Das herrlich melancholische Meisterwerk von den Edna-Machern zeigt einmal mehr, dass Point'n'Click nicht tot ist!
Lebendige Welt mit sehr individuellen Individuen...
The Whispered World
Dass die Autoren von Edna bricht aus es sich nicht nehmen lassen, auch aus Whispered World etwas ganz besonderes zu machen, kann jedem von Anfang an klar sein. Wie gut sie es jedoch wieder geschafft haben, überrascht in fast jeder Szene aufs Neue: Während am Anfang des ersten Kapitels beispielsweise noch Sadwicks Verwandte als arg komische Gestalten durchgehen, etwa der schrullige Großvater, der eine "leckere" Petroleumsuppe kocht, wundert einen nach der Einführung der beiden sprechenden Steine Ralv und Yngo nichts mehr. Die teils skurrilen, teils strohdoofen, aber immer witzigen Nebencharaktere bilden dabei den Gegenpol zum müden Hauptcharakter, der zwar auf seine ganz eigene Art und Weise witzig ist, aber nun mal häufig auf eine deprimierende Art.
Quelle: Deadalic
The Whispered World
Als spielerisch sinnvoll integriert kann man Spot, Sad's (kürzen wir den Guten doch mal ab), bezeichnen. Die kleine grüne Raupe zeichnet sich nämlich nicht nur durch ihre Zähigkeit und die klugen Kommentare (beispielsweise: "*fiep, fiep*") aus, sondern trägt häufig auch zur Lösung eines Problems oder Rätsels bei. Dabei erweist sich die kleine Raupe als Verwandlungskünstler, kann sie doch im Verlauf des Spiels insgesamt vier Erscheinungsformen dazulernen: So verwandelt sich der kleine Spot auf Befehl hin beispielsweise in seine Kugelform, um so etwa in ein Horn zu blasen, wofür Sadwick mit seiner Asthmalunge leider zu schwach ist. Selbst vor Feuer hat der kleine, grüne Helfer keine Angst: Am Ende des ersten Kapitels verspeist er einfach eine Feuerdrachenfliege und erlernt dadurch die Fähigkeit, sich selbst zu entflammen. Praktisch, wenn mal in einer Höhle plötzlich das Licht ausgeht, logisch muss so was natürlich nicht sein.
Knackiger Rätselspaß
Quelle: Deadalic
The Whispered World
Bemessen wird ein Point and Click-Adventure aber natürlich nicht nur anhand seiner depressiv-kruden aber witzigen Story sondern viel eher an den Rätseleinlagen und Gameplay-Features. Diese sind, wie man von den Edna-Machern eigentlich erwarten kann, perfekt gelungen und selten zu einfach ausgefallen. Manch ein knackiges Rätsel könnte gar den Spiel-Veteranen des Genres ein paar graue Zellen abverlangen, findet man die Lösung aber nicht sofort, hilft das übersichtliche und nicht überladene Inventar meist weiter. Genretypisch lässt dieses häufig ein wenig an Ernsthaftigkeit mangeln, etwa wenn es darum geht aus einer Zelle auszubrechen: Ordert man bei der Wache ein Essen, kann man Teller und Löffel des selbigen verwenden, um zu versuchen den Schlüssel aus dem Schlüsselloch zu drücken und mit dem Teller unter dem Türschlitz aufzufangen. Weil der Löffel aber zu kurz ist, muss noch ein wenig daran gearbeitet werden - wie durch ein Wunder ist genau das benötigte Werkstück in der Zelle versteckt. Um den Rätselspaß nicht zu verderben, verschweigen wir an dieser Stelle, wie es genau geht, wer dennoch Hilfe braucht, findet diese in unserer Komplett-Lösung, die uns von Daedalic freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.
The Whispered World
Als Genre-Neuling hat man übrigens häufig nicht leicht und wird dankbar für die ausführliche Komplettlösung sein. Einige Rätsel, etwa dass, um das Orakel, welches Sadwicks Träume deutet, zu finden, haben es wirklich in sich: Sammelt man Gegenstände am Anfang eines Levels nicht auf, könnte sich das Rätsel als unlösbar erweisen, hört man den Sprechern nicht exakt zu und behält Gesprächsverläufe gut im Kopf ist man eh aufgeschmissen. So sehr dieser Schwierigkeitsgrad auch zu gefallen weiß: Macht man mal ein paar Tage Pause und will dann weiterspielen, wird man mit Sicherheit Schwierigkeiten haben, sich schnell im Setting wieder zurecht zu finden. Große Pausen braucht man aber auch nicht planen, Whispered World ist kompakt gehalten und macht von vorn bis hinten Spaß. Mehr aber auch nicht: Als Profi sind mehr als 15-20 Stunden Spielzeit fast schon utopisch.
Kommt man einmal nicht mehr weiter, kann man übrigens mit Druck auf die Leertaste, alle interagierbaren Objekte im Raum anzeigen lassen. Will man nichts liegen lassen, was man nie tun sollte und um lange Gehwege zu ersparen, ist die Funktion äußerst hilfreich. Wer eine Einstiegshilfe braucht, findet diese übrigens auch im farbig gedruckten Handbuch zum Spiel, welches erstaunlich umfangreich und hübsch ausgefallen ist.
