Urban Reign im Gamezone-Test

Test CharLu

Gute Ideen und ihre Ausführungen sind das A und O eines Spiels - aber auch Namco ist hier nicht immer mit Zielwasser ausgestattet.

Innen hui, außen pfui?

Urban Reign Urban Reign Gemessen an seinen Inhalten, hat Urban Reign ganz sicher einiges zu bieten. Die Ideen der Macher sind zweifelsfrei eine nette neue Abmischung bekannter Beat'em Up Tatsachen, die so zu einem recht neuen Spielerlebnis verschmelzen. Neben den Möglichkeiten des Einzel- und Partnerspiels (CPU oder Freund) sind auch Mehrsielerrunden möglich. Zwar erlaubt das Spiel nur bis zu vier Spieler; Diese können aber auf eine Reihe von netten Einstellungsmöglichkeiten zurückgreifen, um so die Matches ganz nach ihrem Gusto zu gestalten. Es gilt dann Entscheidungen zu treffen, wie die allgemeinen Bedingungen auszusehen haben (Arena, Runden, Zeit, usw.), wie die K.O.'s erfolgen sollen oder ob Waffen erlaubt sind oder nicht. Ist dann alles eingestellt, darf es mit der netten Knochenbrechorgie auch schon losgehen.

Urban Reign Urban Reign Wendet man sich nun von den Inhalten an die Darstellung, müssen leider Abstriche gemacht werden. Zweifelsfrei muss sich der Titel nicht verstecken, aber optisch ist in heutigen Zeit und für ein solch relativ einfach gestricktes Spiel mehr drin. Grundlegend zwar recht flimmerfrei, trübt dafür ein leichter Grieseleffekt die klare Sicht. Auch sind die Texturen recht eintönig geworden und bieten gesamt wenig Abwechslung. Im Gegenzug punkten hier aber wieder die Umgebungen in sich, die recht abwechslungsreich sind und auch in Sachen der Interaktion ein gewisses Überzeugungspotential aufweisen. Damit ist dann auch so weit recht leicht zu verschmerzen, das sich die Kampfarenen recht häufig wiederholen. Angesichts des immer heftiger steigenden Schwierigkeitsgrades nimmt man diesen Umstand aber ohnehin nicht mehr war.

Urban Reign Urban Reign Bei der Animation und Darstellung hätten den Figuren auch ein paar mehr Stufen gut getan. Zwar sind ihre Proportionen durchaus gelungen, sind sie aber in ihrem Bewegungseinsatz eher auf Sparflamme geschaltet. Auch die eine oder andere freischaltbare Fähigkeit ändert an diesem Umstand nicht viel. Gleiches gilt auch für die Sequenzen - egal ob die selbstlaufenden Kombofilmchen oder die Zwischensequenzen (von denen es im Übrigen sehr viele gibt) - wirken eher holzig und steif. Da änderte es auch nicht mehr viel dran, dass die Darstellung von Verletzungen und beim Einstecken von Treffern im wahrsten Sinn des Wortes gewaltig sind. Hier haben die Macher wohl zu sehr auf den Effekt gesetzt: Was böse aussieht, ist auch gut. Auch wenn es aktuell in zu sein scheint, Gewaltdarstellung ist nicht immer das A und O.

Urban Reign Urban Reign Einzig die gewählte musikalische Begleitung kann ein wenig an Boden gut machen. Rockige, treibende Klänge heizen das Geschehen kräftig ein und bilden so eine durchaus gelungene Untermalung während der Kämpfe. Ebenfalls die Soundfiles für die Prügelknaben sind gelungen und überzeugen - auch wenn sie sich, wie meist üblich für das Genre, nach einer gewissen Zeit schlicht wiederholen. Im englischen Originalton sind die Stimmen und ihre Intensität definitiv frei von Kritik, deutsche Stimmen haben sie leider nicht bekommen. Aber keine Sorge, die zahlreichen Texte und schriftlichen Infos sind deutscher Sprache abgefasst.

Geduld - verzweifelt gesucht

Urban Reign Urban Reign Im Normalfall sind ja Beat'em Up Spieler, vor allem die Wiederholungstäter, durchaus geübt in Sachen Geduld aufzuweisen. Außerdem sind sie es gewohnt, öfter mal was einzustecken, nur um dann wieder aufzustehen und dem miesen Pack dann doch gewaltig in den Allerwertesten zu treten. So wird es den meisten hier auch gehen, ganz sicher - nur am Ende mit einem Unterschied: Das Pad wird auch von dieser Spezies alsbald recht genervt in der Ecke landen (ggf. sogar an der Wand) und das Spiel macht einen dauerhaften Ausflug in das Regal. So toll sich die vielen durchaus guten Ideen von Namco auf dem Papier lesen, in der Umsetzung sind sie leider nur mangelhaft. Der sogenannte Storymodus ist ja prinzipiell eine feine Sache und das man Missionsbasiert vorgehen kann, ebenfalls okay. Am Ende stellt es sich aber so dar, dass man einfach nur eine Straßenkarte auf dem Bildschirm bekommt, auf dem 2-3 Punkte markiert sind, die angewählt werden dürfen. Ausgewählt, erzählt einem eine liebliche Stimme Dinge, die so wichtig sind, wie wenn in China ein Sack Reis vom Karren fällt. Und dann befindet man sich im Kampf. Hat man den gewonnen geht es weiter - nach dem gleichen Schema. Kann man damit am Ende noch leben, schwindet spätestens beim Kämpfen und vor allem auch bei der Kollisionsabfrage die Lust. Auch wenn die Spielideen eine Vielzahl an Möglichkeiten zum Kampf vorgeben, so wird man sie doch nur selten wirklich nutzen können. Die Aktionen beschränken sich wahrlich darauf, 2 Tasten in immer wiederkehrenden Rhythmus zu klopfen. Dabei berücksichtig man lediglich, dass einem niemand in den Rücken fällt, und aus die Maus. Das vor allem einem geübtem Spieler hier die Gegner nicht wirklich gefährlich werden, liegt auf der Hand. Ein Einsteiger könnte eventuell etwas zu tüfteln haben, aber dann genauso genervt sein wie der Crack. Beide werden nämlich unweigerlich an den Punkt kommen, da die Kollisionsabfrage einem einen Strich durch die Rechnung macht. Fahrzeuge, Stühle, Tische, Mauervorsprünge sind mit gemeinen unsichtbaren Tentakeln ausgestattet, die einen auf wundersame Weise festhalten, so bald einer der Gegner es mal geschafft hat, uns eins gescheit reinzusemmeln. Erst einmal in diese Falle hineingestolpert, ist der gute Brad nur noch Fischfutter und man kann fast nicht mehr viel tun als der Energieleiste beim Schrumpfen zuzugucken. Auch die nette Idee umherliegende Gegenstände als Waffen zu benutzen verpufft bei der Anwendung als netter Versuch und sorgt eher für genervtes Schnaufen denn für fröhliches Draufhauen. So wie Gegner verwundbar sind, wenn sie eine Flasche oder eine Sonstiges aufheben, so seid es ihr natürlich auch. Und ehe man es sich versieht, haben einem die bösen Buben schon wieder in die unsichtbaren Fänge der Umgebung bugsiert und wieder einmal gucken wir dem Sternenhagel und der sinkenden Leiste zu. Auf die Dauer ohne Frage frustrierend. Und das, bei logischer Betrachtung, die ggf. Kombinationen helfen könnten, ist auch nur ein Trugschluss. Zwar ist das Repertoire vorhanden, die Anwendung scheitert aber mal wieder an der klammernden Umgebung. Und ja, diese ist der beste Freund der virtuellen Raufbolde. Also bleibt am Ende nur eins und das bedeutet Bewegung, Bewegung, Bewegung. Und nicht etwa in Form von ausführenden Kombos - oh nein - vielmehr startet ihr einen regelmäßigen Rundlauf, in den dann auch die Gangmitglieder einsteigen. Ab und an prescht dann einer dieser Nervtöter vor, ihr ballert ihm kurz eins auf seinen Hohlkörper auf den Schultern und lauft weiter. So zieht ihr das Spielchen durch, bis auch der letzte am Asphalt schnüffelt, bevor ihr dann ins nächste Level aufbrechen könnt und dort mit dieser Aktion von vorne beginnt. Auf Dauer leider Motivation gleich null.

Meinung

Wertung zu Urban Reign (PS2)

Wertung:

6.5 /10
Pro & Contra
interessante Ideen in Sachen Komboausführunginteraktive Umgebungkeine klassische One-to-One Kämpfereiversuchte Storyerzählung und Fortführunghohe Charakteranzahl sowie die Gastauftrittegute Musik
gute Ideen nur mittelmäßig bis gar nicht gut ausgeführtwitziges Kampfsystemdas es am Ende aber gar nicht brauchtschlechte Kollisionsabfragefür ein Beat'em Up zu viele Zwischensequenzenfür Einsteiger zu schwer (zu unfair)geringe Motivation für Profis
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