Elden Ring: From Softwares Magnum Opus im Test - Seite 3: Kleine Macken, gigantische Erfolge
Test 53,99 €
Lange haben wir gewartet, gehofft und spekuliert, ob Elden Ring seinen Erwartungen gerecht wird. Nachdem wir nun über 80 Stunden in der fertigen Version des Spiels verbracht haben, lautet unsere Antwort: Ja, das wird es. Elden Ring ist ein großartiges Abenteuer geworden, mit dem From Software trotz kleiner Altlasten im Gepäck einen neuen Gipfel erklimmt. Mehr dazu in unserem XXL-Test zu Elden Ring.
Die meisten Patzer, die sich das Spiel erlaubt, sind vermutlich der Engine geschuldet für Serienveteranen nichts Neues. So ist etwa der Charaktereditor, trotz dramatisch verbesserter Hauttexturen und Frisuren, wieder ein undurchschaubarer Wust aus Schiebereglern. Beim etwas lieblosen Aufbau der Ausrüstungs- und Inventarmenüs hat sich ebenfalls nichts getan. Zudem stört, dass Umhänge und zweihändig geführte Waffen gerne durch euren Schild clippen, wenn ihr ihn auf dem Rücken tragt. Genauso, wie euer Charakter durch die dichte Vegetation im Spiel wandert, ohne dass sie großartig darauf reagiert.
Seinen nicht mehr ganz taufrischen Grafikmotor kaschiert Elden Ring in den meisten Fällen durch superbes Artdesign und tolle Beleuchtung. Gerade nachts und bei regnerischem Wetter kann das Spiel aber auch ziemlich dröge und alt aussehen. Der aufwändig gestalteten und beleuchteten Spielwelt schieben wir außerdem die kleinen, aber häufigen Framerate-Einbrüche in die Schuhe, die uns im Test noch aufgefallen sind. Die Vollversion läuft zwar bedeutend flüssiger, als der Network Test, trotzdem sollte From Software hier noch weiter nachbessern. Auch auf Last-Gen-Konsolen geht die Performance in Ordnung, dort spielt ihr aber nur mit maximal 30 Fps. Wer zudem ein besonderes Auge für aufploppende Vegetation hat, der wird aktuell vor allem auf großen Grasflächen fündig.
In diesem Artikel
Der eigentliche Endboss
Das nervigste Überbleibsel aus den geistigen Vorgängern ist aber die teils immer noch ziemlich miese Kamera. Mit Gegnern, die größer sind, als der Bildausschnitt, hat sie mal wieder ihre liebe Mühe. Ein Problem, das euch bei Elden Ring vermutlich häufiger auffallen wird, als früher, denn das Spiel wirft euch reihenweise gigantische Feinde entgegen. Trolle, Steingolems und Drachen in allen Formen und Farben sind toll inszeniert und eindrucksvoll, aber nur, solange ihr sie auch sehen könnt. Hier hätte die Kamera gerne auch zu Fuß etwas herauszoomen können, wie sie es auf dem Pferd schon tut. Meist hilft nur, den Lock-On abzuschalten und aufs Beste zu hoffen.
Diese Schönheitsfehler sind zwar spürbar und nervig, sie schaffen es aber nicht, vom größten Erfolg des Spiels abzulenken: Elden Ring versteht sich hervorragend darin, die bekannten Mechaniken und Fortschrittssysteme seiner Vorgänger mit der neuen Open World zu verweben. Grundsätzlich habt ihr es mit dem gleichen Unterbau aus freier Klassenentwicklung, Waffenupgrades, und der Jagd nach Ausrüstung zu tun, wie etwa bei Dark Souls 3.
Gewohnt, genial, geheimnisvoll
Quelle: PC Games
Habt ihr eine der etlichen Kriegsaschen aufgetrieben, dürft ihr sie flexibel auf den meisten eurer Waffen ausrüsten. Darüber geschieht auch die Wahl der Skalierung, was das Schmiedesystem etwas entschlackt.
Allerdings versteckt Elden Ring die meisten dieser Bestandteile in allen möglichen Ecken seiner Spielwelt. Neue Waffen kauft ihr selten bei Händlern, sondern erhaltet sie nach Kämpfen mit besonderen Gegnern oder aus Schatztruhen. Gleiches gilt für Schmiedematerialien, die ihr vor allem in Minen sammelt, und für Magie, deren Lehrer sich gerne in unscheinbaren Höhlen verbergen. Wollt ihr außerdem zusätzliche Zaubersprüche ausrüsten, levelt ihr kein schnödes Attribut mehr auf. Stattdessen sucht ihr nach einem speziellen Item, was oft mit einem kleinen Rätsel einhergeht. Auch die Slots für die nun Talismane genannten Ringe erhöht ihr auf diese Weise. Die aus Dark Souls 3 bekannten Waffenfähigkeiten kehren zurück, sie sind diesmal allerdings austauschbar und ebenfalls kreuz und quer im Zwischenland verteilt.
All das entschleunigt, zumindest im ersten Durchgang, spürbar das Fortschrittssystem, und zwingt euch dazu, die Spielwelt ausgiebig zu erkunden. Und dass dieses Erkunden allein wegen der Vielfalt an Orten, der vielen Überraschungen und des superben Artdesigns enorm viel Spaß macht, haben wir eingangs schon erwähnt. Elden Ring schafft es aber auch, euch für die meisten Trips gebührend zu belohnen. Am effektivsten geschieht das nazürlich durch den hohen Schwierigkeitsgrad, wegen dem ihr alles an Upgrades und Währung mitnehmen wollt, was ihr kriegen könnt.
Fazit
Es braucht auch als Serienveteran eine gewisse Zeit, um sich an die neue Struktur zu gewöhnen. Aber dafür fühlt sich die inzwischen doch recht routinierte Souls-Formel wieder fast so frisch, spannend und mysteriös an, wie beim ersten Mal. Und es wäre noch maßlos untertrieben, zu behaupten, Elden Ring stecke voller Geheimnisse. Weil ihr stets an dutzenden Orten euer Glück versuchen könnt, und weil euch die offene Welt mehr taktische Optionen zur Verfügung stellt, gibt sich der Souls-Nachfolger auch für Neueinsteiger etwas zugänglicher. Mit komfortablerem Koop-Modus und NPC-Geistern, die ihr in großen Kämpfen herbeirufen dürft, wurden darüber hinaus auch die direkten Support-Systeme aufgebohrt. Trotzdem braucht ihr für das Spiel immer noch gute Nerven, ein gewisses Maß an Reaktionsvermögen, und, noch mehr als früher, Zeit und Geduld. Bringt ihr aber all das mit, dann findet ihr bei Elden Ring eine der besten RPG- und Open-World-Erfahrungen seit langem.
Wie schlägt sich die PC-Version?
Quelle: PC Games
Das Menü für die Grafikeinstellungen in der PC-Version ist nicht übermäßig umfangreich, erfüllt aber seinen Zweck. Im Gegensatz zur Konsolenfassung dürft ihr auch die Bewegungsunschärfe abschalten.
Nachdem wir mittlerweile auch die Steam-Version von Elden Ring in der Version 1.02 unter die Lupe genommen haben, können wir den Titel auch PC-Spielern wärmstens ans Herz legen. Zwar seid ihr From-Software-typisch auf maximal 60 Fps begrenzt, und mit nativer 4K-Auflösung bei gleichzeitig maximalen Details kommen auch performante Gaming-Rechner manchmal ins Schwitzen. Wer aber beispielsweise die Qualität von Volumetrischen Effekten, Beleuchtung oder Schatten etwas herunterreguliert, oder mit einer Auflösung von 1440p leben kann, genießt Elden Ring auf dem PC in einer flüssigen Bildrate. Im Vergleich zu den Konsolenversionen ist uns zudem weniger aufploppende Vegetation aufgefallen. Wie immer in der erweiterten Souls-Reihe gilt übrigens auch bei Elden Ring: Die mit Abstand beste Erfahrung habt ihr mit einem Controller.
Hinweis: Unter dem aktuellen Patch 1.02 berichten manche User auf Low- und High-End-Systemen von störenden Rucklern, die offenbar mit dem Laden neuer Objekte in die Spielwelt zusammenhängen. Hier findet ihr eine Liste mit potenziellen Fixes.
Meinungen
Quelle: Bandai Namco
Elden Ring erscheint am 25. Februar für PC, PS4, PS5 und Xbox One / Xbox Series X/S.
Kauftipp: Elden Ring Launch Edition (PC, PS5, PS4, Xbox One / Xbox Series X/S)
Elden Ring ist seit 25. Februar für PC, PS5, PS4 und Xbox One / Xbox Series X/S erhältlich. Wie bei Horizon Forbidden West ermöglicht der Kauf der PS4-Version ein kostenloses Upgrade auf die PS5-Fassung. Die Elden Ring Launch-Edition beinhaltet neben dem Spiel auf Disc (bei PC nur Download-Code in der Box) zahlreiche Goodies wie Poster, Art Cards, Sticker, Aufnäher, aber auch digitale Zusatzinhalte.
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