eFootball PES 2020: Mit kleinen Änderungen zur Meisterschaft? - Update mit Testvideo
Test
Kurz nach dem Start der Fußballsaison rollt auch der virtuelle Ball wieder. Wie schon in den letzten Jahren legt Konami mit der Pro-Evolution-Soccer-Reihe vor und EAs FIFA lässt noch ein wenig auf sich warten. In unserem Test erfahrt ihr, ob eFootball PES 2020 trotz des sperrigen Titels einen geschmeidigen Auftritt auf dem Rasen hinlegt.
Pünktlich zur gerade gestarteten Fußballsaison 2019/2020 erscheinen natürlich auch wieder die Simulationen zur größten Sportart der Welt auf PC und Konsolen. Während FIFA 20 von Electronic Arts noch ein paar Tage in der Kabine verweilt, steht Konamis eFootball PES 2020 (jetzt kaufen 151,62 € ) bereits auf dem Platz und zeigt schon, was es so Neues zu bieten hat. Trotz des etwas sperrigen neuen Titels, der darauf schließen lässt, dass man sich mit diesem Teil im E-Sport-Bereich besser aufstellen möchte, sollte man vom frisch erschienenen Pro Evolution Soccer jedoch keine riesigen Neuerungen erwarten, welche die Welt der Fußballspiele auf den Kopf stellen.
Es ist eben nicht immer eine Revolution nötig, um den ganz großen Erfolg einzufahren. So wie Real Madrid, die zwischen 2016 und 2018 nur wenig an Kader und Spielsystem änderten und trotzdem dreimal hintereinander die Champions League gewannen, setzt auch eFootball PES 2020 eher auf viele kleine (nicht immer direkt wahrnehmbare) Anpassungen, welche die in den letzten Saisons aufgebaute Basis noch weiter verbessern.
eFootball PES 2020 im Test
Fragwürdiges Fairplay
Bevor wir jedoch zum Gameplay auf dem Platz, dem traditionell wichtigsten (und am meisten überarbeiteten) Teil der PES-Reihe kommen, widmen wir uns erst mal den Spielmodi, an denen sich trotz des neuen Titels kaum etwas geändert hat. Neben Pokalen, Ligen und Freundschaftsspielen sind natürlich auch wieder mehrere Online-Varianten und der myClub-Modus dabei. Das eFootball im Titel assoziiert zwar einen größeren Fokus auf E-Sport oder allgemein Online-Matches, doch eigentlich hat sich nicht viel geändert.
Quelle: PC Games
Im myClub-Modus stellt ihr euren eigenen Verein zusammen und zieht dafür Spieler. Da kann auch schon mal eine Legende wie Ronaldinho dabei sein.
Die Modi Zufallsauswahl und Versus sind weiterhin nur lokal nutzbar und auch fair angeglichene Mannschaftsstärken sind nur den offiziellen E-Sport-Turnieren vorbehalten. Stattdessen kämpft man in Herausforderungen wie den Divisionen online um den Sieg. Diese wirkten bislang aber etwas zusammengewürfelt. Hier sollte Konami noch nachbessern. Bei myClub bleibt auch fast alles beim Alten. Die größte Neuerung ist hier, dass man nun noch besser und übersichtlicher die Werte der Spieler einsehen kann. Zudem funktioniert das Scouting ein wenig präziser als zuvor.
Genau wie bei Ultimate Team vom Konkurrenten FIFA spielt der Zufall bei Spielerverpflichtungen jedoch weiterhin eine große Rolle und Konami hätte es auch super gerne, dass man Echtgeld für GP und myClub-Coins ausgibt, um sich schneller eine starke Mannschaft zusammenzustellen. Doch auch ganz ohne zum Portemonnaie zu greifen ist myClub durchaus motivierend und macht Spaß. Hier hatten wir auch gar keine großen Veränderungen erwartet.
Quelle: PC Games
Im Be-A-Legend-Modus bestimmt ihr das Schicksal eines einzigen Spielers. Die Bewertungen nach einem Spiel sind jedoch manchmal etwas hanebüchen.
Diese hätten wir uns eher für den weiterhin etwas stiefmütterlich behandelten Be-A-Legend-Modus gewünscht. Der Solo-Modus, in dem man entweder einen bestehenden Spieler wählt oder im Editor einen eigenen Kicker erstellt, um diesen zu verbessern und zu Fußballerruhm zu führen, ist auf dem gleichen Stand wie im letzten Jahr. Klar, der Spielmodus macht weiterhin Spaß, doch es fehlen einfach einige Komfortfunktionen und Entscheidungsmöglichkeiten. Vor allem das teils etwas hanebüchene Bewertungssystem hätte man durchaus mal überarbeiten können.
Meisterhafte Meisterliga?
Dem Singleplayer-Karrieremodus Meisterliga wurden in diesem Jahr jedoch einige nette Kleinigkeiten hinzugefügt, welche den Spielablauf etwas auflockern und dafür sorgen, dass man nicht mehr nur durch Menüs klickt, wenn man gerade nicht mit der Mannschaft auf dem Platz steht. Man erstellt sich nun keinen eigenen Trainer mehr im Editor, sondern wählt den Coach, den man verkörpern möchte, aus einer Reihe vorgefertigter Trainer- und Spielerlegenden aus. Zur Auswahl stehen unter anderem Diego Maradonna, Bebeto, Romário, Lothar Matthäus oder der leider 2016 verstorbene (König) Johan Cruyff.
Quelle: PC Games
In der Meisterliga dürft ihr nun auch auf Pressekonferenzen Fragen beantworten oder mit der Vereinsführung Ziele festlegen.
Euren Trainer-Avatar seht ihr dann nicht nur an der Seitenlinie, sondern auch in verschiedenen kurzen unvertonten Zwischensequenzen. Kommt ihr neu in einen Verein, sieht man, wie der Trainer von Spielern begrüßt und vom Präsidenten über das Vereinsgelände geführt wird. Ab und zu darf man sogar Entscheidungen treffen. So legt man beispielsweise in einem Meeting die Saisonziele fest oder beantwortet auf Pressekonferenzen vor großen Spielen Antworten von Journalisten.
Große Auswirkungen haben eure Aussagen jedoch nicht, solange ihr auf dem Platz vernünftige Ergebnisse abliefert. Zudem wiederholen sich Fragen und Entscheidungen auch immer wieder. Mehr als eine nette Auflockerung sind die Cutscenes also wirklich nicht. Ansonsten hat sich auch nicht viel geändert in der Meisterliga. Gerade bei den Transferverhandlungen fehlen weiterhin genauere Einstellungen, welche FIFA bereits seit längerer Zeit bietet. Ablösesummen und Gebote werden auch im neuen Spiel mit einem Regler verschoben. Das ist etwas ungenau und auch verschiedene Vertragsklauseln wären schön gewesen.
Quelle: PC Games
Auch in diesem Jahr bietet PES wieder schier unzählige verschiedene Torraumsituationen, inklusive solcher spektakulärer Flugeinlagen.
Platzhirsch
Wer also gehofft hat, dass eFootball PES 2020 die Spielmodi inklusive etwas altbackener Menüs gehörig umkrempelt, dürfte enttäuscht sein. Wenn einem allerdings gleichzeitig auch der spielerische Aspekt wichtig ist, sollte sich die Enttäuschung schnell wieder legen. Das neue PES bietet auch hier keine riesigen neuen Features, aber viele kleine Anpassungen sorgen für ein fantastisches Spielgefühl, das den Vorgänger klar überflügelt.
Die Spielgeschwindigkeit wurde im Vergleich zu PES 2019 etwas verringert, wodurch Tempowechsel wieder besser gelingen und größere Auswirkungen haben. Oftmals gelingt es nur, gegen einen pressenden Gegner zu bestehen, indem man das Spiel beruhigt. Gegen tief stehende Abwehrreihen hingegen ist es ein probates Mittel, immer wieder das Tempo zu variieren und plötzlich in den sich öffnenden Raum vorzustoßen. Überhaupt ist das Nutzen der Räume noch wichtiger geworden. Die KI verschiebt geschickt und Spieler bemühen sich, schnell die Position des Mitspielers zu besetzen, der gerade bei einem Vorstoß überrannt wurde. Kommt man doch durch, machen einem die hervorragenden Torhüter mit tollen Paraden oftmals einen Strich durch die Rechnung.
Quelle: PC Games
Das Spiel über die Flügel wurde weiter verbessert. Für erfolgreiche Flanken braucht man nun noch besseres Timing und größere Präzision.
Auch vormals übermächtige Waffen wie hohe Pässe in den Raum oder die etwas zu präzisen Flanken wurden ein wenig abgeschwächt. Für beide Varianten muss man nun noch genauer spielen und auch ein noch besseres Timing haben. Timing ist auch das Stichwort bei Zweikämpfen. Ballführende Spieler setzen nun besser den Körper ein und schirmen den Ball vorm Gegenspieler ab. In solchen Zweikämpfen muss man teilweise wiederholt nach dem Ball stochern, riskiert so aber ein Foul. Gegenspieler lassen sich den Ball auch nicht mehr ganz so einfach ablaufen, sondern spielen intelligente Rückpässe. Es dauert tatsächlich ein paar Spiele lang, bis man in die neuen Zweikämpfe reinkommt. Doch dann möchte man das System auch nicht mehr missen, da das Spiel so nur noch variantenreicher und realistischer wird.
Das ist zwar alles ein wenig kniffliger als in den letzten Teilen - gerade auch, da Position, Bewegung und Körperausrichtung für das Passspiel eine noch größere Rolle spielen -, aber das Spielgeschehen fühlt sich dadurch so gut, so authentisch, so richtig an. Jede gelungene Aktion - selbst einfache! - geben einem das Gefühl, sich dies durch Können erarbeitet zu haben. Das ist super motivierend! Langeweile kommt sowieso nie auf, da kein Spiel dem vorangegangenen ähnelt.
Quelle: PC Games
Das Wetter hat großen Einfluss auf das Geschehen. Spieler rutschen schon mal weg, der Ball rollt träge und flutscht den Keepern auch manchmal durch die Finger.
Die PES-Reihe war sowieso schon immer der König der Torraumsituationen, da es so viele Möglichkeiten und Zufälle für Abschlüsse gibt. Egal ob abgefälschte Schüsse, schön herausgespielte Treffer, Seitfallzieher- oder auch Stochertore, die aus dem Chaos nach einem nicht richtig geklärten Eckball fallen, eFootball PES 2020 bietet alles und immer anders. Selbst nach etlichen Stunden Spielzeit überraschte uns der Titel immer noch mit verschiedenen Situationen. Sowohl die Schönheit des Spiels als auch der Zufall und die taktische Ausrichtung des modernen Fußballs werden herausragend eingefangen.
Apropos Taktik: Auch diese trägt dazu bei, immer andere Spiele zu erleben. Die individuellen Strategien der Mannschaften kommen nun noch deutlicher heraus und teilweise muss man wirklich überlegen, arbeiten und umstellen, um manche Teams zu knacken. Im Team-Management stehen dafür etliche Taktiken zur Verfügung, die sich sofort auf das Spiel auswirken. Doch die KI beharrt nun nicht mehr nur auf einer Strategie plus vielleicht einem Plan B, sondern stellt auch öfter in einem Spiel die eigene Taktik um oder nimmt kleinere Anpassungen vor.
Es kann sicherlich auch mal frustrierend sein, dadurch eine 2:0-Führung in den letzten 20 Minuten zu verspielen, aber dann liegt es auch an einem selbst, dass man nicht richtig auf die Umstellungen reagiert hat. Zudem bleiben die Partien so stets spannend. Ein sogenanntes "Momentum" braucht man allerdings nicht zu befürchten. Die Spiele sind stets fair und für jede Taktik und jeden Spielzug gibt es Mittel und Wege, diese auszuhebeln.
Quelle: PC Games
Gutes Stellungsspiel ist nun noch wichtiger. Oftmals öffnen sich nur Räume, wenn man geschickt den Ball abfängt und sofort kontert.
Ballstreichler und Silberblick
Quelle: PC Games
Die Schiedsrichter-KI ist unser größter Kritikpunkt an PES 2020. Die Entscheidungen der Unparteiischen sind oftmals nicht ganz nachvollziehbar.
Auch die verbesserten und zusätzlichen Animationen tragen zum starken Spielgefühl bei. Wenn man sieht, wie ein Salah beim Dribbling den Ball streichelt oder ein Ter Stegen gerade noch einen Arm zur Abwehr hochreißt, geht einem als Fußballfan das Herz auf. Auch Animationen bei schlechten Ballannahmen oder Fehlpässen sehen klasse aus. Zudem spielt das Wetter nun eine noch größere Rolle als in den Vorgängern. Man merkt deutlicher, dass der Ball bei nassem Rasen langsamer und nicht so weit rollt. Auch hier muss man dann wieder mehr auf die Präzision achten und fester gegen die Pille treten. Bei Regen und Schnee entstehen außerdem neue Situationen, wenn Verteidiger wegrutschen oder der Torhüter einen Ball nicht richtig festhalten kann. Die Unberechenbarkeit des Fußballs wurde in einem Spiel wohl noch nie so schön dargestellt.
Quelle: PC Games
Viele Spielergesichter sind wirklich gut getroffen. Was mit Niklas Süle hier los ist, wissen wir aber auch nicht. Er erinnert mit den zurückgerollten Augen ein wenig an den Undertaker.
Bei den Spielermodellen kann man teilweise jedoch nicht wirklich von Schönheit sprechen. Eingescannte Starspieler sehen zumeist gut aus, verziehen das Gesicht aber teilweise zu seltsamen Grimassen. Spieler, die nur mit dem eigenen Editor zusammengezimmert wurden, sehen teilweise sogar echt doof aus. Viele Kicker schielen seltsamerweise. Hier muss Konami noch ein wenig nachpatchen.
Letzteres gilt ebenfalls für die Schiedsrichter-KI. Mal sind die Unparteiischen zu kleinlich, mal lassen sie klare Fouls durchgehen. An den nur drei vorhandenen deutschen Mannschaften (Bayern, Leverkusen, Schalke) wird sich jedoch nichts mehr ändern. Dank des verbesserten Import-Features wird man aber wohl schon kurz nach dem Release die komplette Bundesliga sowie alle weiteren nicht lizenzierten Ligen und Teams ins Spiel integrieren können.
Das Testvideo zu eFootball PES 2020 befindet sich momentan noch in Arbeit und wird in Kürze nachgereicht.
