Looten, Leveln, Wertung & Fazit

Test Sven Huber
Party of Five: Eure Begleiter im hübschen Artwork
Quelle: Daedalic Entertainment

Das Schwarze Auge, oder kurz "DSA", steht seit 1984 für Rollenspielkunst Made in Germany. Bereits mehrfach wurde das komplexe Regelwerk versoftet - mal mehr, mal weniger erfolgreich. Nun steht das neuste virtuelle Abenteuer, basierend auf der 4. Edition parat. Verantwortlich für die Umsetzung zeigt sich niemand geringeres als die deutschen Spitzenentwickler, und bislang für eher für Point'n Click Adventure bekannten, Daedalic Entertainment. Begleitet uns nun auf unserer Reise und lauscht den Geschichten die wir euch kund tun wollen.

Looten und Leveln

Die Reiter verraten es: Der Charakterbogen ist sehr komplex und erinnert an die Pen & Paper Vorlage Quelle: Daedalic Entertainment Die Reiter verraten es: Der Charakterbogen ist sehr komplex und erinnert an die Pen & Paper Vorlage "Ich fühl' die Gier, die Gier nach Loot in mir." Ok, den Spruch haben wir von Top Gun geklaut aber dass ändert nichts an der Richtigkeit, wie jeder Rollenspieler wohl bestätigen kann. Gleich vorab sei gesagt: wer hier Lootorgien a la Skyrim befürchtet darf aufatmen. Klar bekommt ihr am Ende eines Kampfes eine Belohnung, diese besteht aus Gold und Silber oder auch mal aus Rüstungen, Waffen oder Items (Heiltränke, Gifte etc.), generell ist die Auswahl aber eher überschaubar. Jedoch gelten auch hier wieder einige Regeln die beachtet werden wollen. So solltet ihr es besser vermeiden euren Zauberer in eine Eisenrüstung zu stecken da dies negative Effekte auf seine Kräfte hat. Ebenso solltet ihr regelmäßig euer Inventar ausmisten. Seid ihr überladen geht das nämlich auf Kosten eurer Beweglichkeit und Initiative im Kampf. Chronische Inventarmessis, wie der Schreiber dieses Reviews, haben hier also schlechte Karten.

Neben "weltlichen Gütern" bekommt ihr auch Abenteuerpunkte. Mit diesen levelt ihr eure Charaktere auf. Diabloverwöhnte "wir lassen den Spieler nicht selber denken sondern geben ihm vorab ausgewählte Skills"-Spieler knallen hier mit Anlauf auf die nächste steile Lernkurve. Abenteuerpunkte sind rar und es will gut überlegt sein ob man in sie in Basisattribute wie mehr Lebenspunkte investiert oder doch lieber in ein Upgrade der Waffenfertigkeiten, oder einen neuen Zauber oder vielleicht doch eine Spezialfähigkeit..ihr seht schon, wer die Qual hat, hat die Wahl. Leider ist auch nicht unbedingt sofort ersichtlich welche Attribute nun worauf Einfluss haben. Hier sollte man definitiv ein wenig Zeit in "Sekundärliteratur" investieren und sich Beschreibungen und Tooltips durchlesen....Dark Souls Veteranen kennen das Spielchen, echten DSA-Fans muss man hier nichts mehr erzählen, die sind seit der Charaktererstellung sowie im Siebten Himmel und nur noch am fröhlich-verzückten Dauergrinsen.

Die Party – 5 Freunde, 500 Jahre Kerker

Party of Five: Eure Begleiter im hübschen Artwork Quelle: Daedalic Entertainment Party of Five: Eure Begleiter im hübschen Artwork Wie ja bereits Eingangs erwähnt spielt ihr keinen strahlenden Helden sondern einen verurteilten Mörder. Da wäre ja ziemlich unpassend wenn eure Party aus Heiligen und Gutmenschen bestehen würde. Folgerichtig besteht eure Party ausschließlich aus zwielichtigen Gestalten mit zweifelhaftem Ruf und bestenfalls lockeren Moralvorstellungen. 5 Mitstreiter rekrutiert ihr im Laufe eures Abenteuers und deren Vita liest sich wie ein Best of des Aventurischen Gesetzbuch. Angefangen von Mord über Drogenmissbrauch, Betrug, Brandstifterei, Schwarzhexerei und Unsittlichkeit dürfte es wohl kaum ein Verbrechen geben das eure Partymitglieder nicht in ihrer Akte haben. Aber wie man so schön sagt: never judge a book by its cover. Trotz ihrer Missetaten sind es alles im Grunde ihres Herzens liebenswerte Figuren. Jeder einzelne Charakter ist uns während unserer Testsession sehr ans Herz gewachsen, besonders Zwerg Naurim. Geschuldet ist dies dem Umstand dass ihr im Prinzip nicht nur euren Haupthelden steuert sondern die ganze Party, auch außerhalb der Kämpfe. Wie das funktionieren soll? Nun, da die Geschichte quasi nur in Dialogen erzählt wird habt ihr regelmäßig die Möglichkeit ein Partymitglied an eurer Statt antworten zu lassen. Dadurch ergeben sich teilweise kurze Nebenquests oder aber veränderte Questverläufe. Ein Ansatz der uns sehr gut gefiel und auch einen gewissen Wiederspielwert hervor bringt. So gut der Ansatz aber ist hätten wir uns dann doch etwas mehr Interaktion der Gruppenmitglieder untereinander gewünscht. Wer Dragon Age gespielt hat wird wissen was wir meinen.

Wandertag? Fällt aus.

Was sind die wichtigsten Elemente eines Rollenspiels? Charakterentwicklung? Ja, bestimmt. Eine packende Story? Definitiv. Erkundung der Spielwelt? Wird überbewertet. Zumindest wenn es nach Daedalic geht. Statt eines Wandersimulators mit Kampfeinlagen (yeah eat this Skyrim) oder recycelten Schlauchleveln (hat da jemand Dragon Age 2 gerufen?) besinnt sich Daedalic auf das, was sie am besten können – Adventures. Im gesamten Spiel werdet ihr keinen Schritt mit eurem Hauptcharakter laufen. Wenn ihr euch nicht gerade auf Hexfeldern mit Sumpfranzen, Banditen und anderem Gesocks rumprügelt oder auf der liebevoll gestalteten Oberweltkarte ein Reiseziel auswählt bekommt ihr nichts als spärlich bis kaum animierte Standbilder geboten. CGIs a la Blizzard? Fehlanzeige. Noch nicht einmal Lippenbewegungen wurden den Charakteren spendiert. In Zeiten von Full-HD-Zwischensequenzen wirkt das mehr als altbacken.

Von Goodies, Baddies und No Go's

Für den Test standen uns zwei von vier Versionen des Spiels zur Verfügung. Die Downloadversionen (Normale oder Digital Deluxe Edition erhältlich über Steam) konnten wir nicht testen, diese sind aber inhaltlich identisch mit den Retailversionen – bis auf die "handfesten" Goodies natürlich. Getestet haben wir die normale Retailversion und die Collectors Edition. Letztgenannte bietet für 20 Euro Aufpreis, zusätzlich zu den Inhalten der Standardversion, eine kleine Drachenstatue, drei Downloadwaffen und ein Artbook. Was uns richtig begeistert hat war die Retailversion. Diese enthielt neben einem Wendeposter und dem offiziellen Soundtrack erfreulicherweise auch ein recht umfangreiches Handbuch – heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Ebenfalls für den einen oder anderen sehr positiv: Auch wenn das Spiel über Steam vertrieben wird sind die Retailversionen komplett DRM-frei. Ja ihr lest richtig. Kein Steamzwang, kein Origin, kein Uplay, kein Irgendwas dass sich in die Eingeweide eures PCs (oder Mac) eingräbt und dort für immer und ewig festsitzt. Wer sich jetzt immer noch nicht sicher ist findet auf Steam eine aussagekräftige Demo.

Meinung

Wertung zu Das Schwarze Auge: Blackguards (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
anspruchsvolle Kämpfe..dt. Vollvertonung mit größtenteils sehr guten Sprechernhübsche Grafikeffekte in den KämpfenPartymitgliederverzweigte Handlung, abhängig von Entscheidungen des Spielerskein DRM oder Launcherzwang bei den DiscversionenStandardversion enthält als Goodies ein Poster und den Soundtrackrecht umfangreiches Handbuch (was man heutzutage durchaus positiv erwähnen kann)
die leider stellenweise unbalanciert sind und schwer nachvollziehbar verloren werdenzu wenig Interaktion zwischen den PartymitgliedernAnfänger prallen schon bei der Charaktererstellung auf eine steile Lernkurve (im Expertenmodus)Charakterbogen kann einen Anfangs erschlagen
  1. Seite 1 And so the story begins....
  2. Seite 2 Looten, Leveln, Wertung & Fazit
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk