Anno 1404 im Gamezone-Test

Test Sandro Odak

Die neue Aufbaustrategie von Related Designs setzt spielerisch wie technisch die Messlatte hoch und ist der Traum aller Annoholics.

Tolle Kampagne mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten

Anno 1404 Anno 1404 Neben dem Hauptplot bietet Anno 1404 aber auch in jedem Akt reichlich Nebensächliches und Side-Missions, die einen tieferen Blick in die Welt der Siedler und Kreuzritter zulassen. Oft wirkt gerade dadurch das Szenario realistischer und tiefgängiger, was einen viel höheren Wiedererkennungswert vermittelt und ein "Mitten-drin-statt-nur-dabei"-Gefühl aufkeimen lässt. Die Missionen sind aber oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, manche muss man regelrecht an den letzten unentdeckten Orten der Karte suchen, was Hardcore-Strategen zusätzlich antreiben soll. Am Ende jedes Aktes zählt das Programm dann die erreichten Punkte zusammen. Am Ende einer jeden Mission behält der Spieler übrigens einen Teil seiner Siedlungen und übernimmt diese ins nächste Spiel - ein kluger Schachzug, verhindert man doch damit den Anfänger-Flair und das Gefühl jedes mal aufs Neue von vorn anfangen zu müssen und bringt eine gewisse Konstante ins Spiel.

Anno 1404 Anno 1404 Durch die hübsche Inszenierung fühlt man jedenfalls zu jedem Zeitpunkt des Spieles mit den Charakteren mit, entwickelt ziemlich schnell eine Antipathie gegen Forcas und den bösen Kardinal und ist generell begeistert von den ambivalenten Charakteren. Doch in Anno geht es natürlich nicht immer nur um die schöne, heile Welt einer funktionierenden Wirtschaftsordnung. Manchmal kracht es auch so richtig, und auch das ist ein essentieller Bestandteil des Anno-Gameplays. Die Einheiten sind dabei nicht nur durch bessere Ressourcenausstattung erweiterbar, sondern lassen sich mit speziellen Items noch besonders stark machen. Ein Kriegsschiff kann so beispielsweise noch verschnellert werden und zusätzlich mehr Angriffskraft erreichen, wenn man für Ruhmpunkte bei Verbündeten die nötige Technologie samt Item erkauft. Wer den Kampf scheut kann sich aber auch durch Diplomatie bei den Nachbarn beliebt machen, als Belohnung für taktisches Denken winken dabei Allianzen und Handelsverträge mit den Partnern. Die Gegner-KI wird jedoch nur grundlegend änderbar sein, einen echten "Schwierigkeitsgrad" gibt es laut Christopher Schmitz, mit dem wir im Vorfeld mehrfach sprechen konnten, nicht. Schwierigkeitsgrade unterscheiden sich lediglich von den Startbedingungen und den Ressourcenanforderungen der einzelnen Zivilisationsstufen.

Anno 1404 Anno 1404 Ist die Kampagne einmal durch oder kommt man bei Sultan, Kardinal und Lord nicht mehr weiter, kann man jederzeit ein Endlos-Spiel starten, dass natürlich großen Anklang in der Anno-Gemeinde findet und laut Game Designer Schmitz einer der Kernaspekte des Spieles ist. Weit über hundert Stunden kann man darin verbringen, der Spielspaß geht, auch wegen der theoretischen Endlosigkeit, nie verloren. Wenn man den Entwicklern glaubt ist gerade dieser Modus bei Anno-Spielern beliebt und wird auch online durch Screenshots von Metropolen und den eigenen Siedlungen mit anderen Spielern getauscht. Ziel des Endlos-Spieles ist es, die komplexe Wirtschaft am Laufen zu halten und sich durch die verschiedenen Aufstiegsstufen zu arbeiten.
Ab in den Orient!

Anno 1404 Anno 1404 Eine echte Schwierigkeitsstufe gibt es im Endlos-Modus, anders als in der Kampagne, die sich hauptsächlich durch unterschiedliche Startbedingungen auszeichnet, nicht. Je nach Zivilisationsstufe regelt sich die Schwierigkeit selbst, wenn man als Spieler nicht weiter weiß und die nächste Stufe nicht erreichen kann, bleibt das Spiel auf einem konstanten Level. Schwierig ist es nur, wenn man jeweils versucht die nächste Stufe zu erreichen und alle Bedürfnisse zu Genüge zu stillen. Allen Modi gemein ist der Drang in den Orient, ohne den schon ab der zweiten Stufe "Bürgertum" nur wenig geht. Der Spieler muss dabei Kontakte auf die Südinseln etablieren und sich diplomatisch soweit festigen, dass der Orient bereit ist Technologien zu teilen. Nur so kann man seine eigene Orient-Siedlung aufbauen und das Angebot an Waren abrunden. Der Orient besitzt eigene Gebäude und Waren, mit denen Bedürfnisse gestillt werden. Eine beispielhafte Pruduktionskette, die eine Zusammenarbeit beider Kulturkreise verlangt, ist die Herstellung eines Buches: Dafür muss erst Holz gewonnen werden, welches im Okzident zu Papier verarbeitet wird. Aus im Orient angebautem Indigo wird wiederum Farbe produziert, die zusammen mit dem Papier letztlich zum Buch wird.

Auch technisch ein Hochgenuss

Anno 1404 Quelle: Ubisoft Anno 1404 Technisch bietet sich dem Strategenherz eine wahre Offenbarung. Der Sprung von Anno 1701 zum aktuellen 1404 könnte größer fast gar nicht sein, dem Spielerauge bietet sich, vor allem in den hohen Einstellungen, eine wirklich wunderhübsche Welt, die durch Detailfülle und einen Hang zum Perfektionismus seitens der Designer auffällt. Zwar ist die Ansicht von weit oben der Übersicht halber immer klüger, als die Nahansicht, wer jedoch Spaß am Spannen hat, kann mit der Zoomfunktion den Figuren im übertrageneren Sinne fast schon unter den Rock schauen. Hübsch animiert lädt die Wusel-Welt von Anno 1404 jedenfalls zum Glotzen ein. Noch schöner, dafür umso sonnloser, ist die sogenannte Postkartenansicht, in der die Kamera in schönster 3D-Optik dem markierten Ziel folgt und umso schönere Aussicht auf das toll inszenierte Wasser oder schön in Szene gesetzte Ortschaften erlaubt. Unsinnig ist die Funktion aber für Hardcore-Zocker, denn Bauen oder Handeln ist so nicht möglich. Richtige Annoholics werden der Funktion aber viel abringen können. Christopher Schmitz erzählte uns beispielsweise, dass es richtige Screenshot-Contest in der Community gäbe und manch ein Zocker stundenlang nur seinen Untertanen beim Malochen zuschauen könnte.

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