Das größte Valorant-Turnier der Off-Season - klingt nach einem echten Highlight, oder? Rein in den brodelnden Hexenkessel der Hauptstadt! Doch manchmal folgt auf den großen Hype eine Portion Ernüchterung - ein Wechselbad der Gefühle.
Eine Frage der Community
Auf den Rängen waren auch einige Influencer außerhalb der Valorant-Szene unterwegs, darunter der Call-of-Duty-Influencer KayzahR. Im Gespräch zeigte er sich recht überrascht von der Community. Die Stimmung war für ihn ungewohnt, ist die Call-of-Duty-Community doch etwas anders gepolt.
Auch ich war überrascht. In Online-Partien begegne ich ständig Mit- und Gegenspielern, die den Sprach- und Text-Chat regelmäßig ausnutzen. Auf Social Media landen zudem immer wieder Videos in meinem Feed, in denen vorwiegend Spielerinnen despektierlich behandelt werden.
Vor Ort war davon nichts zu spüren. Es scheint eben doch nur eine kleine Minderheit nerviger Internet-Rambos zu geben, die sich dem Trollen verschrieben haben. Egal, mit wem ich mich unterhalten habe, wir waren stets auf einer Wellenlänge.
Quelle: Red Bull Content Pool
Niemand musste sich für Taktiken oder Rang schämen. Ganz im Gegenteil: Hier und da wurden hilfreiche Tipps ausgetauscht. Besonders unterhaltsam waren Gespräche, in denen sich herausstellte, dass auch andere Teams die gleichen absurden Taktiken verfolgen wie meine Truppe.
Und wie geht es weiter?
Und doch zeigt Red Bull Home Ground ein Problem auf: die Relevanz im Großen und Ganzen. Natürlich trifft man bei so einem Event auf Gleichgesinnte. Die Hemmschwelle für Personen mit weniger eSports-Affinität ist allerdings noch recht hoch. Man verbringt mehrere Tage in einer stockdunklen Halle, die lediglich durch die blitzenden RGB-Lichter der Bühne erhellt wird. Selbst mich schlauchte das bereits nach einem Tag.
Quelle: Red Bull Content Pool
Das Problem ist jedoch weder der eSports selbst noch die Event-Reihe. Das eigentliche Problem liegt in der Wahrnehmung. Wir sprechen hier von einem kompetitiven Unterhaltungskonstrukt, das in Deutschland immer noch weitgehend ungeregelt ist.
Ich wünsche mir, dass die Entwicklung endlich weiter voranschreitet. Erste gemeinnützige eSports-Organisationen existieren zwar bereits - allerdings oft nur über Umwege.
Ich hoffe, dass wir in absehbarer Zeit eine Struktur schaffen, die dem klassischen Vereinsleben ähnelt: Man trifft sich zum Training, spielt Turniere am Wochenende und verbringt eine schöne Zeit miteinander. Immerhin sind hier bereits erste Grundsteine gelegt. Und ich wünsche mir, dass es in Zukunft mehr Turniere in großen Hallen gibt - sowohl national als auch international.
