Branchenriesen: Bethesda - Vom Sportpionier zum Rollenspiel-Riesen
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Was auf unserer Festplatte landet, bestimmen wir Spieler. Und die großen Entwicklungsstudios und Publisher. Zu denen gehört auch Bethesda. Aber woher kommen die eigentlich und wie sind so erfolgreich geworden? Wir beleuchten die Geschichte des Entwicklerstudios und gehen auf die Spiele ein.
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Bethesda? Ist das nicht die Zisterne in Jerusalem, der man heilende Kräfte nachsagt? Daran habt ihr doch auch gerade gedacht! Nein? Okay, beim Namen Bethesda können einem natürlich ebenfalls The Elder Scrolls und Fallout in den Sinn kommen. Beide Spielserien sind eng mit dem Erfolg des Branchenriesen Bethesda verknüpft. Doch der Weg auf den Spieleolymp war lang und steinig...und nahm seinen Anfang in Bethesda.
Technische Pionierarbeit
Der Computerspezialist Christopher Weaver hat mit Computerspielen eigentlich nichts am Hut. Die von ihm gegründete Firma Media Technology ist auf technische Forschung spezialisiert. Als ihm jedoch einer seiner Ingenieure eine Idee für ein Footballspiel präsentiert, ist Weavers Interesse geweckt. 1986 gründet er eine Firma, um die Möglichkeiten auf dem PC-Markt auszuloten und eigene Computerspiele zu entwickeln. Das neue Tochterunternehmen soll Softworks heißen. Allerdings ist der Name schon vergeben. So packt Weaver einfach den Ortsnamen des Firmensitzes Bethesda, Maryland hinzu. Die US-Stadt hat übrigens wiederum ihren Namen von einer, ihr ahnt es bereits, Zisterne in Jerusalem.
Quelle: GOG
Der Action-Rollenspiel-Ableger An Elder Scrolls Legend: Battlespire (1997) floppt ebenso wie das Action-Adventure The Elder Scrolls Adventures: Redguard (1998)
Bethesda Softworks ist geboren! Als erster Titel erscheint Gridiron! (1986), ein Footballspiel, das sich rühmen darf, die erste physikbasierte Engine in einer Sportsimulation zu haben. Gridiron! macht einen Konkurrenten neugierig. Electronic Arts kommt mit der Entwicklung von John Madden Football (1988) nicht so recht voran und beauftragt Bethesda mit der Fertigstellung. Gleichzeitig sichern sich die Kalifornier die Publishingrechte an kommenden Gridiron!-Umsetzungen. Als diese ausbleiben, stoppt Bethesda die Arbeit an John Madden Football und beschuldigt Electronic Arts, absichtlich weitere Releases zu verzögern und gleichzeitig viele Elemente aus Gridiron! in Madden zu integrieren. Bethesda ist derart verärgert, dass sie die Kalifornier auf 7,3 Millionen US-Dollar Schadensersatz verklagen. Den Ausgang des Streits kennen nur die beiden Konkurrenten.
Die Geburt einer Erfolgsmarke
1988 folgt das nächste Spiel, wieder im Sportbereich. Wayne Gretzky Hockey widmet sich dem Sport der titelgebenden kanadischen Eishockeylegende. 1990 folgt der Firmenumzug nach Rockville, Maryland. Neben Sportspielen widmet sich Bethesda nun vermehrt bekannten Lizenzen. Kevin allein zu Haus erscheint 1990, Terminator 2029 zwei Jahre später.
Quelle: Moby Games
1996 erscheint The Elder Scrolls II: Daggerfall.
1994 wird zum Meilenstein in der Geschichte von Bethesda. The Elder Scrolls: Arena erscheint. Das Spiel begeistert Spieler und Presse. Klar, die Welt von Tamriel ist ziemlich generisch. Auch die Bugs nerven. Aber The Elder Scrolls: Arena deutet schon an, was sowohl die Elder-Scrolls-Serie als auch später die Fallout-Serie auszeichnet: eine riesige Spielwelt und eine enorme spielerische Freiheit. Die ganz große Stärke von Bethesda-Spielen liegt in der non-verbalen Erzählkunst. Abseits der Hauptquest verlieren wir uns in der Spielwelt und erleben unsere eigene Geschichte.
Der Erfolg kommt für Bethesda dennoch überraschend. Die ursprüngliche Idee hinter The Elder Scrolls: Arena sieht vor, dass eine Gruppe von Kämpfern von einer Arena zur nächsten reist und dort Kämpfe bestreitet. Im Finale geht es dann in der imperialen Hauptstadt gegen den bösen Obermotz um den Titel des Champions. Lediglich zwischen den Reisen sind kleinere Quests eingestreut. Während der Entwicklung wandert der Fokus zunehmend auf die Rollenspiel-Elemente. Zum Schluss verzichtet Bethesda sogar komplett auf die Arenenkämpfe. Nur der Titel erinnert noch an das Ursprungskonzept. Den Widerspruch zwischen Titel und Inhalt bemerken auch die Großhändler, die dem Spiel mit reichlich Skepsis begegnen. Da Bethesda zudem das Weihnachtsgeschäft verpasst hat, rechnet man intern mit einem Misserfolg. Gerade einmal 3.000 Kopien gehen zunächst in den Handel. Doch aufgrund großartiger Kritiken und Mund-zu-Mund-Propaganda wird The Elder Scrolls: Arena zu einem Bestseller.
Nur noch kurz die Welt retten
Den finanziellen Erfolg nutzt Bethesda zum Wachstum. 1995 kaufen sie das Studio Flashpoint Productions, 1997 XL Translab. 1996 schlägt Bethesda eine andere Expansion zurück und rettet die Welt. Genauer gesagt: Chris Weaver ist technischer Berater bei Roland Emmerichs Alienangriff-Blockbuster Independence Day. Die Rolle von Jeff Goldblums Wissenschaftler-Charakter basiert auf Weaver. Zudem erscheint 1996 mit ein The Elder Scrolls II: Daggerfall ein weiteres Rollenspiel-Abenteuer aus Tamriel. Trotz zahlreicher Bugs erhält Daggerfall sehr gute Kritiken und kommt auch bei den Spielern bestens an - dank seiner spielerischen Freiheit und der riesigen Spielwelt.
Mit der Elder-Scrolls-Serie hat Bethesda nun ein heißes Eisen im Feuer. Doch der Erfolg ist flüchtig. An Elder Scrolls Legend: Battlespire (1997) ist zunächst als Add-on für Daggerfall geplant, erscheint dann aber als eigenständiges Spiel. Mit Daggerfall hat das Action-Rollenspiel die Bugs
Quelle: PC Games
Motivierendes Schleich-Abenteuer: Dishonored aus dem Jahr 2012.
gemeinsam. Die motivierenden Features der Elder-Scrolls-Reihe fehlen jedoch. Battlespire ist ebenso ein finanzieller Misserfolg wie das Action-Adventure The Elder Scrolls Adventures: Redguard (1998). Da auch andere Titel wie die Rennsimulation XCar: Experimental Racing (1997) floppen, steckt Bethesda 1999 in finanziellen Schwierigkeiten.
Nun benötigt Bethesda selbst Rettung. Doch wieder ist Chris Weaver zur Stelle. Zusammen mit dem Anwalt Robert A. Altman gründet er 1999 ZeniMax Media als Mutterfirma von Bethesda. Mit an Bord sind zahlreiche zahlungskräftige Investoren. Unter ihnen befindet sich Robert Trump, der Bruder des heutigen US-Präsidenten.
Zurück in die Erfolgsspur
Einen weiteren Wendepunkt gibt es 2001. Bethesda Softworks agiert nun nur noch als Publisher. Eigenentwicklungen entstehen bei den neugegründeten Bethesda Game Studios. Mit diversen Sport- und Rennspielen hat Bethesda nur mäßigen Erfolg. 2002 klingeln dann aber wieder die Kassen als The Elder Scrolls III: Morrowind erscheint. Das Spiel entsteht unter der Leitung des heutigen Creative Director Todd Howard und hat neben den bekannten Serienstärken auch noch eine zwar kleinere, aber dafür optisch beeindruckende Spielwelt im Gepäck. Auch die Mod-Freundlichkeit trägt zum Erfolg bei.
2002 ist dennoch kein rundum gelungenes Jahr. Chris Weaver wird entlassen. Die Begründung: Angeblich unterrichtet er auf Firmenkosten an der Elite-Uni MIT. Weaver sieht das anders. Er glaubt, dass ihn seine neuen Geschäftspartner aus der Firma drängen wollen. Es folgt eine Schlammschlacht, die schließlich mit einer außergerichtlichen Einigung und einer millionenschweren Zahlung an Weaver endet. Zudem hält er
Quelle: PC Games
Während einer Einkaufstour 2009/2010 sichert sich ZeniMax starke Marken und Studios. Dazu gehört auch id software, von denen 2016 Doom erscheint.
weiterhin Anteile an der Firma.
The Elder Scrolls bleibt die einzige wichtige Marke für Bethesda. 2002 bis 2004 erscheinen verschiedene Morrowind-Erweiterungen sowie Rollenspiel-Ableger für portable Plattformen. 2004 markiert dann einen Meilenstein. ZeniMax kauft das Fallout-Franchise von Interplay Entertainment. Dort hat man zuletzt an Fallout 3, Arbeitstitel Fallout Van Buren, gearbeitet, die Entwicklung aufgrund finanzieller Probleme jedoch 2003 eingestellt. Bis zu einem neuen Fallout müssen sich die Fans gedulden. Zunächst arbeitet ein Großteil der Entwickler an The Elder Scrolls IV: Oblivion, das 2006 erscheint. Oblivion ist ein Verkaufshit. Neben der spielerischen Freiheit gibt es viel Lob für die optisch gelungene Spielwelt und die clevere KI. Aber wo Licht ist, da gibt es bekanntlich auch Schatten. Die deutsche Übersetzung ist eine mittlere Katastrophe. Zudem ist Oblivion ganz eng mit dem Begriff des Abzock-DLCs verknüpft. Für eine virtuelle Pferderüstung ohne jeglichen spielerischen Mehrwert sollen Spieler 2,50€ hinlegen. Damals ein kleiner Skandal, der heutigen Fortnite-Generation nicht einmal ein Schmunzeln wert.
Starke Marken
Ab 2007 geht Bethesda weiter auf Expansionskurs. Mithilfe von Investorengeldern entsteht eine europäische Publishing-Filiale in London. Zuvor übernehmen Konkurrenten wie beispielsweise Ubisoft das Publishing in Europa. In den folgenden Jahren entstehen weitere Filialen in Europa und weltweit. 2008 ist es dann endlich soweit. Nach zehn Jahren dürfen sich Endzeit-Fans in Fallout 3 wieder über ein Abenteuer im postapokalyptischen Ödland freuen. Fallout 3 macht fast alles richtig. Neben einer Modernisierung (3D, actionorientierter) denkt man auch an die alten Fans und hat neben dem typischen Serien-Humor einen pausierbaren Kampfmodus (VATS) als Ersatz für den Rundenkampf der Vorgänger mit dabei. Von Fallout Van Buren gibt es nichts im Spiel zu sehen. Dafür findet ihr einige Inhalte des ursprünglichen Fallout 3 in Fallout: New Vegas (2010), das bei Obsidian Entertainment, unter ihnen zahlreiche ehemalige Fallout-Entwickler, entsteht.
Quelle: Fox
Fallout 4 (2015) ist das bis dato letzte Spiel der Bethesda Game Studios. Aktuell arbeitet man dort jedoch an zwei großen Titeln
Nach dem Erfolg von Fallout 3 befindet sich Bethesda auf der Überholspur. Man hat nun zwei wichtige Marken. Weitere kommen hinzu. ZeniMax kauft 2009 id Software und damit das Doom- und Wolfenstein-Franchise, 2010 die Arkane Studios, Tango Gameworks sowie Machine Games. 2011 erscheint wieder ein neues Tamriel-Abenteuer. The Elder Scrolls V: Skyrim schmeißt das Klassensystem raus und führt ein neues Fähigkeiten-System (Perk) ein. Das kommt sowohl bei Spielern als auch Presse gut an. Skyrim verkauft sich bis heute über 30 Millionen Mal und wird zum wichtigsten Bethesda-Titel.
In der Folgezeit entstehen bei ZeniMax und Bethesda beziehungsweise deren Studios fast ausschließlich Hits. 2012 erblickt Dishonored von den französischen Arkane Studios das Licht der Welt. Das Stealth-Actionspiel ist nicht nur clever und abwechslungsreich, sondern verkauft sich auch richtig gut. Im selben Jahr erscheinen von id Software Umsetzungen von Doom 1 und 2 für die PlayStation 3 und Xbox360 sowie von Doom 3 (als BFG Edition) für die PS3, die Xbox360 und den PC. Auch ein neues Wolfenstein erscheint. Allerdings nicht von id Software, sondern dem schwedischen Studio Machine Games. In Wolfenstein: The New Order (2014) schlüpft der Spieler erneut in die Rolle des US-amerikanischen Soldaten B.J. Blazkowicz und nimmt es mit den Nazis (in der deutsche Version "Das Regime") auf.
Der in einer Alternativwelt angesiedelte Ego-Shooter schafft den Spagat zwischen Modernisierung und Old-School-Gefühl. Gute Verkaufszahlen und eine Erweiterung (Wolfenstein: The Old Blood/2015) sind die logische Folge.
Hits am laufenden Band
Natürlich hält man bei Bethesda auch weiterhin an der The-Elder-Scrolls-Reihe fest. Nach zwei großen Skyrim-Erweiterungen 2012 (Dawnguard) und 2013 (Dragborn) wagt die Serie 2014 erstmal den Sprung ins MMO-Genre. The Elder Scrolls Online entpuppt sich zwar nicht als World-of-Warcraft-Killer, ist aber eine gelungene Mischung aus Online- und Singleplayer-Rollenspiel. Im selben Jahr erscheint The Evil Within des japanischen Studios
Quelle: PC Games
Neben der The-Elder-Scrolls-Reihe ist Fallout ab 2008 die zweite große Marke aus dem Hause Bethesda. Hier im Bild Fallout New Vegas (2010), das von Obsidian Entertainment entwickelt wird.
Tango Gameworks. Hinter dem Survival-Horror-Spiel steckt kein Geringerer als Resident-Evil-Schöpfer Shniji Mikami. Erneut gelingt die Mischung aus klassischen Elementen und Modernisierung.
Ein Jahr später geht es zurück ins postapokalyptische Ödland. Fallout 4 (2015) bietet spielerisch und inhaltlich viel Altbekanntes. Sogar eine Vater-Sohn-Geschichte dient wieder als Plot. Neu ist hingegen der Siedlungsbau. Das bis dato letzte Rollenspiel von Bethesda zeigt noch einmal die großen Stärken, die sowohl die The-Elder-Scrolls-Reihe als auch die Fallout-Serie auszeichnen: Eine riesige, atmosphärische Spielwelt, spielerische Freiheit und eine individuelle Geschichte, die wir abseits der relativ kurzen Hauptquest selbst erzählen. Wer aufmerksam durch das Ödland streift, kann überall etwas entdecken. Praktische Items und Ausrüstung für den eigenen Bedarf, aber auch Infos über die Spielwelt und ihre Vergangenheit.
2016 meldet sich id Software mit einem Reboot zurück. Doom glänzt in neuem grafischen Gewand und begeistert wie Doom 1 und 2 mit schnellem Gameplay und einem geilen Soundtrack. Seit Skyrim erscheint jedes Jahr mindestens ein AAA-Titel aus dem Hause Bethesda beziehungsweise ZeniMax. Neben Doom ist das 2016 Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske. Erneut schleichen wir als Corvo Attano durch dunkle Gassen und meucheln Gegner aus dem Hinterhalt.
Nur ein Jahr später kommt von den Arkane Studios der nächste Hit. Der Ego-Shooter Prey hat nur noch den Namen mit dem gleichnamigen Spiel der Human Head Studios aus dem Jahr 2006 gemeinsam. Vielmehr orientiert sich das Reboot der Marke an Spielen wie System Shock (1994) und BioShock (2007). 2017 erscheinen weitere Fortsetzungen etablierter Marken: The Evil Within 2 und The Wolfenstein II: The New Colossus. Zudem unternimmt Bethesda mit Skyrim VR, Fallout VR und Doom VFR Ausflüge in die virtuelle Realität. Was wohl als nächstes aus dem Hause Bethesda kommen wird? Kürzlich hat Todd Howard verkündet, dass man aktuell an zwei großen AAA-Titeln arbeitet. Sie sollen "ein bisschen anders" sein, aber werden definitiv das bieten, "was die Leute von uns gewohnt sind". Bethesda-klassisch eben. Eine große Spielwelt und viel Freiheit.
Die wichtigsten Bethesda-Spiele
Die Idee zu Gridiron! (1986) ist der Anstoß für Christopher Weaver, Bethesda Softworks zu gründen. Die erste physikbasierte Engine in einem Sportspiel macht Electronic Arts auf das neugegründete Studio aufmerksam.
The Elder Scrolls: Arena (1994) bedeutet den Durchbruch für Bethesda. In der PC Games erhält der Rollenspiel-Klassiker einen Award und 86 Prozent.
Nachdem die Elder-Scrolls-Ableger Battlespire (1997) sowie Redguard (1998) floppen und Bethesda 1999 in finanziellen Schwierigkeiten steckt, kehrt der Entwickler mit The Elder Scrolls III: Morrowind (2002) in die Erfolgsspur zurück.
Mit dem Kauf des Fallout-Franchise im Jahr 2004 hat Bethesda eine zweite große Marke im Portfolio. 2008 erscheint Fallout 3 und wird ein voller Erfolg.
The Elder Scrolls V: Skyrim (2011) ist das meist verkaufte Spiel aus dem Hause Bethesda.
