FromSoftware: Hat der Elden-Ring-Entwickler keine Lust aufs Geld verdienen?

Kolumne Dominik Pache
FromSoftware: Hat der Elden-Ring-Entwickler keine Lust aufs Geld verdienen?
Quelle: From Software / ChatGPT

FromSoftware ist nach Elden Ring größer denn je - und trotzdem setzt das Studio international weiter auf Partner wie Bandai Namco. Genau das macht den Investorenstreit um Kadokawa jetzt so brisant.

FromSoftware hat mit Elden Ring eines der erfolgreichsten Spiele der vergangenen Jahre veröffentlicht, über 30 Millionen Einheiten abgesetzt und sich endgültig von der Kultmarke zum globalen Blockbuster-Studio entwickelt. Und trotzdem stellt sich eine erstaunlich naheliegende Frage: Warum veröffentlicht FromSoftware seine größten Spiele eigentlich nicht einfach selbst?

Hat FromSoftware keine Lust auf Geld?

Ganz so simpel ist es natürlich nicht. FromSoftware ist nicht irgendein kleines Entwicklerstudio, das ohne fremde Hilfe keinen Fuß in den Weltmarkt bekommt. Gleichzeitig ist die Firma aber auch kein klassischer Global-Publisher wie Electronic Arts, Ubisoft, Nintendo oder eben Bandai Namco. In Japan tritt FromSoftware häufig sogar selbst oder über die Kadokawa-Strukturen als Publisher auf. International dagegen stehen oft große Partner zwischen Studio und Spielerschaft: Bandai Namco bei Elden Ring (jetzt kaufen 39,99 € / 53,99 € ), Activision bei Sekiro, Sony bei Bloodborne.

Das wirkt auf den ersten Blick merkwürdig. Denn wenn ein Name inzwischen für sich selbst steht, dann doch FromSoftware. Kaum ein anderes Studio hat sich in den vergangenen 15 Jahren eine ähnlich treue, leidensfähige und kaufkräftige Community aufgebaut. FromSoftware hat Profil und man erkennt ihre Handschrift. Das können nicht viele Studios von sich behaupten. Dark Souls wurde zum Genrebegriff, Elden Ring zum Massenphänomen, Armored Core 6 zur erfolgreichen Rückkehr einer zuvor sehr nischigen Reihe.

Warum also teilt man sich den Kuchen noch mit anderen?

Was FromSoftware durch Self-Publishing gewinnen würde

Der offensichtlichste Vorteil wäre Geld. Viel Geld.

Wenn ein externer Publisher ein Spiel international vertreibt, dann übernimmt er nicht nur Arbeit, sondern bekommt dafür auch einen Teil der Wertschöpfung. Wie groß dieser Anteil im Fall von FromSoftware und Bandai Namco genau ist, ist nicht öffentlich bekannt. Aber bei einem Spiel wie Elden Ring, das sich über 30 Millionen Mal verkauft hat, wird selbst ein kleiner prozentualer Anteil schnell zu einer gewaltigen Summe.

Self-Publishing würde bedeuten: Mehr Umsatz bleibt im eigenen Haus. Oder genauer: bei FromSoftware und der Muttergesellschaft Kadokawa und damit auch den Investoren, die das von FromSoftware aktuell fordern. Gerade deshalb ist die Frage inzwischen nicht mehr nur eine akademische. FromSoftware ist für Kadokawa einer der wertvollsten Wachstumstreiber. Wenn ein Studio dieser Größe weiterhin Teile seines internationalen Geschäfts an Partner abgibt, werden Investoren zwangsläufig hellhörig.

Hinzu kommt die Kontrolle. Wer selbst publisht, entscheidet stärker über Marketing, Timing, Preispolitik, Sondereditionen, Embargos, Trailer, Rabattaktionen, Plattformstrategie und Kommunikation mit der Community. Gerade bei FromSoftware ist das kein Nebenthema. Ihre Spiele leben auch davon, dass sie nicht komplett auserklärt werden. Ein zu lautes, zu plattes oder zu konventionelles Marketing könnte der Marke sogar schaden.

FromSoftware hätte durch Self-Publishing also nicht nur mehr finanziellen Spielraum, sondern auch mehr Hoheit über die eigene Erzählung. Wann wird ein Spiel enthüllt? Wie viel zeigt man vorab? Welche Rolle spielen Influencer? Wie aggressiv bewirbt man DLCs? Wie lange hält man Geheimnisse zurück? All das sind Fragen, die bei FromSoftware stärker ins Gewicht fallen als bei vielen anderen Studios.

Ein weiterer Vorteil liegt in der langfristigen Verwertung. Wer eine Marke selbst publisht, kontrolliert oft auch stärker, was danach passiert: Re-Releases, Ports, Bundles, Rabattfenster, Merchandising, Serien- oder Filmrechte. Elden Ring ist längst nicht mehr nur ein einzelnes Spiel. Es ist ein Universum, aus dem Spin-offs, Fortsetzungen und neue Editionen entstehen können. Je mehr Kontrolle FromSoftware und Kadokawa darüber behalten, desto größer ist der langfristige Wert.

Und schließlich ist FromSoftware heute in einer völlig anderen Position als noch zu Zeiten von Demon's Souls oder Dark Souls. Damals brauchte das Studio internationale Partner, um sichtbar zu werden. Heute bringt FromSoftware selbst die Sichtbarkeit. Taucht der Name in einem Trailer für ein neues Spiel auf, reicht das schon aus, damit Spieler nervös auf ihrem Stuhl herumrutschen.

Warum Self-Publishing trotzdem nicht automatisch klüger wäre

So verlockend Self-Publishing klingt: Es wäre kein kostenloser Geldcheat.

Internationales Publishing ist ein riesiger Apparat. Marketing, Lokalisierung, Altersfreigaben, Plattformabstimmung, Store-Management, physischer Vertrieb, PR, Creator-Kampagnen, technische Zertifizierungen, regionaler Kundendienst, Community-Management, Rechtliches, Preisgestaltung in zig Märkten: Das alles baut man nicht von heute auf morgen auf.

Bandai Namco bringt genau diese Infrastruktur mit. In offiziellen Mitteilungen zu Elden Ring und Elden Ring Nightreign wird der Erfolg ausdrücklich als Kombination aus FromSoftwares Entwicklungskompetenz und Bandai Namcos internationalem Netzwerk sowie Marketingkraft beschrieben. Das ist kein unwichtiger Satz. Er zeigt, wie FromSoftware und Kadokawa ihre eigene Arbeitsteilung erklären: FromSoftware baut das Spiel, Bandai Namco hilft dabei, es weltweit maximal groß zu machen.

Self-Publishing würde bedeuten, dass FromSoftware oder Kadokawa diese Maschine selbst aufbauen, einkaufen oder massiv ausbauen müssten. Das kostet Geld, Zeit und Management-Aufmerksamkeit. Genau darin liegt das Risiko. Wenn das Unternehmen zu stark in Publishing, globale Vermarktung und Konzernlogik hineingezogen wird, könnte genau das leiden, was seinen Wert überhaupt erzeugt.

Dazu kommt das finanzielle Risiko. Ein externer Publisher übernimmt nicht nur Arbeit, sondern auch Verantwortung. Wenn ein Spiel verschoben wird, Marketing teurer wird, eine Plattformversion Probleme macht oder ein Release nicht wie erwartet einschlägt, verteilt sich das Risiko anders. Self-Publishing erhöht die Marge, aber auch die Fallhöhe.

Außerdem ist FromSoftware kein isolierter Einzelkämpfer. Das Studio arbeitet projektabhängig mit verschiedenen Partnern. Bloodborne hängt eng an Sony. Sekiro wurde international von Activision veröffentlicht. The Duskbloods erscheint als exklusives Nintendo-Switch-2-Projekt. Diese Partnerschaften können strategisch sinnvoll sein, weil sie Finanzierung, Plattformnähe oder zusätzliche Sichtbarkeit bringen. Ein radikaler Self-Publishing-Kurs könnte solche Modelle erschweren.

Der Investorenstreit macht die Frage jetzt plötzlich brisant

Der Investor Oasis Management kritisiert Kadokawa unter anderem dafür, FromSoftwares Potenzial nicht konsequent genug auszuschöpfen. Ein zentraler Vorwurf: Kadokawa verlasse sich bei FromSoftware-Spielen zu stark auf externe Publisher wie Bandai Namco und lasse dadurch Gewinnpotenzial liegen.

Oasis argumentiert, Kadokawa und FromSoftware hätten inzwischen genug Kapital, Reichweite und Marktstellung, um mehr Publishing intern zu übernehmen.

Doch genau hier prallen zwei Welten aufeinander. Investoren schauen auf Effizienz, Margen und ungenutzte Wertschöpfung. Hidetaka Miyazaki dagegen betont in seinen aktuellen Aussagen vor allem kreative Freiheit, ein gesundes Entwicklungsumfeld und die Möglichkeit, gute Spiele zu machen. Das ist kein Widerspruch, aber ein Spannungsfeld.

Investoren fragen jetzt: Holt Kadokawa genug Geld aus FromSoftware heraus?

Die Gegenfrage lautet: Was passiert, wenn man zu viel Geld aus FromSoftware herausholen will?

Gerade FromSoftware ist ein Studio, dessen Erfolg nicht aus maximaler Monetarisierung entstanden ist, sondern aus Vertrauen und auch aus Eigensinn. Aus Spielen, die nicht ständig erklären, glätten und optimieren. Wenn Investoren nun mehr Effizienz, klarere Kennzahlen und mehr interne Verwertung fordern, klingt das wirtschaftlich plausibel. Für Fans kann es aber schnell nach Gefahr riechen.

Was sagt Bandai Namco dazu?

Bandai Namco wurde von uns um eine Einschätzung gebeten. Eine kurzfristige Antwort war allerdings nicht möglich.

Wir veröffentlichen den Artikel daher zunächst ohne offizielles Statement von Bandai Namco. Sollte eine Einordnung nachgereicht werden, ergänzen wir sie entsprechend an dieser Stelle. Inhaltlich bleibt die entscheidende Frage trotzdem bestehen: Je größer FromSoftware als globale Marke wird, desto klarer müssen externe Publishing-Partner erklären können, welchen konkreten Mehrwert sie heute noch liefern.

Also: Hat FromSoftware keine Lust auf Geld?

Doch, natürlich hat FromSoftware Lust auf Geld. Aber die bessere Frage lautet: Auf welche Art von Geld?

Self-Publishing könnte FromSoftware und Kadokawa höhere Margen, mehr Kontrolle und eine stärkere langfristige Verwertung der eigenen Marken bringen. Gerade nach Elden Ring ist es schwer zu bestreiten, dass FromSoftware heute mehr Eigenständigkeit stemmen könnte als früher.

Aber ein komplettes Ja zum Self-Publishing wäre zu einfach. FromSoftware würde nicht nur Publisher-Gewinne behalten, sondern auch Publisher-Probleme übernehmen. Weltweites Publishing ist teuer, kompliziert und riskant. Vor allem könnte es das Studio von dem ablenken, was es eigentlich einzigartig macht: Spiele zu entwickeln, die gerade nicht nach Konzernformel aussehen.

FromSoftware muss nicht zwingend alles selbst veröffentlichen. Aber je größer der Name FromSoftware wird, desto mehr müssen Bandai Namco und andere Partner beweisen, dass sie nicht nur mitverdienen, sondern echten Mehrwert liefern.

Was denkt ihr? Sollte FromSoftware in Zukunft lieber selbst publishen? Nutzt gerne die angebotene Kommentarfunktion und teilt uns eure Meinung zum Thema mit. Beachtet beim Kommentieren aber bitte die Forenregeln und die allgemeine Netiquette im Internet . Solltet ihr noch keinen Account haben, könnt ihr über eine Registrierung nachdenken , die viele Vorteile mit sich bringt. Unsere Video-Inhalte findet ihr bei Youtube , Instagram und Tiktok .

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