 4 sieht mit seinen grandiosen Animationen in Bewegung einfach nur fantastisch aus. Umso unverständlicher ist es, dass wir aus der Preview-Demo kein eigenes Gameplay aufnehmen durften, um es euch zu zeigen. Dabei lief das Spiel selbst im Koop absolut flüssig. Lediglich in einer Stage konnte wir kurzzeitig leichte Zeilenverschiebungen beobachten.

Doch nicht nur optisch gelingt Streets of Rage 4 eine gute Mischung aus Nostalgie und Moderne. Der Soundtrack bietet nicht ganz so durchdringende elektronische Klänge wie die drei Mega-Drive-Titel, doch die Tracks gehen sofort ins Ohr und bleiben da für eine Weile. Man merkt sofort, dass neben weiteren Komponisten auch Yuzo Koshiro und Motohiro Kawashima an Teil 4 mitarbeiten, die bereits mit ihren Kompositionen den Vorgängern ihren Stempel aufdrückten.
Mit etwas Übung lassen sich den zahlreichen Gegnern echt coole Kombos um die Ohren hauen. Quelle: DotEmu, LizardCube Mit etwas Übung lassen sich den zahlreichen Gegnern echt coole Kombos um die Ohren hauen.

Kreativeres Kloppen

Doch jetzt mal genug von Charakteren, Grafik und Musik, denn bei einem Streets of Rage kommt es natürlich darauf an, dass ordentlich Fäuste in Verbrechervisagen gehauen werden. Die Vorgänger waren vom Spielprinzip her immer simpel, aber auch enorm befriedigend. Wenn man haufenweise Punks, Messerstechern und Monstern die Kauleiste polierte und dabei die fetten, blechernen Schlag-Soundeffekte aus den Boxen des Röhrenfernsehers dröhnten, fühlte man sich wie der Größte.

Auch Streets of Rage 4 gelingt es glücklicherweise dieses Spielgefühl einzufangen, peppt das Gameplay aber mit neuen Mechaniken gekonnt auf. Ja, man bewegt sich in den Levels weiterhin von links nach rechts und haut dabei jeder menge Gegnern auf die Schnauze, aber dies geschieht nun mit mehr Style als je zuvor in der Serie. In den alten Teilen konnte man nur wenige Schläge miteinander verketten, sodass man nur die immer gleichen Kombos ausführen konnte. Nun hat man jedoch viel mehr Möglichkeiten, Kombos auszubauen, je nachdem wie man den Charakter ausrichtet und wann man die Attacken ausführt.

Im vierten Teil sind noch spektakulärere Spezialattacken möglich. Quelle: DotEmu, LizardCube Im vierten Teil sind noch spektakulärere Spezialattacken möglich. So kann man Gegner nun für eine bestimmte Zeit sogar juggeln, sie also mit Schlägen weiter in der Luft halten, obwohl sie eigentlich gerade fallen. Dies kann man mit etwas Übung sehr geschickt einsetzen, indem man beispielsweise aus einem Griff heraus den Gegner gegen eine Objekt in der Umgebung kickt, der Fiesling davon dann zurückprallt und man ihn in der Luft dann noch mit ein paar Schlägen empfängt. Spielt man im Koop-Modus kann man sich - das korrekte Timing vorausgesetzt - die Gegner auch kurzzeitig hin und her werfen, also quasi richtige Team-Aktionen ausführen. Kombos bringen natürlich mehr Punkte und ab einer bestimmten Punktzahl erhält man Extraleben.

Die sind auch durchaus wichtig, denn in der von uns gespielten Demo war Streets of Rage 4 richtig knackig. Wir würden sogar sagen, dass Teil 4 schwieriger ist als die auch schon fordernden Vorgänger. Man wird von viel mehr Gegnern angegriffen, die nun auch etwas mehr auf dem Kasten haben als früher. Klar, auch die Standard-Fallobst-Gegner (Galsia) sind wieder dabei, aber selbst Gegner, die in den Vorgängern sehr früh kamen, sind nun gefährlicher. So bewegen sich die Punks nun viel schneller, sodass man ihren Rutschangriffen schlechter ausweichen kann, und die braungebrannten Glatzköpfe blocken konsequent sämtliche Sprungattacken.

Man ist also wirklich darauf angewiesen, das Kombo-System zu verinnerlichen und am besten im Koop als Team zusammenzuarbeiten. Zudem gibt es noch andere Möglichkeiten, den Gegnern mächtig einzuheizen. So hilft es zum Beispiel sehr, dass die Aktionen Aufheben und Werfen nicht mehr auch auf der Schlagtaste liegen. So kann man Gegnern geschickt aus der Ferne Waffen wie Messer, Eisenstangen, Baseballschläger, Beile oder Straßenschilder an den Kopf werfen. Auch das lässt sich übrigens mit etwas Übung in Kombos einbinden.

Außerdem kann man nun noch mächtigere Spezialattacken zünden, wenn man sie vorher mit Sternen aufgelevelt hat und mit speziellen Kombos kann man sogar etwas Gesundheit zurückgewinnen. Das ist durchaus fair und trotzdem bleibt Streets of Rage 4 eine Herausforderung, gerade wenn man alleine spielt. Die Gegneranzahl richtet sich nämlich alleine nach dem Schwierigkeitsgrad und nicht danach, mit wie vielen Spielern ihr euch den Verbrechern entgegenstellt.

Erstmals in der Serie ist es möglich, lokal mit bis zu drei weiteren Mitspielern in den Kampf zu ziehen.  Quelle: -1 Erstmals in der Serie ist es möglich, lokal mit bis zu drei weiteren Mitspielern in den Kampf zu ziehen.  In Stage 6 warten nicht nur viele stärkere Gegner auf uns, sondern auch noch ein Karateka-Zwischenboss, ein Dojo, in dem uns erst von allen Seiten bewaffnete Standardgegner angreifen, bevor uns mehrere Kickboxer gleichzeitig attackieren, bis wir endlich dem Endboss des Levels gegenüberstanden. Der war niemand geringeres als der aus den Vorgängern bekannte Leibwächter von Mr. X namens Shiva. Der Martial-Arts-Meister war schon in den Mega-Drive-Originalen eine Qual, doch nun kann er sogar ab einer gewissen Phase des Kampfes zwei Geister entsenden, die uns auf die Omme hauen.

Diesen Abschnitt schafften wir tatsächlich nur im Koop-Modus und zwar mit dem letzten von insgesamt drei Leben. Im Einzelspielermodus wurden wir vorher schon zu kräftig vermöbelt. Allerdings muss man hier eine Version abwarten, die man durchgängig spielen kann, um beurteilen zu können, ob vielleicht noch etwas am Balancing geschraubt werden muss. Schließlich gehört es zum Spielgefühl der alten Streets of Rage dazu, mal zu sterben und wir konnten die Stages nur einzeln anwählen, sodass wir immer mit drei Leben starteten, während man sich im normalen Spielverlauf natürlich Extraleben dazu verdienen kann.

Doch nicht nur deshalb können wir es kaum erwarten, endlich die fertige Version des Spiels zocken zu können. Streets of Rage 4 sieht so super aus, hört sich so klasse an und spielt sich so verdammt gut, dass wir uns mittlerweile sicher sind, dass die legendäre Prügel-Reihe tatsächlich den würdigen Nachfolger bekommt, mit dem wohl niemand mehr gerechnet hatte. Zumindest einen genauen Releasetermin könnte man nun mal mitteilen, damit wir wissen, wann wir auf PC, PS4, Xbox One oder Switch endlich losschlagen dürfen.

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