Das größte Valorant-Turnier der Off-Season - klingt nach einem echten Highlight, oder? Rein in den brodelnden Hexenkessel der Hauptstadt! Doch manchmal folgt auf den großen Hype eine Portion Ernüchterung - ein Wechselbad der Gefühle.
London, Manchester, Tokio und jetzt ... Berlin!
Das fünfte Red Bull Home Ground Turnier machte Halt in Deutschland - und das kam für mich etwas überraschend. Unser Land zählt nicht gerade zu den größten Aushängeschildern für eSports weltweit. Doch meckern möchte ich nicht. Ganz im Gegenteil: Es ist eine positive Überraschung. Sicher, ESL One mit Counter-Strike und Dota 2 sind hoch angesehene Events, aber der große eSports-Boom ließ bislang auf sich warten.
Ich bewege mich nun schon seit mehreren Jahren in der eSports-Szene. Eine Profi-Karriere liegt allerdings noch in weiter Ferne - genauso wie damals meine Träume von einer Karriere als Fußball-Star. Doch darum geht es mir nicht.
Für mich sind meine Lieblingsspiele Rocket League und Valorant (jetzt kaufen 100,00 € ) genauso wie Fußball und Volleyball: ein unterhaltsamer Zeitvertreib, bei dem man sich mit anderen Spielern misst und stetig besser wird (das rede ich mir zumindest ein). Und wenn ich mal nicht spiele, dann schaue ich eben den Profis zu.
Quelle: Red Bull Content Pool
Zwischen Stadionatmosphäre und Gruppenkuscheln
Red Bull Home Ground war nicht mein erster eSports-Live-Event. In der Vergangenheit wurde ich unzählige Male zu MOBA-Events geschleppt. Faszinierend, ja, aber auch komplett uninteressant für mich. Ich habe keine Ahnung von MOBAs. Da flackern ein paar Lichter, und ich fühle mich wie an Weihnachten - nur mit mehr schreienden Menschen. Umso schöner ist es jetzt, endlich unter Gleichgesinnten zu sein.
Wenn ich ins Fußballstadion gehe, bereite ich mich Stunden vorher darauf vor. Trikot - check! Playlist - check! Und auf dem Weg zum Stadion achte ich darauf, nicht an die falschen Leute zu geraten. Vor so einem Spiel liegt immer eine gewisse Anspannung in der Luft. Mal ist sie intensiver, mal lockerer.
Quelle: PC Games
Auf meinem Weg zur Arena Berlin war das ganz anders. Neben mir waren noch über 2.000 andere Fans vor Ort. Bis zum Eingang habe ich davon aber noch nichts gespürt.
Endlich angekommen, lächelte mir ein großes Banner entgegen. Zumindest hatte ich das Glück, nicht daran vorbeigelaufen zu sein. Die Arena Berlin liegt in Alt-Treptow - nicht gerade der kulturelle Hotspot der Stadt. Außerdem handelt es sich um einen ehemaligen Betriebshof der Berliner Verkehrsbetriebe.
Klar, man hat die Halle in eine Event-Location umgewandelt, und sie hat ihren rustikalen Charme, aber ich fühlte mich trotzdem ein wenig verloren. Einmal eingetreten, änderte sich der Vibe um 180 Grad.
Elektrisierende Stimmung
Der Geruch von frisch ausgepackter Technik, riesige Monitore, überall blitzt und blinkt es - ja, hier bin ich zu Hause! Und obwohl ich allein vor Ort war, gehörte ich doch zu einem großen Ganzen. Das schaffen eSports-Events wie kaum eine andere Veranstaltung. Egal, wie alt jemand ist, welches Geschlecht, welche Hautfarbe oder welches Team die Person unterstützt - das spielt keine Rolle. Hier kommen die Fans zusammen, vereint durch ihre Freude an Valorant.
Natürlich traten beim Home Ground Teams aus allen Teilen der Welt gegeneinander an. Entsprechend gab es auch kleinere Fanlager. Doch die Stimmung war immer für das eigene Team und niemals gegen die anderen.
In der Halle wurden vereinzelt Pappen mit Stiften verteilt, auf denen Fans Sprüche oder kleine Kunstwerke verewigten. Als einige Teams im Laufe des Turniers ausschieden, konnte ich beobachten, wie neue Schilder gebastelt wurden. Stellt euch das mal bei anderen Sportarten vor. Das könnte ich mir höchstens noch in der Leichtathletik vorstellen. Eigentlich mag ich diese Vergleiche zum herkömmlichen Sport nicht so sehr ... aber ihr wisst schon, worauf ich hinaus möchte.
Besonders das packende Halbfinale zwischen FUT und T1 war Werbung für den eSports. Es war spannend bis in die letzten paar Runden, die T1 für sich entschieden.
Bildergalerie
Ich selbst habe zu keinem der beiden Teams einen direkten Bezug - saß also als neutraler Zuschauer dazwischen -, und doch hat es mich mitgerissen und ich habe mitgefiebert. Dazu tragen auch die Caster (Kommentatoren) bei, die im eSports eine ganz besondere Rolle spielen. Sie kommentieren nicht nur das Geschehen, sie heizen gleichzeitig dem Publikum ein und tragen massiv zur Stimmung bei.
