Der Vorgänger war umstritten, sein Nachfolger ist aber schon jetzt ein Klassiker und Kulthit unter den RPG-Fans.
Das große Antaloor
Two Worlds 2
Allein die unglaublichen Freiheitsgrade laden zur ausgiebigen Erkundung von Two Worlds 2 ein und sind eine Offenbarung für jeden Rollenspieler. Freimaurer und vogelfreie Naturen, die gerne mal durch die Landschaft tigern und dabei alte Mauern, Burgen und Ruinen nach wertvollen Objekten absuchen, kommen dagegen nicht mehr so ganz auf ihre Kosten. Zwar gibt es nach wie vor tiefe Höhlen und versteckte Ruinen, die Anzahl hat aber gewaltig abgenommen. Auch die Übersicht lässt so manches Mal zu wünschen übrig. Die Karte mag anfänglich noch ganz hilfreich sein, nachdem einige Stunden und Aufträge ins Land gezogen und die Sonne und der Mond mehrmals schon aufgegangen ist, zieren unendlich viele Pins den eingezeichneten Weg. Diese voneinander zu unterscheiden, ist aufgrund der Farbgebung kaum mehr möglich. Die Karte ist völlig überladen und wird unbrauchbar. Immerhin weißt eine Zielfahne auf der Minimap die Richtung der aktiven Quest an, etwas, woran man sich tatsächlich halten kann.
Two Worlds 2
Aus technischer Sicht ist Two Worlds 2 sicherlich eine Augenweide gepaart mit einem mal orchestral symphonischen, mal äußerst atmosphärischen Soundtrack. Wie schon mehrfach angesprochen begeistert die vielseitige Welt und auch auf der Xbox 360 bekommt man reichlich geboten, doch nach einigen Stunden fällt ein gewisser Hang zum Recycling auf. Nicht nur die Innenräume der bisweilen ärmlichen Buden könnten geradezu Werbung für Möbelmarkt machen, selbst die Häuser und deren Grundrisse sind immer wieder dieselben. Die imposante Bleibe der Orks zu Beginn sieht toll aus und ist weitläufig, der kreisrunde Bau begegnet uns aber auch später im Spiel immer wieder mal. Darüber hinaus sorgen kleinere Grafikfehler wie flackernde Texturen und das Grundrauschen der Details in der Ferne, vor allem auf der Xbox 360 für einen gewissen Dämpfer. Zu Pferd, welches sich übrigens vollkommen störrisch verhält und nur noch schwer zu bremsen ist, kommt das Spiel sogar ins Stocken und muss immer wieder nachladen - das Streaming läuft trotz der Bildunschärfe bei schnellen Bewegungen nicht mehr ganz rund.
Two Worlds 2
Manch einer wird zudem beklagen, dass die großflächige Insel Eikronas dem Solisten nahezu komplett vorenthalten wird und eigentlich nur im Mehrspielermodus betrachtet werden kann - sprich vollkommen frei begehbar ist die dennoch relativ große Welt von Two Worlds 2 nicht. Wie auch der Vorgänger werden auch online einige Kreaturen über den Jordan gejagt. Unsinnige Varianten wie das Deathmatch, einem direkten Duell oder die Kristalljagd wechseln sich mit den eher unterhaltsameren wie das Abenteuer oder dem Village ab. Zusammen mit Freunden kann man zwar nicht den eigentlichen Plot nachspielen, aber immerhin gibt es sieben spezielle Kapitel für eine kooperative Meute. Ärgerlich ist nur, dass die einzelnen Episoden einerseits in Schlauchlevel abgehalten und recht kurz ausfallen ist, und andererseits nach jeder abgeschlossene zurück ins Onlinemenü gewechselt werden muss. Der Zusammenhang ist mangelhaft, aber es macht durchaus Spaß, vor allem da die Erfahrungspunkte auf alle Spieler gleichermaßen verteilt werden. Das Dorf wiederum ist ein witziges Strategiespiel, in dem eine Siedlung aufgebaut und gleitet wird. Dabei sollte man immer das Wohlergehen der Bewohner im Auge habe, deren Wünsche nachkommen und auch ab und zu die Ansiedlung vor Eindringlingen schützen. Die Online-Modi sind ein kurzweiliger Zeitvertreib, können aber letztendlich nicht derart wie das Hauptspiel überzeugen. Den vollständig ausgerüsteten Haudegen aus dem Solospiel kann man übrigens nicht in die Onlinewelt mitnehmen. Dort wird ein neuer Charakter angelegt und man muss sich auch für eine Klasse entscheiden - mit entsprechenden Skills, die man sonst mühsam per Buch erlernen muss. Ist auch ganz sinnvoll, denn in einer gemeinsamen Truppe können die Mitspieler unterschiedliche Rollen einnehmen und somit ein taktisches Vorgehen an den Tag legen.
