Am 30.11.2012 startet der Verkauf von Nintendos Wii U auch in Deutschland. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft gibt es also eine neue Konsole und direkt 23 Spiele zum Launch. Gamezone hat die Wii U schon seit einiger Zeit und testet, was die Hardware kann und ob Nintendo damit für die Next Gen gewappnet ist.
Komfortfunktion TV-Fernbedienung
Eine der netten Dreingaben der Wii U ist eine eingebaute TV-Fernbedienung – eine Komfort-Funktion, bei der man sich fragen muss, wieso in den letzten 20 Jahren noch niemand auf diese Idee kam! Bei der Ersteinrichtung der Konsole wird man gefragt, ob man sein Gamepad auch als TV-Controller benutzen will. Entsprechende Funkfrequenzen sind eingespeichert, man muss nun lediglich seinen TV-Hersteller in einer riesigen Liste an Presets auswählen. Mit einem Sharp 48" klappt das in unserem Test hervorragend: Grundfunktionen wie An- und Ausschalten, Programmwahl, Gerätewahl und Lautstärke lassen sich anpassen, in Menüs werden sogar die Pfeiltasten des Wii U Gamepads erkannt.
Aus der Herstellerliste gehen so gut wie alle bekannten und weniger bekannten TV-Hersteller hervor
Wer keine All-in-One Fernbedienung hat, wird diese Funktion lieben. Jeder kennt das Phänomen: Am TV-Set sammeln sich mittlerweile zwei bis vier Drücker, für TV, Receiver, Verstärker und Co. Und die, die man gerade benötigt, ist nie da! Die Wii U ersetzt nun sicherlich keine teuren Logitech Wunder-Remotes, wer aber lediglich die Glotze zum Wii U spielen anmachen will, kann das nun ganz locker mit dem Tablet-Controller machen. Neben TV-Sets lassen sich auch Kabel- und SAT-Receiver und Digitale Rekorder einprogrammieren.
Das Wii U Gamepad im Hands-On
Schon seit der Wii steht bei Nintendo der Controller im Vergleich zur eigentlichen Konsolen-Hardware weit im Vordergrund. Als die Wii vorgestellt wurde, waren es die Wii Remotes die herausstachen, bei der Wii U ist es nun der riesige Touchscreen-Controller namens Gamepad. In ihm ist ein 6,2" Touchscreen verbaut, der sich entweder mit dem Finger oder einem im Gamepad versenkbaren Touchpen steuern lässt. Das Gamepad bietet darüber hinaus so gut wie alle technischen Spielereien, die man sich vorstellen kann: Zwei richtige Analogsticks sollen die Steuerung von Shootern und Action-Adventures verbessern, vier Buttons, vier Schultertasten und ein Vier-Wege Digi-Kreuz sorgen für die Steuerungs-Grundausstattung. Darüber hinaus gibt es Gyro- und Beschleunigungssensoren, die Bewegungssteuerung ermöglichen, eine Kamera sowie Mikrofon und Lautsprecher. Eine weitere Besonderheit ist das NFC-Kontaktfeld: Per Near Field Communication lassen sich Daten aus oder von Gegenständen kontaktlos einlesen. Wenn man nun Skylanders oder Pokémon als Beispiel nimmt, ließen sich real erworbene Figuren oder Sammelkarten "einscannen" und ins Spiel importieren.
Obwohl das Gamepad mit seinen durchaus wuchtigen Abmaßen (13,4 cm x 25,5 cm x 4 cm) riesig wirkt, liegt es sehr gut in der Hand. Das hat man vor allem geschwungenen Griffflächen auf der Rückseite zu verdanken, die ähnlich geformt sind wie gängige Xbox-Pads. Das ist Handflächen-freundlich und dank des überraschend niedrigen Gewichts (um die 500 Gramm) gut zu halten.
Quelle: Computec Media AG
Der Wii U Gamepad-Controller im Hands-On
Ein Ärgernis gibt es aber: Die vier Buttons der Wii U haben mit A, B, X und Y dieselben Beschriftungen wie das Pad der Xbox 360. Dummerweise sind sie komplett unterschiedlich aufgebaut. X ist oben, Y links, B unten und A rechts. Wer, wie wir, noch die Tastenbelegung der Xbox im Kopf hat, drückt instinktiv dauernd falsch. Ebenso sind die Schultertasten (vier Tasten, keine Triggger) so ergonomisch ins Design eingebettet, dass man zu Beginn noch dauernd die falschen erwischt. Hier ist aber sicherlich nur etwas Eingewöhnungszeit notwendig.
Ein weiteres Ärgernis: Der Screen auf dem Gamepad ist so groß ausgefallen, dass man Elemente darauf nicht antippen kann, ohne die Tasten links oder rechts davon loszulassen. Ein Umgreifen könnte sich aber besonders in hektischen Spielen als problematisch erweisen und kleine Hände haben mit so was sowieso Probleme.
Der kapazitive Touchscreen bleibt übrigens auch bei fettigen und schmierigen Fingern dank einer speziellen Folie relativ sauber. Was man von vergleichbaren Geräten wie dem iPad zum Beispiel nicht behaupten kann. Schade ist nur, dass das nicht auf das Gehäuse zutrifft. Vor allem auf dem schwarzen Klarlack der Premium-Wii-U lassen sich schon nach einmaligem Halten hässliche Fingertapser und schmierige Verwischungen erkennen.
Spiele auf dem Gamepad
Quelle: Nintendo
Manche Spiele lassen sich komplett auf dem Gamepad spielen
Einige Spiele kann man auch komplett auf dem Wii U Gamepad spielen. New Super Mario Bros. U beispielsweise kann auch auf dem 6,2" HD-Bildschirm laufen, auf dem Fernseher kann man derweil eine Serie oder Sport laufen lassen. Die Idee gefällt uns, denn so muss man sich in einem Mehrpersonenhaushalt nicht immer auf nur eine Sache festlegen. Will die jemand TV gucken, kann man auf dem zweiten Screen Mario spielen, oder auch umfangreiche Spiele wie Assassin's Creed 3.
Von der Übertragungsgeschwindigkeit waren wir übrigens begeistert. Zwischen TV-Bild und Gamepad gibt es keine spürbaren Lags oder Verzögerungen. Nur so lassen sich Koop-Spielkonzepte wie das von New Super Mario Bros. U verwirklichen. Ermöglicht wird das durch ein Miracast-Verfahren. Die Wii U schickt das Videosignal über ein eigenes Wifi-Modul im Two-Way-Verfahren von der Konsole zum Pad und zurück. Technisch ist das eine ziemliche Neuerung und zumindest am Gamingmarkt etwas nicht alltägliches!
Wer nicht das komplette Spiel auf dem Gamepad haben möchte, kann alternativ bestimmte Gameplay-Elemente darauf auslagern. In Batman: Arkham City – Armoured Edition (hier im Gamezone-Test) wird auf dem Touch-Controller beispielsweise Batmans Arm-Computer "simuliert". Solche realistischen und immersiven Einsätze gefallen uns bislang sehr. Jedoch wirken manche Spiele auch sehr aufgesetzt. Viele Touch-Elemente sind gekünstelt und spielen sich, als wären sie nur da, um das Gamepad zu rechtfertigen. Nintendos Minispielsammlung Nintendo Land ist da am auffälligsten, kann aber wenigstens wegen des Spielspaßes überzeugen.
Einen Nachteil hat das Spielen auf dem Screen aber schon: Obwohl die Wii U ein 1080p HD-Signal ausgibt, weist der Schirm nur eine Auflösung von 854 x 480 Bildpunkten auf – also lediglich SD-Qualität. Es liegt in der Natur der Sache, dass textlastige Spiele dadurch fast unlesbar werden.
Was wir nicht testen konnten: Online-Anbindung
Zusammen mit der finalen Testversion der Wii U bekamen wir auch einen Leihstellungsvertrag, der es uns verbietet, bis zum 30. November, dem Starttag in Deutschland, online zu gehen. Erst an diesem Tag wird ein Update verfügbar, welches das MiiVerse aktiviert. MiiVerse ist ein Social Network, durch das man sich seine Freunde und deren Aktivitäten auf dem Home-Screen der Wii U anzeigen lassen kann. Außerdem lassen sich so Tipps in Spielen schreiben, die man mit Freunden und Mitspielern teilen kann.
Auch den Video-Chat, der dank der superniedrigen 0,7 Megapixel Kamera vermutlich nicht sehr hochaufgelöst ist, konnten wir nicht austesten. Auf unserer Konsole sind außerdem ein Youtube- und ein Lovefilm-Client installiert. Beide konnten wir aus demselben Grund noch nicht ausführen.
