Das Schwarze Auge: Blackguards im Test: Taktisches Rollenspielabenteuer Made in Germany oder madig in Germany ?
Test
Das Schwarze Auge, oder kurz "DSA", steht seit 1984 für Rollenspielkunst Made in Germany. Bereits mehrfach wurde das komplexe Regelwerk versoftet - mal mehr, mal weniger erfolgreich. Nun steht das neuste virtuelle Abenteuer, basierend auf der 4. Edition parat. Verantwortlich für die Umsetzung zeigt sich niemand geringeres als die deutschen Spitzenentwickler, und bislang für eher für Point'n Click Adventure bekannten, Daedalic Entertainment. Begleitet uns nun auf unserer Reise und lauscht den Geschichten die wir euch kund tun wollen.
And so the story begins....
Seid gegrüßt Wanderer. Tretet hervor aus dem Schatten und setzt euch zu mir ans Feuer. Legt euer Wehrgehänge ab und wärmt eure Knochen in dieser kalten, ungemütlichen Jahreszeit. Vergesst für einen Moment eure schmerzenden Füße und lasst mich euch eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte voller Verrat und Gewalt. Magie und Zauberei. Aber auch von Heldentum wo man es nicht vermuten würde.
Quelle: Daedalic Entertainment
Zauber werden von hübschen Effekten begleitet, auch wenn sie misslingen, und von euren Partymitgliedern kommentiert
Neugierig geworden? Sehr gut. Dann schließt eure Augen und lasst euren Verstand davon gleiten. Meine Geschichte spielte im Süden des fernen Landes Aventurien und wie viele Geschichten begann sie mit einer Tragödie. Unser Held wurde des Mordes bezichtigt. Aber nicht irgendeines Mordes, nein, des Mordes an einer Prinzessin. Als ob dies noch nicht schlimm genug war konnte er sich selbst nicht mehr genau erinnern ob er die Tat wirklich vollbrachte oder vielleicht nur Opfer eines bösen Fluches war. Viel Zeit darüber nachzudenken blieb ihm auch nicht, denn die Häscher waren ihm auf der Spur und zu seinem Unglück fanden sie ihn auch - über die königliche Leiche gebeugt. Bevor er sich noch erklären konnte was denn passiert war wurde der verwirrte Heroe ins Verlies geworfen und gefoltert, aber wer nichts weiß kann auch nichts verraten. Nun Ihr wisst das, ich weiß dass, nicht jedoch Lysander, der ehemals beste Freund unseres Helden und nun sein Foltermeister. Als die Folter nicht die gewünschten Ergebnisse brachte überließ er unseren Helden seinen finsteren Schergen. Das Schicksal schien besiegelt, doch wie so oft wenn sich eine Türe schließt öffnet sich an anderer Stelle eine andere. Im Fall unseres Helden war diese Tür ein Zwerg mit Namen Naurim. Wie die meisten Zwerge war er ziemlich verschroben, faselte ständig etwas von einem goldenen Drachen, aber unseren Helden kümmerte dass wenig. Der Zwerg bot ihm an ihn bei der Flucht zu unterstützen und wenn sich in dieser Lage eine helfende Hand bietet dann hätten wohl die wenigsten diese ausgeschlagen, oder?
Aller Anfang ist schwer
Rollenspieltypisch beginnt auch Blackguards mit der obligatorischen Charaktererstellung. Bereits hier zeigt sich dass man sich eng an die Vorlage hält. Neueinsteiger in der Welt von DSA werden hier erst einmal erschlagen. Dies liegt nicht etwa an der Klassenauswahl, die mit drei Klassen recht beschränkt ausfällt sondern an der Vielzahl der Skills, Talente und Zauber die zur Auswahl stehen. Wer zum ersten mal eine Fuß nach Aventurien setzt wird kaum wissen welche Skills für welche Klasse sinnvoll sind und wie man seine anfänglichen 10.000 Abenteuerpunkte am besten verteilt. Aber keine Sorge, ihr habt auch die Möglichkeit euch einfach für eine vorgefertigte Klasse zu entscheiden. Hier stehen euch im Prinzip die Klassiker aller RPGs zur Verfügung: Krieger, Magier und Jäger. Noch schnell einen Namen ausgedacht, ein Geschlecht gewählt und sich für eines der zehn (fünf pro Geschlecht) verschiedenen Charaktermodelle entschieden und los geht das Abenteuer dass euch direkt mal aufs Schlachtfeld führt.
Schon Bibi Blocksberg wusste....
Quelle: Daedalic Entertainment
Animierte Wolken, liebevoll designte Weltkarte die ein wenig an Game of Thrones erinnert
"Hex Hex" ist die Zauberformel. Allerdings bezieht sich das hier nicht auf den Zauberspruch einer besenreitenden Blondine sondern das Kampfsystem. Wer sich schnelle, actionreiche Gefechte versprochen hat schaut nun erst einmal doof aus der Wäsche. Alle Kämpfe werden in Blackguards auf einem Hexfeld ausgetragen...und von "actionreich" ist auch erst einmal auch keine Spur. Stattdessen zieht ihr rundenweise in die Schlacht. Dabei habt ihr, ähnlich wie im XCOM – Remake, die Qual der Wahl. Opfert ihr eure Aktionspunkte dafür eure aktive Figur 2 mal zu bewegen oder doch lieber für eine Positionsänderung gefolgt von einer Aktion (z.B. Zauber, Angriff usw.). Natürlich könnt ihr auch direkt um euch schlagen, jedoch habt ihr dann nicht mehr die Möglichkeit euch auf eine, möglicherweise taktisch bessere, Position zu bewegen. Gerade wenn ihr später einer Übermacht an Feinden gegenüber steht will jeder Zug gut überlegt sein. Bevor ihr euch verseht seid ihr umzingelt und euer Held, oder ein Partymitglied, bekommt von allen Seiten Prügel ohne eine Chance zur Flucht. Taktiker werden hier ihre wahre Freude haben. Dazu finden sich auf vielen Schlachtfeldern auch interaktive Elemente wie Fässer, Kronleuchter oder trockenes Buschwerk. Warum interaktiv? Der gewiefte Taktiker kann diese Elemente zu seinem Vorteil nutzen. Wirft man zum Beispiel einen Stapel Fässer um versperrt man dem Gegner damit einen Weg und kann ihn in eine vorher ausgelegte Falle zwingen. Von der diebischen Freude ganz zu schweigen wenn man mit einem Feuerball einen trockenen Busch entzündet in dem sich gerade ein Bandit versteckt – hat hier jemand gegrillten Bösewicht bestellt?
Selbstverständlich kann der Schuss auch nach hinten losgehen und man findet sich auf einmal selbst unter einem Kronleuchter wieder der bedenklich wackelt. Ihr seht also, der Sieg hängt unter anderem davon ab das Schlachtfeld "zu lesen" und zu seinem Vorteil zu nutzen. Stichwort "Sieg": passend zum rundenbasierten Kampfsystem kommt es nicht darauf an wer besser zielt oder schneller klicken kann. Alle Angriffe, Zauber, Heilsprüche werden gemäß der Vorlage im Hintergrund ausgewürfelt. Im Prinzip genau dass was Fans erwarten jedoch gilt auch hier wieder: super für Kenner, suboptimal bis hin zu frustrierend für Neulinge. Gerade zu Beginn werdet ihr viele Kämpfe verlieren weil eure Attacken fehlschlagen, der Gegner pariert und dann im entscheidenden Moment auch der Heilzauber missglückt. Man kann zwar ein Kampflog zuschalten aber bislang verwirrt das eher als dass es euch nutzen würde. Ein kommender Patch verspricht jedoch Abhilfe beim unausgewogenen Schwierigkeitsgrad der Kämpfe und soll auch das Kampflog verbessern. Optisch sind die Kämpfe sehr liebevoll gestaltet. Feuerbälle ziehen eine Rauchspur nach sich und missglückt z.B. ein Heilzauber sieht man um den wirkenden Charakter die Luft flirren und kleine Blitze zucken. Das ist zwar nicht sehr spektakulär aber zeigt Liebe fürs Detail....dicker Pluspunkt. Abzug gibt es dafür in der W-Note. W-Note? Ja, W wie Weichzeichner, mit dem haben Daedalic nämlich stellenweise ein wenig übertrieben.
