Two Worlds 2 im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Der Vorgänger war umstritten, sein Nachfolger ist aber schon jetzt ein Klassiker und Kulthit unter den RPG-Fans.

Eine gefährliche Welt

Two Worlds 2 Two Worlds 2 Auch wenn die Aufträge auf dem ersten Blick mehr Verstand als Muskelkraft benötigen, bleibt der mühselige Kampf mit den bösen Kreaturen Antaloors nicht aus. Hier und dort stellen sich euch noch gewöhnliche Tiere wie Geparde oder Bären in den Weg, manchmal findet auch ein Leichenwesen seinen Weg in die Welt der Lebenden zurück - freiwillig, oder unfreiwillig, auf jeden Fall wird dieses Ding dorthin zurückgeschickt, wo es her kam. Aber auch phantasievolle Fabelwesen wie Gargoyles, Steingolems oder der Steinzeit entkommene reptilienartige Tiere. Die Artenvielfalt ist mit über fünfzig Wesen sowie den zahlreichen Bewohnern angenehm abwechslungsreich, dennoch wird die Welt nicht von Gegnern überflutet. Vielmehr wirkt Two Worlds 2 wie aus dem realen Leben geschält: Weitläufige Terrains, üppig überwuchert mit Pflanzen und bewohnt von Tieren und Lebewesen. Man kauft den Entwicklern die Welt ab und die unterschiedlichen Inseln, welche im Laufe des Abenteuers mit dem Segelboot angelaufen werden, überraschen auch mit einer eigenständigen Flora & Fauna. Mal kommt man sich vor wie in Afrika, später erinnern die Burgen und Mauern an das europäische Mittelalter und auch ein fernöstlicher Hauch darf nicht fehlen.

Two Worlds 2 Two Worlds 2 Das Kampfsystem ist gleichermaßen einfach und sinnig wie auch bisweilen nervig. Die Waffen müssen erst gezogen werden, vor allem bei Magiern verwunderlich, erst dann geht es in den Schlagabtausch. Dieser erinnert ein wenig an Spiele wie Diablo, ihr müsst aber beständig in Deckung gehen und geschickt den Geschossen ausweichen. Ein Fernkämpfer umkreist seinen Gegner und platziert gelegentlich, aber gezielt ein paar Pfeile. Der Nahkämpfer nutzt die Waffen zum Blocken und die Pausen des Gegners für den eigenen Angriff. Der Magier wiederum wirft mit Feuer, Blitzen und anderen Geschossen um sich. Optisch könnte das Effektfeuerwerk durchaus etwas opulenter ausfallen, ihre Wirkung zeigen die Künste erfahrener Zauberer aber dennoch. Die Bestien sind aber nicht (immer) dämlich. Der flotte Gepard greift meist nur kurz und aus dem Hinterhalt an und versucht sofort wieder aus der Reichweite jeder Schlagwaffe zu kommen, die Affen werfen aus sicherer Entfernung Steine und Bogenschützen versuchen sofort die Distanz zu erhöhen, wenn man ihnen zu sehr auf die Pelle rückt. Ganz ohne KI-Aussetzer klappt es bei Two Worlds 2 aber leider auch nicht. Gerne mal bleiben die Kreaturen (aber auch mal die Bewohner) an irgendwelchen Steinen hängen oder durchschauen ein offensichtliches Versteck nicht, aus dem man ungehindert ihnen den Garaus macht.

Two Worlds 2 Two Worlds 2 Die Balance zwischen dem Charakterlevel und der Stärke der Gegner ist weitaus feinfühliger als im Vorgänger, dennoch wird der Held vor allem zu Beginn hin und wieder ins seicht wiegende Gras beißen. Der Clou ist das richtige Element gegen ein vermeintlich überstarkes Monster, oder schlich die Weiterbildung des Charakters. Sämtliche Fähigkeiten und Skills werden uns von Anfang an schmackhaft gemacht und dargeboten, nur leider ist auch dieser Held nicht allwissend und benötigt für die meisten Fähigkeiten das Grundwissen aus entsprechenden Lehrbüchern. Dumm gelaufen, denn an die Universität wollte sicherlich keiner zum Büffeln. Die Schmöker entwendet man beim Vorbeigehen ganz unbemerkt aus den vollgestopften Regalen oder klammheimlich von den Tischen, oder gibt auf ehrliche Weise sein mühselig zusammengerafftes Geld bei den Händlern aus. Dass solch kompetentes Fachwissen einen ordentlichen Preis hat, dürfte ein jedem klar sein. Ärgerlich ist nur, dass dank eines solchen Systems manch einer einen wirklich wichtigen Skill evtl. nicht bekommt, weil er einfach das Pech hat, immer genau dieses passende Buch zu übersehen!

Unglaubliche Freiheitsgrade

Two Worlds 2 Two Worlds 2 Damit obliegt die Entfaltung des Charakters euren Händen. Wollt ihr als Bogenschütze unterwegs sein, mit mehreren Pfeilen gleichzeitig mehrere Gegner ausschalten, oder seid ihr der bullige Haudegen mit dem, ja mit dem kurzen Schwert oder mit der Einhandwaffe? Weitere passive Fähigkeiten, Zusatzqualifikationen in der Alchimie wie auch der Schmiedekunst sowie allgemeine Verbesserungen lassen viel spielerischen Freiraum! Es ist übrigens auch möglich, sämtliche Mischformen zu züchten. Vielmehr ist es fast unabdingbar, dass man als Bogenschütze auch Kenntnisse des Nahkampfes mit sich bringt, bzw. auch der Magier ein Schwert führen kann - für den Fall der Fälle, dass ihr Auge in Auge um Leben oder Tod kämpft. In den Katakomben zum Beispiel bleibt nicht viel Platz zum Ausweichen, da sollte man den Feigling schon mal ablegen können. Gewiefte Naturen picken sich die besten Skills aus allem Varianten heraus! Warum auch nicht, bietet Two Wordls 2 sogar die Möglichkeit, unterschiedliche Ausrüstungssets anzulegen und diese per Knopfdruck im Kampf zu wechseln, ohne das Inventar noch einmal behelligen zu müssen. Skeptiker bezüglich der Punktevergabe müssen ebenfalls nicht in Panik verfallen, denn gegen eine gewisse Gebühr könnt ihr später eine misslungene Vergabe von Punkten rückgängig machen und unseren cathalonischen Söldner nochmals neu ausrichten.

Two Worlds 2 Two Worlds 2 Wichtig ist zudem die Ausrüstung! Das Inventar mag, vor allem für PC-Spieler nicht sonderlich übersichtlich ausfallen, doch immerhin werden die wichtigsten Dinge voneinander getrennt und sortiert aufgelistet. Viele Rüstungen, Waffen sowie Accessoires haben unterschiedliche Eigenschaften und bisweilen auch magische Besonderheiten, die es zu vergleichen gilt. Kein wirklich einfaches Unterfangen, vor allem bei Anfängern - dafür müssen wir den Entwickler wahrlich die Ohren lang ziehen. Weder die Anleitung, noch das Tutorial geben Auskunft über diverse Eigenschaften, was die verschiedenen Zahlen und Darstellungen bedeuten und was deshalb für den Helden das Beste wäre. Manchmal finden sich in Antaloor noch gesonderte Bücher (neben diversen Sagen, Erzählungen, Forschungen und Geschichten), die einige Abläufe erläutern, doch hätten man solche Dinge definitiv auch in der Bedienungsanleitung erwartet. Eher wieder gelungen ist das unglaublich umfangreiche und geniale Craft-System. Ihr könnt sämtliche Waffen und Rüstungen in ihre Einzelteile zerlegen, um andere Rüstungsgegenstände wiederum aufzuwerten. Je nach Rohstoffen und Kenntnis in der Schmiedekunst werden somit eh schon seltene und effektive Waffen mit zusätzlichen magischen Effekten ausgestattet und in ihren sonstigen Attributen schlicht verbessert. Dadurch entstehen unendlich viele Kombinationen, die uns das Leben deutlich erleichtern können. Hat aber auch einen Nachteil: Es fehlt dann das Geld in der Tasche, da vor lauter Eifer nichts mehr für den Händler im Rucksack übrig geblieben ist!

Two Worlds 2 Two Worlds 2 Ähnliches gilt für alle Magier! Mit dem System für Zauber, Magie, Okkultismus und Nekromantie werden aus den fünf Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft und dem geheimnisumwitterten Verita diverse Zaubersprüche erstellt und mit zusätzlichen Effekten ausgestattet. Neben einem Zauberstab dienen diverse ebenfalls beim Händler erwerbliche oder in der Welt gefundene Karten als Basis für Erstellung der Zauber. Mit einer Trägerkarte wird bestimmt, wie der Zauber ausgeführt wird. Kombinieren wir eine Schusskarte zum Beispiel mit einer Wirkungskarte des Feuers, könnten wir einen Feuerball werfen. Zusätzliche Modifikationskarten verändern darüber hinaus die Wirkungsweise und Intensität und können dem Zauber daher nochmals eine völlig andere Ausrichtung geben. Man kann sich stundenlang mit den diversen Baukästen für Rüstungen, Waffen, Zauber und natürlich auch wieder Alchemie beschäftigen, wird sicherlich auch so manche Misserfolge verbuchen, doch das komplexe System offenbart eine Freiheit, die uns bisher noch kein Rollenspiel in dieser Art bieten konnte. Leider muss man sich auf all diese Möglichkeiten auch einlassen, ansonsten wird man schon recht früh auf die Nase fallen.

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