Starke Konkurrenz, ein schwieriger Start und das falsche Konzept: Microsofts Xbox One zog gegenüber der Playstation 4 gnadenlos den Kürzeren, war aber auch ihrer Zeit voraus.
Doch der TV-Bezug war nicht das einzige Problem. Bereits in den Vormonaten kriselte es in der Xbox-PR. Gerüchte darüber, dass die neue Plattform "Always Online" - also immer mit dem Internet verbunden - sein müsste, machten die Runde. Microsoft-Studios-Mitarbeiter Adam Orth konterte die Sorgen der Spielerschaft via Twitter.
An seine Feststellung, dass bereits die gesamte Welt "Always Online" sei, hängte er noch #dealwithit - (auf Deutsch: "Findet euch damit ab."). Viele Xbox-Fans fühlten sich unverstanden und sogar provoziert. Die Reihe der Probleme riss indes nicht ab.
Auch die Einbindung der Kinect 2 warf viele Fragen auf: So nett Sprach- und Gesteneingaben sein mögen, herrschte bei vielen Fans Unsicherheit, ob sie sich dauerhaft eine Kamera in ihre Wohnung stellen würden wollen. Wie sicher war die Kinect? Wie viel hörte sie mit? Wie viel nahm sie auf und wahr?
Schließlich war die Kinect nicht nur Teil des Gesamtpakets, sondern musste den ersten Plänen nach verpflichtend in die Konsole eingesteckt sein, um das Gerät überhaupt nutzen zu können. Auch wurde bekannt, dass das Tauschen oder auch Verkaufen von Gebrauchtspielen nur noch gegen Gebühr möglich sein würde. Microsoft plante hier neue Lizenzen und pochte (zunächst) auf eine regelmäßige Online-Aktivierung der Spiele.
Quelle: Gamepress
Für die frisch angekündigte Xbox One hagelte es im Sommer 2013 harsche Kritik - von der Presse und der Community, aber auch von der Microsoft-Belegschaft selbst. Phil Spencer erklärt die Reaktionen:
"Das Feedback, das wir von den Mitarbeitern bekamen, war: 'Wir haben zwei Jahre lang wirklich hart daran gearbeitet, dieses Produkt auf den Markt zu bringen. Sie (die Verantwortlichen, Anm. d. Red.) stehen bei dieser Veranstaltung auf der Bühne und sprengen all die gute Arbeit, die wir geleistet haben, indem Sie über das Produkt auf eine Weise sprechen, die nicht wirklich dem entspricht, was die Seele einer Xbox-Konsole ausmacht und was unsere Kunden von uns erwarten."
Die Xbox One war nach dieser Präsentation zum Scheitern verurteilt; Microsoft hatte die Chance auf einen guten ersten Eindruck versiebt. In den Folgemonaten musste das Unternehmen auf Wiedergutmachungskurs gehen.
Das große Problem: Nicht nur Microsoft plante den Launch einer neuen Konsole, bei Sony stand bereits die Playstation 4 in den Startlöchern. Beide Plattformen sollten im November 2013 im Abstand weniger Wochen auf den Markt kommen.
Preisvorteil und Sony-Spitzen
Die negative Presse und das enorm negative Social-Media-Feedback sorgten dafür, dass Microsoft die in den Vorjahren mühsam aufgebaut Community zunächst wieder einfangen und für sich gewinnen musste. Auf der Electronic Entertainment Expo 2013 in Los Angeles ruderte Microsoft zurück und rückte die Spieler in den Mittelpunkt.
Quelle: Gamepress
Punkte wie etwa die zuvor angekündigten Reglementierungen beim Verleihen und Verkaufen von Gebrauchtspielen wurden aufgehoben. Auch die "Always Online"- sowie die Kinect-Verpflichtung wurden entfernt.
Allerdings war der Bewegungssensor weiterhin Teil des Gesamtpakets. Dies manifestierte sich in einem saftigen Launch-Preis von 499 Euro. Die Playstation 4 kostete mit 399 Euro einen Hunderter weniger und war damit für viele potenzielle Kunden attraktiver.
Das Xbox-Launch-Line-up konnte sich - im Gegensatz zu dem der PS4 - allerdings durchaus sehen lassen. Mit großen Produktionen wie Ryse: Son of Rome, Killer Instinct oder auch Forza Motorsport 5 sowie verschiedenen Kinect-Titeln hatte man ein rundes Portfolio mit wuchtigen Exklusivspielen im Angebot. Sonys wichtigste Titel waren der Familien-Plattformer Knack und der Science-Fiction-Shooter Killzone: Shadow Fall. Die Xbox One erschien am 22. November 2013, während die PS4 eine Woche später auf den Markt kommen sollte.
