The Legend of Zelda: The Minish Cap: Eines der besten 2D-Zelda-Abenteuer im Retro-Special

Special Lukas Schmid Maria Beyer-Fistrich
The Legend of Zelda: The Minish Cap: Eines der besten 2D-Zelda-Abenteuer im Retro-Special
Quelle: Nintendo

Kleiner Held ganz groß - obwohl der Protagonist Link in The Minish Cap auf Flohgröße zusammenschrumpft, wächst er in Sachen Heldenmut über sich hinaus! Oh, und liefert gleichzeitig eines der besten 2D-Zelda-Abenteuer überhaupt ab.

Es muss ja nicht immer Ganondorf sein: Anstatt des übel gelaunten Geru­do mit Hang zur Schweine-Transformation übernimmt in The Legend of Zelda: The Minish Cap Hexenmeister Vaati die Rolle des Hauptfieslings - in einer Handlung, die als Prequel zu The Legend of Zelda: The Four Swords und The Legend of Zelda: Four Swords Adventures dient.


Doch der alternative Obermotz ist nicht das einzige, was The Minish Cap besonders macht, steckte doch wie schon bei Oracle of Ages und Oracle of Seasons nicht Nintendo selbst, sondern das Capcom-Studio Flagship hinter der Entwicklung. Kaum zu glauben, dass Nintendo eine der wichtigsten Serien des Unternehmens in fremde Hände gibt - und das gleich mehrmals! Das Risiko machte sich allerdings bezahlt, denn nachdem bereits die beiden Game-Boy-Color-Zelda-Abenteuer richtig gut waren, setzte der erste Game-Boy-Advance-exklusive Ableger qualitativ noch einmal einen drauf.

Vier Links zum Preis von einem

Mit dem Fokus auf dem neuen Bösewicht geht nicht unbedingt ein Abweichen vom groben Story-Schema der Reihe einher: Vaati öffnet früh im Abenteuer eine versiegelte Kiste, welche alle Monster der Spielwelt gefangen hält - diese machen sich dann kurzerhand in Hyrule breit. Schlimmer noch, Prinzessin Zelda - in dieser Phase der verworrenen Zelda-Timeline Links Kindheitsfreundin - wird in eine bewegungslose Steinstatue Diesmal nimmt anstatt Ganondorf der böse Zauberer Vaati die Rolle des Obermotzes ein und flutet zu Beginn des Spiels die Welt mit Monstern aus einer versiegelten Box. Quelle: Nintendo Diesmal nimmt anstatt Ganondorf der böse Zauberer Vaati die Rolle des Obermotzes ein und flutet zu Beginn des Spiels die Welt mit Monstern aus einer versiegelten Box. verwandelt. Link, der Held, der er nun einmal ist, macht sich auf, um Zelda zu retten, die Monster-Epidemie zu beenden und Vaatis (natürlich auf die Weltherrschaft ausgerichtetes) Treiben zu beenden. So sehr sich die Handlung auf bekannten Pfaden bewegt, bringt sie spielerisch doch ein interessantes neues Feature mit sich: das Schwert der Vier. Inspiriert von den Four Swords-Spielen, kann Link nur mit dieser magischen Klinge Vaati den Garaus machen.

Anstatt dass wir mit anderen menschlichen Mitspielern Abenteuer lösen, lernen wir in The Minish Cap mithilfe des Schwertes der Vier bis zu drei Kopien von uns zu erschaffen, um allerlei kreative Rätsel zu lösen. Dafür stellt sich Link auf spezielle Plattformen, welche seine Behelfs-Links erscheinen lassen und kann dann zum Beispiel schwere Plattformen verschieben oder gleichzeitig mehrere Schwachstellen von Bossen auf einmal angreifen und mehr. Ein interessantes Konzept, das toll funktioniert und mehr ist als nur ein Gimmick! Das gilt natürlich noch viel mehr für das primäre Spielfeature des Abenteurers: Nachdem er im Prolog mit entblößtem Haupthaar unterwegs ist, schließt unser Protagonist rasch Freundschaft mit einer belebten - und plauderfreudigen - Mütze namens Ezelo. Diese nimmt auf seinem Blondschopf Platz und fungiert fortan in ähnlicher Weise wie Navi in Ocarina of Time oder Midna in Twilight Princess, indem sie Link auf Knopfdruck mit Hinweisen zur Sind wir im Kleinformat unterwegs, wird unsere Umgebung noch einmal um ein Vielfaches detaillierter dargestellt und strotzt nur so vor optischen Highlights. Quelle: Nintendo Sind wir im Kleinformat unterwegs, wird unsere Umgebung noch einmal um ein Vielfaches detaillierter dargestellt und strotzt nur so vor optischen Highlights. aktuellen Aufgabe zur Seite steht.

Noch wichtiger ist aber: Ezelo erlaubt es Link, sich auf Flohgröße zu verkleinern! Dazu betritt er bestimmte Portale und läuft daraufhin im Mini-Format durch die Gegend. Je nach Areal steuern wir dann wirklich einfach einen winzigen Pixel, oder aber wir bekommen eine extrem detailverliebte Ansicht der Mini-Welt zu sehen. Da läuft Link dann etwa an Mäusen vorbei über verstaubte Dachbalken, sieht sich angesichts einer Regenpfütze mit einem unüberwindbaren Hindernis konfrontiert und mehr - und er trifft in der kleinen Welt auf die titelgebenden Minish. Dabei handelt es sich um Heinzelmännchen-ähnliche Gesellen, die hier unerkannt und nur mit Kinderaugen überhaupt wahrnehmbar eine zweite Zivilisation aufgebaut haben und den Menschen heimlich bei deren Problemen zur Seite stehen. Für uns als Spieler bedeutet das, dass wir zwar keine vollständige alternative Spielwelt wie in A Link to the Past oder Ocarina of Time erkunden können, die zunächst relativ kleine Spielwelt aber deutlich mehr erforschbare Orte zu bieten hat, als man auf den ersten Blick meinen mag.

Neue Items für den Helden

Wie auch das Schwert der Vier wird Links Schrumpftalent zudem für sehr kreative Rätsel gefordert, die meist verlangen, dass man ein Auge auf die Umgebung wirft. Überhaupt ist der Rätselfaktor in The Minish Cap hoch. Die wenigsten Areale erlauben, dass wir einfach reinmarschieren, meist gilt es, davor erst Aufgaben zu bestehen. Ein bisschen wirkt das Hyrule in dieser Zelda-Iteration wie ein einziger, großer Dungeon - ein interessanter und Nur wer um die Ecke denkt, kommt weiter! Mit dem magischen Krug lässt sich eben nicht nur Staub wegpusten, sondern auch ein Rosenblatt über das Wasser steuern. Quelle: Nintendo Nur wer um die Ecke denkt, kommt weiter! Mit dem magischen Krug lässt sich eben nicht nur Staub wegpusten, sondern auch ein Rosenblatt über das Wasser steuern. ungemein positiver Ansatz! Doch auch die "richtigen" Dungeons sprühen nur so vor Abwechslung und tollen Ideen - und nutzen unsere Wandlung ins Kleinformat für spannende Momente. Da werden etwa Feinde, die in normaler Größe popelige Standard-Gegner sind, auf einmal zu mächtigen Bossen oder wir müssen mitten im Dungeon die Größe ändern, um voranzukommen. Besonders gut gelungen ist aber der Umstand, dass die Dungeon-Items nach deren Einsatz im jeweilgen Tempel de facto nicht ihren Nutzen verlieren, wie es in vielen anderen Zelda-Ablegern, allen voran in Twilight Princess, der Fall ist. Nein, Gegenstände von hier kommen auch in späteren Dungeons sowie in der Oberwelt regelmäßig zum Einsatz, sowohl in Haupt- als auch in Nebenaufgaben.

Schön ist auch, dass die drei vollkommen neuen Items, die das übliche Repertoire, bestehend aus unter anderem Pfeil und Bogen, Enterhaken und Kraftarmband, ergänzen, toll gestaltet sind: Der magische Krug lässt uns Sachen wahlweise ansaugen oder wegpusten, dank der Immer wieder spielten die Entwickler mit der Perspektive und verliehen zum Beispiel diesem sich drehenden Fass einen schön anzusehenden Tiefeneffekt. Quelle: Nintendo Immer wieder spielten die Entwickler mit der Perspektive und verliehen zum Beispiel diesem sich drehenden Fass einen schön anzusehenden Tiefeneffekt. Maulwurfshandschuhe können wir uns durch weiches Erdreich graben und der Wechselstab erlaubt es uns, diverse Gegenstände buchstäblich auf den Kopf zu stellen. Diese neuen Gegenstände kamen so gut an, dass Link den magischen Krug und die Maulwurfshandschuhe sogar in späteren 3D-Serienablegern erneut zum Einsatz brachte! Auch im Umgang mit den Items ist die Rätseldichte hoch und die Kopfnüsse sind hervorragend gelungen.

Doch auch sonst wird in den Dungeons für Abwechslung gesorgt, indem wir etwa mit Loren durch die Gegend düsen müssen. Oder wir werden in einem Dungeon direkt am Start mit dem Boss konfrontiert, müssen aber erst herausfinden, wie wir an diesen herankommen. Oder wir müssen in luftigen Höhen gewagte Sprünge über bodenlose Abgründe vollführen. Lediglich ein paar mehr Tempel hätten es sein dürfen - inklusive des finalen Dungeons erwarten uns nur sechs dieser herausfordernden Areale, die noch dazu meistens relativ kurz ausfallen.

Glückliche Vereinigung

Doch auch auf der Oberwelt gibt es viel zu tun. Neben dem auch hier hohen Rätsel­anteil gilt es, zahlreiche Nebenaufgaben in Angriff zu nehmen. Das sind einerseits natürlich die Klassiker wie die Suche nach Herzteilen beziehungsweise -containern, größeren Vorratstaschen und Co. Andererseits aber haben es auch zwei sehr umfangreiche Aufgaben ins Spiel geschafft. Überall verteilt finden wir spezielle Muscheln, welche Zelda-Kenner bereits Je nach Situation sehen wir die kleine Welt ganz groß oder müssen mit einem Winz-Link vorliebnehmen. So oder so werden für Mini-Link auch Standard-Feinde zur Gefahr! Quelle: Nintendo Je nach Situation sehen wir die kleine Welt ganz groß oder müssen mit einem Winz-Link vorliebnehmen. So oder so werden für Mini-Link auch Standard-Feinde zur Gefahr! aus Link's Awakening kennen. Hier bescheren sie uns aber kein stärkeres Schwert, sondern können beim erstmals in The Wind Waker in Erscheinung getretenen Sammelfiguren-Bastler Meister Minintendo in eine Slotmaschine investiert werden. Wer fleißig sucht, kann sich hier eine beeindruckende Sammlung aller Figuren aus dem Spiel zusammenschustern! Noch umfangreicher ist nur die Suche nach NPCs, mit denen wir Glücksfragmente vereinen können.

Diese halben Steinscheiben finden wir in der Welt und sie verlangen nach einer Figur mit dem entsprechenden Gegenstück. Ist diese gefunden und wir vereinen die Scheiben miteinander, geschieht irgendwo in der Spielwelt etwas - das kann eine Schatz­kiste sein, die erscheint, oder ein Weg, der sich auf einmal offen­bart. Die Jagd nach diversen Items wie Herzcontainern hängt oft direkt mit den durch Glücksfragmente ausgelösten Ereignissen zusammen. Das Sammeln und Suchen nach Glücksfragmenten und ihren Besitzern macht deshalb viel Spaß! Lediglich die Tatsache, dass manche NPCs erst ab einem bestimmten Punkt zum Tausch verfügbar sind oder mehrmals tauschen können und kaum kommuniziert wird, wenn und wann sich eine entsprechende neue Tausch-Chance ergibt, ist etwas verwirrend. Es nervt mit der Zeit, dass man immer wieder durch bereits mehrmals besuchte Gebiete rennen muss, nur um zu sehen, ob sich inzwischen neue Glücksfragment-Optionen ergeben haben.

Auch heute noch meisterhaft

Das ist jedoch Kritik auf allerhöchstem Niveau. Zusätzlich erwarten uns noch zahlreiche weitere Nebenaufgaben, die alle zu nennen hier aber den Rahmen sprengen würde - und wir müssen doch noch die wirklich brillante Technik des Abenteuers loben! Kaum ein anderer GBA-Titel ist mit dermaßen viel Liebe zum Detail gestaltet wie dieser hier und versprüht einen derartig zeitlosen Charme. Da muss sich sogar A Link to the Past warm anziehen! Doch nicht nur technisch, sondern eben auch spielerisch merkt man dem Spiel sein Alter - ursprünglich erschien es im Jahr 2004 (!) - kaum an. Wer es am GBA verpasst hat, kann The Minish Cap übrigens auf der Wii U nachholen, Teilnehmer des Nintendo-3DS-Botschafter-Programmes auch auf dem Handheld. Jetzt fehlt nur noch eine Switch-Umsetzung!

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