Mit dem Reboot der Serie, der eigentlich schon längst fällig war, verspricht uns Crystal Dynamics nichts weniger, als Laras Anfänge zu erleben. Es gab da zwar in grauer Vorzeit schon einmal ein Tomb Raider, in dem wir sie als Teenager spielen durften, doch deswegen ja auch der Reboot, da ist alles erlaubt. So lernen wir eine junge Croft kennen, noch naiv und unerfahren, die in ein Abenteuer geworfen wird, welches sie schneller reifen lässt, als ihr lieb ist. Ob der Reboot gelang und wir es immer noch mit einem richtigen Tomb Raider zu tun haben, lest ihr in diesem Test.
Schon der Anfang von Tomb Raider ist ein Actionfeuerwerk wie es einem Hollywood Blockbuster gut zu Gesicht stünde. Ohne lange zu fackeln wird die junge und noch völlig unverletzte Lara einer Schiffskatastrophe ausgesetzt, die nur sie und einige wenige Besatzungsmitglieder der Endurance überleben. Eigentlich waren sie und ihr Mentor auf der Suche nach einer bestimmten Insel im Teufelsmeer, doch einige tragische Momente später findet sich das überlebend Häufchen auf einer unbekannten und düsteren Insel wieder. Das Schiff liegt zerschellt auf einer Klippe und der Überlebenskampf beginnt.
Was spannend und inspiriert beginnt …
Quelle: PC Games
Tomb Raider (3)
Auch wenn das neue Abenteuer mit Lara Croft erst langsam in Bewegung kommt, sind es doch die ersten Stunden im Spiel die uns Geniales erwarten lassen. Lara lernt mit einem gefundenen Holzbogen umzugehen und sich um ihr Überleben zu kümmern, während sie gleichzeitig ihre Verletzungen selbst behandelt. Noch geschockt von den Ereignissen muss sie sich überwinden ein Tier zu töten um selbst überleben zu können. Dazu die permanent lauernde Gefahr entdeckt zu werden, denn ziemlich schnell ist klar, dass auf der Insel etwas Unheimliches vor sich geht. Irgendeine Sekte scheint hier ihr Unheil zu treiben, anders sind die gepfählten und mitunter auf primitiven Altaren geopferten Menschen nicht zu erklären. Das ist der Stoff aus dem wahre Abenteuer gestrickt werden.
Weil der Einstig in die Geschichte so schnell verlief, wendet das Spiel eine zwar bekannte, trotzdem immer noch funktionierende Mechanik an, nämlich Rückblicke ins zuvor Geschehene. An den Feuern die Lara zum Übernachten anlegt, die gleichzeitig auch die Speicherpunkte darstellen, sieht sie sich die Aufzeichnungen ihrer Videokamera an. So erfahren wir wie es überhaupt zu der Expedition kam und welche Beziehungen die Charaktere untereinander pflegen. Die restliche Story aber dümpelt derweil noch recht sachte vor sich hin, doch das Gameplay verspricht spannend auszufallen.
… mündet schon bald in wildes Geballere
Quelle: PC Games
Tomb Raider (8)
Leider nur wird aus den Anfangs angedachten Gameplay-Mechaniken nicht wirklich etwas gemacht. Auf die Jagd zu gehen ist im weiteren Verlauf des Spiels nämlich nicht nötig, es dient alleine zum sammeln der EP, womit wir an den Lagerfeuern dann die Fähigkeiten Laras aufleveln können. Das Gleiche trifft auch auf die vielen Schatzkisten zu über die wir stolpern. Statt richtige Schätze finden sich darin nur Punkte, die wir dann in bessere Waffen investieren. Der größte Kritikpunkt am Spiel aber ist der Umstand, dass sich Lara schon bald mehr schießend als forschend durch die Level bewegt. Das, was Tomb Raider eigentlich ausmacht, der erforschen der Höhlen und das lösen der Rätsel, wurde zu einem Nebenaspekt degradiert. Das ist wörtlich zu nehmen, denn im ganzen Spiel existieren nur sieben Gräber, die mit dem aufwarten, was man als Tomb Raider-Fan eigentlich erwartet, nämlich diverse mechanische Rätsel die es zu lösen gilt. Diese Sieben sind zwar durchaus gut geworden, müssen aber nur optional erfüllt werden, man kann sie auch links liegen lassen.
Doch hat man sich von dem Umstand erst einmal erholt, dass wir es hier eher mit einem Uncharted zu tun haben, wird uns ein durchaus cooles Abenteuer geboten. Das Leveldesign ist hervorragend, auch wenn es praktisch immer nur einen gangbaren Weg gibt. Die Herausforderung besteht also darin diesen zu finden, was zwar nie besonders schwer fällt, trotzdem aber kann man an mancher Stelle ob der Ideen der Entwickler schon schmunzeln. Obwohl uns das Spiel anhand der gebotenen Karte eine offene Welt vorgaukelt, gibt es doch immer nur einen richtigen Weg weiterzukommen. Dabei besuchen wir manche Gebiete auch zweimal, doch wurde das Backtracking nicht übertrieben und durch Laras neue Fähigkeiten, wie irgendwann einmal Felsen erklimmen zu können die ihr vorher zu steil waren oder Barrikaden einzureißen wofür ihr vorher die Waffe fehlte, kommen wir eigentlich nie den gleichen Weg zurück, den wir hin gingen. Dazu verändern sich die Orte im Verlauf der Story auch und die großen Hub-Levels sind obendrauf mit vielen Objekten bestückt, die es einzusammeln gilt. So hinterlässt der Titel eigentlich nie den Eindruck gestreckt worden zu sein.
Nicht umsonst USK18
Quelle: PC Games
Tomb Raider (7)
Ganz im Gegenteil sorgen auch die immer wieder eingestreuten Action-Sequenzen für so richtig Laune, wenn wir unter Zeitdruck aus einem brennenden und in sich zusammenstürzenden Tempel fliehen müssen oder uns ein Wasserfall den Berg hinunterspült und wir blitzschnell reagieren müssen um nicht aufgespießt zu werden. Nicht nur in diesen Szenen wird dann auch klar, weshalb der Titel erst ab 18 Jahren freigegeben ist, denn Lara stirbt auf ebenso grausame Weise wie sie ihre Gegner später erlegt. Mit zunehmenden Fähigkeiten nämlich erlernt sie immer brutalere Finisher anzuwenden, wobei ein Eispickel mitten durchs Gehirn noch zu den humaneren Hinrichtungen zählt.
Auch waffentechnisch verfügt sie schon ziemlich bald über ein angenehm schlagkräftiges Repertoire. Zwar gibt es im Grunde nur vier verschiedene Waffen, nämlich den Bogen, eine Pistole, ein Gewehr und eine Schrotflinte, doch diese werden auf vielfältige Art und Weise aufgelevelt. Sobald wir zum Beispiel über ein Feuerzeug verfügen, können wir Brandpfeile mit dem Bogen verschießen, später sogar Napalmpfeile. Auch ein Seil lässt sich mit dem Bogen an einem entfernten Punkt anbringen, um sich hinüber zu hangeln. Für die Schrottflinte gibt es Phosphormunition und für das Gewehr einen Granatwerfer. So erhalten die eigentlich recht wenigen Waffen viele Funktionen, für die man auch recht schnell dankbar ist.
Quelle: PC Games
Tomb Raider (5)
Denn an mancher Stelle glaubt man kaum mehr ein Tomb Raider zu spielen, so viel wird in dem Spiel geballert. Darunter leidet im mittleren Teil auch etwas die Story, doch kurz bevor man davon zu viel bekommt, schafft der Titel noch den Turn Around und bietet uns im letzten Drittel endlich eine richtig dicke Portion der erhofften und kniffeligen Kletterpassagen in luftiger Höhe und auch die Geschichte kommt wieder ins Laufen. Bis dahin haben wir aber schon zehn Stunden Action hinter uns und bis wir den Abspann sehen kann man schon 15 bis 20 Stunden auf der Insel verbringen, insofern man auch alle Gräber erforscht und alle Schätze einsammelt. Dabei gibt sich Tomb Raider sogar etwas zu spielerfreundlich, wie ich finde. Denn wir erhalten schon ziemlich schnell eine Karte, auf der alles Versteckte angezeigt wird. So richtig suchen muss man also gar nicht, will man alle Artefakte und GeoCaches einsammeln. Wer sich beim ersten Durchgang aber noch nicht damit aufhalten will alles Versteckte zu suchen, erhält nach Abschluss der Geschichte die Möglichkeit auf die Insel zurückzukehren und all die noch offenen Erfolge einzusammeln, ein nettes Feature.
