Vom Winzer zum Helden! Leonards Geschichte wird solide weitererzählt und liefert erneut etliche Stunden Spielspaß.
Zurück in die offene Welt
White Knight Chronicles 2
Trotz dieses Wermutstropfens fesselt das opulente Abenteuer, welches bisweilen mit sphärischen Szenen und emotionsgeladenen Konversationen den Manko an fehlender Mimik und Gestik wieder wett macht. Die Sprachausgabe ist Englisch, aber recht gelungen, auch wenn natürlich der typisch japanische Kitsch als unterschwelliger Ton mitschwingt. Auch kein Wunder, bei so manch skurrilen Bewohner oder den weiblichen Charakteren. Das heißt aber nicht, dass diese einen allzu zimperlichen Umgang mit den Giftwespen oder riesigen Trollen pflegen. Mit Axt, Lanze, Schwert und Bogen wird den Bestien Paroli geboten - und das in einem wie gewohnt völlig offenen Spielverlauf, welches an einen MMORPG erinnert, dies aber für den Solisten auslegt. Was uns schon seinerzeit Final Fantasy XII kredenzte, funktioniert auch in White Knight Chronicles (II) wunderbar. Ihr stapft mit einem vorab optimal abgestimmten Team durch die üppige Landschaft und seht überall ständig nachwachsende Feindhorden aus dem Boden sprießen. Manche können umlaufen werden, andere wiederum reagieren bei dem kleinsten Geräusch sehr aggressiv und spannen sofort ihre Muskeln an.
White Knight Chronicles 2
Die Artenvielfalt lässt wie schon im ersten Ableger zu Wünschen übrig. Ein wilder Eber taucht unwesentlich später unter anderem Namen und kurzerhand umlackiert wieder auf, um mit deutlich mehr Effet auf den Heldentrupp zu prallen. Nichtsdestotrotz zückt ein jeder sofort das Schwert, sobald der Spieler einen der Feinde anvisiert. Die vom Computer gesteuerten Akteure verrichten - sofern man sich vorher auch die Mühe einer passenden Ausrichtung im Menü gemacht hat - ihre Arbeit sehr zufriedenstellend - fast schon zu gut! Der Heiler kümmert sich beständig um die Verwundeten, der Magier lässt seinen Sprüchen freien Lauf und selber kümmert man sich um den Rest. Ihr tänzelt wie gewohnt um den Auserwählten und wartet bis der runde Ladebalken seine vollständige Fülle aufweist, um anschließend eine der zahlreichen Attacken zu landen. Ähnelt White Knight Chronicles auf dem ersten Blick einem freien Hack'n'Slay, wird durch das auf Runden bzw. Wartezeit basierende System aber in seine Schranken verwiesen. Mit derartigen Fesseln ist durchaus Taktik und vor allem strategisches Vorgehen gefragt.
White Knight Chronicles 2
Was in den ersten Minuten vor allem für Anfänger ein beinhartes Unterfangen ist, wird recht schnell zur Routine und artete damit in ein gar stupides Gemetzel aus. Wer Schwachstellen und Affinitäten ausnutzt, wird mit den Gegnern schneller fertig, alle anderen hämmern halt etwas länger auf die X-Taste ein. Einzig allein die mächtigen Bosse, meist Hünen, die den Bildschirm geradezu sprengen, verlangen einiges ab und fallen deutlich knackiger als noch im ersten Teil aus. Von Abwechslung sprechen aber nur diejenigen, die sich auf die verschiedenen Möglichkeiten auch tatsächlich einlassen und nicht nur einfache Attacken landet. Die möglichen Angriffe mit jeglicher Waffe und Zauber lassen sich unter anderem wieder kombinieren, um mächtigere Schläge zu laden. Das kostet mehr Magie und Kraft, sorgt aber für höheren Schaden. Taktisch geschickt kann sich Leonard auch wieder in den hünenhaften White Knight, einen Riesen im polierten Ritterkostüm, verwandeln und somit gar solch furchterregende und meist Bildschirme füllende Kreaturen wie mächtige dreiköpfige Drachen oder haushohe Trantulas fast gar in sekundenschnelle bezwingen.
Quelle: Sony Comouter Entertainment
White Knight Chronicles 2
Letztendlich birgt das Kampfsystem nach wie vor eine gehörige Menge Potenzial, dennoch hätte dieses wesentlich attraktiver und spannender ausfallen können. Effektvolle Tastenkombinationen, einen Bonus, wenn man im richtigen Moment die Angriffstaste drückt und davor natürlich die richtige Attacke ausgewählt hat - uns würden durchaus noch einige Verbesserungen einfallen und blicken wir auf die ersten Videos zur Serie zurück, lässt die Neuauflage ebenso wie der erste Teil die herrliche Dynamik missen. Hinzu kommen bekannte technische Macken wie kilometerweit reichende Trefferzonen und eine fehlende Übersicht dank ungünstiger Kameraperspektiven. Gleichermaßen wollen wir abermals das völlig ineffiziente und unübersichtliche Inventar ankreiden. Jeder Held hortet seine Errungenschaften und gleicht einem Egoisten, denn er ist nicht in der Lage, von selber andere Charaktere mit Rüstungen, Waffen oder Accessoires auszustatten. Der Umweg über verschiedene Rucksäcke und der fehlende direkte Vergleich ist geradezu zermürbend. Warum das bei den Shops funktioniert, aber nicht mit den Items im Rucksack - bleibt nach wie vor ein ungeklärtes Rätsel.
