Fast einen Monat nach der Veröffentlichung von Titanfall für PC und Xbox One erschien der Shooter im April nun auch für Xbox 360, Microsofts "Last-Gen" Schlachtschiff. Überraschend: Der Online-Shooter der ehemaligen Call-of-Duty-Macher schlägt sich überraschend gut!
Tja, da hab ich mich im Test zu Titanfall wohl vertan. Aber so richtig. Im Review der Xbox-One-Version schrieb ich: "Neben der Xbox One erscheint auch eine PC-Version und im April noch eine Fassung für Xbox 360. Die hat noch niemand jemals gesehen und sie wurde eben erneut verschoben, um sie "noch ein bisschen besser" zu machen. Übersetzt aus PR-Deutsch in normales Deutsch heißt das: Es ist leider nicht gut geworden."
Ich habe wirklich damit gerechnet, dass die "Last-Gen-Version" für Xbox 360 ein schlechter Abklatsch des richtigen Spiels sei, grafisch vollkommen unterlegen, vermutlich sogar irgendwie gekürzt. Wenn ein Publisher sich beharrlich bis kurz vor dem Launch weigert ein Produkt herzuzeigen, dann ist das meistens ein sicheres Indiz für einen Flop - das gilt im Film- wie im Spielebusiness.
Quelle: EA
Screenshots zeigen nicht die Xbox-360-Version! (2)
Doch Titanfall für Xbox 360 ist, wider Erwarten, richtig gut. Die Portierung hat Bluepoint Games gemacht, eine Firma, die in den letzten Jahren vor allem durch HD-Collections (God of War, Metal Gear und Ico) auffiel. Und die Zeit, die sich die Entwickler genommen haben, hat sich gelohnt. Natürlich gibt es einen optischen Unterschied zwischen Xbox One und Xbox 360. Die technologische Schere ist zwischen 2005 und 2014 extrem weit auseinandergeklafft. Nativ löst die 360-Version daher nur mit verschwindend geringen 1040x600 Pixeln auf. Das merkt man dem Spiel teilweise an. Gerade an den großen, offenen Karten sieht man schon, dass mancherorts die Grafikqualität niedriger ist, als auf Xbox One. Man spürt auch, dass die Texturen nicht so detailreich und hochaufgelöst sind.
Titanfall 2: Actionreiche Titan-Kämpfe gegen fiese Bossgegner
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Aber: So richtig gut sah Titanfall auch auf Xbox One nicht aus! Auch auf der neuen, großen, viel mächtigeren Konsole gibt es Tearing, hässliches Kamera-Clipping und Kantenflimmern. Der Flaschenhals war vermutlich die in die Tage gekommene Engine, nicht die Hardware. All diese Fehler findet man auf der 360 zwar auch, aber so schlimm wie erwartet ist die Version bei weitem nicht. Gerade in Innenlevels, beispielsweise dem Tutorial oder engen Gängen unter der Erde, erkennt man erst beim ganz genauen Hinsehen, welche Version da gerade auf dem Fernsehbildschirm angezeigt wird.
Gelungen ist auch der optionale Framelock. Bluepoint weiß, dass beständige 60 Frames nicht drin sind und gibt dem Spieler die Wahl, zwischen stets pendelnden fps-Werten (was unbeständig und pumpend aussieht) und fixen 30 Bildern pro Sekunde. Im Test haben mir persönlich die festen 30 Frames ausgereicht.
Richtiges Titanfall auf der kleinen Konsole
Quelle: Electronic Arts
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Am Rest des spannenden Online-Shooters hat Bluepoint nichts geändert. Auf der Xbox 360 kämpft man in denselben Robotern, mit denselben Waffen auf denselben Karten. Die Spieleranzahl war von vornherein schon so niedrig, dass man auf der Xbox 360 gar nicht weiter runterschrauben muss - das war bislang bei den Battlefield-Spielen immer der größte Haken.
Das Wallrun-Prinzip geht auf Microsofts alter Kiste natürlich auch ganz auf. Ich springe genauso elegant mit Jetpack-Doppelsprüngen über den Köpfen meiner Gegner hinweg und laufe an Wänden entlang, wie auf Next-Gen und PC. Wer das besonders gut kombiniert, kann den Mehrfachsprung sogar mit Wallruns verlängern und erreicht besonders hohe Plattformen. Das verleiht Titanfall eine besondere Vertikalität - ein Wort, das ich nach Stormrise eigentlich nie mehr in den Mund nehmen wollte. Anders als in Call of Duty, wo die Action meist nur auf einer Ebene stattfindet, lauern Feinde überall: Unterm, im und überm Boden!
Die Steuerung geht gut von der Hand. Als ich das erste Gameplayvideo gesehen habe und wie der Vorspieler da über die Map fegt, dachte ich: "Klar, ist ja ein Entwickler. Der spielt nichts anderes und als Pro geht das." Als ich dann selbst Hand anlege, kann ich schon nach wenigen Minuten ähnliche Stunts hinlegen. Rennen, schießen, Wallrun, Jetpacksprung durch ein Fenster, Granate auf den Gegner, hoch zur Dachluke, Wallrun, Sprung auf feindlichen Titanen, Magazin in seinen Kernreaktor entleeren, abspringen und dem aussteigenden Pilot nen Headshot verpassen. Klingt spektakulär aber dank der griffigen Steuerung gehen solche Aktionen auch Anfängern locker von der Hand.
Quelle: Electronic Arts
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Gut gefallen hat auch der spielbare Epilog. Ein Match endet nicht einfach, wenn das Punktekonto voll ist, sondern läuft noch knapp eine Minute weiter. Die Verlierer haben dann Zeit, sich in einer Landezone zusammenzuraufen und von einem Gleiter abgeholt zu werden. Die Sieger des Matchs müssen das unterbinden. Wem es gelingt zu entkommen oder Feinde und Gleiter zu töten, bekommt noch ein paar Extrapunkte. Die spielbare Flucht aus der Runde ist allemal lustiger als ein simples "You loose/win" und dann gleich die Punktetabelle.
Am Ende frage ich mich: Welches ist denn nun eigentlich das richtige Titanfall und was die Portierung? Die Xbox One Version sieht zwar natürlich besser aus, aber das Mehr an Auflösung und Detailgrad ist gar nicht so hoch. Irgendwie wirkt nun nicht die Xbox 360 Version billig und schlecht. Stattdessen frage ich mich: Wozu hat denn die Xbox One all diese Hardware, wenn das Ergebnis nur so wenig besser ist?
Ihr wollt mehr über den Multiplayer und Titanen erfahren? Oder wissen, wieso wir einem Multiplayer-Shooter die Einzelspielerwertung 1/10 geben? All diese plattformübergreifenden Infos findet ihr im Next-Gen-Test von Titanfall!
