Watch Dogs: Legion in der Vorschau: Teil 3 der Hacker-Reihe ausführlich angespielt
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Wir durften den dritten Teil von Ubisofts Watch-Dogs-Reihe im Rahmen eines digitalen Events mehrere Stunden zocken und erfreuten uns dabei an toller Atmosphäre und viel spielerischer Freiheit. Warum wir jetzt durchaus optimistisch sind, dass Legion der beste Teil der Hacker-Serie wird, erfahrt ihr in dieser Vorschau.
Eigentlich sollte der dritte Teil der Hacker-Reihe bereits Ende letzten Jahres erscheinen, doch Publisher Ubisoft verschob Watch Dogs: Legion und viele andere Games, um den Entwicklern mehr Zeit zur Fertigstellung zu geben. Im vergangenen Jahr durften wir Legion bereits auf der E3 und auf der Gamescom jeweils kurz anspielen und fanden damals schon Gefallen am im London der nahen Zukunft angesiedelten Open-World-Action-Adventure. Allerdings reichte die geringe Anspielzeit auf den Messen natürlich nicht, um mehr als oberflächliche erste Eindrücke zu gewinnen.
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Umso schöner, dass wir Watch Dogs: Legion (jetzt kaufen 59,99 € / 53,99 € ) nun im Rahmen eines digitalen Events für ganze vier Stunden zocken durften. So stand es uns frei, Haupt- und Side-Quests zu erledigen, Gebiete zu befreien, Nebenbeschäftigungen auszuprobieren oder einfach nur für Chaos in Englands Hauptstadt zu sorgen. Dabei stellten wir fest, dass Legion nicht einfach nur ein typisches Watch Dogs mit neuem Setting ist, denn dem Titel scheint das zu gelingen, was die Vorgänger nicht immer so ganz umzusetzen wussten: Er schafft eine gute Balance zwischen düsterer, ernsthafter Story-Prämisse und abgefahrenem Hacking-Spaß mit teils herrlich albernen Elementen.
Freiheitskämpfer oder Terroristen?
Quelle: Ubisoft
DedSec stellt sich diesmal Albion und den Terroristen von Zero-Day entgegen.
Den Großteil unserer Anspielzeit verbringen wir zwar auf einem Spielstand, der etwa in der Mitte des Abenteuers angelegt wurde, doch zu Beginn können wir noch die ersten Minuten von Legion erleben. Hierzu dürfen und wollen wir nicht zu viel verraten, es sei jedoch gesagt, dass der Einstieg wirklich gelungen ist. Die aus den Vorgängern bekannte Hacker-Gruppierung DedSec kann nämlich von unbekannten Fieslingen, die sich selbst Zero-Day nennen, ausgeführte Anschläge nicht vereiteln und London steht in Flammen.
Zero-Day schiebt das alles DedSec in die Schuhe und die eigentlich für den Freiheitskampf geliebte Gruppe wird zu Terroristen erklärt und von nun an erbarmungslos gejagt. Dafür sorgt die hoch technisierte Sicherheitsfirma Albion, welche von der Regierung eingesetzt wird, um die Stadt zu kontrollieren und die Täter ausfindig zu machen. Albion verfolgt jedoch auch eine eigene Agenda und sorgt mit wahllosen Kontrollen und Verhaftungen für Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Jeder wird beobachtet, jeder steht unter Verdacht.
Das Ziel von DedSec ist also klar: London soll von Albion befreit werden, aber gleichzeitig müssen die Hacker auch ihre Unschuld beweisen, indem sie die wahren Hintermänner der Anschläge ausfindig machen. Die Prämisse ist ein klarer Bruch zum Vorgänger, wo DedSec noch eine (nervig) flippige Hipster-Truppe war, die selbst die größte Bedrohung nicht ernst nahm, sondern überzogen "coole" Sprüche raushauen musste. Legion ist düsterer.
Bewegt man sich über die Straßen Londons, beobachtet man immer wieder, wie Albion-Söldner einzelne Bürger schikanieren. An anderen Orten finden wir Gedenkstätten, wo die Hinterbliebenen der Opfer der Anschläge Blumen niedergelegt, Kerzen und Bilder ihrer Liebsten aufgestellt haben. Das ist durchaus bedrückend, motiviert aber auch mehr als in den Vorgängern, die Revolution voranzutreiben.
Helden mit Macken und Gadgets
Man braucht aber natürlich keine Sorge haben, dass Watch Dogs: Legion durchgehend bierernst ist, denn die Helden des Spiels sorgen mit ihren teils abgefahrenen Gadgets und Fähigkeiten für jede Menge Spaß. Der Clou bei Legion ist schließlich, dass jeder der Held sein kann. Man kann jeden Bürger scannen, dessen Fähigkeiten und Hintergründe einsehen und entscheiden, ob man diesen für DedSec rekrutieren soll. Man kann also auch Leute mit eher außergewöhnlichen Skills und Hobbys anheuern.
Quelle: Ubisoft
Wirklich jede Figur kann rekrutiert werden. Möchten wir einen Nahkampfexperten im Team, können wir also einfach diese Kampfsportlerin anheuern.
Auf unserem Speicherstand ist schon eine bunte Truppe vertreten, die bei uns für einige Lacher sorgt. So spielen wir beispielsweise mit einer Bauarbeiterin, die nicht nur unerkannt auf Baustellen in Sperrgebieten eindringen kann, sondern auch einen mächtigen Schraubenschlüssel schwingt, mit dem sie Gegner ausknockt. Zudem kann sie jederzeit eine Arbeitsdrohne herbeirufen, die durchaus nützlich sein kann.
Statt sämtliche mit Gegnern gefüllte Etagen bis zum Dach hochzulaufen, rufen wir einfach die Drohne, steigen drauf, hacken das Ding und fliegen kurzerhand zum Missionsziel. Die paar Gegner auf dem Dach sind kein Problem. Wir fliegen so weit über ihnen, dass sie uns nicht bemerken, aber wir hacken die Umgebung so geschickt, dass wir die Fieslinge aus dem Weg räumen, ohne selbst einen Finger krumm machen zu müssen.
Wir manipulieren Rohre so, dass sie explodieren, wenn Wachen in die Nähe kommen, wir hacken bewaffnete Drohnen, die dann ihre Besitzer unter Beschuss nehmen oder wir übernehmen die Kontrolle von anderen Arbeitsdrohnen, die gerade Fracht transportieren. Es wäre doch wirklich zu schade, wenn wir diese Fracht ausgerechnet über einem Gegner verlieren würden. Besonders befriedigend ist es natürlich auch, wenn Feinde auf einem Parkplatz patrouillieren und wir die dort stehenden Fahrzeuge so hacken, dass sie die Wachen überfahren.
Quelle: Ubisoft
Mit einem Bauarbeiter dringen wir unbemerkt auf Baustellen in Sperrgebieten ein und hauen Gegnern unseren Schraubenschlüssel um die Ohren.
Legion bietet noch mehr Hacking-Optionen als Watch Dogs 2, doch wer möchte, darf sich natürlich auch wild ballernd oder leise schleichend durch die Areale bewegen. Hier kommt es aber eben darauf an, welches DedSec-Mitglied man gerade steuert. Unsere Bauarbeiterin ist jedenfalls keine Waffenexpertin. Das ist der Cockney-lallende Fußball-Hooligan in unserem Team auch nicht, aber mit diesem können wir die Wachen immerhin ordentlich aufmischen. Wir mussten jedenfalls herzlich lachen, als wir Kopfnüsse an Albion-Söldner verteilten.
Zudem befindet sich in unserem Team auch noch eine Auftragskillerin und somit Expertin für Waffen jeglicher Art, falls wir unseren inneren Rambo rauslassen wollen. Aber auch eine gewiefte Hackerin, die sich selbst kurzzeitig unsichtbar machen kann und sich somit für Stealth-Gameplay eignet, ist in unserer Truppe zu finden. Um die Spielfigur zu wechseln, gehen wir nur kurz ins Pausemenü, bestätigen den neuen Protagonisten und wenige Sekunden später stehen wir dort, wo wir gerade noch mit der anderen Spielfigur standen.
00DedSec
So gut die bereits in unserem Team vorhandenen Charaktere auch sind, wir wollen natürlich das Rekrutierungs-Feature auch selbst ausprobieren. Also scannen wir einige NPCs nach ihren Stärken und Schwächen und finden dadurch eine Spionin, die mit ihren Gadgets und Fähigkeiten sehr an einen gewissen britischen Agenten erinnert. Die Spionin ist durchaus an einer Aufnahme in DedSec interessiert, doch zuvor müssen wir ihr einen Gefallen erweisen.
Wir sollen den Server einer Sicherheitsfirma zerstören. Nun, wenn wir schon eine Agentin im Team haben wollen, dann machen wir das natürlich mit Stil. Statt uns durchzuballern oder zu schleichen, setzen wir einen bewaffneten Spider-Bot in einem Lüftungsschacht ab und krabbeln zum Ziel. Die Wachen stellen auch kein Problem dar. Unbemerkt nähern wir uns ihnen, krabbeln ihnen ins Gesicht und geben einen kleinen Stromschlag ab.
Quelle: Ubisoft
Das Agentenauto bescherte uns in der Demo jede Menge Freude.
Anschließend schießen wir das Ziel kaputt und kehren zu unserem Charakter zurück, der sich nicht mal in der Nähe des Sperrbereichs befindet und deshalb auch nicht in Verdacht gerät, als der Alarm losgeht. Der Plan ist also aufgegangen und wir erhalten die Spionin, die nicht nur eine schallgedämpfte Pistole und eine Laser-Armbanduhr mitbringt, sondern auch einen mit zielsuchenden Raketen bestückten Sportwagen.
Klar, es ist schon cool, eine Mission ungesehen und nur mit dem geschickten Einsatz unserer Hacking-Künste zu bestehen, aber wir würden lügen, wenn wir behaupten, dass es uns keinen Spaß macht, Raketen verschießend durch London zu brausen. So ernst die Story von Watch Dogs: Legion auch ist, die unterschiedlichen, teils herrlich bekloppten Charaktere sorgen mit ihren jeweiligen Hilfsmitteln und Eigenschaften für Spaß und Abwechslung.
Wir befürchteten auch zunächst, dass keine Charakterbindung entstehen könnte, wenn wirklich jeder der Held des Spiels sein kann und es keinen festen Protagonisten gibt, doch diese funktioniert eben einfach anders. Das Ziel, die Terroristen zu finden und die Bürger Londons von Albion zu befreien, ist ein besserer Antrieb als die doch ziemlich vergessenswerten Storys der Vorgänger. Zudem findet man unter den Team-Mitgliedern schnell persönliche Favoriten, die einem mit ihrer Art oder aufgrund ihrer Fähigkeiten ans Herz wachsen.
Auf der Flucht und auf der Jagd
Überall in der Stadt hat Albion Checkpoints errichtet, um DedSec ausfindig zu machen, allerdings muss man sich keine Sorgen machen, wenn man nicht bereits durch irgendwelche Gesetzesübertretungen aufgeflogen ist. Hat man kein Fahndungslevel, werden die Albion-Söldner auch nicht auf einen aufmerksam. Jedoch achten sie auch mehr auf Hacking in der Umgebung. Lassen wir einen Bus auf eine Kreuzung rasen und einen Unfall verursachen, rufen die Fieslinge Verstärkung und untersuchen den Fall. Hier sollte man sich dann besser unauffällig verhalten und sich verdrücken.
Doch selbst wenn sie einen verfolgen, lassen sie sich recht schnell abschütteln, solange man nicht mitten durch die erwähnten Checkpoints fährt. Dennoch ist das ja kein Zustand, wenn man nicht mal mehr ungestört Raketen aus seinem Agentenauto verschießen darf. Wir entscheiden uns also, gegen die Tyrannei Albions vorzugehen. Dafür stehen uns in der Demo zwei längere Hauptmissionen zur Verfügung sowie eine Serie von Befreiungs-Quests in dem Gebiet Southwark.
Quelle: Ubisoft
Albion sorgt für Angst und Schrecken in der Bevölkerung. Das können wir so natürlich nicht hinnehmen.
Wir entscheiden uns zunächst für eine Hauptmission, in der ein Whistleblower, der angeblich etwas über Zero-Day weiß, mit uns in Kontakt treten möchte. Das Treffen verläuft allerdings nicht wie geplant, denn der Typ taucht nicht auf. Also hacken wir uns in das Überwachungssystem des Treffpunkts und sehen, dass unser Kontaktmann entführt wurde. Die uns stets begleitende und mit einem herrlich trockenen Humor gesegnete KI Bagley rekonstruiert anschließend anhand der Kamerabilder aus der Umgebung, wohin unser Informant gebracht wurde.
So wie es aussieht, wird der Whistleblower auf einer Baustelle gefangen gehalten. Wir entscheiden uns also für unsere Bauarbeiterin, lassen uns von einer Wache jedoch dabei erwischen, wie wir eine feindliche Drohne hacken. Im anschließenden Feuergefecht gehen wir drauf. Mist! Die Bauarbeiterin ist laut Spiel jetzt erstmal im Knast und kann für eine ganze Weile nicht ausgewählt werden. Mit unserer Spionin schleichen wir also über die Baustelle und schalten die Wachen in unserem Weg leise mit gezielten Kopfschüssen aus. Wir retten den Whistleblower und erhalten neue Informationen, die uns schließlich in eine Art Rechenzentrum führen.
Hier erwartet uns ein klassisches Watch-Dogs-Level mit vielen bewaffneten Wachen, aber auch vielen hackbaren Objekten und somit vielen Möglichkeiten, die Mission zu beenden. Gegen Ende müssen wir dann auch mit unserem Spider-Bot ein sehr verschachteltes Rätsel lösen, bei dem wir - wie schon im Vorgänger - Leitungen richtig ausrichten müssen. Diese kleine Kopfnuss lockert den Spielablauf angenehm auf.
Quelle: Ubisoft
Natürlich gibt es wieder etliche Hacking-Möglichkeiten. Beispielsweise übernehmen wir feindliche Drohnen und bekämpfen damit unsere Gegner.
Nach dem Bestehen dieser Aufgabe widmen wir uns der Befreiung der Region Southwark. Zunächst zerstören wir Albion-Propaganda und rufen über einen Werbebildschirm zur Rebellion auf. Anschließend müssen wir in einem schwer bewachten Areal ein Terminal hacken und Schlüssel besorgen. Klassische Watch-Dogs-Kost, die aufgrund der bekannten und neuen Möglichkeiten wirklich Laune macht, aber auch keine Überraschungen bietet.
Die letzte Mission, um Southwark zu befreien, ist jedoch ein klares Highlight. Zunächst schleichen wir uns in ein Sperrgebiet und gelangen über Umwege zu einem Server, der dazu beiträgt, dass Albion das Gebiet unterjochen kann. Mit einer Drohne müssen wir nun ungesehen durch das Areal fliegen, um eine Bombe zu besorgen, die wir in den Datenverteiler werfen. Dabei müssen wir mit der Drohne Dampf versprühenden Rohren, sich bewegenden Alarm auslösenden Lasern und natürlich allerhand Wachen ausweichen. Die Mission ist durchaus knackig, aber umso befriedigender ist es auch, wenn wir das Technik-Zentrum lahmlegen und sich Albion aus der Region zurückzieht.
Londons Gesichtselfmeter, Release und Next-Gen-Versionen
Quelle: Ubisoft
Scannen wir Londons Enwohner, werden uns direkt deren Fähigkeiten, Gadgets, Stärken und Schwächen angezeigt.
Unsere Anspiel-Session ließen wir übrigens klassisch in einem Pub ausklingen, wo wir erst beim Darts versagten, uns anschließend hemmungslos betranken und dann mit verschwommener Sicht auf einem Moped Platz nahmen. Für uns virtuell ein chaotischer Quatsch zum Hands-on-Ausklang, für den einen oder anderen gefallenen C-Promi in der Realität ein ganz normaler Mittwoch. Nichtsdestotrotz konnten wir London natürlich etwas erkunden, bevor wir mitsamt Moped an der Seite eines Doppeldeckerbusses klebten.
Die Großstadt sieht wirklich toll aus und glänzt mit etlichen Details. Die verschiedenen Viertel sind abwechslungsreich gestaltet und besitzen einen eigenen Charme. Genau wie im echten London findet man wunderschöne kleine Ecken, Touristenattraktionen, Wohngebiete und Pubs der Arbeiterklasse, aber auch Gassen, die einem quasi schon "Achtung: Knife Crime an der Tagesordnung!" entgegenschreien. Mit anderen Worten: Man erkennt die englische Metropole sofort wieder.
Quelle: Ubisoft
Wer sagt denn, dass man nur Wände ansprühen sollte?
Ja, das London im Spiel ist futuristischer und auch die Albion-Tyrannei ist ersichtlich, doch Ubisoft hat hier echtes Fingerspitzengefühl bewiesen. Das Legion-London ist gleichermaßen aufregend und neuartig, aber man erkennt unter der ganzen Technik und Propaganda eben auch die echte englische Hauptstadt. Dadurch ist die Bedrohung noch greifbarer. Vom Setting und dessen technischer Umsetzung sind wir also echt begeistert, allerdings gibt es zwei Dinge, die uns nicht sonderlich gefallen haben.
Zum einen ist das Fahrgefühl immer noch etwas gewöhnungsbedürftig. Vor allem Motorrädern steuern sich ziemlich schwammig. Zum anderen sehen die Gesichter der Spielfiguren sehr oft ziemlich altbacken oder gar hässlich aus. Hier scheint es sich zu rächen, dass man keinen festen Protagonisten hat, der detailliert ausmodelliert wurde. Das sind jedoch nur kleinere Kritikpunkte. Insgesamt hat uns Watch Dogs: Legion wirklich positiv überrascht und wir sind optimistisch, dass der Titel der Reihe neuen Schwung verleihen wird.
Watch Dogs: Legion erscheint am 29. Oktober 2020 für PC, Stadia, Xbox One und PS4. An Umsetzungen für PS5 und Xbox Series X wird bereits gearbeitet, ein Releasetermin für die Next-Gen-Versionen steht jedoch noch nicht fest. Wenn sie erscheinen, werden Käufer der "alten" Fassungen kostenlos auf die neuen Umsetzungen upgraden können.
