Mit Enemy Within liefert Take-Two ein auf Konsolen eigenständig lauffähiges Addon ab, das die Kampagne von XCOM um ein weiteres Szenario erweitert. Wie das Hauptspiel ist das gelungene Rundenstrategie und ein Muss für Fans des Hauptspiels. Falls 2K schon an einem neuen XCOM-Titel arbeitet, könnte der ein grafisches Update vertragen.
Lasst uns gleich zu Anfang dieses Testberichts unserem staatlich vorgegebenen Bildungsauftrag nachkommen - mit einem Konrad-Adenauer-Zitat: »Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern«. Aufgreifen möchten wir diesen Ausspruch gerne im Zusammenhang mit der strategischen Produktausrichtung des Publishers Take-Two. Im Jahre 2011 ließ deren Management in Person von Christoph Hartmann noch verlauten, das klassische Strategiespiele wie XCOM schlicht und ergreifend nicht vermarktbar seien. Deswegen mache es im Hinblick auf die heutige Käuferschaft mehr Sinn, aus der altehrwürdigen Marke XCOM einen Egoshooter zu basteln.
Quelle: PC Games
XCOM: Enemy Within im Test (6)
Erfreulicherweise war aber zu diesem Zeitpunkt auch schon eine klassische Umsetzung des Themas in Arbeit - bei den Genre-Spezialisten von Firaxis (Civilization). Die heute bekannten Verkaufszahlen von XCOM - Enemy Unknown enttarnen die Prognosen der Take Two Geschäftsführung als Märchen. Moderne Rundenstrategie, für erwachsene Spieler herausfordernd gestaltet, dabei auf die Zugänglichkeit getrimmt, die von den Originalen des Genres aus den Neunziger Jahren entstammt, verkauft sich ausgezeichnet. Hilfreich war dabei auch, das Spiel in hoher Qualität auf alle möglichen Plattformen umzusetzen, auf denen sich Taktik-Fans heute herumtreiben könnten. Neben Konsolen und PC-Umsetzung gibt es auch eine sehr gut gelungene Tablet-Version. Frei nach dem Spruch unseres Bundeskanzlers a. D. zeigt sich Take Two also ab sofort begeistert vom Strategie-Erfolg und liefert jetzt eine umfangreiche Erweiterung namens XCOM - Enemy Within ab.
Anstatt eine zusätzliche Kampagne anzuhängen, integrieren sich die Inhalte des Addons nahtlos in den bestehenden Spielablauf. Auf dem PC lässt sich mit relativ kleinem Geld (30 Euro) ein Update des Hauptspiels kaufen, für die Konsolen wird ein Stand-Alone-Produkt auf den Markt gebracht. Mit 40 Euro ist dieses für Erstbesitzer von XCOM - Enemy Unknown teurer.
Neulinge können blind drauf los spielen und das Werk inklusive aller frischen Inhalte genießen, Veteranen dürfen in den umfangreichen Spieloptionen festlegen, ob sie sich beispielsweise nochmal durch das komplette Tutorial arbeiten möchten. Das bringt auch Strategiespiel-Anfänger barrierefrei ins Geschehen. Oder ob man z.B. nur zu zentralen neuen Spielelementen geführt werden möchte. Vorbildlich, auch ohne Spielstand-Import. Enemy Within will als komplette Kampagne neu begonnen werden.
Quelle: PC Games
XCOM: Enemy Within im Test (3)
Direkt in der ersten Mission stolpern die Alien-Jäger über Behälter mit einem exotischen Stoff, der kurzerhand mit »Meld« betitelt wird - dieser Rohstoff spielt ab sofort eine zentrale Rolle. Sicherheitshalber versehen die Außerirdischen die Container mit Zeitzündern, damit wir uns zwischen dem sammeln der Ressourcen und dem ursprünglichen Missionsziel entscheiden müssen. Mit Hilfe von Meld können wir Soldaten in Cyborgs verwandeln und sie Stück für Stück zu Kampfmaschinen umwandeln - um den Preis verlorener Menschlichkeit. Arm ab heißt da die Devise, wenn es ein stählerner Waffengreifer werden darf. Die aus diesen Umbaumaßnahmen resultierenden Mechs von Kriegern erlauben völlig neue Herangehensweisen an die Kampfaufträge - der Rest des Teams wird mehr zu Support-Diensten verpflichtet, während ein hochgerüsteter Cyberkrieger sich im Nahkampf die Aliens vornimmt.
Für Krieger, die sich mit der Amputation einzelner Körperteile nicht so recht anfreunden können, bleibt immer noch die gute alte Gentechik: Ein Spritzchen hier, ein Zäpfchen da, die Autopsien der guten Frau Doktor Vahlen eröffnen Dopingvorteile, die selbst Jan Ullrich die Schamesröte ins Gesicht treiben würden. Optimierte Sprungmuskulatur, Selbstheilungskräfte - genau wie bei der Tour de France.
Die neuen taktischen Möglichkeiten dürfen auf vierzig noch nicht da gewesen Karten ausprobiert werden - womit ein zentraler Kritikpunkt des Hauptspiels, sich wiederholende Spielumgebungen, deutlich entschärft ist. Dazu kommen eine Menge bislang unbekannter Ausrüstungsgegenstände. Damit man diese im Feld auch vernünftig einsetzen kann, darf relativ zu Anfang des Spiels ein zweiter Gadget-Slot für unsere Soldaten erforscht werden.
Quelle: PC Games
XCOM: Enemy Within im Test (8)
Klingt so, als wären wir gegen die außerirdischen Mächte besser gerüstet denn je, und hätten leichtes Spiel. Doch schnell werden wir durch eine neu ins Game eingebaute gegnerische Fraktion eines anderen belehrt: Die Verschwörer vom Exalt-Geheimbund haben sich den praktischen Plan zurechtgelegt, uns die Vertreibung der Aliens übernehmen zu lassen, unterwegs so viel außerirdische Technologie wie möglich abzugreifen und schlussendlich - wie es sich für eine zünftigen Terrororganisation gehört - die Weltherrschaft an sich zu reißen. In einzelnen Zellen organisiert klauen sie uns Mittel in Form von Kohle und extraterrestrischen Werkzeugen, versetzen die Bevölkerungen weltweit in Panik und verhalten sich insgesamt ausgesprochen störend. Wir schicken die XCOM-Agenten undercover los um die Bösewichte ausfindig zu machen, bevor wir sie direkt angreifen.
Mit der »Second Wave« genannten Zusatzoption bei Spielstart kann nun ähnlich wie in Firaxis' Hauptmarke Civilization noch mehr Abwechslung ins Geschehen gebracht werden. Zum Beispiel kann das Spiel die Skillbäume der Soldaten per Zufall aus den Möglichkeiten aller Klassen zusammenwürfeln. Das bringt völlig neue taktische Möglichkeiten.
Bei all den interessanten frischen Geschichten und Inhalten übersieht man fast, das sich von technischer Seite kaum was tat. Sicher sind nun manche Levelelemente von besonders hochgerüsteten Soldaten zerstörbar, aber trotzdem ist die Grafik weiter relativ trist und altbacken und wirkt heute noch etwas trauriger als schon vor zwei Jahren im Hauptspiel. Aber Taktikfreaks werden weiter sehr gut darüber hinwegsehen können. Die Sprachausgabe der Einheiten wurde erweitert, die deutsche Synchronisation bleibt unverständlich hingenuschelt von offensichtlichen Nicht-Muttersprachlern wie eh und je - es leben die zuschaltbaren Untertitel.
