Wir wollten Diablo 3 ausführlich und ganz normal testen, doch dank Fehler 37 und Co. haben wir das in der Kürze der Zeit einfach nicht hinbekommen. Gamezone-Autor Andreas Peter hat aus dem Test daher kurzerhand ein Leser-Special gemacht und beantwortet darin Fragen zu Blizzards Action-RPG.
Quelle: Blizzard
User B. Aus A. frägt: "Was ist da bei Diablo 3 mit dem Onlinezwang - wirkt sich der tatsächlich negativ auf die Spielerfahrung aus?"
Ohne Battle.net-Account und ständige Internetverbindung zu Blizzard lässt sich Diablo 3 nicht mal starten. Als offiziellen Grund gibt Blizzard an, Hackern keine Chance geben zu wollen, die sich an mächtige Helden und einzigartige Items mogeln wollen. Warum es deswegen nicht wie bei den Vorgängern auch einen zusätzlichen Single-Player-Modus ohne Battle.net geben soll, kann mit diesem Argument aber eigentlich nicht begründet werden.
Ständige Onlineverbindung setzt für ungetrübten Spielgenuss aber natürlich eine dauerstabile Internetleitung und schnelle, verfügbare, leistungsstarke Blizzard-Server voraus. Dürfte für den Anbieter des populärsten MMOs aller Zeiten, World of Warcraft, eigentlich kein Problem sein, möchte man meinen? Ist es aber leider doch. Die Serverausfälle zum Releasetermin waren unschön, aber erwartet worden. Leider blieb es nicht bei diesen Offlinezeiten. Hotfixes und Wartungen passieren auch ausserhalb des Wartungsintervalls und sind offensichtlich so umfangreich, dass Blizzard anscheinend jedesmal die komplette Spieleinfrastruktur für Diablo offline nehmen muss. Bevorzugt wird für die Wartung die europäische Prime-Time, wohl um die US-amerikanischen Spieler nicht zu verärgern. Nach einem Patch kann man darauf wetten, dass die Loginserver die Grätsche machen und die Spieler mit einem fantasievollen Reigen aus abgefahrenen Zahlencodes als Fehlermeldung beglückt werden.
Quelle: Blizzard
Aber auch wenn die Server regulär laufen, gibt es Probleme - wer am wohlverdienten Feierabend als werktätiger Gamer gerne eine Runde Diablo schnetzeln möchte, sieht sich meistens einem zumindest stark belastetem Battle.net gegenüber. Eine Latenz (im Volksmund "ping" genannt) von 300ms reicht für ein MMORPG wie World of Warcraft, aber nicht nicht für ein Actionspiel wie Diablo 3. Das Ergebnis: Ruckeln und Lags, die definitv nicht an der eigenen Hardware liegen.
Unsere kritische Meinung hierzu: Sicher wird der Spieleprovider Blizzard eine Mischkalkulation aufmachen und nur soviel Serverhardware ins Rechenzentrum stellen, wie tatsächlich Spielerzahlen auf längere Sicht gestemmt werden müssen. Kein Datacenter wird nur für Lastspitzen Systeme anschaffen, die dann jahrelang ungenutzt herumstehen. Aber: Wenn eine Firma wie Blizzard selbstbewusst mit "online only" in den Ring steigt, sollten sie versuchen, im Zeitalter von Cloud-Computing in der Prime-Time Systeme hinzuzumieten, und ihr Battle.net redundant aufbauen, damit bei einer Wartung nicht der gesamte Service offline gehen muss.
Irgendwie hinterlässt die Situation zurzeit noch einen etwas schalen Nachgeschmack.
DJ Doppel-D aus Berlin-Kreuzberg frägt: "In Diablo 3 kann man keine Punkte mehr direkt auf Charakterstatistik und Skills verteilen. Ist das dann überhaupt noch ein Rollenspiel, und kann das automatische freischalten von Fähigkeiten überhaupt Spass machen?"
Kurze Antwort: Ja, macht trotzdem Spass und gameplaytechnisch tatsächlich Sinn, auch wenn wir das selbst zu Anfang nicht glauben konnten. Im Vergleich zu den Vorgängern ist nämlich somit kein "verskillen" mehr möglich. Hatte man bei den Vorgängern im Laufe des Spiels Punkte falsch verteilt, hatte man unter Umständen in den höheren Schwierigkeitsgraden später ein ernstes Problem, und musste unter Umständen sogar wieder einen neuen Charakter erstellen und hochleveln, um eine Chance zu haben.
Die Skills darf man sich jetzt frei auswählen und jederzeit neue Kombinationen testen. Mit den höheren Levels werden sie stetig aufgewertet, und ja, man kann sie auch ebenso flexibel verwenden wie früher:
Quelle: buffed
Jetzt verraten wir Euch dazu nämlich ein wichtiges Geheimnis, daß wir in mindestens der Hälfte der Reviews, die wir gelesen haben, nicht oder sogar falsch erwähnt gefunden haben. Unser Forumsstammgast Chefkoch brachte es auf den Punkt: Seht Euch unter den Optionen die Funktion Gameplay>Interface>Wählmodus an. Ist diese aktiviert, könnt Ihr die aktiven Skills nicht nur frei auf der Tastatur verteilen, sondern damit auch mehrere Skills eines Baums gleichzeitig verwenden. Warum diese Funktion von Blizzard so schlecht kommunziert wird und so wenig prominent angesiedelt, oder besser versteckt ist, versteht kein Mensch.
Soviel zu den Skills. Fehlen uns noch die Charakterstatistiken. Wie soll das Spass machen, wenn man keine Punkte mehr auf Stärke oder Geschicklichkeit vergeben kann? Indirekt kann man das aber noch, und zwar durch die Items, die man anlegt. Die bieten im Vergleich zu den Diablo-Vorgängern viel kräfitgere Boni auch für die Grundstatistik. Durch das wechseln der Heldenunterhose kann man also schnell von einem Stärke-betonten Krieger zu einem geschickten Flinkfinger werden.
Ist Diablo 3 also noch ein Rollenspiel? Ganz klar, weil, wenn wir uns auch als alte RPG-Veteranen nostalgisch verklärt manchmal anderes einreden: Sich zu verskillen macht bei aller Hardcorenes keine rechte Freude. Und dieses Problem hat Blizzard mit einer mutigen Entscheidung hin zur automatischen Freischaltung gelöst. Kudos dafür.
