Test Drive: Ferrari Racing Legends im Gamezone-Test: Da wurde viel Potenzial auf dem Asphalt liegen gelassen
TestMit Test Drive: Ferrari Racing Legends offerieren uns die Slightly Mad Studios ein Rennspiel ganz in der Tradition eines Ferrari F355 Challenge, welches Sega vor geraumer Zeit für die Dreamcast veröffentlichte. Dabei ist das Fahrmodell durchaus anspruchsvoll ausgefallen und der Simulationsgrad gar nicht so niedrig, das Rundherum aber kommt eher spartanisch daher und erinnert stark an vergangene Arcade-Titel. Ob diese Kombination auch heute noch funktioniert oder ob der Titel ein Nischendasein fristen wird, lest ihr in unserem Test.
Quelle: Atari
Test Drive: Ferrari Racing Legends (12)
60 Jahre Ferrari
Vor sechzig Jahren wurde der erste Ferrari 125 gebaut und seitdem hat sich der italienische Hersteller zu einem festen Begriff entwickelt, wenn es um Supersportwagen geht. Genau der richtige Zeitpunkt also ein Rennspiel auf den Weg zu bringen, welches sich ausschließlich dieser legendären Marke annimmt. Exakt das dürften sich auch die Slightly Mad Studios gedacht haben, als sie sich entschlossen Test Drive: Ferrari Racing Legends zu machen. Im Grunde ja auch eine gute Idee, noch dazu, wo es zu den meist roten Autos auch viel zu sagen gibt, schließlich kann jeder einzelne Ferrari auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Davon aber gibt's im Spiel praktisch gar nichts, also wirklich nichts. Weder gibt es irgendwelches Hintergrundwissen zu den einzelnen Autos, noch erfahren wir in der Einzelspielerkarriere irgendetwas zu den Rennen oder der Marke Ferrari.
Quelle: Videogameszone.de
Test Drive: Ferrari Racing Legends (1)
Das verwundert uns aber nicht lange, denn auch die restliche Präsentation des Titels fiel sehr spartanisch aus. Obwohl uns über 50 Ferraris geboten werden die man auf 38 Streckenvarianten fahren kann, wird uns doch nur eine absolut belanglose Rennkarriere geboten. In die drei Abschnitte Goldene Ära (1947-1973), Silberne Ära (1974-1990) und Moderne Ära (1990 bis heute) aufgeteilt haben wir stur einen Auftrag nach dem anderen zu erfüllen, können dabei weder das Fahrzeug wählen noch irgendeine Einstellung vornehmen, und bekommen dann wie vor zwanzig Jahren bei Erfolg eine Medaille spendiert. Und das kann sich ganz schön in die Länge ziehen, denn es sind über 200 "Missionen" die wir da zu erfüllen haben, was schon erkennen lässt, dass es sich dabei oft gar nicht um richtige Rennen handelt. Nicht selten bekommen wir den Auftrag uns im Zeitfenster von 3 Sekunden hinter dem Teamkameraden – das einzige Auto auf der Strecke - zu halten oder nur 1 Sekunde vor ihm durchs Ziel zu rauschen. Absolut unverständlich dabei, warum mitunter ein 10 Runden dauerndes Rennen bereits in der 8. Runde beginnt. Dabei regelrecht zur Verzweiflung bringen kann einem der total unausgeglichene Schwierigkeitsgrad. In manchen Rennen fährt man der KI davon als würde man ein ganz anderes Auto besitzen, um in anderen dann wieder kein Land zu sehen.
Quelle: Videogameszone.de
Test Drive: Ferrari Racing Legends (3)
Derweil gibt es durchaus auch Dinge die wirklich gelungen sind, wie die verschiedenen Tageszeiten, sogar Nachtrennen gibt es, oder die verschiedenen Varianten der gleichen Strecken, je nachdem welche Ära man spielt. Im Grunde ist auch die Fahrphysik gar nicht schlecht, besonders wie stark man die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ferraris spürt, kann wirklich Laune machen und der Geschwindigkeitseindruck ist ebenfalls angenehm hoch. An die super direkte Steuerung muss man sich zwar erst gewöhnen, hat man dies aber getan, kann man die Autos auch ziemlich exakt über die Kurse leiten. Dabei werden uns alle gewöhnten Fahrerperspektiven geboten, inklusive einer recht gelungenen Innenansicht, bei der man das Interieur der Ferraris bewundern kann. Die reicht zwar nicht an den Detailgrad eines Forza Motorsport heran, muss sich aber trotzdem nicht verstecken. Auch die Fahrzeugmodelle selbst sind recht gelungen, weswegen es umso mehr schmerzt, wieso es in dem Spiel keinen richtigen Showroom oder Ähnliches gibt. Die Rennstrecken selbst hingegen kann man eher als durchschnittlich bezeichnen. Zwar gab man sich durchaus Mühe die bekannten Details der jeweiligen Strecke einzufangen, manch eine, wie Misty Loch, sieht sogar richtig gut aus, trotzdem ist man von Gran Turismo oder Forza Motorsport inzwischen einfach anderes gewohnt. Hier wirkt der Titel schlicht etwas altbacken.
Quelle: Videogameszone.de
Test Drive: Ferrari Racing Legends (5)
Interessantes Detail auch ist, dass man zwar eine funktionierende Tankanzeige im Cockpit hat, es aber praktisch gar kein Rennen gibt bei dem man zum Tanken an die Box fahren müsste. Auch ein Schadenssystem existiert nicht wirklich. Wiederum völlig unverständlich ist, wieso einem Test Drive: Ferrari Racing Legends nicht erlaubt die Fahrhilfen individuell einzustellen. Stattdessen entscheidet der gewählte Schwierigkeitsgrad darüber, ob ABS, Traktionskontrolle usw. aktiviert sind oder nicht. Komischer Weise aber dürfen wir wenigstens entscheiden, ob wir die Ideallinie angezeigt haben wollen oder nicht, die es aber auch nur ganz oder gar nicht gibt. Nur die Bremspunkte anzeigen zu lassen, ist nicht möglich, dafür aber reagiert sie dynamisch auf unsere aktuelle Geschwindigkeit, meint es dabei aber mitunter recht gut und zeigt fröhlich in den engsten Kurven einen grünen Streifen, dem man in der Praxis keinesfalls ohne zu Bremsen folgen kann.
