Anno 1800: Der Release zum 2205-Nachfolger steht bevor - wir blicken auf die komplette Anno-Spielereihe zurück
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Die beliebte Strategie-Serie im Genre der Aufbauspiele bekommt mit Anno 1800 Nachwuchs. Für uns Anlass genug, um auf die Entstehungsgeschichte der Reihe zurückzublicken. Vom grandiosen, historischen Einstand mit Anno 1602 bis hin zum futuristischen Anno 2205: PC Games zeichnet die wichtigsten Stationen nach.
Da möge mal einer behaupten, dass es kein Erfolgsrezept in der Videospielbranche gebe. Mit den simplen Ingredienzien "Entdeckung, Aufbau, Handel, Diplomatie und Kampf" schuf das österreichische Entwicklerstudio Max Design eine Aufbaustrategiereihe von beispielloser Qualität. Bis dato kann kein anderer Genre-Vertreter mit Anno konkurrieren. Der neueste Teil der Aufbauspiele-Reihe löst sich vom futuristischen Setting seiner beiden Vorgänger 2070 und 2205. Anno 1800 kehrt in einen historischen Kontext zurück und besinnt sich auch beim Gameplay wieder auf alte Stärken der Reihe.
Dabei scheuen sich die Entwickler aber auch nicht davor, einige spannende Neuerungen in die beliebte Serien-Formel einzubringen. Nach ausführlichen Anspielmöglichkeiten bei Blue Byte in Mainz und der Anfang 2019 abgehaltenen Closed Beta, konnten wir bereits interessante Einblick in den Spielablauf bekommen. Um die Zeit bis zum Release zu überbrücken, haben wir für euch die komplette Anno-Reihe im Serienrückblick beleuchtet. Los gehts mit einer Zeitreise ins historische 1602, als uns zum ersten Mal Handelsschiffe und Kontore um den Schlaf brachten. Viel Spaß beim Lesen wünscht eure PC Games-Redaktion.
In diesem Artikel
- Seite 1 Die Aufbauspiele-Reihe im Rückblick: Die Klassiker von 1602 bis 1404
- Seite 2 Die Aufbauspiele-Reihe im Rückblick: Zukunfsreisen von 2070 bis 2205
- Seite 3 Bildergalerie
Erschaffe eine neue Welt in Anno 1602
Als 1996 die ersten Konzeptzeichnungen von Anno 1602 aufgetaucht sind, hätte niemand gedacht, dass sich daraus ein Hit oder gar eine ganze Spieleserie entwickeln würde. Für Entwickler Wilfried Reiter nahm jedoch eine Vision Gestalt an. Anfangs wurde vermutet, es könnte sich um einen Siedler 2-Klon handeln. Zumindest bei Blue Byte, den Schöpfern der Siedler-Reihe, läuteten die Alarmglocken. Sollte das neue Spieleprojekt von Max Design und Sunflowers doch im Revier der Aufbausimulationen wildern?
Aus "wildern" wurde ab 1998 dann schnell "dominieren". Aber keiner hätte 1996 oder 1998 zum Release von Anno 1602 damit gerechnet, dass Anno sich zu der erfolgreichsten deutschen Aufbaustrategie-Serie mausern würde. Von den veröffentlichten Spielen Anno 1602, Anno 1503 und Anno 1701 wurden nach Herstellerangaben weltweit insgesamt über fünf Millionen Exemplare verkauft.
Quelle: strategy_games
Anno 1602 konnte auf Anhieb überzeugen.
Als die ersten Testmuster 1998 in der Redaktion der PC Games eintrafen, waren die Redakteure restlos begeistert. Die Kollegin Petra Fröhlich (damals noch Maueröder) vergab eine Testwertung von 91 Prozent. Zudem schrieben die Testredakteure, Anno 1602 bereite den Spielern schlaflose Nächte. Der Strategie-Hit brachte wegen des süchtig machenden Spielprinzips so manchen Spieler um sehr viel Schlaf. Den PC-Games-Klassik-Test zu Anno 1602 findet ihr in PDF-Form verlinkt.
Erst nachdem das Spiel bei der Fachpresse traumhafte Bewertungen abgesahnt und wie die sprichwörtliche Bombe eingeschlagen hatte, machte Publisher Sunflowers eine Kehrtwende. Während ursprünglich keine große Werbekampagne geplant war, legte man jetzt ordentlich nach: Mit Werbetafeln und Plakaten in Großstädten, Anzeigenstrecken in Fachmagazinen und Werbespots rührte Sunflowers die Werbetrommel. Die Strategie machte sich bezahlt. Anno 1602 verkaufte sich nach Angaben des Publishers gut 2,2 Millionen Mal.
Quelle: PC Games
Anno 1602: Über die recht schlichte Präsentation, tröstete der hohe Wuselfaktor hinweg.
Das Spielprinzip war schlicht und einfach, aber entpuppte sich als genial. Zu Spielbeginn stecht ihr mit einem einfachen Handelsschiff in See und sucht euch auf der großen Land- und Seekarte eine geeignete Insel aus. Hier geht ihr vor Anker und besiedelt das Eiland. Als Ausgangsbasis baut ihr ein Kontor. Eure ersten Gebäude bestehen meist aus Forsthäusern, Holzfällerhütten, Fischerhütten und Wohnhäusern. Mit steigender Einwohnerzahl wachsen auch die Wünsche und Bedürfnisse eurer Bevölkerung nach besserer Verpflegung und später nach Luxusgütern. Alle Bedürfnisse wollen erfüllt werden, doch auf eurer bisherigen Insel gibt es nicht alle benötigten Rohstoffe. Ihr müsst also weitere Inseln besiedeln und neue Handelsrouten erschließen, um euer Volk bei Laune zu halten.
Neben der Stimmung Ihrer Untergebenen müsst ihr immer auch ein Auge auf Ihre Finanzen haben. Ist die Bevölkerung glücklich und zufrieden, dann ist das gut fürs Staatssäckel, weil besonders hohe Steuereinnahmen hereinkommen, die sich zum Wohle des eigenen Volkes ausgeben lassen. Wenn Wünsche eurer Landsleute unerfüllt bleiben, fangen diese recht schnell an zu rebellieren. Anno zeichnet so recht spannend und unterhaltsam einen kompletten Wirtschaftskreislauf nach.
Quelle: PC Games
Essentiell: Ohne Schiffe lässt es sich schlecht Handel treiben.
Ebenfalls neu bei Anno 1602: Es geht friedlich zu. Wenn ihr möchtet, spielt ihr Anno, ohne Gewalt einsetzen zu müssen. Kämpferische Auseinandersetzungen stehen bei Anno nicht im Vordergrund. Sollte sich ein Kampf dennoch nicht vermeiden lassen, stellt euch das Spiel eine ordentliche Auswahl an Befehlen zum Führen einer Schlacht zur Verfügung. Mehrere Formationen erleichtern die Aufstellung der Truppen, Soldatenverbände lassen sich zusammenführen und per Hotkey (Tastenkürzel) schnell auswählen. Wie in anderen Strategie-Spielen zeigen farbige Leisten den Gesundheitszustand der Truppen an, Ärzte flicken verwundete Soldaten wieder zusammen, beschädigte Schiffe reparieren sich wie von Geisterhand in eurer Werft und Flammen schießen aus getroffenen Gebäuden, bis diese auf die Grundmauern niedergebrannt sind.
Krieg ist aber in der Anno-Reihe die letzte Handlungsalternative. Stattdessen geht ihr Bündnisse ein oder schließt Handelsabkommen, um an Waren zu kommen, die ihr selbst nicht produziert. Hakt es in einem Bündnis, greift ihr auf Drohgebärden oder Tributzahlungen zurück. Eine weitere Zutat zum Erfolgsrezept von Anno: die unkomplizierte Übersicht der wichtigsten Daten. Mit wenigen Klicks auf die entsprechenden Objekte wisst ihr, wie zufrieden eure Untertanen sind.
Anno 1602: Neue Inseln, neue Abenteuer (Add-on)
Dem überraschenden Ausbruch der Anno-Pandemie ist es zu verdanken, dass Sunflowers wenig später ein Addon veröffentlichte. Anno 1602: Neue Inseln, neue Abenteuer erweiterte das ohnehin schon prallgefüllte Hauptprogramm mit über 40 frischen Szenarien. Zusätzlich warteten über 200 neue Inseln auf ihre baldige Entdeckung und anschließende Kolonisierung. Wem das noch nicht ausreichte, der bastelte sich mit dem mitgelieferten Szenarieneditor eigene Karten zusammen. Grenzloser Spielspaß war damit garantiert. Auch an der Spielmechanik hatten die Jungs von Max Design gefeilt. Mankos, wie die recht umständliche Steuerung der Einheiten im Kampf sowie die recht mäßige Gegner-KI, blieben nicht unbemerkt.
Anno 1503: Komplexe Aufbaustrategie voraus!
2002 ging die Serie mit Anno 1503 in die zweite Runde. Die Erwartungen an den Nachfolger waren hoch. Doch bei der Wertung musste Anno 1503 mit immer noch guten 88 Prozent gegenüber dem Vorgänger Federn lassen. Zwei Gründe sorgten für die etwas schwächere Note. Zum einen hatten die Spieler mit starken Balancing-Problemen zu kämpfen - gerade Anfänger warfen schon zu Beginn des Spiels oft die Flinte ins Korn, weil sie sich von der Komplexität des Spiels überfordert fühlten. Grund Nummer 2: Der groß angekündigte Mehrspielermodus sollte eigentlich per Patch nachgereicht werden, dazu kam es aber nie. Zudem missfielen Kleinigkeiten wie von Bäumen verdeckte Militäreinheiten, Höhenunterschiede, die nun erst in der Bebauungsphase zu erkennen waren, winzige Marktstände und Probleme bei der Kompatibilität zu Windows XP. Dennoch hat auch 1503 das Anno-Gefühl aus dem ersten Teil wieder geweckt und teils auch verstärkt.
Quelle: www.mobygames.com
Screenshot aus Anno 1503. Für den Bau solcher Städte ging gehörig viel Spielzeit drauf.
Allein die Grafik markierte mit höheren Auflösungen, mehr Objekten und einem höheren Wuselfaktor trotz 2D-Technik einen Sprung in Richtung Zukunft. Auch die hervorragende Menüführung des ersten Teils fand sich im Nachfolger wieder. Den kompletten Test zu Anno 1503 zum Nachlesen findet ihr in verlinkter Form.
Anno 1503: Schätze, Monster & Piraten (Add-on)
Die Erweiterung Schätze, Monster & Piraten markiert eine Zäsur in der Anno-Geschichte, denn mit diesem Werk verabschiedete sich das Entwicklungsstudio Max Design aus der Welt. Das österreichische Team hatte nur wenige Zeit nach der Fertigstellung des Add-ons sämtliche Mitarbeiter entlassen. Die Gründer einschließlich des Geschäftsführers blieben bis zum endgültigen Aus im April 2004 im Boot. Einer Stellungnahme zufolge wollte man auf unbestimmte Zeit "pausieren". Doch schon damals ahnten die Fans bereits, dass es wohl niemals zu einem Comeback kommen würde. Ungeachtet dieser tragischen Story hatte Anno 1503: Schätze, Monster & Piraten einiges zu bieten: Zehn neuen Soloszenarien, drei Endlosmissionen sowie frische Gebäuden sorgten für schlaflose Nächte im Anno-Lager.
Anno 1701: Zuschlag für Related Designs
Publisher Sunflowers vergab nach intensiver Suche nach einem neuen Partner, der Anno weiterentwickeln sollte, die Fertigung von Anno 3 - so der damalige Arbeitstitel - an das Entwicklungsstudio Related Designs. Eine Entscheidung, die beide Firmen nicht bereuen sollten. "Anno bleibt Anno" - unter diesem Motto haben die hessischen Spielemacher das Beste aus den beiden Vorgängern miteinander verschmolzen und in einigen Bereichen Fehler der bisherigen Titel behoben. Maßstäbe setzten die neuen Väter von Annos dritter Auflage bei der Grafik. Statt in isometrischer 2D-Sicht präsentiert sich die Anno-Welt dem Spieler nun in echter 3D-Optik. Selbst vom heutigen Standpunkt aus gesehen, beschert uns die Grafik von Anno 1701 immer noch einen prächtigen Anblick.
Quelle: Sunflowers
Die Grafik in Anno 1701 war ein echter Hingucker.
Zudem lieferte Related Designs ein Anno mit ausgebautem Mehrspieler-Teil. Zwar musste der dritte Teil der Anno-Serie abermals einige Prozentpunkte in der Wertung abgeben, doch mit einem PC-Games-Urteil von 86 Prozent war Anno 1701 seinerzeit die Referenz im Aufbaustrategie-Sektor. Die Tester Stefan Weiß und Christian Burtchen monierten in der PC Games 12/06 die zu einfache Kampagne, und dass Anno 1701 etwas zu leicht sei, beziehungsweise die Szenarien zu kurz ausfielen. Auch der dritte Teil der Serie blieb dem einfachen, aber süchtig machenden Spielprinzip des Ur-Annos treu.
Anno 1701: Der Fluch des Drachen (Add-On)
Die Anno-Reihe weiß zwar aufgrund des süchtigmachenden Spielkonzepts zu unterhalten, die eigentliche Handlung wurde allerdings eher stiefmütterlich behandelt. Das änderte sich mit dem Addon Der Fluch des Drachen. Obwohl die Inszenierung mit den eher unspektakulären Ingame-Zwischensequenzen recht altbacken wirkte, zog uns die wendungsreiche Geschichte rund um die Jagd nach einem Artefakt vollends in den Bann. "Jede Minute sei voll von guten Ideen", schwärmten wir seinerzeit in unserem ausführlichen Test. Schade nur, dass sich einige Längen in die Missionen eingeschlichen hatten und es dem beliebten Endlosspiel an signifikanten Neuerungen mangelte. Mit ein wenig mehr Feintuning wäre sicherlich eine höhere Wertung möglich gewesen.
Anno 1404: Ein neuer Meilenstein
Im Juni 2009 schickte sich Anno 1404 an, Deutschlands erfolgreichste Aufbau-Spiele-Serie fortzuführen. Zum zweiten Mal haben sich die Entwickler von Related Designs unter dem Motto "Anno bleibt Anno" der Serie angenommen. Eines gleich vorweg: Mit Anno 1404 ist das bisher beste Ergebnis herausgekommen. Die Kollegen Stefan Dworschak, Lukas Löhr und Strategie-Experte Christian Schlütter gewähren dem vierten Teil der Aufbaustrategie-Reihe in der PC Games 08/09 eine Wertung von 91 Prozent und damit einen Gold-Award sowie einen Grafik-Award. Die Grafik wurde im Vergleich zu Anno 1701 nochmals deutlich verbessert. Wasser, Lichtreflexionen, Schatten und ein hoher Detailgrad tragen zu einer dichten Spielatmosphäre bei.
Quelle: PC Games Hardware
Grafisch atemberaubend: Anno 1404 sah auf perfomanten Rechnern schlichtweg fantastisch aus. So und nicht anders haben Strategiespiele künftig auszusehen.
Related Designs hat sich mit Anno 1404 auch spielerisch auf Neuland begeben: Zum ersten Mal in einem Anno-Titel übernehmt ihr die Kontrolle über zwei völlig unterschiedliche Völker. Zu euren abendländischen Untertanen gesellen sich im Verlauf des Spiels orientalische Einwohner. Zudem haben die Entwickler dem Spiel einige Elemente aus dem Rollenspiel-Genre hinzugefügt. Mittels eines Upgrade-Systems dürft ihr beispielsweise verbesserte Gebäudevarianten einsetzen. Der Komplexitätsgrad in Anno 1404 hat merklich angezogen. Hier haben die Entwickler gegenüber Anno 1701 stark nachgebessert. Die Lernkurve, die der Titel dem Spieler abverlangt, ist recht fair und gleichmäßig, zieht aber mit wachsender Einwohnerzahl deutlich an. Einsteiger sowie Anno-Veteranen kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten.
Quelle: PC Games
Screenshot aus Anno 1404.
Die Kampagne führt nicht nur gut in das Anno- Spielprinzip ein, sie ist auch spannend gestaltet und macht einfach Spaß. Die Bedienung geht flüssig von der Hand und lenkt nicht groß vom eigentlichen Spiel ab. Einzig der fehlende Mehrspielermodus, der erst im Add-on Anno 1404: Venedig nachgereicht wurde, trübt die Freude über den neuesten Teil der Anno-Reihe. Related Designs ist es dank intensiven Feinschliffs gelungen, die Anno-Serie zu bewahren und gleichzeitig auf eine neue Entwicklungsstufe zu heben. Damit prägt Anno weiterhin das Genre des Aufbaustrategie- Spiels. Anno 1404 dürfte wohl die Erfolgsgeschichte von Anno fortführen, vor allem weil Related Designs die Wünsche und Anregungen vieler Anno-Spieler in das Spiel hat einfließen lassen. Das Ergebnis ist seit Sommer 2009 zu bestaunen. Related Designs hat die Messlatte für den nächsten Teil sehr hoch gelegt.
Anno 1404: Venedig (Add-On)
Mit Anno 1404: Venedig lieferte Related Design die bislang umfangreichste und zugleich beste Erweiterung ab. Ein Debüt im Anno-Universum feierte die venezianische Kultur. Darüber hinaus gab es zich neue Herausforderungen und Missionen zu meistern. Großes Lob gab es auch für das neue Spionage-Feature. Gegnerische Siedlungen konnten zum Beispiel mithilfe des Schergen infiltriert werden. Dort konnte der Saboteuer allerlei Schabernack treiben. Gutmenschen, die diese Methoden ablehnen, können sich feindliche Städte durch großzügige Goldspenden einverleiben. Komplettiert wurde das Paket mit einem starken Mehrspielerpart, bei dem man auch mit bis zu drei weiteren Mitstreitern kooperativ agieren durfte. Anno 1404: Venedig ist laut unserem Test ein Meisterstück, das in keiner Spielesammlung fehlen darf.
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