Als erster Teil der kultigen Xeno-Serie schafft es Episode II endlich auch nach Deutschland.
Präsentation im Wandel der Zeit
Auch wenn oft zu hören ist, dass die Qualität der Grafik und Akustik gerade bei Rollenspielen nicht die wichtigsten Elemente darstellen, da in erster Linie die erzählte Geschichte wichtig sei, so muss gerade bei Videospielen der heutigen Zeit ein wesentlich höherer Maßstab als noch in den 90er Jahren angelegt werden. Es ist zwar generell richtig, dass speziell Rollenspiele aufgrund ihrer Komplexität eine sehr lange Entwicklungszeit benötigen und zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung dann gerade im Hinblick auf die Grafik nicht selten etwas hinterherhinken, zu jetzigen Zeiten von Playstation 2 & Co. erwarte ich aber mittlerweile trotzdem ein ansprechendes Äußeres.
Xenosaga: Episode II - Jenseits von Gut und Böse
Deutliche Änderungen fallen auf, wenn man das Aussehen der Charaktere hier in Episode II im Vergleich zum Vorgänger betrachtet: Allen voran die junge Ingenieurin Shion, die jetzt weniger nach einer Wissenschaftlerin aussieht als vielmehr nach einem Girlie, sie und auch ein Großteil der übrigen Spielfiguren - bis auf Ziggurat - wechseln öfters einmal die Kleidung. Immerhin sind die einzelnen Heroen detailliert gezeichnet und versprühen in der Tat schon nach sehr kurzer Zeit einen eigenwilligen Charme. Was allerdings stört, ist die starre Mimik, in diesem nicht gerade unwichtigen Punkt wurde den ansonsten wunderbar groß gezeichneten Figuren einfach zu wenig Leben eingehaucht. Ansonsten bestechen sämtliche Figuren aber vor allem durch ihren Anime-Stil, das Resultat sind riesige und stets leuchtende Kulleraugen sowie sehr eigenwillige Frisuren in allen möglichen Farbtönen, besonders die weiblichen Protagonistinnen beeindrucken dabei zusätzlich nicht gerade selten durch ihre sehr knappen Outfits, welche die Traummaße ihrer Körper deutlich zum Vorschein bringen.
Die sonstigen Animationen - ganz besonders diejenigen im Kampf - sind durchaus sehenswert und schließlich dürfen die schön anzuschauenden Filmsequenzen (allerdings größtenteils auch "nur" in Spielgrafik) nicht unerwähnt bleiben, diese sorgen für eine im Großen und Ganzen angenehme Spielatmosphäre. Der Anime-Stil, welcher hier bei "Xenosaga II" eindeutig vorherrscht, mag sicherlich Geschmackssache sein, nichtsdestotrotz kommen die Spielfiguren angenehm "erwachsen" rüber, was das gesamte Erscheinungsbild realistisch macht. Trotzdem dürft Ihr im Spiel an sich nicht die Qualität erwarten wie noch auf der anfangs erwähnten Movie-Disk, welche die erste Episode in Erinnerung rufen möchte.
Die Hintergrundlandschaften in "Xenosaga II" sind leider etwas enttäuschend, das gesamte Leveldesign - wenn auch durchweg in 3D-Optik - ist bis auf wenige Ausnahmen nicht besonders aufregend, das Ambiente wirkt steril, fast schon hat man den Eindruck, als seien diese lieblos dahingeschludert. Die düsteren Dungeons und eintönig gezeichneten Raumstationen lassen den Funken jedenfalls nicht so recht überspringen, was sicherlich einen Schwachpunkt darstellt. Schön anzuschauen sind dann wiederum die Zaubersprüche oder Kombinationsattacken, an denen ich mich phasenweise gar nicht genug satt sehen konnte, dies in Kombination mit den großen und zudem erwachsen wirkenden Figuren und nicht selten auftretenden schönen Spezialeffekten sorgt unter dem Strich dafür, dass insgesamt das Qualitätsniveau der Grafik sich zweifelsohne noch in einem überdurchschnittlichen Niveau ansiedelt, der 60-Hz-Modus wird aber leider nicht unterstützt.
Wunderschöne Klänge...
Xenosaga: Episode II - Jenseits von Gut und Böse
...gibt es hier bei "Xenosaga II" leider nicht am laufenden Band, was somit eine (weitere) kleine Enttäuschung darstellt, da die erste Episode gerade im akustischen Bereich erheblich punkten konnte: keinerlei berauschende Rhythmen, wenig mitreißende Melodien, die zum Mitsummen verleiten könnten, lediglich grundsolide Kost in Form von langweiligen 08/15-Beats und belanglosen Popmusikstücken wird uns in diesem Punkt größtenteils geboten. Teilweise klingt die "Fahrstuhlmusik" zwischendurch erschreckend langweilig, solch ein monotones Gedudel im Hintergrund hatte ich nicht zuletzt aufgrund der Klasse des Vorgängers überhaupt nicht erwartet. Unterschieden werden muss allerdings deutlich zwischen dem Soundtrack während der Kampfszenen und demjenigen in den Zwischensequenzen: während in den Kämpfen an sich in akustischer Hinsicht eher Trostlosigkeit vorherrscht und die Begleitmusik von den (allerdings guten) Soundeffekten größtenteils übertönt wird, so ist hingegen in den Zwischensequenzen schon deutlich Annehmbareres zu hören. Alles in allem halten sich die Musikstücke aber allein schon von ihrer Lautstärke her derart "vornehm" im Hintergrund, dass so richtig keine echten Ohrwürmer entstehen wollen. Gerade bei einem Fantasy-Rollenspiel muss da in dieser Hinsicht einfach deutlich mehr kommen.
Was die Synchronisation im Hinblick auf die Sprachausgabe angeht, so ist diese in bestimmten Szenen sehr gut gelungen, in anderen hingegen schwächelt sie deutlich, die englische Sprachausgabe an sich ist allerdings hervorragend und hievt die gesamte Qualität im Hinblick auf die Akustik noch ins obere Mittelfeld, denn sämtliche Stimmen der Protagonisten können ausnahmslos überzeugen. Auch in diesem Punkt war insgesamt sicher noch etwas mehr möglich, irgendwie wird speziell beim Soundtrack der Eindruck erweckt, als dass es sich hier bei "Xenosaga II" möglicherweise sogar um ein in dieser Hinsicht zumindest noch unfertiges Produkt handeln könne, dem einfach der nötige Feinschliff fehlt. Der eingangs schon erwähnte Personalwechsel unter anderem auch im Bereich der Komposition wird hier mehr als offensichtlich und dies ganz eindeutig in negativer Hinsicht. Alles in allem überwiegen in diesem Punkt zwar die positiven Elemente, doch gerade im Rollenspielsektor gab es in vielen vergleichbaren Fällen schon wesentlich Berauschenderes zu vernehmen.
