Battlefield 4 im Test: Der Multiplayer

Test Sandro Odak
Battlefield 4 im Test: Dank dem Stein-Schere-Papier-Prinzip hat dieser Infanterist keine Chance gegen den Panzer.
Quelle: Gamezone

Mit Battlefield 4 kommt die Serie auf Next-Gen-Konsolen endlich da an, wo der PC schon seit Jahren schlummert: Im Multiplayer-Himmel. Auf Xbox One und Playstation 4 gibt es 64 Spieler, den Commander-Modus und tolle Grafik. Wir haben bei DICE die PS4-Version testen können und mit dem PC verglichen. Wie nah kommt das Konsolen-Erlebnis an das Original ran? Erfahrt es in unserem Test!

Endlich große Server!

Battlefield 4 im Test: Aus diesemSpawn-Menü startet man in jede Runde. Quelle: Gamezone Battlefield 4 im Test: Aus diesemSpawn-Menü startet man in jede Runde. Im Multiplayer-Teil wird Battlefield endlich erwachsen. Auf Xbox One und Playstation 4 spielen nun 64 Spieler zusammen, wie am PC. Auf riesigen Conquest Large Karten macht das richtig Freude. Bislang waren es auf Konsolen bis zu 24 Spieler, für den Nahkampf-DLC Close Quarters reduzierte EA die Servergröße sogar auf 16 Spieler. Dass man sich nun in einem "richtigen" Battlefield austoben kann, ist der Hit. Denn an der Spielmechanik hat man nichts geändert. Die beiden wichtigsten Spielmodi Conquest und Rush sind zielorientiert, sie lassen keinen Platz für Ego-Trips. Der Mix aus Fahrzeugkampf, Infanterie-Gefechten und Kriegsmaschinen in der Luft macht Battlefield einzigartig. In einer Runde kann sich der Kampf in einem Hauskorridor, der zwei Flaggenpunkte verbindet, konzentrieren, in der nächsten, immer noch auf derselben Karte, haben Panzer das komplette Gebäude in die Luft gejagt.

Die Karten passen sich an. Levolution nennt DICE das. Eigentlich ein ganz albernes PR-Wort. Dahinter verbirgt sich, was die Frostbite Engine schon seit Jahren macht: Spieler können Karten beeinflussen. Wer mit Panzern, Granatwerfern oder C4 Wände in die Luft jagt, kann ein ganzes Gebäude in Schutt und Asche legen. Das wurde nun auf speziell geskriptete Momente ausgeweitet. In Siege of Shanghai sprengt man auf Knopfdruck einen Wolkenkratzer in die Luft, in Lancang Dam einen Staudamm, in Operation Locker einen Wachturm und in Zavod 311 einen Industrie-Schornstein. Manchmal macht DICE es sich aber zu einfach. Auf Zavod 311 und Lancang Dam sind die Sprengungen rein optischer Natur, das Gameplay verändern die Levolution Momente nichts. Interessanter ist da Flood Zone. Die Karte wird mit zunehmender Rundenzeit überschwemmt. Während man zu Beginn noch durch die Straßen waten kann, muss man später schwimmen oder Boote benutzen. Das wirkt sich direkt auf die Vertikalität des Schlachtfelds aus: Infanteristen kraxeln mehr auf den Dächern der Map herum, während sich mit zunehmendem Wasserstand in den Straßen nur noch Fahrzeuge bekriegen.

Mein persönliches Highlight ist aber die Karte Golmud Railway. Eine Flagge darauf steht auf einem Zug. Dessen Schienen reichen von einer Seite des Schlachtfelds quer auf die andere. Sobald ein Team den Punkt eingenommen hat, tuckert die Lokomotive im Schritttempo in Richtung der Heimatbasis. Aber Vorsicht ist geboten: Weil die Route vorgegeben ist, bietet sie sich für Hinterhalte an. An manchen Stellen bietet das Gleisbett mehr Deckung, an anderen ist man wieder kilometerweit offen einsehbar. Bei unseren Review-Matches entbrannte deshalb um diesen Punkt immer ein besonders heftiger Kampf.

Mehr Auswahl bei der Ausrüstung

Battlefield 4 im Test: Dank dem Stein-Schere-Papier-Prinzip hat dieser Infanterist keine Chance gegen den Panzer. Quelle: Gamezone Battlefield 4 im Test: Dank dem Stein-Schere-Papier-Prinzip hat dieser Infanterist keine Chance gegen den Panzer. Komplett umgekrempelt haben die Macher auch das Loadout-System. Während es in Battlefield 3 nur ein Messer plus eine Variante für zahlende Premium-Mitglieder gab, sind es nun ganze neun. Sie unterscheiden sich zwar nur optisch, geben aber ein Gefühl von Freiheit. Mehr Auswirkungen auf das Gameplay hat da schon die neue Vielzahl an Waffen-Kombinationen. Allein sieben unterschiedliche Raketenwerfer gibt es. Die einen sind effektiv auf kurze Distanzen, die anderen auf weite. Die neue, verkürzte MBT LAW sucht ihr Ziel sogar selbstständig, sobald man sie abschießt - ohne dass man vorher ein Ziel locken muss. Selbst Pistolen kann man erweitern. Wie auf die großen Gewehre kann man Zielhilfen, Schalldämpfer und Taschenlampen dranhängen. Eine der coolsten neuen Gadgets ist die Kombination aus Laserstrahl und Taschenlampe. Wer das Accessoire an den Gewehrlauf hängt, kann zwischen den Funktionen wechseln. Gerade auf Maps mit unterschiedlichen Terrains lohnt sich das. Innen nutzt man die Taschenlampe, außen den Laserstrahl. Einziges Manko: Ausschalten kann man die Funzel nicht. Camper laufen also Gefahr, dass Feinde sie entdecken.

Klug stellt sich DICE bei den Fahrzeugen an. Die haben nun alle von Anfang an Raketen-Abwehrsysteme. Für Neueinsteiger waren vor allem Helikopter und Jets bislang ein Graus, weil man sich über die ersten paar tausend Punkte, bis man Flares freischaltet, nicht gegen Raketen wehren kann. Außerdem kann man die Munition noch spezifischer auswählen. Aktiv gelockte, passiv gelockte, lasergelenkte, ungelenkte Raketen mit hohem Schaden, ungelenkte Raketen mit wenig Schaden - die Liste ist lang! Damit hier kein Ungleichgewicht entsteht, machen Explosionen mehr passiven Schaden. Piloten verlieren dadurch zeitweise die Kontrolle über Rotor, Heckrotor oder die komplette Steuerung und trudeln in der Luft. Das fühlt sich realistischer an als im Vorgänger.

Kleine und große Gameplay-Veränderungen

Battlefield 4 im Test: Statt drei Raketenwerfern gibt es nun gleich sieben. Sie haben alle unterschiedliche Eigenschaften. Quelle: Gamezone Battlefield 4 im Test: Statt drei Raketenwerfern gibt es nun gleich sieben. Sie haben alle unterschiedliche Eigenschaften. Auch wenn DICE nicht viel an der Spielmechanik geschraubt hat, ein paar Ecken haben die Entwickler doch ausgebessert. Wer nun unter Feuer steht, verzieht das eigene Gewehr viel schneller. Einen ähnlichen Suppression-Effekt gab es zwar schon im Vorgänger. Nun fühlt er sich aber viel realistischer an. Das Fadenkreuz tänzelt dann um das Ziel herum, als würden die Hände des Schützen zittern vor Angst.

Die zwei neuen Gameplay-Modi gehören zu den größeren Gameplay-Veränderungen - und sind nicht allesamt gut gelungen. Obliteration ist ein weiterer zielorientierter Spielmodus, in dem beide Fraktionen eine Bombe aufsammeln und dann in die Basis der Gegner bringen müssen. Der wird schnell chaotisch. Der Kampf konzentriert sich einzig und allein auf den Standort der Bombe. In solchen Momenten, in denen alle Fahr- und Flugzeuge auf einem Punkt zusammenkommen, versagt das perfekt ausbalancierte Schere-Stein-Papier-Prinzip. Defuse erinnert an Counter-Strike. Auch hier geht es um eine Bombe, die Teams sind jedoch in feste Angreifer und Verteidiger aufgeteilt. Der Clou: Wer stirbt darf nicht mehr spawnen. Das entschleunigt den Modus brutal und animiert Camper dazu, den schlimmsten Teil der Gefechte einfach nur auszusitzen. Spannend sind Defuse-Spiele eigentlich nur mit einem richtigen Team. Für Turniere und E-Sport könnte das interessant sein, typische Battlefield-Spieler lassen Defuse aber genauso links liegen wie Team und Squad Deathmatch.

Zusätzliche taktische Ebene: Der Commander-Modus

Seit Battlefield 2 vermissen ihn Fans, nun kehrt er zurück: Der Commander-Modus. Auf einer Übersichtskarte steuern zwei zusätzliche Spieler, die keine Soldatenslots auf dem Server einnehmen, Squads durch Befehle. Sie choreographieren die Materialschlacht am Boden, verteilen Nachschub, markieren Feinde und bekommen Punkte, wenn das Team macht, was man ihnen befiehlt. Auf Konsolen macht das aber noch nicht zu viel Laune. Die Steuerung per Controller ist behäbig, sie scheint ganz gezielt für Tablets gemacht worden zu sein. Die Commander-App kommt jedoch erst zum Start der Next-Gen heraus. Wer schon jetzt auf Xbox 360 und PS3 zocken will, hat das Nachsehen.

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