Das herrlich melancholische Meisterwerk von den Edna-Machern zeigt einmal mehr, dass Point'n'Click nicht tot ist!
Zwischen hübschem Zeichenstil und deprimierenden Dialogzeilen
The Whispered World
Technisch spielt The Whispered World in der P'n'C-Adventure-Oberliga mit: Die schnuckelig gezeichneten Umgebungen und liebevoll animierten Charaktere wissen zu überzeugen und transportieren das leicht depressive, melancholische Flair ziemlich gut. Die Detailverliebtheit bei den handgezeichneten Grafiken zeigt sich dem Spieler vor allem dann, wenn man im Rätselfieber ist und einen Raum bewusster wahrnimmt, als wenn man nur durchmarschiert. Öffnen, Erkunden und Interagieren kann man im Spiel übrigens mit so ziemlich allem. Wählt man ein Objekt aus und klickt mit der linken Maustaste länger drauf, öffnet sich ein Kontextmenü. Hierbei kann man wählen, ob man ein Objekt/eine Person anspricht, sie (optisch) untersucht oder mit ihr interagiert. Ganz genretypisch geht dabei die Steuerung fast perfekt von der Hand, es wird lediglich dann mal schwierig, wenn viele Objekte nah bei einander liegen.
Quelle: Daedalic Entertainment
The Whispered World
Großes Lob hat sich auch die Ton-Abteilung von Daedalic verdient: Zwar macht der Soundtrack nach mehreren Stunden Spielens am Stück ganz ehrlich depressiv, thematisch gelungen ist er aber allemal. Welches andere Videospiel kann von sich außerdem behaupten, Spieler emotional so sehr mitzunehmen, wie The Whispered World? Zartbesaitete Seelen sollten Whispered World also nur in Maßen genießen und nicht am Stück verschlingen. Noch viel mehr gelungen sind Daedalic aber die Dialoge im Spiel. So herrlich skurrile Textzeilen, die einen so häufig zum Schmunzeln und Lachen bringen, sieht man selbst in dem Genre selten. Ob es nun die übermäßig melancholische und selbstbemitleidende Selbstgespräche des Hauptcharakters sind oder herrlich sinnfreie Dialoge wie "Hallo. Wiiiiir sind Steine" - "Ach! Ist das so?" - "Jaaaa! Ich bin Ralv und das ist Yngo!", das Spiel fällt immer durch seinen Witz und die mangelnde Ernsthaftigkeit auf. Besonders toll: Während man in anderen Adventures den Satz "Das kann ich nicht" häufig hört, etwa wenn man sich beim Rätselraten verrannt hat und beliebig mit allem versucht zu interagieren oder das Inventar zu kombinieren, hat man zu fast jeder Situation in der Flüsterwelt eine passende Vertonung. Es ist von daher auch durchaus empfehlenswert, sich überall rumzuklicken, sonst verpasst man wahre Dialog-Schätze wie "Ach, die hört eh nicht zu... Wie all die anderen auch... *hmpf*" beim ansprechen einer Wand.
Quelle: Deadalic
The Whispered World
Hervorzuheben ist weiterhin noch der Umfang des Pakets. Für knappe 35 bis 40 Euro bekommt der Käufer in dem Pappschuber eine DVD, das unheimlich hochwertige Handbuch mit farbigen Drucken und Artworks. Enthalten sind darin auch erste Hilfesteller für das Anfangskapitel, damit man sich im Spiel von Anfang an zurecht findet. Schon vorab zum Kult avancierte der Kopierschutz von Whispered World: Um ins Spiel zu starten fragt das Programm Runen-Symbole ab, die auf drei verschiedenfarbigen Würfeln abgebildet sind. Zu guter Letzt dienen die Würfel aber auch als Brettspiel, denn zusätzlich liegt in der Verpackung noch ein Wendeposter, auf dessen Rückseite ein Spiel abgedruckt ist. Hat man sich die Regeln einmal eingeprägt, kann man auch abseits des Bildschirmes noch Spaß haben - sicher auch ein Kaufanreiz!
Weiterführende Links:
- Komplettlösung zu The Whispered World
- Download der Demoversion
