Starke Konkurrenz, ein schwieriger Start und das falsche Konzept: Microsofts Xbox One zog gegenüber der Playstation 4 gnadenlos den Kürzeren, war aber auch ihrer Zeit voraus.
Wir erinnern uns noch sehr gut an diese Zeit: Am Tag der Lieferung der Xbox One stand beim Autoren dieses Artikels nämlich der Paketbote (rein zufällig) auch mit einer Playstation 4 vor der Tür. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Sony überließ Microsoft zum Launch also nicht die Bühne, sondern bemusterte Pressevertreter am Tag des Xbox-Starts.
Das Ende vom Lied?
Der propagierte "Konsolenkrieg" zwischen Playstation und Xbox ging in der vergangenen Generation mehr als eindeutig aus: Die Playstation 4 verkaufte sich über 115 Millionen Mal - nicht zuletzt, weil ihr Lebenszyklus bedingt durch die Corona-Pandemie noch einmal verlängert wurde. Die Xbox One ging dagegen zwischen 50 und 60 Millionen Mal über die Ladentheke.
Microsoft enthüllte 2022, dass sich die PS4 doppelt so häufig verkauft hatte wie die Xbox One. Ein klares Ergebnis - gerade, wenn man sich die Zahlen der vorherigen Konsolengeneration anschaut. Hatte sich Microsoft mit der Xbox 360 neben der Playstation 3 etabliert, fiel die Xbox One deutlich ab.
War die Plattform also ein Reinfall? Finanziell gesehen auf jeden Fall. Microsoft investierte riesige Summen, um das angeschlagene Konsolenschlachtschiff wieder auf Kurs zu bringen. Aber genau dieser Einsatz veränderte auch die Spieleindustrie.
Quelle: Gamepress
Neben den bereits frühen Integration von Apps sind hier auch Funktionen wie Abwärtskompatibilität und Dienste wie der Xbox Game Pass zu nennen. In allen Bereichen war Microsofts Xbox der Initiator, während Sony auf den Marktdruckt reagierte.
Die legendär desaströse Enthüllung der Konsole, gefolgt von einem nicht minder problematischen Launch, verschafften der Konkurrenz einen entscheidenden Vorteil und schadeten dem bis dato sehr guten Image der Marke Xbox.
Ein weiteres Problem: der Mangel an großen Exklusivproduktionen. Gegen Marken wie God of War, Uncharted und The Last of Us konnten Gears of War, Forza und Co. leider nichts ausrichten. Auch die Versuche, Videospiele und TV-Produktionen stärker miteinander zu vereinen, schlugen fehl.
Die 2012 gegründeten Xbox Entertainment Studios wurden bereits im Oktober 2014 geschlossen. Hier entstanden etwa die Actionserie Halo: Nightfall oder auch die Dokumentation Atari: Game Over.
Mit der Schließung des Studios aber wurden auch vorerst Produktionen wie eine Live-Action-Serie zu Halo mit Steven Spielberg als Producer eingestampft. Immerhin kam diese 2022 dann doch noch beim Streaming-Dienst Paramount+ heraus.
Mit seiner aggressiven Akquise-Politik und der konsequenten Weiterentwicklung der Plattform legte Microsoft jedoch später den Grundstein für die nächste Generation der Xbox namens Xbox Series X/S - auch wenn diese weiterhin mit der Dominanz der Playstation 5 zu kämpfen hat.
So merkwürdig sich einige der Konzeptentscheidungen der Xbox One vor zehn Jahren anhörten, so wenig würden diese heute eine Rolle spielen. Über "Always Online" etwa würde sicherlich diskutiert werden, das Ganze hätte aber längst nicht einen derart negativen Beigeschmack wie damals.
Microsoft strauchelte über die eigenen Ambitionen und beging etliche teils haarsträubende Kommunikationsfehler. Dadurch irritierte und verschreckte man die eigene, mühsam aufgebaute Zielgruppe. Schrott oder gar eine Enttäuschung war die Xbox One dennoch nicht, wohl aber gerade zu Beginn ein echtes Konsolen-Missverständnis.
